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Leben und Lernen

Streit um Studienfinanzierung: "Bafög ist eine Sozialleistung, kein Almosen"

DPA Sollen Bafög-Studenten in billigere Uni-Städte ziehen? Bildungsministerin Anja Karliczek findet das vertretbar, der Generalsekretär des Studentenwerks hält dagegen: Dann sei die Freiheit der Berufswahl in Gefahr.
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#80 - 11.02.2019, 08:48 von harronal

Es klingt,...

Zitat von Chris_7
Es kann sich jeder jeden Studiengang aussuchen. Und wenn er die Voraussetzungen erfüllt (Notenschnitt, Aufnahmetest,...) auch antreten. Aber es gibt kein Recht darauf, dass die Gesellschaft jeden Traum bezahlt.
...als hätten Sie weder jemals selbst Einblick in universitäre Bildung genossen noch in den letzten 20 Jahren irgendwelche sozialen Entwicklungen mitbekommen. Wenn sich die Gesellschaft in Form der für sie wichtigen Wirtschaftsunternehmen dringend besser ausgebildete Fachkräfte wünscht, muss sie dies auch finanzieren. Und ein "Jeder kann jeden Studiengang aussuchen" gab es nie, gibt es nicht und wird es aufgrund der begrenzten Kapazitäten in nachgefragten Studiengängen auch nie geben.

#81 - 11.02.2019, 08:55 von ich2010

Zitat von Postwachstumsökonom
Genau. Die Bafög-Studenten ziehen in billigere Städte und die Kinder reicher Eltern, studieren dann ''mit ihresgleichen Stand'' . Das Kapital will ja keinen Klassenkampf, sondern lieber unter sich bleiben. Das hält also unsere Bildungsministerien für vertretbar. Vielleicht sollten wir noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur den Studienort, sondern auch das Studienfach zur Disposition stellen. Nautik oder Seeschiffahrt kann man nur in Hamburg studieren? Geschenkt. Dann muss man halt flexibel sein und stattdessen BWL in Bad Posemuckel studieren, weil es da ja billiger ist. Letztendlich ist es eh egal was man studiert, denn viele Studenten werden von der Gesellschaft ohnehin schon ausgegrenzt, alleine aufgrund ihres ''Status Student/-in''. Dann können wir hier gleich weiter machen und die Schere noch weiter auseinander treiben. Gerechtigkeit sieht anders aus. Bafög sollte jeder Person ab 18 gezahlt werden, für 5 Jahre ohne Erbringung von nachweisen, ausser einer jährlichen Immatrikulationsbescheinugung. So einfach ist es und so machen es auch andere Länder. Die eine Hälfte kann dann ab dem 30 Lebensjahr in kleinen Raten bis zum erreichen der Rente zurückgezahlt werden. Die andere Hälfte trägt der Staat. Wer meint, für Bildung nichts ausgeben zu wollen und andere ''durchzusponsoren'', der hat das Solidarprinzip nie verstanden. Auf der anderen Seite profitiert man dann aber gerne von den hier ausgebildeten Ärzten, die 10 Jahre Studium hinter sich haben, bei Krankenkassenbeiträgen, die andere für einen gezahlt haben, wenn man mal richtig krank ist und die Behandlung länger dauert. Aber nur weiter so. Jeder ist auch wohl gerne selbst der nächste!Studenten Deutschlands - hört nie auf, für euer Recht und Ansehen in der Bevölkerung zu kämpfen, denn ihr habt es verdient.
In welchem Land bekommt man Hunderte von Euro fürs Studieren in den Allerwertesten geblasen? Deutschland ist eines der wenigen Ländern, wo man für die Uni fast nichts zahlen muss.

Ich habe ebenfalls studiert und nebenbei gejobbt. War beides durchaus machbar. Vllt. lag es aber einfach nur daran, dass ich das arbeiten aufgrund meiner Ausbildung schlicht gewohnt war. Inkl. Vorlesungen kam ich auf eine 45 Std Woche wie vorher auch und jetzt auch. Während der Prüfungszeit hat man eben ein paar Wochen nicht gejobbt, das konnte man locker in den Semesterferien wieder reinholen.

Äh - 10 Jahre Studium, welcher Arzt ist denn das bitte? Das wären schon mal lappige 20 Semester. Woher haben Sie denn diese Informationen?? Regelstudienzeit beträgt ca. 12 Semester, danach kann man aufbauen, verdient aber bereits Geld.

Die Damen und Herren Studis dürfen ruhig auch mal sehen, was Arbeit heißt.

