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Leben und Lernen

Hilfe von der WG-Therapeutin: "Mein Mitbewohner zockt bis in den Morgen"

Getty Images Nicos Mitbewohner besucht keine Vorlesungen mehr, sondern spielt den ganzen Tag Computer. Die WG verlässt er nur, um ins Fitnessstudio zu gehen. Wie kann Nico ihm helfen?
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#10 - 11.02.2019, 10:03 von 08-15b

selbst erlebt

Ja, schwer zu ertragen wenn jemand sich selber entsorgt. Bei der geringen Quote an professionellen Spielern, die davon leben können, ist es erst mal keine Option das ausschließlich zu betreiben.
Seine Eltern kommen da nur hinter, wenn die Kohle aus geht oder die Zwangskündigung droht.
Es ist ein Jammer, das Eltern kein Interesse am Leben des Kindes haben, aber auch logisch: vertrauen und Freiheit sind halt 2 Grundpfande.
Mein Tipp, Bandbreitenbegrenzer/Limiter ins Internet einbauen. Ist absolut bösartig, aber die Wirkung ist unmittelbar und direkt, sofern das einigermaßen zufällig aussieht.

#11 - 11.02.2019, 10:05 von bo73

Unbehagen bei Ihrem Rat

Es tut mir leid, aber ich verspüre Unbehagen bei Ihrem Rat, der Anfragende solle keinesfalls die Familie seines Freundes über dessen psychische Erkrankung informieren. Das mag für Sie als Psychologin wegen Ihrer verinnerlichten Schweigepflichten naheliegend sein. Dies kann aber für einen Freund nicht gelten. Der Betroffene leidet bereits unter einer schweren, existenzbedrohenden Störung des Sozialverhaltens verbunden mit Spielsucht, wahrscheinlich ausgelöst durch eine bereits fortgeschrittene, depressive Erkrankung. Die Schilderungen klingen mir nämlich nicht so, als ob der Betroffene mit seinem "real life" glücklich wäre, wo er mit Trennung der Eltern, tödlicher Erkrankung seiner Mutter, Beziehungslosigkeit, Totalversagen in der Ausbildung, Isolation etc. klarkommen müsste. Ich bezweifle, dass er krankheitsbedingt noch in der Lage ist, wirklich autonome Entscheidungen über seinen Lebenswandel zu treffen und nicht nur Getriebener seiner krankheitsbedingten Zwänge ist. Ich befürchte, selbst wenn er innerlich den Wunsch verspüren sollte, seine Isolation und Spielsucht zu durchbrechen, wäre er zu der damit verbundenen willentlichen Kraftanstrengung krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage. Wenn derartige Erkrankungen nicht behandelt werden, dann ist nicht mit einer Besserung von selbst, sondern mit einer schleichenden, kontinuierlichen Verschlechterung bis hin zu einem suizidalen Ende zu rechnen. Je später Behandlung erfolgt, desto schlechter die Therapiebedingungen /-chancen und desto größer die Gefahr, krankheitsbedingte Beeinträchtigungen bis zum Lebensende zu haben. Ich benutze mal ein zugegeben drastisches, zugespitztes Bild: Einem fortgeschritten depressiv Erkrankten mit derart verfestigter Störung des Sozialverhaltens die Adresse einer Studentenberatung hinzulegen und zu hoffen, dass dieser daraufhin von sich aus tätig wird, ist etwa so, wie einem Blinden, der im Begriff ist, ein Minenfeld zu betreten, zu ermahnen, auch genau zu schauen, wo er hintritt: Selbst Schuld, wenn er das nicht macht. Viele stark depressive Menschen mit verfestigten sozialen Störungen weigern sich am Anfang mit Händen und Füßen, irgendeine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, dass dies bereits nach wenigen Wochen oft vollkommen kippt und die - ja zumindest insgeheim unter ihrer Depression auch sehr leidenden - Betroffenen dann gerade denjenigen, die sie in eine Hilfe "genötigt" haben, sehr dankbar sind. Was ist, wenn der Betroffene in einem Jahr exmatrikuliert wird, seine Mutter stirbt oder der Geldhahn zugedreht wird, also ein Ereignis eintritt, dass die krankheitsbedingte Flucht in die derzeit allein stabilisierende Online-Existenz unmöglich macht? Könnten Sie dann der Familie des Betroffenen auf dessen Beerdigung in die Augen blicken und den Rat, die psychische Erkrankung bloß nicht "zu verraten", verteidigen? Ich weiss, dass man immer dafür oder dagegen argumentieren kann. Aber ich finde, wenn Sie so einen gefährlichen Rat geben, sollten Sie ihn mit mehr als einem Schlagwort begründen und wenigstens kurz über die negativen Konsequenzen reflektieren.

