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Verschwundener Journalist : Trumps Taktieren im Fall Khashoggi

DPA Der US-Präsident will in der Affäre um den verschwunden Journalisten Jamal Khashoggi einen großen Konflikt mit der Königsfamilie in Saudi-Arabien vermeiden. Was steckt dahinter?
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#1 - 16.10.2018, 06:12 von RudiRastlos2

Letztlich ist es nicht nur Trump, die ganze Welt duckt sich weg, inklusive der Deutschen Regierung. Also, hier nur mit dem Finger auf Trump zu zeigen, wird der Sache nicht gerecht.

#2 - 16.10.2018, 06:23 von dasfred

Das ist zu hoch für Donald

Alles, was über great Deals hinausgeht, ist für Trump ein Buch mit sieben Siegeln. Da muss er eben stündlich eine neue Meinung zu entwickeln, je nachdem, welcher Einflüsterer gerade bei ihm war. Politik ist ein komplexes Getriebe, an dem ein Laie wie Trump nicht rumpfuschen darf. Die meisten Politiker nehmen ihn nicht wirklich ernst, sonst hätte es schon größere diplomatische Verwicklungen gegeben, aber einige Alleinherrscher können sich schnell persönlich angegriffen fühlen. Ich hoffe, im Weißen Haus sind immer noch ein paar Aktive die rechtzeitig eingreifen, bevor Donald größeren Schaden im nahen Osten anrichten kann. Da läuft jetzt schon genug verkehrt. In diesem Fall gibt es keine einfache Lösung.

#3 - 16.10.2018, 07:57 von sean100

Doppelmoral

Auf der einen Seite sanktioniert man Despoten und auf der anderen Seite macht man hervorragende Geschäfte mit ihnen und schüttelt ihnen freundschaftlich reihenweise die Hände. Jämmerlich und Doppelzüngig!

#4 - 16.10.2018, 08:06 von JDR

Nun, ich will die Sache nicht kleinreden, aber die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung zu diesem Fall im Vergleich zu vielen, weitaus schwerwiegenderen Menschenrechtsverletzungen weltweit, erscheint nicht wirklich gegeben. Und obwohl die Operation - gehen wir mal davon aus, dass es eine war - relativ dumm war, und einen gewissen Backlash rechtfertigt, stellt man sich doch die Frage, inwieweit die bloße Tatsache, dass MBS ein Freund von Präsident Trumps Schwiegersohn ist, ausreicht, um den Fall zusätzlich zu eskalieren.
Sehen wir es realistisch: Im schlechtesten Fall ist er das kleinere Übel in der Region. Im günstigsten Fall ist er ein Reformer, der seine Ziele rücksichtslos in einer Gesellschaft durchsetzt, die von Härte und Radikalität geprägt ist. Revolutionen laufen nicht ohne Blutvergießen ab.
Die Bundesrepublik zum Beispiel hat eine lange Tradition des "wegsehens" bei mörderischen Regimen. Und nicht selten wurde in der Vergangenheit (rückwirkend) gelobt, dass dies komplizierte diplomatische Maneuver in schwierigen Zeiten ermöglicht hat.
Vergleicht man die Berichterstattung im Spiegel zu dem versuchten Terroranschlag der IRI in Frankreich und der Art und Weise, wie darüber berichtet wird, dass Deutschland mit anderen Partnern versucht, den Iran-Deal um jeden Preis zu retten, mit der (vermutlichen) Ermordung eines saudischen Staatsbürgers auf saudischem Boden durch saudische Täter und dem Versuch der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die Beziehungen nicht darunter zusammen brechen zu lassen, dann kann man kaum von "Gleichwertigkeit" der moralischen Empörung sprechen. Und wo diese Gleichwertigkeit eklatant ins Ungleichgewicht rutscht, ist die Reaktion nicht moralisch, sondern ideologisch.

