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Kultur

Jugend in Zeiten der Krise: Ins falsche Leben gefallen

Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.
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#1 - 01.06.2012, 13:57 von 2049er

Genial !

wieso gibts nicht ein paar mehr von solchen Texten ?

#2 - 01.06.2012, 14:25 von Glückshormon

Zitat von sysop
Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen?
"Es ist alles verkehrt und das prangere ich an und alles kann zur Hölle gehen. Ich glaube nicht an diese Gesellschaft; aber ich glaube an die Menschheit."
D a s ist der Satz, der systemische Gültigkeit hat...
Die Gesellschaft fügt sich ein in Zwänge, Kredite, Leasingraten, Hypotheken, Steuerabgaben, Verordnungen, Vorgaben, Gesetze, Ängste, Sanktionen und Vorschriften.

Wo hat es sie hingeführt?
In den moralischen und finanziellen Bankrott.
5 Billionen Schulden in Deutschland, 14 Bilionen in den USA...

Und der Planet kurz vorm Exitus. So wie der realexistierende Kapitalsimus.
Kaputte Menschen, kaputte Wirtschaftssysteme, kaputte Lebensräume.
Und die Menschen lauschen ihren Heilsbringern, die uns in diese interessensgesteuerte Sch...e geritten haben und glauben an deren Rezepte.
Eine doofe, eine naive Gesellschaft, die schäfchengleich geschlachtet wird.
Ich hoffe auf die Intelligenz der Menschheit, die Dummheit der Gesellschaften scheint grenzenlos.

#3 - 01.06.2012, 14:40 von Medienbeobachter

Sowas kann nicht jeder schreiben.

Dazu gehört die Kunst Fluchtorte für sich gefunden zu haben, um der Welt der Gefühllosen zu entrinnen.

Doch gefühlvolle Worte haben in der falschen Welt keine Macht.
Leider.
Und so blinkt der Neon weiter und die Befürworter des Verelendungsgeldes Hartz 4 dürfen sich unfassbarerweise weiter für Menschen mit Anstand halten.

Welch ein Wahnsinn.

#4 - 01.06.2012, 14:48 von hypnos

Neoliberale Heilsbringer

Zitat von sysop
Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.
Wir haben es immer wieder vorgebetet bekommen: "Wer (wirklich) will, findet Arbeit. Auch, wer etwas kann, findet immer Arbeit" - natürlich nicht vor der Haustür. Alle anderen sind faul, dumm, oder beides, oder wollen sich in der sozialen Hängematte ausruhen (beispielsweise Hartz-IV in Deutschland). So die Neoliberalen Heilsbringer der Banken, der FDP, der SPD; von "Röschen". Deshalb lügt jeder, der anderes behauptet.

#5 - 01.06.2012, 15:07 von Spiegelkritikus

Sinnvoll leben

Zitat von sysop
Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.
Jede neue Generation wächst in eine bestehende Gesellschaft hinein und muss ihren Weg finden. Sie kann sich anpassen und und eine bürgerliche Existenz aufbauen - sofern die Voraussetzungen vorhanden sind -, oder aber rebellieren und neue Lebensentwürfe ausprobieren. Es geht um Sinn, Erfüllung, Bestätigung, Erfolg und vieles mehr, konventionell oder unkonventionell.

Herr Diez schlägt den Bogen zur grassierenden Jugendarbeitslosigkeit in etlichen europäischen Ländern und stellt die Frage nach deren Folgen, ganz ulrichbeckhaft. Eine soziologische Antwort bleibt er freilich schuldig.

Nehmen wir als Beispiel Spanien, dessen junge Bevölkerung (bis über 30) am stärksten betroffen ist. Länger andauernde Arbeitslosigkeit bedeutet zunächst materielle Deprivation, d.h. ein selbstbestimmtes Leben ist deutlich erschwert. Viele Betroffene können sich keine eigene Wohnung leisten und wohnen notgedrungen noch bei den Eltern. Da ein solches Leben unbefriedigend und perspektivlos ist, entscheiden sich viele, ihr Glück im Ausland zu suchen. Inzwischen kommen immer mehr junge Leute aus den südlichen Krisenstaaten in die nördlichen Länder, um dort Arbeit zu suchen und eine neue Existenz aufzubauen. Falls es mit der Arbeit nicht klappt, vertraut man auf die vergleichsweise guten Sozialsysteme.

Die in den Heimatländern verbleibenden jungen Leute organisieren sich, um gegen ihre gesellschaftliche Benachteiligung zu demonstrieren. Sie sind nämlich vor allem deswegen ausgeschlossen, weil die Vorgängergenerationen eisern am Prinzip der Besitzstandswahrung festhalten und nicht bereit sind, Arbeit gerechter aufzuteilen bzw. auf etwas zu verzichten. Dabei werden sie von Gewerkschaften nach Kräften unterstützt. Es dreht sich also um einen ausgeprägten Generationenkonflikt, der in unterschiedlicher Ausprägung für die meisten europäischen Länder typisch ist.

