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Fußball-Biopic "Trautmann": Der Krieg zeigt keine Spuren

SquareOne Entertainment Vom Fallschirmjäger zum englischen Pokalhelden: Marcus H. Rosenmüller verkitscht in seinem Filmporträt die Geschichte von Torwartlegende Bert Trautmann und spielt dessen Nazi-Vergangenheit herunter.
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#10 - 14.03.2019, 20:45 von H. Larssen

Enttäuschender Kitch

Der Artikel ist weder launisch noch moralinsauer, sondern trifft genau den einen kritischen Punkt: Unabhängig davon ob Traummann nun ein überzeugter Nazi war oder nur ein jugendliches Opfer des Naziregimes, war er an der Front als Wehrmachtssoldat. Nichts davon sieht man bei dem rosig pausbackigen David Kross, der so selbstsicher und lässig durch den Film spaziert, als hätte er höchstpersönlich die ganze Misere rund um den Weltkrieg gerade gerückt. Keine Zweifel, keine Traumata, keine nennenswerte Gedanken. Alles ist aalglatt inszeniert, der Gefangenenlager gleicht einer Jugendherberge. Es ist nicht nur verschenkt, es ist geradezu fahrlässig so einen Filmstoff derart verzuckern. Mich hat das sehr geärgert.

#11 - 14.03.2019, 20:59 von n.acker

Weltfremde Ansichten

Als Deutscher im Ausland lebend erlebe ich immer wieder Artikel von Journalisten, die mit den eigenen Bürgern sehr kleinkariert und unwissend umgehen, aber bei Ausländern unheimlich viel Toleranz einfordern. In welcher Welt leben Journalisten in Deutschland, die die damalige Zeit so einseitig beurteilen ? Was haben sie im Geschichtsunterricht gelernt ? Dieser Artikel ist wieder einmal weit von der Realität der damaligen Zeit, die Beurteilung von Trautmann weltfremd, nicht lesenswert- waste of time !

#12 - 14.03.2019, 22:22 von gandhis.gewissen

Übel

Ein Artikel der bestürzt. Aber nicht in die Richtung, die der Verfasser gerne hätte. Mal wieder schade "Der Spiegel"

#13 - 14.03.2019, 22:32 von om108

Diese ewige revisionistische Deutschtümmelei unter den SPON-Foristen!!

Wenn Bernhard Trautmann als Wehrmachtssoldat seit 1941 erst in Polen, später in Rußland gekämpft hat, ihm 5 Aufzeichnungen + das eiserne Kreuz 1ster Klasse verliehen worden sind, dann ist nicht auszuschließen, dass er Vorbereitungen zu Liquidierungen von Juden und Russen, vielleicht auch anderen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen ist. Kaspar Heinrich bezieht sich in seiner Filmkritik auf eine weitgehend verkitschte Reduzierung Bernd Trautmanns als Fußballstar, was seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschland und England nicht schmälern soll. B. T. wird in den Kriegsjahren sowohl Täter als auch Opfer seiner Zeit gewesen sein. Wenn man sich aber bereits 1941 als siebzehnjähriger freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet hat, zu einer Zeit als der Jahrgang 1923 noch fern davon war zwangsverpflichtet zu werden, dann ist ein gewisser Kriegspathos B.T . wohl auch zu eigen gewesen - und sowas man als Deutschtumverklärer eben auch mal aushalten können.

#14 - 14.03.2019, 23:37 von leserlich

was erwartet man, wenn es um deutsche fussballhelden geht.

als ich den trailer sah musste ich unweigerlich ans wunder von bern denken. die gleichen farben, die gleichen schön gemachten figuren und sauberen umgebungen. alles mit einem hauch naivität. die deutschen bekommen nunmal nichts bessers als heile welt hin, wenns um ihren geliebten sport nummer eins geht. widersprüche sollen da so klein wir möglich sein. und wenn wir uns sonst im rückblick auf diese zeit schon immer als täter sehen können wir doch wenigstens im kino mal opfer oder zumindest held sein.

