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Wien-"Tatort" über Waffengeschäfte: Alte Schule, neue Feinde

Historischer Fall, neue politische Farbenlehre: Fellner und Eisner spüren Waffendeals von einst nach - und geraten in Konflikt mit den aktuellen Machtverhältnissen. Würdevoller Retro-Krimi.
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#1 - 11.01.2019, 11:14 von lemmy

Oldschool

Klingt gut. Der Tatort aus Österreich ist ohnehin meist eine sichere Bank für gute Unterhaltung. Zumindest für meinen Geschmack. Die letzten Plots hingegen, die ihr Potential im wesentlichen aus den Wahnvorstellungen ihrer Protagonisten zogen, gehörten für mich eher in das Reich von Experimental-Theater. Wahnvorstellungen kriege ich auch so schon, wenn ich die täglichen Nachrichten lese ;-)

#2 - 11.01.2019, 11:39 von Augustusrex

Immer gut anzusehen

Immer gut anzusehen, die Tatorte aus Österreich. Und Herr Krassnitzer und Frau Neuhauser sind die ideale Besetzung dafür.

#3 - 11.01.2019, 13:31 von GinaBe

gebongt

Meinen Vorrednern pflichte ich bei!
Das Krümüneilnduo aus Wien ist/ bleibt charismatisch, wirkt authetisch und die stories sind ebenfalls derart gestaltet, als daß sie einleuchtend wirken. Die Tatorte aus Wien sind immer beste Sonntag- Abend- Fernsehunterhaltung!

#4 - 11.01.2019, 14:30 von Dramaturgen-Frau

Der Wiener Tatort als gutes Beispiel

Dafür z.B., dass man eine tragende und sympathische Rolle schaffen kann, indem man einen alten Sidekick auswechselt. Die Figur Bibi steht heute gleichberechtigt neben der Figur Eisner. Das gelang bisher kaum einem Tatort. Ansatzweise noch dem Kölner mit der Figur Jütte, die auch das Potential hat, Dick und Doof die Show zu stehlen. Andere sind damit kläglich gescheitert: z.B. der Borowski-Tatort der aktuellen Gegenwart. Es reicht eben nicht, einen phänotypischen Ersatz vor die Kamera zu werfen, liebe Casterinen und Redakteurinnen! In Ansicht der frühen Wiener Tatorte ist nur zu hoffen, dass die Figur Eisner wieder jene aggressive Sprödigkeit und jenes Dauergranteln bekommt, das sie mal hatte. Es gab nämlich eine Tendenz zur Indifferenz und zum Weichspülen dieser Figur in den letzten Wiener Tatorten. Dazu trüge vielleicht auch bei, mehr aus dem persönlichen Umfeld der Figur Eisner zu zeigen, denn niemand, der ernstzunehmen ist, will heute im Tatort Whodunits mit schlipstragenden Funktionsträgern à la Haferkamp, Ode oder Derrick sehen.

#5 - 14.01.2019, 10:07 von Aberlour A ' Bunadh

Oldschool indeed

Wenn Oldschool heißt, dass sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst, dann haben die Österreicher alles richtig gemacht. Jeder hat seine "gerechte" Strafe erhalten: der Waffenhändler tot, die korrupte und hinreichend hochnäsige Doktorin "auf ÖVP/FPÖ-Ticket" aus dem Innenministerium wurde weggelobt (auf eine noch besser dotierte Stelle in der Finanzwirtschaft natürlich) und für eine Mordtat im Affekt aus Liebe, da muss zum Schluss ein Schulterdurchschuss genügen. Und der alte Mordfall/Selbstmord aus den 70er Jahren nebst aktuellem Pendant bleibt weiter unaufgeklärt. Es gibt halt im Hintergrund geheimnisvolle Mächte, die das ganz große Rad drehen, da können selbst unsere sich allen Anweisungen von oben widersetzenden Kommissare nichts machen. Oldschool indeed. 7 von 10 Punkten.

#6 - 14.01.2019, 10:21 von gersois

Fortsetzung folg?

