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Cebit-Aus: Endlich erlöst

DPA Als Schüler begeisterte mich das neue Zubehör für Heimcomputer, als Journalist Flash-Speicher für 8000 Dollar. Doch bald war es nur mehr ein Pflichttermin. Ein persönlicher Rückblick auf drei Jahrzehnte Computermesse.
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#1 - 28.11.2018, 19:47 von wasistlosnix

Es wurde Zeit

das der digitale Wandel endlich komplett auf die Cebit durchgeschlagen hat.
Wir erleben den Anfang der Event x.0 Gesellschaft. Die Digitalisierung hat doch solche Veranstaltungen schon lange überflüssig gemacht. Der Informationsfluss braucht solche Veranstaltungen nicht mehr und eine Verkaufsmesse war die Cebit schon lange nicht mehr. Damit hat man doch früher nur versucht die Kunden von den Konkurrenzständen fern zuhalten. Man hat den Vertrag mit gutem Essen und trallala auf der Cebit zelebriert und wenn er 2 Stunden bei mir war ging es der Konkurrenz ab.

#2 - 28.11.2018, 20:07 von thunderstorm305

Bedeutungsverlust!

Über diese Nachricht kann ich mich nicht freuen. Es zeigt nichts anderes als den Bedeutungsverlust der deutschen Computer-, Software- und Telekommunikationsindustrie. Die Musik spielt eben nicht mehr in Deutschland. Schade dass es dazu gekommen ist.

#3 - 28.11.2018, 20:24 von Pixopax

Schwarzeranzugmesse

Spätestens als ich in Jeans nur noch Leute in schwarzen Anzügen dort vorfand war bei mir schluss mit Cebit.
Das war da als an jedem Stand das Unwort „Lösungen“ stand oder „Cloud“. Als hätten all diese Firmen Lösungen für Probleme anzubieten. Hatten sie nicht, sie taten nur so.
Es gab schlicht nichts mehr zu sehen oder zu entdecken, es wurde nur noch gelabert und das alles stand nur im Zeichen der Großabnehmer.

#4 - 28.11.2018, 20:34 von murun

Die Musik spielte noch fast nie in Deutschland ...

Zitat von thunderstorm305
Über diese Nachricht kann ich mich nicht freuen. Es zeigt nichts anderes als den Bedeutungsverlust der deutschen Computer-, Software- und Telekommunikationsindustrie. Die Musik spielt eben nicht mehr in Deutschland. Schade dass es dazu gekommen ist.
Die bahnbrechenden Neuerungen, die auf der Cebit vorgestellt wurden, kamen bis auf wenige Ausnahmen immer aus Asien oder den USA. Nur der Standort der Messe war halt hier...

Solche großen allgemeinen und örtlich gebundenen IT-Messen sind mittlerweile Dinosaurier in der heutigen Zeit, wo es ganz andere Vertriebs- und Werbemöglichkeiten gibt. Nicht umsonst kämpfen auch andere Messen wie die CES um wirkliche Big Player. Klassische Messen haben meiner Meinung nach nur noch Bestand, wenn sie sich spezialisieren und alles auf eine Nummer kleiner gestalten.

Zumal die 1980er, 1990er und mit Abstrichen die frühen 2000er die Jahrzehnte waren, die solche Messen wirklich interessant gemacht haben - weil es quasi jedes Jahr in einigen Bereichen Quantensprünge gab...

#5 - 28.11.2018, 21:01 von matzi.albers

C64 & Tobit & Steve Wozniak

Die CeBIT wird mir immer in Erinnerung bleiben für das Treffen eingefleischter C64-Freaks aus dem norddeutschen Raum (extra als Schüler noch Presseausweise organisiert, da kein Geld für die reguläre Karte), den witzigen Parties am Tobit-Stand am Ende eines langen Messetages und Steve TheWoz Wozniak neben mir am Buffet. Aber nun zum Fachlichen: Seit MWC und anderen Fachmessen hat sich die CeBIT einfach erledigt. Selbst die IFA hat bessere Karten im Rennen gegen die CES in Las Vegas. War eine schöne Zeit und wahrscheinlich besser ein Ende in Würde als ohne.

#6 - 28.11.2018, 21:03 von Referendumm

Zitat von thunderstorm305
Über diese Nachricht kann ich mich nicht freuen. Es zeigt nichts anderes als den Bedeutungsverlust der deutschen Computer-, Software- und Telekommunikationsindustrie. Die Musik spielt eben nicht mehr in Deutschland. Schade dass es dazu gekommen ist.
Ich muss Ihnen uneingeschränkt zustimmen. Das Deutschland in Sachen Computer-, Software- und Telekommunikationsindustrie nicht nur zurückgefallen, sondern vielmehr in der Bedeutungslosigkeit angekommen ist, dürfte klar sein. Da hilft auch ein Unternehmen wie SAP leider nichts mehr.

Siemens, als ehemals ganz großer CeBIT-Player, gibt es als Hard- und Software-Hersteller in diesem Bereich praktisch nicht mehr. Nixdorf, einer der ganz großen CeBIT-Player ist seit Jahren bankrott. Die dt. Telekom / T-Systems - nur noch Ruinen etc..

