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Leistungsschutzrecht für Presseverleger: So ein Quatschgesetz

DPA Mit dem Leistungsschutzrecht wollen sich manche Verleger von der Politik eine digitale Gelddruckmaschine schenken lassen - bald auch auf EU-Ebene. Wie konnte es so weit kommen?
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#10 - 13.06.2018, 20:58 von f-rust

Danke für diese Aufklärung.

Vermutlich wird es den meisten LeserInne gehen wie mir: das war bisher nicht wirklich bekannt und schon gar nicht klar. Danke, Hr. Lobo. Mal sehen, ob manche MdEPs aufwachen.

#11 - 13.06.2018, 21:15 von Notenleser

Auch Tantiemenansprüche von Autoren werden durch das Gesetz "kassiert"

Ist vielleicht in den Augen Vieler eine kleinere "Baustelle", aber für alle, die vom Schreiben oder von anderer Urhebertätigkeit leben, unter Umständen existenzgefährdend: Ganz nebenbei soll nämlich mit diesem unsäglichen Machwerk von Gesetz auch die gerade erst höchstrichterlich bestätigte Unzulässigkeit von VG-Wort/Medien-Zahlungen an Verlage neutralisiert werden. Verlage haben bislang von Verwertungsgesellschaften nämlich bis zur Hälfte der grundsätzlich Urhebern zustehenden Tantiemen abgegriffen - anders kann man es wohl nicht nennen. Das Gros der europäischen Urheberverbände hat sich deshalb gegen diesen Punkt (Artikel 12) ausgesprochen, jedoch dank geduldiger Lobbyarbeit wohl erfolglos. Es geht also nicht nur um Springer und Co. bzw. deren Bereicherung, sondern auch um eine gnadenlose Umverteilung zu ungunsten der Schwächeren, in diesem Fall der Urheber. Auch die Partei des kleinen Mannes sieht da nur stumm zu.

#12 - 13.06.2018, 21:42 von njäh

schön, dass Herr Lobo auch in die andere Richtung austeilt

Gemeinsames Problem ist aber genau bei den Chancen und Risiken rund um IT-Konzerne, dass hier einfach Gesellschaft und Politik nicht an die neuen Verhältnisse angeglichen wurden.
Texte auf tote Bäume zu drucken war 500 Jahre state of the art und jetzt eben genauso wenig wie Kupferkabel oder Dieselmotoren. Den Trend kann man nicht nur verpennen, sondern man kann auch mit widerlichem Lobbyismus versuchen, alte Prinzipien am Leben zu erhalten. Die Entbündelung von Autor und Plattform ist ein Geschenk der Technik, aber man muss es eben auch richtig regulieren - nur eben nicht mit Methoden der Vergangenheit. So ziemlich alles, worüber Lobo schreibt hat leider damit zu tun. Dieses platte Schlagwort eines Paradigmenwechsels wird einfach ausgehebelt. Was den Wagnern und Kutschern vor 100 Jahren passiert ist, passiert den Autoherstellern nicht. Die richtige Konsequenz ist einfach, dass überkommene Geschäftsmodelle untergehen und dafür neue aufblühen können, die besser sind. Die Alternative ist offenkundig, dass die Gesellschaft dahinter gleich mit untergeht.

#13 - 13.06.2018, 22:43 von micha_lang

Verflechtung von Politik und Medien

Nicht nur das die Verlage den Mindestlohn für Zeitungszusteller erst seit diesem Jahr zahlen müssen, ein weiteres Geschenk findet sich im Koalitionsvertrag, nämlich die Absenkung der Beteiligung an den Renten Beiträgen von 15% auf 5%. Das erspart den Verlagen jährlich ca. 300 Mio Euro.
https://meedia.de/2018/02/20/groko-ueberraschung-fuer-verleger-union-und-spd-senken-rentenbeitrag-fuer-zeitungszusteller/
Es scheint so als würde die unkritische Haltung der deutschen Presse gegenüber der deutschen Regierung damit unterstützt.

#14 - 14.06.2018, 00:58 von wiseacre

Digitale Oberhoheit

Ist doch ganz einfach: Google sperrt die Verlinkungen der Verlagsmedien aus seiner Suche aus oder setzt sie soweit nach hinten, dass sie kaum noch zu finden sind. Dann wird den Verlegern ihre eigene Bedeutungslosigkeit in der digitalen Wirklichkeit sehr schnell klar werden. Und den Politikern ihre Ohnmacht gegenüber den Monopolisten des Internet.
Und wenn Google noch einen draufsetzen will, bringt es eigenen Nachrichtencontent. Dann ist die deutsche Medienlandschaft mangels Öffentlichkeit ganz schnell am Ende.
So begräbt man die Demokratie und die demokratische Öffentlichkeit dank Springer.

#15 - 14.06.2018, 01:28 von yves1981

Zitat von pleromax
Keine Frage, dass dieses Gesetz reiner Quatsch mit Soße ist. Nur: Was der Autor reichlich kavalierhaft zu erwähnen unterlässt ist die Tatsache, dass Suchmaschinen wie Google und seine Lilliputkonkurrenz als reine Parasiten fungieren, die sich mithilfe des von anderen produzierten Contents eine goldene Nase verdienen - nur um ihnen auch noch dreiste Vorschriften zu machen, wie, warum und wozu sie ihre Links zu setzen haben (oder eben auch nicht); dass sie ihre Webseiten idiotischerweise aufs HTTPS-Protokoll umstellen müssen, um nicht abgestraft zu werden, und was der Anmassungen mehr sind. Auch DAS gilt es anzugehen, nicht nur die schamlose Verquickung von Verleger-Lobbyismus und Politiklakaien.
Jedem Webseitenbetreiber und jedem Verlag steht es frei:

- sich nicht bei Google News anzumelden oder wieder abzumelden
- Seine Artikel nicht bei Google zu Listen

Das gilt sowohl für Google, Facebook, Twitter und co. Das geht übrigens schon seit es das Internet gibt. Ist eine Zeile in der robots.txt

Und man wird ganz sicher nicht abgestraft von Google, wenn man kein SSL hat. Die Rankingauswirkungen von SSL, kann man getrost ignorieren...