#82 - 11.02.2019, 09:04 von cabeza_cuadrada

Die Grenze

Zitat von aronge
Ja "gejammer auf höchstem Niveau". BaföG ist dazu da eben die ärmeren Menschen zu fördern und nicht diejenigen, welche sowieso genügend Geld von Hause aus haben. Das heißt, wer über diese staatlichen Unterstützungen schimpft, hilft ja eben nur den verwöhnten und eben nicht denen ohne Geld. Vielleicht schadet es auch nicht, wenn Menschen mit akademischer Bildung das Leben und die Interessen von benachteiligteren gesellschaftlichen Gruppen kennen und im besten Fall diese Interessen später im Beruf auch vertreten können. Sich aber kurzsichtig über angebliche Geschenke des Staates und die angeblich so verwöhnten Studierenden aufzuregen ist halt auch einfacher. Schwach!
sind 35k Euro brutto im Jahr. Wenn die Eltern so viel! verdienen gibt es kein Bafög. Da klingt ihr Satz "diejenigen, welche sowieso genügend Geld von Hause aus haben" irgendwie lächerlich. Finden sie nicht?

#83 - 11.02.2019, 09:14 von trex#1

Ach so, in den angesagten Unistädten darf die Geldelite studieren, für den Rest die Kleinstadtuni.
Interessant, wie asozial Politiker denken.

#84 - 11.02.2019, 09:18 von cleo345

welch eine Frechheit

Ich hoffe Sie meinen das als Satire und nicht ernst.
Wir leben in einer Gesellschaft in der es möglich sein muss, für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen aufzusteigen.
In unserem Grundgesetz ist das übrigens verankert.
Es ist die Pflicht des Staates es hinzukriegen, dass hier jeder der will eine vernünftige Ausbildung bekommt und einen Job erlernen kann den er will. Sei das eine Ausbildung oder ein Studium.
Wir leiden jetzt schon in vielen für Deutschland "wichtigen" Studiums Berufen an Fachkraftmängel: Ärzte, Lehrer, Ingenieure.
Was glauben Sie wenn alle Studierenden deren Eltern das nicht finanzieren können aus diesen Studiengängen raus gehen würden, dann wäre der Mangel noch deutlich höher.
Ich habe Maschinenbau studiert und gut ein Drittel der Studenten haben Unterstützung durch Barfög bekommen. Eine meiner besten Freundinnen studiert Medizin und erzählte mir bei denen im Jahrgang ist es ca. die Hälfte.
Im übrigen kann man mal rechnen. Ich zahle deutlich mehr Steuern als wenn ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht hätte. Das was ich vom Barfögamt "geschenkt" bekommen habe, zahle ich über mein Berufsleben locker mehr an Steuern.
Sie sollten über ihre Einstellung grundliegend nachdenken. Nur um ein Beispiel zu nennen. Im meinem Jahrgang gab es einen Jungen dessen Eltern sind im 4. Semester bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seine Waisenrente wurde mit Barfög verrechnet. Er hat also seine letzten 3 1/2 Jahre Studium vom Staat bezahlt bekommen. Nach ihrer Meinung hätte er das Studium abbrechen müssen und dann halt was lernen müssen.
Ja Freiheit hat Grenzen, aber die Grenze das man nicht alles hinterhergeschmissen kriegt sondern sich anstrengen muss um was zu erreichen. Jeder der Barfög bekommt kriegt es nur für die Regelstudienzeit außer in Ausnahmefällen (lange Krankheit, Todesfall in der Familie, etc.) und auch nur für das Erststudium. Es gibt keinen Anrecht auf Barfög wenn man nach 2 Semestern das Fach wechselt.. Dementsprechend haben diese jungen Erwachsenen weniger Freiheit. Sie müssen ihr Studium durchziehen und Wechsel nach einiger Zeit ist auch nicht möglich. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es aber oft diese Leute sind die ihr Studium durchziehen und schnell im Berufsleben sind und die die sich das Studium von den Eltern finanzieren lassen diejenigen sind die ewig studieren, dann nach dem Studium noch teilweise ein Jahr reisen zum entspannen und dann teilweise erst mit Anfang 30 anfangen zu arbeiten. (natürlich nicht alle aber aus meiner Lerngruppe während des Studiums von ca. 20 Leuten sind 3 in der Regelstudienzeit durchgekommen und zwar die 3 Barfögstudenten. Teilweise studieren die letzten immer noch, während wir schon fast 4 Jahre arbeiten.

