Schrift:
Ansicht Home:
Forum
Kultur

Platz drei der SPIEGEL-Bestsellerliste: "Ist Schinken nicht auch Dauerwurst?"

Olivier Favre Historienschwarte aus dem 16. Jahrhundert: Rebecca Gablés "Der Palast der Meere" steht in der SPIEGEL-Bestsellerliste auf Platz 3. Wir beantworten die entscheidende Frage: Und das soll ich lesen?
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
#1 - 21.09.2015, 17:58 von widower+2

Überheblich

Man sollte schon die ersten vier Teile gelesen haben, wenn man den fünften beurteilen will.

Das haben die Autoren offensichtlich nicht getan.

Der 3. Platz in der Bestsellerliste ist mit Sicherheit kein Zufall und mehr als berechtigt. Rebecca Gablé schreibt einfach ungeheuer unterhaltsam, treffend und historisch korrekt.

Bei der Lektüre kann man durchaus mehr lernen als beim Lesen der Gala oder dieses Artikels.

#2 - 21.09.2015, 20:21 von Newspeak

...

Zitat von widower+2
Man sollte schon die ersten vier Teile gelesen haben, wenn man den fünften beurteilen will. Das haben die Autoren offensichtlich nicht getan. Der 3. Platz in der Bestsellerliste ist mit Sicherheit kein Zufall und mehr als berechtigt. Rebecca Gablé schreibt einfach ungeheuer unterhaltsam, treffend und historisch korrekt. Bei der Lektüre kann man durchaus mehr lernen als beim Lesen der Gala oder dieses Artikels.
Sollte man wirklich? Ein Buch, auch eines aus einer Serie, muß für sich überzeugen.

Und ein Platz in der Bestsellerliste, na ja, was sagt der schon aus? Nicht viel mehr, als daß sich viele Menschen dieses Buch kaufen, vielleicht sogar nur verschenken, aber ob sie es lesen?

Die Kritiker haben schon recht...

Der einzige Grund der mir einfällt, wäre das Bedürfnis, historische Persönlichkeiten von einer vermeintlich authentischen, menschlichen Seite kennenzulernen. Dann wäre es gar nicht so anders, als die "Gala" zu lesen. Falls auch das korrekt recherchiert ist, weiß man nach dem Lesen zum Beispiel über Elizabeth I., dass sie als Kind Pelikane handzahm machte. Das ist doch nett.

...aus diesem Schema sind beinahe alle Historienromane gestrickt. Es ist, ähnlich wie Krimis, besser noch historische Krimis, eine Kuh, die sich hervorragend melken lässt, immer wieder neu und in allen Variationen (historische Teenagerkrimis z.B.). Nur muß man dann auch feststellen können, daß es sich damit ungefähr so ähnlich wie mit den Arzt- und Heimatromanen (besser noch Bergdoktorromanen) verhält. Es ist vielleicht unterhaltsam, aber doch seicht. Und sorry, wer historische Korrektheit will, liest ein historisches Sachbuch und keinen Roman. Leute, die ihre historische Bildung aus Romanen beziehen, sind meistens hervorragend halbgebildet. Man sieht das ja auch an den gängigen Klischees, z.B. auf Mittelaltermärkten. Diese Art von historischer Bildung wird ganz schnell enttarnt, wenn man den Leuten mal klarmacht, was z.B. Mittelalter wirklich für die meisten Menschen bedeutet hat...harte Arbeit, Kälte, Dreck, Hunger, Krankheit, früher Tod. So einen Mittelaltermarkt findet man selten. Und so einen Mittelalterroman ebensowenig. Denn wenn schon historisch, dann natürlich am Königshof angesiedelt, in der High-Society, ganz so wie Jungmädchenphantasien sich das so einbilden. Das ist keine historische Korrektheit, das ist schlimmer Kitsch.

#3 - 21.09.2015, 21:18 von curulin

Gala

Was mich hier an die Gala erinnert ist das Niveau der Rezension.

Dass korrekte Recherche (wobei Gablé ja nicht nur die Zeit recherchiert, sondern auch stufdiert hat) ist bei historischen Romanen keineswegs immer gegeben, siehe z.B. Noah Gordons "Medicus".

Den Palast der Meere habe ich noch nicht gelesen, aber 3 andere von Gablés historischen Romanen. Man lernt in der Tat wenig über die Große Geschichte, dafür empfehle ich Geschichtsbücher oder Wikipedia.
Informationen über das Alltagsleben im Mittelalter sind wesentlich schwerer zu finden und gerade diese vermittelt Gablé auf unterhaltsame Weise.
Natürlich interessiert das nicht Jeden, aber offenbar doch genug Leute für Platz 3 der Bestsellerliste.

#4 - 21.09.2015, 21:54 von dumble-dore

Warum soll ich diese 'Kritik' lesen?