Was die Links angeht. Irgendwie muss Google ja den Spam ausfiltern. Also stellen sie Regeln auf, für ihre Listings. Anders kann man das nicht machen. Sonst hätte es schon längst jemand besser gemacht ;)

#16 - 14.06.2018, 06:25 von spon_4_me

Respekt,

Herr Lobo, Sie haben nicht nur Ahnung, Sie haben Schneid. Das muss man sich erst mal trauen: So eloquent gegen eine Gesetzesinitiative schreiben, die - seien wir ehrlich - auch dem eigenen Haus Vorteile bringen würde. Hochachtung.

#17 - 14.06.2018, 08:58 von im_ernst_56

Alle finden die Kolumne von Lobo toll, ich nicht

Bei der Kolumne von Herrn Lobo habe ich häufiger, und diesmal wieder, den Eindruck, dass es in der Zeit vor dem Internet (die älteren unter uns werden sich erinnern) gar keine Demokratie gegeben hat und dass Google, Facebook, Twitter und Co. jetzt die Grundfeiler der Demokratie sind. Und jetzt wieder der böse Springer-Verlag, der die neue Demokratie kaputt machen will. War da nicht mal was vor ca. 50 Jahren? Enteignet Springer oder so? Würden denn Spiegel, Zeit, Süddeutsche, TAZ usw. nicht von der Neufassung des Urheberrechts profitieren? Warum gerade der Springer-Verlag davon profitieren würde und ob und warum die anderen Verlage dagegen sind, habe ich nicht so ganz verstanden.

#18 - 14.06.2018, 09:02 von kleinbürger

zitat :

Stattdessen hat die zuständige Verwertungsgesellschaft, VG Media, zum Beispiel bei kleinen Start-ups versucht Geld einzutreiben. Versucht. Der Erfolg hier lässt sich konkret beziffern. Im Jahr 2017 nahm die VG Media durch das LSR stellvertretend für die Presseverlage 30.000 Euro ein. Unter Aufwendung von 2.250.099 Euro für die Rechtsdurchsetzung. Das Leistungsschutzrecht hat 2017 also jeden einzelnen Euro unter Einsatz von nur 75 Euro Rechtskosten erwirtschaften können.


verstehe ich nicht, wenn das alles garnichts bringt und nur kosten verursacht, welchen sinn macht es dann für den springer-verlag ?

#19 - 14.06.2018, 09:14 von stefan7777

Mindestlohn Ausnahme, Rentenbeitrags Ausnahme, Leistungschutzrecht

Die Symptome :
Mindestlohn Ausnahmen: https://zeitungszusteller.verdi.de/mindestlohn/
Rentenbeitrags Ausnahme 5% statt 15% für die Arbeitgeber: https://meedia.de/2018/02/20/groko-ueberraschung-fuer-verleger-union-und-spd-senken-rentenbeitrag-fuer-zeitungszusteller/
Und das hier angesprochene Leistungschutzrecht.

Alles Maßnahmen für eine Branche die Monopolhaft organisiert ist. Hinzu kommen enge persönliche Verflechtungen und in Transatlantiker Vereinen. Die dpa möchte ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen, dort trifft sich die Branche.

Eine offensichtliche Machtdemonstration der Monopolhalter an die Politiker jedweder Farbe, war die medial entschiedene Amtsenthebung von Bundespräsident Wulff.

Der Schaden:
Ich muß wohl nicht erwähnen, dass sich die Politik hier in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht hat und dass man solche Verhältnisse milde ausgedrückt auf Seiten des Verlegermonopols als Interessenkonflikt beschreiben muß. Die Berichterstattung verliert an Glaubwürdigkeit, die Politik wird einmal mehr zum Spielball der wirtschaftlichen Interessenvertreter. Die ehemalige vierte Macht, ist nur noch ein tumbes Monopol - und als solches nehmen die Menschen sie auch immer mehr wahr.

Aussicht und die Verzweiflung:
Es ist an einem Finger abzählbar welche verheerenden Auswirkungen diese Konstellation auf die Berichterstattung hat. Auf der anderen Seite muß sich jeder Medienkonsument der befähigt ist diese Zusammenhänge zu erfassen, immer wieder klar die Zustände vor Augen führen und prüfen wie er die Berichte dieses Monopols einordnen muß.

Für viele Themen ist es unerläßlich unabhängige und auch ausländische Berichte über Innlandsthemen zu lesen um sich ein realistisches Bild machen zu können.

Es ist bei uns in Deutschland noch kein offener Kampf gegen die unabhängigen Medien und die Demokratie wie zB in der Türkei - bei uns findet diese Korruption in den Hinterzimmern statt. Aber wehe wenn der "richtige" charismatische Machtmensch auftaucht und sich als Kanzler über mediale Gnadenberichte von uns wählen läßt.

Trump twittert den Amerikanern (und auch uns) gerade solche ein Lied, liebe Leute.

Im Grunde ist im gesamten Westen ein Zersetzungsprozess im Gange, nur in unterschiedlich starker Ausprägung - das Kapital übernimmt die Macht. Die Zivilgesellschaft driftet in eine neue Form der Feudalherrschaft - klingt pathetisch, ist aber einfach nur der Tod der Mittelschicht und die Machtübergang vom Volk an das Geld.

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