#12 - 11.02.2019, 10:17 von Südseeperle

Der Briefeschreiber sollte sich mal ein bisschen zurücknehmen. Immerhin geht der WG-Partner jeden Tag zum Sport, dass tut niemand, der "versumpft". Das sieht für mich eher danach aus, dass hier an einer Karriere als E-Sportler gearbeitet wird. Oder sich einfach mit Anfang oder Mitte 20 einfach mal dazu entschieden wird, nicht das zu tun, was andere vorgeben und als lebenswertes Leben betrachten. Der Mitbewohner mag vielleicht ein Problem haben, aber das ist sein Problem. Wahrscheinicher ist aber, dass er nur eine Phase hat und Zeit zum Nachdenken braucht.

#13 - 11.02.2019, 10:18 von Cascara LF

Raushalten

Der Briefschreiber soll sich besser zurückhalten und wie schon geschrieben an seinem eigenen Helfersyndrom arbeiten. Wenn sein Freund z.Z. diesen Weg geht, sollte er sich anstatt ihm seinen Weg aufzuoktuieren besser fragen, weshalb er das macht. Dass der Briefeschreiber eine egoistische Sichtweise an den Tag legt, merkt man schon an dieser Aussage "...weil ich und mein Bruder ...". Wenn sein angeblich bester Freund sich nun dazu entschieden hat dauernd zu zocken, dass wird das seinen Grund haben und über die Konsequenzen wird sich ein erwachsener Mensch auh im Klaren sein. Die Drohung, den Vater des besten Freundes darüber zu unterrichten, ist eine drastische und unverschämte Einmischung, die der Freund ebenso drastisch drohend entgegentrat. Damit sollte dem Schreiber klar sein, dass er über das Ziel hinausschiessen würde und gefälligst die Bälle flach halten soll.
Während meines Studium hatte ich einen ähnlichen Fall. Einer unser WG-Mitbewohner verschlief den ganzen Tag, wurde Nachtaktiv und ging mehr als ein Jahr nicht mehr zu Vorlesungen. Na und? Er steckte in einer Sackgasse, seine Vorstellung vom Studium hat sich nicht mit der Realität gedeckt, war in diesem Jahr auf der Suche nach einer Alternative, hat dann irgendwann das Studium geschmissen.und eine Ausbisldung begonnen. Heute ist er immer noch ein Freund, arbeitet als Abteilungsleiter eines bekannten Softwareunternehmens und ist zufrieden mit seiner Entscheidung.
Man muss nicht den gleichen Weg für seine freunde durchsetzen, man muss sie unterstützen und auch mal zufrieden lassen aber niemals einen Freund in den Rücken fallen und verraten.

#14 - 11.02.2019, 10:23 von Südseeperle

Immerhin geht der WG-Partner jeden Tag zum Sport, dass tut niemand, der "versumpft". Das sieht für mich eher danach aus, dass hier an einer Karriere als E-Sportler gearbeitet wird. Wenn ein Jugendlicher jeden Tag Fußball spielt und Profi werden will, sagt man ihm ja auch nicht, das wird wahrscheinlich eh nichts, lass das lieber. Oder es hat sich jemand mit Anfang oder Mitte 20 einfach mal dazu entschieden wird, nicht das zu tun, was andere vorgeben und als lebenswertes Leben betrachten. Der Mitbewohner mag vielleicht ein Problem haben, aber das ist sein Problem. Wahrscheinicher ist aber, dass er nur Zeit zum Nachdenken braucht.

#15 - 11.02.2019, 10:24 von technikaffin

Bin ich froh.

..dass ich ich meiner ersten WG damals nur ein 56k-Modem hatte. Damit war jeglicher Versuch der Einwahl in ein Onlinegame zum Scheitern verurteilt. Na gut etwas GTA offline war dann immer noch drin ;-) Es ist einfach die schönste Zeit zum Zocken, die kommt nie wieder ;-)

#16 - 11.02.2019, 10:40 von argumentumabsurdum

Was will ich?