Die sozio-ökonomischen Folgen in den Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und vor allem der Exodus vieler Menschen sind gravierend und befördern den wirtschaftlichen Niedergang, sofern keine grundlegenden strukturellen Veränderungen vorgenommen werden, die eine angemessene soziale und ökonomischeTeilhabe der jüngeren Generation ermöglicht. Eine Gesellschaft, die ihre Jungen massen- und dauerhafthaft exkludiert, produziert unweigerlich schwere soziale Verwerfungen umd Konflikte. Solange der Jugend keine Arbeitsmöglichkeiten geboten werden, müssten sie zumindest über eine ausreichende soziale Absicherung inkludiert werden. Zur Finanzierung müssen die Reichen dieser Länder endlich herangezogen werden, diejenigen, die gnaden- und mitleidlos hunderte von Milliarden ins Ausland transferieren.

Vor diesem Hintergrund erscheint die "wütende Sinnsuche" eines Kerouac und Ginsberg fast wie ein Luxusproblem. Jede Gesellschaft muss den nachwachsenden Generationen eine Perspektive und die Chance zu einem selbstbestimmten, sinnvollen Leben bieten!

#6 - 01.06.2012, 16:00 von E.Cartman

Zitat von Spiegelkritikus
Vor diesem Hintergrund erscheint die "wütende Sinnsuche" eines Kerouac und Ginsberg fast wie ein Luxusproblem. Jede Gesellschaft muss den nachwachsenden Generationen eine Perspektive und die Chance zu einem selbstbestimmten, sinnvollen Leben bieten!
Schön, dass es dann doch noch jemand geschrieben hat. Bei dem Artikel stellt sich das unangenehme Gefühl ein, der Autor würde die Aussteigerromantik von Frühhippies vor 60 Jahren für in irgendeiner Weise vergleichbar mit 50% Jugendarbeitslosigkeit halten. Daran ist nichts romantisches, und das hat nur sehr bedingt mit Sinnsuche zu tun. Die Leute haben keine Gewissheit, dass sie irgendwann mit der Selbstfindung aufhören können und einen gemütlichen "Marsch durch die Institutionen" antreten. Als Ergebnis des dauerhaften Ausschlusses sollte man denn auch nicht mit inspirierenden Büchern rechnen, sondern eher mit Szenen wie letzten Sommer in London.

#7 - 01.06.2012, 17:00 von Spiegelkritikus

Die Krise des Menschlichen

Finanz- und Schuldenkrise, Bankenkrise, Demokratiekrise, Jugendarbeitslosigkeitskrise, Rohstoffkrise, Energiekrise, Emissionskrise usw. - als sind Symptome einer tieferliegenden, ursächlichen Krise: die des Menschlichen. Der Menschen Gefühle und Verstand sind von einer Krankheit befallen, die wie ein böser Geist durch die kapitalistischen Gesellschaften wabert: Das egoistische Haben-Wollen, auf Teufel komm raus und nach uns die Sintflut.

Den noch Gesunden erscheint das Menschliche zutiefst brüchig, schnöde Zweckrationalität und Profitgier haben jegliche Vernunft verdrängt und die Moral korrumpiert - ein gespenstisches, ungeheurliches Treiben, denn ohne beides ist die Menschheit zum Untergang verurteilt.

Willig gehorchen sie den Imperativen der Schergen eines Systems, das sie zugrunde richtet. Manche ahnen zwar, dass irgend etwas nicht stimmt, lassen sich dann aber bereitwillig vom "Deutschland geht es gut" der Oberkommandierenden einlullen. Krisen?
Die zu lösen, sind Politiker da. Korrupte, einfältige Politiker? Ärgerlich, aber was soll man machen. So erfreut sich der Michel an seinem neuen Auto, putzt seinen Gartenzweg und zieht abends zufrieden die Decke über den Kopf.

Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Nein, denn die Fluchtidylle wird zermalmt werden. Alles nur eine Frage der Zeit. Gerade die Deutschen sollten das eigentlich wissen. Doch sie sind der Eisberg, dessen hässliche Spitze die Oberkapitalisten darstellen: Sie tragen bereitwillig als Brüder im Geiste, was das System nach oben gespült hat. Ja insgeheim beneidet und bewundert man diese Eliten, die gnadenlos immer mehr an sich raffen, obwohl sie schon fast an ihrem Reichtum ersticken, weil Zins und Zinseszins exponentiell wachsen.

Wer stellt sich die Frage nach dem Ziel des Ganzen? Alle, ausser den Profiteuren und den Vielen, die sich - irrtümlicherweise - dafür halten, weil sie über etwas Ersparnis, eine Lebensversicherung und vielleicht ein Häuschen verfügen.

