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Kultur

"Räuber"-Premiere in Köln: Dunkel war's, der Mord ging schnelle

Birgit Hupfeld In Köln zeigt der Regisseur Ersan Mondtag "Die Räuber" von Friedrich Schiller als Spukgeschichte - mit einer angehängten Polemik der Autorin Carolin Emcke gegen Rechtfertigungen von Hass.
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#1 - 16.03.2019, 17:40 von charlesdemasiado

Der arme Schiller

Nun,Schiller kann sich ja nicht mehr wehren und das ist die eigentliche Tragik der Auffuehrung. Warum der Regiseur aus Maennern Frauen macht, bleibt ein Raetsel, das wohl nur durch massive Interpretation erklaerbar scheint, wobei, ein guter Text interpretiert sich von selber. Die Geschlechter zu versoehnen bedarf es auch nicht, denn Maenner fuehren keinen Krieg gegen Frauen, wohl eher umgekehrt , wenn ich mir all die weiblichen Hasstexte in der modernen sogenannten "Literatur" ansehe. Und wenn Carolin Emcke meint, es bedarf "einem Wir, das durchlässig und wandelbar bleibt", sind wir bereits bei der Geschlechtervielfalt und der Unverbindlichkeit. Aber Verbindlichkeiten sind die Kraefte, die alles zusammen haelt. Alles in allem wuerde ich mir eine solche Auffuehrung, auch wenn sie sich woertlich an Schiller haelt, niemals antun. Manchmal moechte und braucht der Mensch Autoritaeten, gerade wenn eine derartige widerspruechliche Vielfalt an Botschaften ueber ihn einstuerzt, wie es in den letzten 20 Jahren geschieht. Die "zornigen Massen" haben ihre Ursachen und sollen eben nicht ausgesoehnt werden zum Einheitsbreit moderner verquasteter Politik und Theaterinszenierungen.
Da lobe ich mir immer noch Gruendgens der es nie noetig hatte den Faust zu modernisieren, sondern der durch Schauspielkunst ueberzeugte. Aber zu Zeiten da sich jeder Schauspieler oder Regiseur nennen darf....

Hinweis: Da ich auf einer spanischem Maschine schreibe, andere gibt es nicht wo ich lebe, habe ich keine Umlaute, ich btte dies zu entschuldigen.

#2 - 16.03.2019, 21:40 von The Independent

Zitat von charlesdemasiado
Alles in allem wuerde ich mir eine solche Auffuehrung, auch wenn sie sich woertlich an Schiller haelt, niemals antun. ..... Hinweis: Da ich auf einer spanischem Maschine schreibe, andere gibt es nicht wo ich lebe, habe ich keine Umlaute, ich btte dies zu entschuldigen.
Solche Aufführungen müssen ja nicht per se schlecht sein, wie hier der Artikel belegt, auch wenn der Autor des Artikels betont, dass "ein bisschen mehr Witz und Spielwitz" der Aufführung nicht geschadet hätten.
PS: Warum lassen Sie sich keine deutsche Tastatur schicken? Die kann man auch an einer "spanischen Maschine" betreiben.

#3 - 16.03.2019, 21:50 von Newspeak

....

Ich frage mich ja immer, weshalb Schauspieler in "modernen" Inszenierungen immer (halb-)nackt auftreten müssen? Warum bemüht man sich um ein klassisches Bühnenbild, und ist dann bei den Kostümen nicht mehr konsequent? Auch im Hinblick auf übergriffiges Verhalten wäre eine Entsexualisierung des Schauspielberufs angebracht. Nackte Haut dort, wo es Sinn macht.

#4 - 17.03.2019, 03:33 von charlesdemasiado

Deutsche Tastatur

Zitat:
"The Independent
"PS: Warum lassen Sie sich keine deutsche Tastatur schicken? Die kann man auch an einer "spanischen Maschine" betreiben.!"

Danke fuer den Hinweis. Ich lebe seit ca. 30 Jahren in Lateinamerika und habe einen Laptop bei dem es nur englische und spanische Schreibmoeglichkeiten gibt. Ich muesste mir einen anderen Laptop kaufen, aber solange der hier funktioniert....