#85 - 11.02.2019, 09:36 von gandalf446

Zitat von ich2010
In welchem Land bekommt man Hunderte von Euro fürs Studieren in den Allerwertesten geblasen? Deutschland ist eines der wenigen Ländern, wo man für die Uni fast nichts zahlen muss. Ich habe ebenfalls studiert und nebenbei gejobbt. War beides durchaus machbar. Vllt. lag es aber einfach nur daran, dass ich das arbeiten aufgrund meiner Ausbildung schlicht gewohnt war. Inkl. Vorlesungen kam ich auf eine 45 Std Woche wie vorher auch und jetzt auch. Während der Prüfungszeit hat man eben ein paar Wochen nicht gejobbt, das konnte man locker in den Semesterferien wieder reinholen. Äh - 10 Jahre Studium, welcher Arzt ist denn das bitte? Das wären schon mal lappige 20 Semester. Woher haben Sie denn diese Informationen?? Regelstudienzeit beträgt ca. 12 Semester, danach kann man aufbauen, verdient aber bereits Geld. Die Damen und Herren Studis dürfen ruhig auch mal sehen, was Arbeit heißt.
Das große Problem bei Ihren Ausführungen ist, dass Sie offensichtlich in der prä-Bologna-Ära Studiert haben. Bei so einigen Bachelor-Studiengängen kommt man alleine mit Vorlesungen auf eine 40-Stunden-Woche. Dann läuft das inklusive Arbeiten eher auf locker eine 50-Stunden-Woche raus, ohne dass auch nur ein klein wenig Nacharbeit in den Vorlesungsstoff investiert wurde.

#86 - 11.02.2019, 10:36 von hman2

Zitat von kalim.karemi
Der kann sich bitte einen Job suchen, in Städten die teuer sind, gibt's für Studenten davon mehr als genug.
Verzeihung, das ist Unsinn. Erst verschulen wir die Hochschulen, packen x Wochenstunden in pickepackevolle Stundenpläne, und dann sollen die Studenten auch noch arbeiten. Wann bitte soll das möglich sein? Das ging früher mal, aber seit Bologna ist ein Studium an sich schon ein Vollzeitjob!

#87 - 11.02.2019, 10:38 von hman2

Zitat von Nordstadtbewohner
Wem das Bafög zu wenig ist und keine Eltern hat, die einspringen wollen: Man kann zusätzlich bei der KFW einen Studienkredit aufnehmen: 14 Semester lang bis zu 650 Euro monatlich.
Tolle Idee. Dann ist der Eintritt ins Berufsleben hochverschuldet. Bafög muss man ja oft auch noch abstottern! Und diese hochverschuldeten jungen Leute, von denen erwarten wir dann wohl auch noch, dass sie schnellstmöglich eine Familie gründen und anfangen zu konsumieren?

#88 - 11.02.2019, 10:41 von hman2

Zitat von ich2010
In welchem Land bekommt man Hunderte von Euro fürs Studieren in den Allerwertesten geblasen? Deutschland ist eines der wenigen Ländern, wo man für die Uni fast nichts zahlen muss.
Bitte? Selbst in der Hochburg des Kapitalismus, in den USA, auf Elite-Unis, gibt es Geld für's Studieren. Wer gut Football spielen kann, muss sich auch für die sündteure Uniausbildung keine Sorgen machen, üppige Stipendien sei Dank. Und da fließen VIEL MEHR als nur ein paar Hundert Euro...

#89 - 11.02.2019, 11:17 von Hans-Dampf

Zitat von Nordstadtbewohner
Wem das Bafög zu wenig ist und keine Eltern hat, die einspringen wollen: Man kann zusätzlich bei der KFW einen Studienkredit aufnehmen: 14 Semester lang bis zu 650 Euro monatlich. Wer das nicht will, der kann etwas machen, was viele Studenten tun: Sich einen Studentenjob suchen. Von daher verstehe ich das Gejammer nicht.
Nein, man kann eben nicht einfach so zusätzlich einen Studienkredit zum BAföG-Betrag empfangen, da dieser gemäßg § 21 Abs. 3 BAföG als Einkommen angerechnet wird: Als Einkommen gelten ferner in Höhe der tatsächlich geleisteten Beträge [...] Ausbildungsbeihilfen und gleichartige Leistungen, die nicht nach diesem Gesetz gewährt werden [...]
Hier gilt: Entweder - Oder. Und mit angenommen 14/2*12*650 EUR=54.600 EUR Schulden ins Berufsleben starten, ist schon ein dickes Brett. Hinzukommen noch die Zinsen. Mit solch einem Schuldenberg bekommt man ja nicht einmal einen Kredit für ein kleines Auto, mit dem man evtl. zur Arbeitsstätte fahren muss. Auch die Ansparung für die eigenen vier Wände wird sehr schwer. Nicht jeder Absolvent erhält ein üppiges Jahresgehalt - man muss sich erst peu à peu hocharbeiten.

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