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Cebit 2018: Die Messe, die gerne mehr wäre

SPIEGEL ONLINE Schluss mit Filterkaffee, Schlips und Kragen: Die Cebit will sich neu erfinden, als IT-Festival junge Besucher locken. Wir waren schon da.
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#20 - 13.06.2018, 21:39 von kumi-ori

Es gibt nur Eines, was noch altbackener ist, als Anzug und Krawatte: und das ist die Einstellung, dass jemand wegen Anzug und Krawatte allein schon altbacken wäre. Ich verstehe wenig von Computern, es reicht gerade soweit, dass ich meine Kommentare für dieses Forum auf die Reise schicken kann, aber ich verstehe inzwischen wohl schon ein bisschen von der Businesswelt, und ich meine gelernt zu haben, dass der Verzicht auf die Insignien des Geschäftsreisenden allein noch längst nicht zu echter Kreativität reicht.

Im Gegenteil: all der Unkonventionell-Klamauk zieht letzten Endes von der Konzentration auf das eigentlich Innovative ab. Die Kollegen müssen mir nicht unbedingt ihre haarigen Unterarme oder die Konturen ihres Bierbauchs unter dem Polo-Shirt zeigen, um mich zu überzeugen, dass sie wahre Genies sind, die nicht von Oberflächlichkeiten abhängig sind. In der Früh schnell ein sauberes Hemd angezogen und den Schlips gebunden, das ist wie eine Schuluniform. Die Unterschiede zwischen den Teilnehmern verwischen. Man kann eine akzeptable Business Attire schon für weniger als 100 Euro erwerben. Für Blue Jeans und T-Shirt zahlen Sie im Allgemeinen mehr.

Trotzdem werden sich die Aussteller sicher über Kicker und Riesenräder freuen, weil auf diese Weise alle die, die ein Riesenrad interessanter finden, als die ausgestellten Neuheiten und Projekte die Halle räumen und sich bei den Vergnügungen anstellen.

Das Problem der Cebit wird wohl ein anderes sein. Thema der Cebit ist natürlich die digitale Vernetzung und gerade die macht die Anwesenheit vor Ort zunehmend überflüssig. Sicher gab es irgendwann vor zehn Jahren auf der Cebit mal einen Aussteller, der ein Konzept für eine digitale Messe vorgestellt hatte, die ganz ohne einen Auftritt in unserem materiellen dreidimensionalen Universum auskommt. Und auf genau so einer digitalen Veranstaltung können die Aussteller heute schon viel früher und auch billiger und mit weniger Zeitaufwand präsentieren, was auf einer drögen Präsenzmesse nur mit viel Lästigkeiten (Tickets bestellen, Visum bestellen, Koffer packen, fliegen, übernachten im Hotel in *Gähn* Hannover) möglich wäre.

Die Digitalisierung hat soeben ihre Eltern gefressen.

#21 - 13.06.2018, 21:47 von kumi-ori

Zitat von michal101
Der Niedergang auf das Niveau der „Neuen Cebit“ dürfte der vorläufige Schlusspunkt einer Fehlentwicklung sein, die schon mit der Expo 2000 begonnen hatte. Im Prinzip wollten die Stadtväter und –mütter die Weltausstellung doch haben, um in wenigen Jahren das zu bekommen, was hierzulande eigentlich Jahrzehnte braucht: ein neues Flughafen-Terminal, ein S-Bahn-Netz, neue Messehallen, Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen. Dass die Weltausstellung aber auch der Ausgang einer Entwicklung des Messegeländes zu einem Veranstaltungspark sein könnte, auf dem sich ständig Messen, Ausstellungen, Kongresse, Konferenzen und andere Formate ablösen, daran haben die Verantwortlichen in ihrer Kurzsichtigkeit nicht gedacht. Ein solcher Park hätte Wirtschaftskraft und Steuereinnahmen in die Stadt geholt. Stattdessen steht das 131 Hektar große Messegelände, abgesehen von den Ausstellungen, die meiste Zeit des Jahres leer. Und kostet viel Steuerzahlergeld, denn die Messe gehört der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen. Das eigens gebaute Expo-Ostgelände ist ebenfalls ein Trauerspiel. Man kann nur hoffen, dass die Talsohle in der Entwicklung des Areals erreicht ist und es in den nächsten Jahren wieder aufwärts geht, auch mit der Cebit.
Das hätte aber nicht so sein müssen. Ohne Expo (früher Weltausstellung) gäbe es heute nicht den Eiffelturm.

Nun sind Expo und Weltausstellung keine Fachmesse, sondern von vornherein Selbstdarstellungsplätze der Nationen und ausschließlich für das Publikumsinteresse gedacht.

#22 - 13.06.2018, 23:57 von münchen_giesing

Ich fand es gut

Ich war heute auf der Cebit und fand das Konzept gut. In den Hallen gab es neben den großen Konzernen viele Start-ups und Forschungseinrichtungen, die spannende Technologien gezeigt haben. Hinzu kamen Themenschwerpunkte, wie die Digitalisierung von Kommunen, die zwar nicht so sexy, jedoch extrem wichtig für unser Land sind. Und außen kam etwas Unterhaltung dazu. Vielleicht bin ich ja der einzige, aber ich fand es sehr gelungen...

#23 - 16.06.2018, 00:44 von bacillus.maximus

Völlige Zustimmung

Zitat von kumi-ori
....Im Gegenteil: all der Unkonventionell-Klamauk zieht letzten Endes von der Konzentration auf das eigentlich Innovative ab....
Der Schlabberlook oder der von Steve Jobs geklaute Rollkragenpulli mit Dreitagebart vor dunklem Hintergrund hat sich bei Dampfplauderern und Selbstvermarktern zu dem Trademark schlechthin gemausert, und diente meist nur dazu den Mangel an Kompetenz zu überdecken.

Oder denken wir mal an die Piratenpartei. "Wir sind die Digital Natives, wir erklären allen wie das geht".
Anzug und Birkenstocks, hui, ich bin der Cyberpunk.

Funktioniert aber trotzdem noch (zu) gut.

*facepalm*

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