#15 - 15.03.2019, 00:25 von menssanaincorporesano

Nutzlose Kritik

Der Autor dieser Kritik hat übersteigerte Vorstellungen an den Film. Zunächst einmal: War der Mann ein überzeugter Nazi? Das kann man meiner Ansicht nach nicht allein daraus schließen, dass sich ein 17jähriger freiwillig zum Wehrdienst meldet. Und selbst wenn, dann ist es doch eher eine für die Zeit normale Begebenheit. Kann man daraus schließen, dass er als Fallschirmjäger die Menschenrechtsverletzungen mitbekommen hat oder daran beteiligt war? Sehr unwahrscheinlich. Wenn der Autor ein wenig militärische Vorbildung hätte, wüsste er, dass der Einsatz von Fallschirmjägern nur hinter den feindlichen Linien Sinn macht und nicht hinter der eigenen Front, wo nachweislich die meisten Verbrechen passiert sind. Hat der Mann Menschen erschossen? Bestimmt. Sowas soll im Krieg vorkommen. Oh Wunder, selbst die Briten haben im Krieg Menschen erschossen.
Nein, die Geschichte des Mannes im Krieg ist eher die eines durchschnittlichen Deutschen zu der Zeit. Was sein Leben besonders macht ist die Zeit danach. Die Handlungen in der Folge sprechen auch eher gegen die Annahme eines überzeugten Nazis. Der Mann war engagiert bei der Aussöhnung mit den Briten und hat afrikanische und asiatische Mannschaften trainiert. Klingt für mich nicht nach einem Mann, der davor glühender Nazi war. Wenn der Autor das komplette Leben erzählt bekommen will, soll er sich eine Dokumentation angucken.

#16 - 15.03.2019, 08:17 von Das Grauen

Desertiert und erfolgreich denazifiziert.

So steht es in der mit Quellen belegten englischen Wikipedia. 1944 hatte Trautmann die Nase voll vom Krieg und wurde zum Fahnenflüchtigen, obwohl ihm damit die Erschießung drohte. Im Kriegsgefangenenlager wurde er zwar zuerst in die höchste Kategorie eingestuft, später aber heruntergestuft.Ich finde es nicht ok, daß in diesem Artikel diese wichtigen Details ausgelassen werden, um die Wahrheit zu verzerren. Ganz abgesehen davon, daß ein 17 jähriger noch nicht voll strafmündig ist. Zudem war seit der Machtübernahme die deutsche Jugend ständiger Indoktrination in Schule und Jugendorganisationen ausgesetzt. Herr Heinrich setzt sich aufs hohe Roß, wenn er unterstellt, der 9-jährige Trautmann hätte politisch und moralisch gefestigt genug sein müssen, um nicht in das Jungvolk einzutreten, womit er sich der Gehirnwäsche durch die Nazis aussetzte. Ich möchte gerne mal wissen, welchen Unfug der Autor in seiner Jugend so angestellt hat.

#17 - 15.03.2019, 08:40 von Das Grauen

@om108 Deutsche Kids wurden von Nazis gezielt doktriniert

Zitat von om108
Wenn Bernhard Trautmann als Wehrmachtssoldat seit 1941 erst in Polen, später in Rußland gekämpft hat, ihm 5 Aufzeichnungen + das eiserne Kreuz 1ster Klasse verliehen worden sind, dann ist nicht auszuschließen, dass er Vorbereitungen zu Liquidierungen von Juden und Russen, vielleicht auch anderen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen ist. Kaspar Heinrich bezieht sich in seiner Filmkritik auf eine weitgehend verkitschte Reduzierung Bernd Trautmanns als Fußballstar, was seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschland und England nicht schmälern soll. B. T. wird in den Kriegsjahren sowohl Täter als auch Opfer seiner Zeit gewesen sein. Wenn man sich aber bereits 1941 als siebzehnjähriger freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet hat, zu einer Zeit als der Jahrgang 1923 noch fern davon war zwangsverpflichtet zu werden, dann ist ein gewisser Kriegspathos B.T . wohl auch zu eigen gewesen - und sowas man als Deutschtumverklärer eben auch mal aushalten können.
Ach, die Folgen der gezielten Erziehungsmaßnahmen des Unrechtsregimes darf man eindach so ignorieren? Trautmann trat im Alter von 9 Jahren in das Jungvolk ein. Damit war er seitdem def ständigen Beeinflussung durch das Nazi-Regime ausgesetzt und es wäre für einen Teenager sehr schwer gewesen, diese böse Ideologie zu durchschauen und sich ihr zu wiedersetzen. Daß er sich dann als 17 jähriger freiwillig zum Wehrdienst meldete ist die konsequente Folge. Genau darsuf hatten es die Nazis mit ihrer paramilitärischen Erziehung ja angelegt!