Wenn hier jemand erwartbaren Text geschrieben hat, dann das "Wir beantworten die entscheidende Frage"-Team der SPIEGEL-Kulturredaktion. Mir ist völlig schleierhaft, aus welchem Grund eine solide Recherche überflüssig sein sollte oder schaden könnte. Für den SPIEGEL gilt seit langem: Lieber Schwachsinn als Langeweile; Recherche machen dann die Schnarchnasen von der seriösen Presse. Statt dessen machen und die beiden 'Gesprächspartner' in ihrem Beitrag mit den Vorurteilen bekannt, die sich aus ihrer bisherigen Lektüre ergeben haben. Das Niveau dieses unqualifizierten Abqualifizierens macht schon wieder Lust, das von den beiden Literatur-Spontis auf Mittelalter-Markt-Niveau abgesenkte Buch zu lesen.
Aber dennoch: Weniger ist oft mehr. Dieser Beitrag war überflüssig.

#5 - 22.09.2015, 00:07 von verstimmt

unangenehm

Ach, es ist ja nicht nur, dass die Kritik so seltsam unqualifiziert daherkommt. Man mag sich auch gerne über Trivialliteratur mokieren, aber wenn man schon den Drang der Autoren historischer Romane zur Detailtreue belächelt, sollte man nicht so offenkundig arg- und ahnunglos über Konfektionsgrößen zur Zeit Elisabeths I. sinnieren. Und, weil wir gerade so nett beisammen sind: Die Tagebücher von Samuel Pepys sind tatsächlich Tagebücher, kein Roman. Call me old-fashioned, aber ich finde es immer schöner, wenn ein Literaturkritiker zumindest über ein grundlegendes Wissen verfügt.

Was aber wirklich einen üblen Nachgeschmack hinterlässt, ist dieser spöttische Unterton, mit dem sich diese gebildeten Menschen abzugrenzen suchen vom literarischen Pöbel, der die Gala und historische Romanserien liest. Allein, ein wirklich gebildeter Mensch würde sich nie so derart abqualifizierend und hochnäsig über andere Menschen äußern. Und endgültig geschmacklos wird es in dem Moment, in dem man leise spöttelt über Einfache Sprache und damit auch über die Menschen, für die die Einfache Sprache eine Möglichkeit zur Teilhabe darstellt. So sehr ich mich auch bemühe, für so ein Verhalten und die dahinterstehende Geisteshaltung kann ich kein Verständnis aufbringen. Schämen Sie sich!

#6 - 22.09.2015, 00:32 von widower+2

Auch Sie haben es nicht gelesen!

Zitat von Newspeak
Es ist vielleicht unterhaltsam, aber doch seicht. Und sorry, wer historische Korrektheit will, liest ein historisches Sachbuch und keinen Roman. Leute, die ihre historische Bildung aus Romanen beziehen, sind meistens hervorragend halbgebildet. Man sieht das ja auch an den gängigen Klischees, z.B. auf Mittelaltermärkten. Diese Art von historischer Bildung wird ganz schnell enttarnt, wenn man den Leuten mal klarmacht, was z.B. Mittelalter wirklich für die meisten Menschen bedeutet hat...harte Arbeit, Kälte, Dreck, Hunger, Krankheit, früher Tod. So einen Mittelaltermarkt findet man selten.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Seit Jahrhunderten war in historischen Sachbüchern fast nichts über das Alltagsleben der einfachen Bevölkerung in früheren Jahrhunderten zu lesen.

Diese Informationen wurden kondensiert und verständlich erst in historischen Romanen wiedergegeben.

Dass das Mittelalter für die meisten Menschen "harte Arbeit, Kälte, Dreck, Hunger, Krankheit, früher Tod" bedeutet hat, wurde früher weder in der der Schule noch auf Universitäten wirklich vermittelt. Dass Sie das heute wissen, dürfte auch eher historischen Romanen als den Veröffentlichungen von "echten" Historikern zu verdanken sein.

#7 - 22.09.2015, 10:49 von morrisfan

Tolle Bücher

Nach dem Staunen, überhaupt eine Art Notiznahme durch "Literaturkritiker" an historischen Romanen zu finden, ein Schicksal, was genauso Fantasy oder SF Bücher betrifft, war eigentlich schon vorher klar, es kann nur ein Verriss folgen. Einzig "Game of Thrones" hat die Niederungen niederer Literatur- und Fernsehgefilde verlassen und wird durchaus gnädig besprochen.

Ich (als Mann) habe alle Bücher von Rebecca Gable gelesen und gerade wenn man sich für das englische Mittelalter interessiert, war das immer spannende und gute Unterhaltung.

Und natürlich wird eher der Alltag des Adels in solchen Büchern abgehandelt. Vielleicht gibt s ja Leute, die ein Buch lesen wollen, wie Bauer Hengist früh mit den Kühen aufsteht, den ganzen Tag seinen kleinen Acker pflügt, abends seine Kinder verprügelt, seine Frau im Kindbett stirbt und er einfach so von marodierenden Soldaten erschlagen wird. Klingt auf 800 Seiten bestimmt sehr abwechslungsreich. ICh freu mich schon auf das Hörbuch.

Bei SPON ist das Niveau leider auch nur gespielt, Erotikautorinnen wie Jackie Collins bekommen einen Nachruf, Hermann Zapf, der vielleicht bedeutendste Schriftkünstler Deutschlands starb im Juni mit 93 Jahren und SPON schreibt lieber über Laura Antonelli.