Es muss doch noch der Mord an dem pensionierten Polizisten und Verschwörungstheoretiker aufgeklärt werden! Man hätte mehr aus der Geschichte machen können. Statt dessen langweilig inszeniert, ausgelaugte Polizisten, merkwürdige Geheimdienstler und ein wenig glaubwürdiger Rachefeldzug einer verlassenen Geliebten. Dazu Technikfehler: Das Auto hätte rückwärts in den See gelassen werden müssen, so wie es am Anfang im See lag! Da hatte Wien schon Besseres zu bieten! Höchstens 6 Punkte

#7 - 14.01.2019, 10:45 von Garda

Gott sei Dank bin ich nicht der einzige...

Zitat von gersois
Es muss doch noch der Mord an dem pensionierten Polizisten und Verschwörungstheoretiker aufgeklärt werden! …...
Ich habe gestern noch die ganze Nacht gegrübelt und mich mit Überlegungen gepeinigt, wer diesen Herrn gemeuchelt hat. Ich habe an mir selbst gezweifelt, wie kann man einen Fernsehabendkrimi nicht bis ins letzte Detail kapieren!

#8 - 14.01.2019, 12:09 von rennflosse

Fachleute

Man muss sich ja von allerlei Fachleuten heute sagen lassen, ob ein Film gut oder schlecht ist und was man wie einzusortieren hat. Hier allerdings scheint sich der Fachmann zu widersprechen. Einerseits beschreibt er, wie auch im Wiener Tatort die neuen Zeiten (ÖVP/FPÖ) Einzug halten und wie die Charaktere damit umgehen. Andererseits hält er den Film für "oldschool."
Was bitteschön war denn nun "alte Schule" an dem Krimi? Etwa, dass der Mord an der jungen Frau dann doch nichts mit ihren Nachforschungen im Waffenschiebermilieu zu tun hatte, sondern eine ganz profane Eifersuchtstat gewesen ist? Dann allerdings voll pc zwischen einem gleichgeschlechtlichen Paar.

Abgesehen davon, dass ich den hochtheoretischen und kenntnisreichen Ausführungen der Filmkritiker nicht immer zu folgen vermag, was es für mich ein interessanter und gut gemachter Film. Bei dem eine Frage offen blieb: Wer erschoss denn nun den alten Herrn von der anderen Seite des Wolfgangsees?

#9 - 14.01.2019, 12:24 von rennflosse

Krimiwahn

Man liest heute in vielen Medien die Klage, die öffentlich rechtlichen TV-Sender wären vom Krimi-Wahn befallen.

Forscht man in Programmzeitschriften, Archiven und der eigenen Erinnerung, so scheint der Vorwurf berechtigt. Bozen, Taunus, Prag, Israel, der Spreewald, Bayern, Bodensee, ... es scheint kaum eine Region innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik zu geben, wo keine speziellen Krimis oder ganze Krimiserien gedreht werden.

Woran mag das liegen? Lassen sich Stoffe und Hintergründe für Dramen, Komödien und andere Genres heute nur noch mit einer oder mehreren Leichen verkaufen? Gibt es außer TV-Kommissaren keine interessanten Typen mehr mit ggf. gebrochener Biografie? Ist es die Angst vor den Kritikern, die ja doch über jedes Werk herziehen und Schwächen ggf. erfinden, wo der gemeine Zuseher keine entdecken würde?

Fragen über Fragen. Der Tatort freilich ist seit 1970 eine Instanz im deutschen Fernsehen, an dessen Krimi-Format nicht gerüttelt werden muss, weil es eben immer da war. Dennoch gibt es hier recht interessante Versuche der Auflockerung und wer nicht immer alles so bierernst nimmt, kann damit gut zurecht kommen.

Ich fand mich gestern gut unterhalten; vielleicht gerade weil über alle Serpentinen der Verschwörungstheorien schließlich auf einen einfachen Punkt gekommen wurde: Mord aus schlichter Eifersucht. Auch im Jahr 2019 so aktuell wie immer.

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