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Trumps Ablenkungsmanöver: Das Spektakuläre sticht das Schlimme

Carolyn Kaster / AP Mit einem Dauerfeuer aus drastischen Ankündigungen und Absurditäten gelingt es Trump, alle zu verwirren, meint Sascha Lobo. Im Podcast stellt er die Frage, wie wir den Kampf um unsere Köpfe gewinnen können.
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#1 - 25.08.2019, 14:07 von Hans_Suppengrün

Huiuiui, Herr Lobo... Ihr Schlussakkord flieht ihnen aber mal um die Ohren. Sie fragen ernsthaft, warum sich Frau Omar zu Israel äußert und argumentierten das mit ihrer räumlichen Distanz zu diesem Staat? Sie selbst sitzen in Berlin und äußern sich problemlos zur amerikanischen Politik (heute wieder über eine Stunde lang). Aber Frau Omar legen Sie aufgrund der Distanz nahe, sich nicht zum Thema Israel zu äußern... Inkongruent hoch 10 und ein argumentativer Ausfall, den ich nicht von ihnen gewohnt bin!

Natürlich ist es für eine amerikanische Politikerin legitim auch zu Israel eine Meinung zu haben und diese zu äußern. Wenn diese geäußerte Meinung, wie im Fall Omar, dämlich ist, darf man das kritisierten. Aber man darf nicht kritisierten, dass sie eine Meinung hat! großer Unterschied. wenn man die von ihnen selbst erwähnte "3-D-Regel" auf diesen Fall überträgt, fällt das auch sehr schnell auf.

#2 - 25.08.2019, 15:04 von Actionscript

In ihrer Kritik zu den beiden demokratischen....

...Abgeordneten haben sie leider vergessen zu erwähnen, wer verhindert hat, dass die Beiden nicht nach Israel reisen durften. Es war Trump, der über Twitter Netanjahu dazu aufgefordert hat, die beiden Frauen nicht einreisen zu lassen. Sie wollen hoffentlich nicht behaupten, dass Trump 1. das Recht dazu hatte und 2. dass es kein Grund ist, sich darüber aufzuregen. Auch dass Trump die beiden Frauen und noch 2 weitere farbige Abgeordnete vorher in ihre Heimat - 3 von ihnen wurden in den USA geboren - zurückschicken wollte, war soweit etwas Einmaliges, was vorher noch kein Präsident von sich gegeben hat. Das passt übrigens sehr gut zu ihrer Trump Analyse.

Ohne all das wären die beiden Frauen garnicht erst so stark ins Licht gerückt worden und insofern ist ihre Analyse, dass die Frauen ebenso populistisch handeln nur teilweise korrekt, wenn man sich auf die antisemitischen Bemerkungen bezieht, die Omar vorher über Israel von sich gegeben hat. Man muss Omar jedoch auch zu Gute halten, dass sie sich zumindest dafür entschuldigt hat, was man bei Trump bisher noch nie gesehen hat und auch nicht erwartet. Ob das genug ist oder ehrlich gemeint ist bzw Teil einer Strategie war, ist eine andere Frage.

#3 - 25.08.2019, 15:52 von shrufu

Letztendlich glaube ich das der Fokus in den Medien, wie so oft, extrem verengt auf Einzelteile verengt ist. Dafür ist der Spiegel zB ja durchaus berühmt-berüchtigt. Zum Beispiel habe ich nicht einen Artikel im Spiegel darüber gelesen was die USA seit Trump ökonomisch macht. Man muss ja eigentlich nur auflisten was gemacht wurde..: Versuchte Schwächung internationaler Institutionen die den Handel und Kooperation fördern, dann die Steuersenkungen die klar Investitionen im Ausland und Unternehmen ansprechen, anschließend der Handelskrieg mit China. Zudem weitere Abschottung gegenüber Einwanderern. Kurz, es ist die Taktik wenn ich nicht schneller als du sein kann dann versperre ich dir den Weg zur Nummer 1 in Bezug auf China. Das der Plan natürlich funktioniert ist mE fast albern. China wird es maximal dämpfen und man führt indirekt ein Krieg. Die Unternehmen haben natürlich kein Problem langfristig von China auf die nächsten Länder umzusiedeln und die Republikaner machen sich nicht Mal die Mühe ein narrativ zu erschaffen (zugegeben mit Trump als Showrunner auch sinnlos) indem ethische Werte wie Demokratie und Menschenrechte gegenüber China diese Handlungen legitimieren. Vielmehr scheint der kulturelle Schaden den Trump anrichtet akzeptabel zu sein. Werte? Nein, Werte!!