Die Geschichte, menschengemacht, geht immer weiter - auch für die behäbigen Deutschen. Ignoranz gilt nicht, sie wird bestraft.
Da hilft nur noch eins: Aufwachen, der Realität ins Auge schauen und sie verändern - hin zum Menschlichen!

#8 - 01.06.2012, 17:15 von sensei

Zitat von Spiegelkritikus
Es dreht sich also um einen ausgeprägten Generationenkonflikt, der in unterschiedlicher Ausprägung für die meisten europäischen Länder typisch ist.
Es geht um viel mehr als einen Generationenkonflikt. Es geht um die Zukunft des Systems.
Man hat in vielen (westlichen) Ländern der Welt sich darauf versteift, einen "virtuellen" Mittelstand zu simulieren; man sollte in Bildung und Fähigkeiten investieren.
Erst dann ist ihnen aufgefallen, dass es - wie in Deutschland bei der leidigen Facharbeiter-Lüge - gar nicht die Massen an ausgebildeten Menschen braucht. Ihre Diplome sind gesellschaftlich nichts wert, weil der Mittelstand eine Illusion war. Die man aufgebaut hat um einen potentiellen Verteilungskampf, wenn nicht Bürgerkrieg um die Ressourcen der Gesellschaft zu verhindern.

In China kommen jedes Jahr 100.000 Regisseure aus den Universitäten. Es werden aber keine 10 Million Filme pro Jahr gedreht um diese Masse in akzeptablen Lohn und Brot zu halten. Harte NCs und Studiengebühren helfen den Strom an Menschen zu begrenzen, aber das ist im Prinzip sinnlos. Und außerdem widerlicher Systemzynismus.

Das ganze Modell der Wissensanhäufung und darauf basierenden Erwartung eines gehobenen Lebensstandards liegt in Trümmern. Das kann in nur ganz wenigen Ländern in ganz wenigen Branchen realisiert werden. Auch in den USA, wo Bildung immer teurer wird, zeigen sich fast Pyramidenspiel-haftige züge, wo neue Studenten mit hohen Schuldenbergen der Zukunft die aktuellen Studenten der letzten Semester finanzieren müssen. Sollten diese wegbleiben weil es keinen Sinn macht, ist das eine Blase mit >1000 Milliarden Dollar die platzen wird.

Somit kann man eher die fundamentale Frage stellen: warum lassen 50% arbeitslose spanische Jugendliche dass mit sich machen? Warum begehren japanische oder griechische Hochgebildete nicht auf?

Weil der Staat (und die Privatleute) Schulden gemacht haben bis das System an der Schulden-Grenze angekommen ist. In Griechenland hat man den Beamtenapparat verzehnfacht, weil es praktisch nie echte Jobs für hochgebildete gegeben hat. Der Wasserhahn ist jetzt zu.

In die eine Richtung geht es nicht weiter. In die andere auch nicht. Und die Lösung, dass man mehr konsumiert ist vielen Leuten auch nicht geheuer, und schon gar nicht eine "Zukunftsvision".

Wir stehen an einem Scheideweg. Eine zweite oder dritte verlorene Generation wird es nicht geben. Wenn das System sich nicht durch Politik oder Einsicht ändern kann, werden wohl wieder Steine fliegen müssen.

Griechenland muss zurück in die Drachme, mit allen harten Effekten die dahinter stehen. Ein Nation Re-Building ist unter zwei Generationen nicht zu schaffen. Aber dazu braucht man Zeit und die absolut freie Hand, dass zu tun was notwendig ist um einen anderen Weg einzuschlagen.

Somit ist verständlich dass "das Geldsystem" alles tut um dies zu verhindern. Wir werden sehen, dass die Fonds, Schutzschirme et. al. bis an das Äußerste gehen werden um Griechenland/Spanien im Euro, im beinharten Turbokapitalismus zu lassen. Das Nachdenken muss gestört, dass Ausscheren verhindert werden.

Dabei ist nicht der Kapitalismus schuld, sondern nur die widerliche Variante davon. Und auch die Menschen selbst, für die er so viel einfacher ist als das andere, wo man sich stark beschränken muss und die Supermärkte nicht mehr so voll sein werden.

Wir leben in Wahrlich interessanten Zeiten.

#9 - 01.06.2012, 17:42 von spejismo

Der Mensch ist die Gesellschaft

Zitat von sysop
Fast 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Auch in Italien, Frankreich und England sind die Raten hoch. Mit welchen Folgen? Eine Ausstellung von Larry Clark und der Briefwechsel von Jack Kerouac und Allen Ginsberg zeigen Jungsein als Zustand wütender Sinnsuche.

Folgendes schreit Kerouac am 10. Juni 1949 an Ginsberg:
"(...) Ich glaube nicht an diese Gesellschaft; aber ich glaube an die Menschheit."

Mit solcher Art Sätze kann ich NICHTS anfangen.
Eine Gesellschaft besteht nicht aus Gespenstern. ODER ?

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