Schaut man sich die Top-Arbeitgeber im Bereich Informatik an, dann stößt man - abgesehen von SAP und Bosch - und den großen US-Unternehmen wie Apple, Alphabet / google etc. auch auf solche illusteren Deutschen Firmen wie adidas, Claas, BSI - Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Deutsche Bahn oder auch DATEV (jou, mit Finanzamtsteuern lässt sich sicherlich die Zukunft bestens sichern) oder auch Commerzbank (sind die etwa immer noch nicht pleite?).

Auch wenn es einige schon kennen - hier mal eine Vorausschau, wie es mit Deutschland weitergeht: "Warum es ab 2020 für die Mittelschicht brutal wird ... Die Verwerfungen am Arbeitsmarkt erodieren die Mittelschicht und erzeugen gesellschaftliche und wirtschaftliche Instabilität. ... In den kommenden 10 bis 15 Jahren löst die Alterung der Bevölkerung in der gesamten entwickelten Welt einen nie gekannten Mangel an Arbeitskräften aus."
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/die-bedrohung-der-mittelschicht-in-den-2020er-jahren-a-1216677.html

Und Analphaten oder gering Qualifizierte, die größtenteils in 2015 zu uns kamen, werden diese Probleme nun einmal gar nicht lösen; im Gegenteil, die werden die Sozialsystem weiter extrem belasten.

Ach ja, und wenn wir schon beim Thema sind: Gestern lief auf arte das Kongo-Tribunal: Westliche Unternehmen profitieren im Kongo von Bürgerkriegen und Konflikten, die „am Laufen gehalten werden.“ Das sagt der Schweizer Regisseur Milo Rau. Seine preisgekrönte Dokumentation „Das Kongo Tribunal“ zeigt die dunkle Seite des Rohstoff-Kriegs in Afrika – und wie die Menschen darunter leiden.
http://www.the-congo-tribunal.com

Dazu fällt einem doch gleich die glorreiche Zukunft der Elektromobilität ein, auf die ja unsere Deutsche Automobilindustrie (übrigens führend als Arbeitgeber im IT-Bereich) so schön hingedrängt wird: "Zukunft der Mobilität : Der Weg zum Elektroauto führt über den Kongo ... An Kobalt für den Bau von Batterien fehlt es in Kongo nicht. Kein Land besitzt mehr Vorräte, keines baut mehr ab. Zumal es genug Kinder gibt, um das Erz billig aus der Erde zu kratzen. Klingt wie Zynismus, ist aber elende Realität. Eine Realität, die beim Tanz um das goldene Elektroauto freilich nicht gerne gehört wird."
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/die-batterie-entscheidet-ueber-das-e-auto-kommentar-15109179.html

#7 - 28.11.2018, 21:36 von TS_Alien

Die Cebit hat früher ihren Zweck erfüllt. Heutzutage fehlen die echten Neuheiten, die so manchen Besucher früher begeistert haben, bzw. wollen die Hersteller nicht auf eine Messe warten, um ihre Produkte zu präsentieren. Die Produkte müssen deutlich schneller als früher auf den Markt geworfen werden. Informationen über neue Produkte holt man sich heute aus dem Internet.

Als jugendlicher Hobbyprogrammierer hätte mich ein Besuch der Cebit in den 80ern sicher begeistert. Aber als Informatik-Student in den frühen 90ern hat die Cebit keine Rolle mehr für mich gespielt.

#8 - 28.11.2018, 21:46 von P-Schrauber

Die Messe ist für mich verknüpft mit der Digitalisierung der damals am Computer interessierten Jugend, es war auch diese Aufbruchsstimmung und jedes Jahr neue technische Superlative. Die glaube ich alle in den bann zog, es passierte soviel. Vor allem mit dem PC und den "leistungsfähigen" Homecomputern basierend auf dem Motorola 68000 Chip, danach explodierte förmlich die Auswahl an Software und technischen Neuigkeiten.
Ich hatte ja meine ersten Erfahrungen noch auf einen Apple II und einem TI 99/4A gemacht, das war ein unglaublicher Sprung als AMIGA, ATARI ST, ZX80 und der Macintosh herauskamen..

Mein erstes Jahr war 1984 die letzte CeBit für mich war die von 1993 das Jahr darauf war ich mit meiner Diplomarbeit beschäftigt, danach im Job hab ich keine Zeit mehr gefunden hinzugehen.

Was ich aus der Presse entnehmen konnte war immer noch interessant aber diese Aufbruchstimmung und das man die ganzen "Berühmtheiten" auf der Messe treffen konnte das war vorbei.

Leider sind viele Computerhersteller und Softwareproduzenten von damals nicht mehr da, Deutschland (Wir) haben es damals nicht verstanden hier in den Schulen zu fördern, dabei hatte gerade wir hier soviel Potential.
Trotzdem, Danke für den Artikel und die wieder aufkeimende Erinnerung.

#9 - 28.11.2018, 22:03 von nikklas01

Verwunderung?

Eigentlich nicht. Ähnliches Schicksal erlitt schon vor länger Zeit die Münchner SYSTEMS. Auch hier nahm das Interesse stets ab. So gesehen ist das der Lauf der Dinge

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