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Leben und Lernen

Erziehungsberater zum "Gap Year": "Sitzen Jugendliche einfach daheim, entwickeln sie

Getty Images Das Kind ist mit der Schule fertig, hat seinen Abschluss - und macht nichts. Hängt einfach ab. Es gebe Eltern, die dann einen großen Fehler machten, sagt der Erziehungsberater Jürgen Wolf.
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#1 - 08.04.2019, 12:56 von jujo

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Aus eigener Erfahrung kann ich für mich geltend sagen, daß das verlassen des "Nestes" nach der Schule, der wichtigste Schritt in meiner Entwicklung war. Selbstverantwortlich zu sein, selber alles klar zu bekommen.
z.B. das einrichten des ersten eigenen Kontos, Bleibe suchen und vieles mehr. Wenn man dann "nachause" zu Besuch kommt ist es ein gutes Gefühl gewesen, dem autoritären Vater zu sagen, der wieder bevormunden wollte, ich bin da weil ich es will, wenn ihr mich nicht als Erwachsenen akzeptiert, o.k. Ich kann auch wieder gehen. Staunende Augen und dann, ich fasste es nicht, ein Klaps auf die Schulter, alles gut ich habe es verstanden.

#2 - 08.04.2019, 13:07 von aruba701

Unglaublich aber wahr - der Mann hat ganz vernünftige Ansichten

"Da gibt es also einen natürlichen Puffer von ein paar Wochen fürs Nichtstun, der allen Jugendlichen gegönnt sei. Danach sollten sie nicht länger zu Hause sitzen. "

Ganz meine Meinung. Ein paar Wochen, ich finde maximal vier, seien den Schülern, nicht nur Abiturienten, gerne gegönnt, aber dann sollte es weiter gehen. Praktikum, Ferienjob, vielleicht sogar etwas ganz exotisches wie Bundeswehr oder FSJ.

Von den harten Zeiten damals (mündliche Abiprüfung, Abifeier, dann Grundausbildung in weniger als zwei Wochen) will ich alter Sack ja gar nicht reden. Aber falls es nach dem Abi noch ein wenig Selbstfindung bedarf, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Rödeln beim Bund oder einige Wochen Arbeit bzw. Praktikum sehr motivieren, sich im Studium anzustrengen. Wenn man einige Alternativen kennt, ist man vom ersten Tag an richtig motiviert.

#3 - 08.04.2019, 13:15 von wanderer8

So ein Gap-Year...

gab es früher für den männlichen Teil der Bevölkerung. Nannte sich Wehr- oder Zivildienst. War keine schlechte Sache um rauszufinden was man will (oder eher nicht will). Und das Gemeinwesen hatte auch was davon.

#4 - 08.04.2019, 14:26 von mirage122

Sinnvolle Einrichtung

Wehrdienst war ja sicherlich nicht jedermanns Sache, aber mein Sohn hat Zivildienst bei einer Sozial-Station geleistet. Auf jeden Fall hat er dabei eine Menge gelernt. So ist er heute noch ein "Weltmeister" im Fenster putzen mit Zeitungspapier, die damit tatsächlich super-sauber und blank werden. Und Wäsche waschen mit der Hand in der Küchen-Spüle unter strengster Aufsicht war zwar nervig, man konnte doch unheimlich viele Erkenntnisse für das spätere Leben gewinnen. So hatte er allerbeste Kommunikation mit den Damen an der Kasse des nahen Supermarktes, weil er mit jeder Flasche Mineralwasser einzeln kam: einmal kaufen, und leer wieder bringen. Sowas prägt und würde den heutigen Jugendlichen auf jeden Fall gut tun!

#5 - 08.04.2019, 15:36 von kaiser.friedrich

Wehrpflicht

Also hatten die Altvorderen wohl doch nicht Unrecht, dass die Wehrplicht bzw. der verpflichtende Zivildienst eine gute Sache sind.

In beiden Faellen wird Jugendlichen Verantwortung uebertragen, was ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens ist.

#6 - 08.04.2019, 17:06 von Sensør

Rauswurf?

Jetzt würde mich interessieren, wie man heutzutage sein Kind rauswirft, ohne das es obdachlos wird. Selber habe ich nach der Berufsausbildung ein halbes Jahr im Elternhaus nur geschlafen, und bin dann freiwillig geflüchtet. Mit den "Eltern" kann ich mich bis heute nicht unterhaten ....

#7 - 08.04.2019, 17:21 von tomsnap

Ja die Wehrpflicht...

Mir fiel bei dem Artikel auch spontan mein Jahr bei der Bundeswehr ein, vor dem Studium. Das Jahr war für mein Empfinden so leer und geistig anspruchslos dass ich darauf brannte endlich mein Gehirn wieder nutzen zu dürfen.... Die langen Fahrten am Wochenende, das Zeittotschlagen in der Woche, ich hatte das Gefühl mein Gehirn an dem Kasernentor abgeben zu müssen... sehr gute Vorbereitung auf das Studium (habe die Zeit nicht damit verbracht Gehirnmasse durch Alkohol abzubauen...)

#8 - 08.04.2019, 17:46 von rosselfee1

unbedingt wichtig

...ich bin mit 15 j alleine mit Freundin fast 500km zur Pflegevorschule gefahren... und nach 6 j incl. Staatsexamen nach Bayern zum Arbeiten umgezogen.... und keine Minute bereut...das war 1961.... Freiheit, Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Eigenverantwortung sind unbezahlbare Güter, die dem eigenen Selbstwert gut tun... Aber ich kenne leider die Mütter und Väter, die alles dafür taten und tun, um die Kinder in Abhängigkeit zu halten. Ich bin unbedingt für Auszug spätrstens nach Abi oder Lehre...

#9 - 08.04.2019, 17:52 von verliebtinbayern

Schule und Eltern lassen die Kinder auflaufen

Zur Aussage, dass man sein Kind während des Abiturs nicht mit Fragen nerven soll, was es danach vorhat. Schön und gut, das mag vielleicht kein idealer Zeitpunkt sein, zumal es dann für Vieles auch schon zu spät ist. Die Bewerbungsfristen für Lehrberufe sind häufig schon abgelaufen und Auslandsaufenthalte haben einen sehr langen Vorlauf, wenn sie denn gut vorbereitet sein sollen. Das Problem ist die häufig generelle Orientierungslosigkeit von Abiturienten und der Eltern. Außer Arzt, Lehrer, Psychologe, Jurist oder Wirtschaftler fällt den meisten kein Studienberuf ein, am Handwerk z.B. besteht kaum Interesse. Man wartet, bis es zu spät ist und der Notendurchschnitt auf den Boden der Tatsachen führt. Dann folgt nach dem Abi die große Leere und die als sinnvoll deklarierte Warteschleife infolge der erkannten Perspektivlosigkeit im sogenannten "Traumberuf". Dabei gibt es unzählige spannende Berufe, die nur keiner kennt. Spätestens ab der 10. Klasse müsste hier knallhart in der Schule informiert und notfalls desillusioniert werden.

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