Die Zustände im totalitären Unrechtsstaat zu verstehen, ohne sie gutzuheißen, hat mit Deutschtümelei nichts zu tun. Wer das Verhalten def Menschen in zurückliegenden Zeitaltern ignorant mit heutigen Maßstäben misst, hat ein verzerrtes Geschichtsverständnis.

#18 - 15.03.2019, 08:58 von Das Grauen

@H. Larssen Ohne die Geschichtsverzerrung wäre die Kritik ok.

Zitat von H. Larssen
Der Artikel ist weder launisch noch moralinsauer, sondern trifft genau den einen kritischen Punkt: Unabhängig davon ob Traummann nun ein überzeugter Nazi war oder nur ein jugendliches Opfer des Naziregimes, war er an der Front als Wehrmachtssoldat. Nichts davon sieht man bei dem rosig pausbackigen David Kross, der so selbstsicher und lässig durch den Film spaziert, als hätte er höchstpersönlich die ganze Misere rund um den Weltkrieg gerade gerückt. Keine Zweifel, keine Traumata, keine nennenswerte Gedanken. Alles ist aalglatt inszeniert, der Gefangenenlager gleicht einer Jugendherberge. Es ist nicht nur verschenkt, es ist geradezu fahrlässig so einen Filmstoff derart verzuckern. Mich hat das sehr geärgert.
Natürlich kann man den Film dafür kritisieren, daß er die Jugend des Torhüters einfach ausblendet. Das hätte sicher ein runderes Bild ergeben, allerdings wohl auch das Budget des Filmemachers gesprengt. Doch der Punkt der Kritik an diesem Artkel ist, daß der Autor sich zur Geschichtsverzerrung versteigt, um sein moralisches Argument stärker zu machen.

Tatsache ist jedenfalls, daß Trautmann im Alter von 9 Jahren in das Jungvolk eintrat und damit seit 1933 ununterbrochen der ideologischen Erziehung durch das Naziregime ausgesetzt war. Daß er sich dann im Alter von 17 zum Wehrdienst meldete ist nur folgerichtig, genau das wurde ja mit den paramilitärisch organisierten Nazi-Jugendorganisationen bezweckt! Nach acht Jahren Gehirnwäsche kann das kaum als freiwillig bezeichnet werden, denn dann steckte ein Jugendlicher schon zu tief im braunen Sumpf.

Do sahen doch die Verhältnisse damals aus. Und daß der Autor diese ignoriert und sich zu einer billigen moralischen Aburteilung des Opfers der Nazierziehung versteigt, ist nicht ok. Nicht nur Dokumentarfilmer,
auch Filmkritiker sollten ein realistisches Bild der Geschichte vermitteln!

#19 - 15.03.2019, 10:05 von Jack-in-the-box

Vom Feeling her...

Mal angenommen, der Film wäre so produziert worden, wie Sie, Kaspar Heinrich, das vorgeben. Glauben Sie ernsthaft, er würde sich verkaufen und die Kinosäle füllen? Die wirtschaftlichen Aspekte, denen die Macher unterliegen, scheinen sie gar nicht auf dem Schirm zu haben. Und auch nicht das Publikum, das nicht zuletzt wegen David Kross mit seiner fantastischen Ausstrahlung und in all seiner Liebenswürdigkeit im Sessel dahinschmilzt. Alles bei Trautmann ist wohlüberlegt und macht Sinn. Historisches Material wurde danach im Netz gesichtet und hat den Blick erweitert. Was zeigt, ein "Feel-Good-Movie" kann durchaus Auslöser für mehr sein. Ziel erreicht, Tor!

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