Genau darüber sollte "Nico" nachdenken. Denn es kann ihm eigentlich egal sein, was sein Mitbewohner macht. Wichtig wäre, dass der seinen Mietanteil zahlt, seine WG-Pflichten erfüllt und aus seinem Zimmer kein Gestank und kein Ungeziefer kommen. Der Rest ist nicht Nicos Angelegenheit und wenn er es nicht schafft, sich mit der Lebensweise seines Mitbewohners abzufinden, dann sollte er umziehen.
Aus eigener Erfahrung kann ich aber, dass er für einen solch ruhigen Partner dankbar sein sollte. Wohnt mal mit jemandem zusammen, der es fast jede Nacht krachen lässt!
Der Rat, ihm mal das Angebot eines psychosozialen Dienstes unter die Nase zu reiben würde nichts bringen. Solange der Kollege sich in seinem Leben wohl fühlt, wird ihn das eh nicht interessieren.

#17 - 11.02.2019, 10:46 von MatthiasPetersbach

Wo bitte ist denn das Problem?

Der Junge spielt. Na und? Ständig - auch na und.

Da gibts jetzt zwei Knackpunkte - entweder er ist tatsächlich spielsüchtig, dann wird der Mitbewohner wenig bis garnix dagegen tun können. Oder er findet, daß zum jetzigen Zeitpunkt das Spielen interessanter ist als das Studium. Da wird es dann aber irgendwann von Seiten der Uni Konsequenzen geben. Auch da kann bzw. muss der Mitbewohner nichts machen. Jeder hat das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen - und die Folgen zu tragen. Die wären hier ja sowieso nicht schlimm. Studiert man eben was anderes, was einen interessiert. Oder wird Zimmermann. Oder oder oder.

Schon das damalige "Durchschleifen" durch die Prüfungen, was wohl nicht ursächlicher Wunsch des Probanten war, erscheint mir befremdlich.

Ob der eigentliche "Abstieg" nicht eher ein Jura-Studium ist, wage ich nicht zu beurteilen :) Angesichts vieler Fehlentwicklungen befürchte ich aber, es ist besser für die Welt, man daddelt stattdessen.

#18 - 11.02.2019, 10:50 von ramon

So lange der Mitbewohner keine Gefahr für sich selbst oder die Gesellschaft darstellt und darüber hinaus geschäftsfähig ist, können sie ihn nicht zwingen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch wenn der soziale Abstieg mit all seinen Konsequenzen droht. Es liegt in diesem Fall auch kein legitimes Arzt/Psychotherapeuten Patienten Verhältnis vor, da hier eine unverbindliche online Anfrage des Freundes vorliegt. Der Rat der Psychotherapeutin ist auch gut und spricht für eine gewisse Lebenserfahrung. Man darf sicherlich anderer Meinung sein, aber unstatthaft ist der Rat nicht.

#19 - 11.02.2019, 10:50 von Mr T

Zitat von Johnnynameless
Der Briefschreiber sollte sein Helfersyndrom bearbeiten, und nicht das Verhalten seines Freundes. Vielleicht bereitet dieser sich auf eine Karriere als Profispieler vor, das gibt es ja auch. Er ist jedenfalls erwachsen. Möglicherweise ist es schwer auszuhalten, was er macht, aber er hat jedes Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er will, solange er niemandem wehtut damit. Abgesehen davon, dass er das Geld seiner Eltern ausgibt ist er harmlos! Mit seinen Fitnessstudio-Besuchen scheint er sich ja auch um sein körperliches Wohlergehen zu kümmern - jedenfalls mehr als mancher regulärer Student. Und übrigens sind seine Eltern mitnichten in der Pflicht, sich darum zu kümmern, dass ihr Kind sein Leben anders gestaltet! Das muss er selbst tun. Die Pflicht der Eltern zur Erziehung endet mit Vollendung des 18. Lebensjahres!
Thena verfehlt. Profispieler?welch eine absurde Erklaerung. Der Freund ist psychisch gestoert und braucht Hilfe. Er kann froh sein, einen Freund wie den Briefeschreiber zu haben, der sich Sorgen macht und versucht, ihm zu helfen. Ob er es richtig macht, ist es eine andere Frage aber deswegen bat er um Ratschlag. Nicht jeder ist mental so stark wie Sie..

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