Nochmal zum Theater: Das Theater war und ist schon immer in der Krise. Und die heutigen Regiseure (soweit ich es mitbekomme !) versuchen krampfhaft etwas neues zu machen. Theaterspielen heisst, das weisse im Auge des Zuschauers sehen....sich also dem Zuschauer anzunaehern und nicht umgekehrt , dass der Zuschauer erahnen muss, was der Regiseur einem sagen will....in den alten Theatertraditionen, wie etwa "La Mama" aus Italien fuhren die Darsteller mit dem Planwagen in die Doerfer, trieben sich dort rum und hoerten einfach hin wo die Probleme der Bevoelkerung liegen, und das stellten sie dann mit einfachen Mitteln szenisch nach. So konnte sich der Zuschauer identifizieren. Wenn ich mir einige Filme ansehe, adaptionen von Shakespeare etwa, King Lear oder MacBeth, schaudert mir. Es muss heute alles sexualisiert und brutalisiert sein. Oder man hauft halt Leichen auf, stapelt sie, legt sie in Anfallgruben ect. Und am Ende, die allergroesste Katastrophe, wird die Buehne missbraucht zum Agitprop a la feministisches oder auch sozialistisches Manifest. Was hat eine Carolin Emcke mit Schiller zu tun? Davon abgesehen gibt es keine "nackte Gewalt", denn jegliche Agression und Gewalt hat ihren Hintergrund (man lese Prof. Arno Plack) , und den mochte die Dame Emcke ausgeklammert sehen. Ach es waere soviel zu diesen angeblich modernen Auffuehrungen zu sagen.
Und nebenbei ein Lob an den Rezensenten: mir hat seine Ausfuehrung sehr gefallen.

#5 - 17.03.2019, 03:39 von charlesdemasiado

Nachtrag

Zitat von Newspeak :
"Auch im Hinblick auf übergriffiges Verhalten wäre eine Entsexualisierung des Schauspielberufs angebracht. "

Das geht nicht. Theaterspielen ist Erotik, schon immer gewesen, Sinnlichkeit, ist Koerperlichkeit. Das lernt man auf jeder Schauspielschule. Diese erotische Spannung sollte sich auf den Zuschauer uebertragen, ihn fesseln. Wenn allerdings ein unsensibler Regiseur nicht den Unterschied zwischen Erotik und Sexualitaet kennt....ja dann huepfen alle nackt und sinnlos auf der Buehne....

#6 - 17.03.2019, 18:48 von The Independent

Zitat von charlesdemasiado
Es muss heute alles sexualisiert und brutalisiert sein. Oder man hauft halt Leichen auf, stapelt sie, legt sie in Anfallgruben ect. Und am Ende, die allergroesste Katastrophe, wird die Buehne missbraucht zum Agitprop a la feministisches oder auch sozialistisches Manifest. Und nebenbei ein Lob an den Rezensenten: mir hat seine Ausfuehrung sehr gefallen. .... PS: Ich muesste mir einen anderen Laptop kaufen, aber solange der hier funktioniert....
Nicht alle Neuaufführungen/Neubearbeitungen sind schlecht, oder "sexualisiert".
King Lear wurde z.B. von Edward Bond bearbeitet und seine Neubearbeitung, die Anfang der 70er-Jahre uraufgeführt und zunächst heftig kritisiert wurde, wurde schließlich in den 1980ern von Literaturwissenschaftlern aufgegriffen und gelobt. Diese Adaption war nicht nur eine Umdeutung einiger Hauptcharaktere, sondern auch eine kritische Deutung des Originals, die sich auch gegen die kritiklose Verehrung des Werks richtete.
Shakespeares King Lear wiederum strotzt vor Gewalt, allerdings wird diese in dem Stück häufig nur mit Metaphern, Zweikämpfen, oder Botenmeldungen über Grausamkeiten transportiert.

PS: Nein. Wenn der Laptop einen USB-Anschluss hat, dann können Sie auch eine externe deutsche Tastatur an dem Gerät betreiben. Außerdem gibt es Aufkleber für ausländische Tastaturen, d.h. Sie können auch einfach nur das Tastaturlayout auf Deutsch umstellen, und dann die entspr. Tasten, z.B. Semikolon und Anführungsstriche, mit "ö" und "ä" überkleben. Googeln Sie das mal.

#7 - 28.03.2019, 09:51 von Horst-Güntherchen

Desaströse Inszenierung

Obwohl sich die Schauspieler alle Mühe gegeben haben, war die gestrige Aufführung für mich eine reine Enttäuschung. Die Idee, die wichtigsten Personen mit dem jeweils anderen Geschlecht zu besetzen, war unfreiwillig komisch: Vor allem Franz und Karl, die von den Damen über-maskulin dargestellt wurden, waren zu keinem Zeitpunkt glaubhaft. Ganz zu schweigen von der lächerlichen Figur der Amalia... Das I-Tüpfelchen war dann schließlich der Monolog am Ende, der nur als reine Moralkeule bezeichnet werden kann. Ein durchweg grauenhafter Abend.