#4 - 25.08.2019, 16:04 von shrufu

btw

Auffällig das Lobo Mäßigung kritisiert und in der Form einen Gegenvorschlag, bewusst oder nicht, macht indem er zb beide Seiten (in dem Fall Demokraten und Republikaner) derselben Taktik bezichtigt, was letztendlich so wirkt als würde man "Mäßigung" dadurch schaffen das die alternativen beide nicht akzeptabel wären, bzw ähnlich schlecht. Der Unterschied wäre das die Medien also aggressiver und eindeutiger berichten sollten und die Mäßigung über Relativierung stattfinden soll.. denn wo soll der Vergleich liegen irgendwelche seltenen vorkommen von letzter Reihe Politiker mit dem des potus gleichzusetzen? Das eine ist mE erwähnenswert und dauerhaft, das andere nicht.

#5 - 25.08.2019, 19:54 von zoon.politicon

Gegenstrategie:Trump d. unerwartetes Verhalten aus dem Konzept bringen

In Trumps Strategie der ständigen Eskalation ist auch eine Strategie enthalten, andere durch unerwartetes Verhalten aus dem Konzept zu bringen.
Hier können sich Trumps Gegenspieler durchaus auch einmal Trumps Technik des Unerwarteten bedienen:
Schönes aktuelles Beispiel: Macron lädt einfach ohne Rücksprache (mit Trump) den iranischen Aussenminister zum G 7 Gipfel ein. Überraschung gelungen. Weiter so, Macron!
In der Psychologie wird unerwartetes Verhalten, das den sozialen Erwartungen von Herrn Jedermann widerspricht, gelegentlich mit "asoziales Verhalten" umschrieben, und als in schwierigen Situationen gelegentlich erfolgreiche Strategie bewertet.

#6 - 31.08.2019, 09:09 von contraspirit

Kritik an der Kritik

Ihre Israelkritik-Kritik halte ich für problematisch, und das sage ich als prinzipieller Unterstützer Israels, der das Land oft gegen die Vorwürfe insbesonderer linker Israelkritiker in Schutz nimmt. Ja, Leuten, die mit ihrer Kritik immer nur Israel ins Visier nehmen, kann man vermutlich latenten Antisemitismus unterstellen, allerdings kann man Ilhan Omar diese Vorgehensweise nicht bescheinigen. Die Politikerin engagiert sich in einer Vielzahl von Themen, ihr Eintreten für Palästinenserrechte ist nur eins davon. Ihre Kritik, Herr Lobo, unterstellt Leuten wie ihr antisemitische Motive und stellt damit Israel und die Juden in den Mittelpunkt ihres Handelns und nicht etwa das Bedürfnis, den Palästinensern als Menschen und benachteiligten Glaubensgenossen zu helfen. Man kann aber nicht über Palästina sprechen, ohne auf Israel sprechen zu kommen, und daran ist die israelische Politik zumindest nicht ganz unschuldig. Wichtig wäre natürlich auch gewesen, über die erbärmliche Entscheidung der rechten Netanyahu-Regierung zu sprechen, Omar und ihrer Kollegin, also zwei amerikanischen Parlamentariern, auf Druck Trumps die Einreise nach Israel zu verweigern.
Ihre sehr selektive Faktenauswahl und einseitige Parteinahme erinnern mich an die antideutschen Pro-Israel-Elaborate in der "konkret" und ich war wirklich überrascht, derartiges von ihnen zu lesen.