Saudi Arabien bietet einen Kuhhandel an. Ein saudischer Prozess, der zu einem Schuldspruch und einer moderaten Strafe führt. Der Westen täte vermutlich gut daran, diesen Handel zu akzeptieren (nicht ohne klar zu machen, dass MBS noch einmal glimpflich davon gekommen ist). Wer über einen Wiederaufbau Syriens unter einem Regime verhandelt, das seine Bürger vergast, aber meint, wegen einem ermordeten Journalisten müsse die komplette Außen- und Wirtschaftspolitik über den Haufen geworfen werden, der folgt einem kurzfristigen, berechtigten, aber emotional stark verfärbten Impuls. Und wenn Präsident Trump ausgerechnet das einmal nicht tut - wenn auch möglicherweise aus den falschen Gründen - dann ist dies eigentlich eine gute Nachricht.

Das Thema ist - leider - alles andere als einfach.

#5 - 16.10.2018, 08:07 von KingTut

Bollwerk

Aus westlicher Sicht, wenn es rein um unsere Interessen geht, ist Saudi Arabien ein Bollwerk gegen den Iran sowie alle weiteren Kräften, die in der Region gegen unsere Interessen handeln. Wären die Mullahs friedliebend, dann gäbe es in der Region keine nenneswerten Konflikte. Natürlich muss der mutmaßliche Mord an Kashoggi aufgeklärt werden und wir müssen auch all unseren Einfluss beim Thema Menschenrechte geltend machen. Aber was hätten wir denn davon, wenn wir Saudi-Arabien in die Hände von Russland oder China trieben?
Ich stelle außerdem mit Genugtuung fest, dass weibliche Besucher dort nicht wie im Iran gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen, was für eine gewisse Toleranz spricht. Die beklemmenden Bilder der verhüllten Claudia Roth und der EU-Außenbauftragten Mogherini bei ihren Iran-Besuchen haben wir doch alle noch vor Augen.

#6 - 16.10.2018, 08:09 von matimax

Wer fährt trotzdem hin?

Mordverdacht gegen saudische Führung - Siemens Chef will trotzdem nach Riad.*
Ob Putin, Erdogan, die Chinesen oder blutrünstige arabische Potentaten, Hauptsache die Auftragsbücher sind voll.
Nein, nein, so ist das nicht gemeint, man muss doch im Gespräch bleiben - Wandel durch Annäherung, heißt es... .
Und so muss Willy Brandts Ostpolitik als Blaupause und Feigenblatt für Gewissenlose Geschäftemacherei herhalten.

Der US-(Rüstungs-)Industrie winken laut Trump Aufträge im Wert von insgesamt 350 Milliarden Dollar aus Riad, irgendwo habe ich gelesen, es seien sogar mehr als 400 Milliarden.
Money talks - wie der Franzose sagt.

* https://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Mordverdacht-gegen-die-saudische-Fuehrung,saudiarabien124.html

#7 - 16.10.2018, 08:13 von Kater Bolle

Der Westen, die Wertegemeinschaft.....

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber nur noch laut lachen.
Von Trump bis Merkel das große Schweigen zu dem Thema.
Das Putin und Xi nichts dazu sagt war ja klar.
Für die gehören solche Taten ganz normal dazu.
Egal wie der King das ganze formulieren läßt.
Alles deutet schlicht auf einen Mord hin.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen das der King das nicht angeordnet hat.
Festzustellen ist, das für diese scheinheiml. westl. Wertegemeinschaftdie Geschäfte über alles stellt.
Auch über Menschenleben.

#8 - 16.10.2018, 08:20 von Grünstein

Noch Fragen

Eben auf ntv: Kashoggi ist zufällig bei einem Verhör gestorben, dass von unfähigen Agenten durchgeführt wurde, die zufällig im Konsulat waren, als Kashoggi ein paar Papiere abholen wollte. Tja, Sachen gibt´s. Natürlich muss der Tote innerhalb eines Tages beerdigt werden, also hat man ihn schnell in seine Heimat gebracht. War bestimmt sein letzter Wille. Davon gibt´s dann zufällig leider keine Aufzeichnung in der iCloud. Für DT wird das eine plausible Erklärung seiner mit besten Freunde sein. Er ist bestimmt tief betroffen über so viel blöde Zufälle. Und am Ende dürfen wir uns dann darüber freuen, dass er Kashoggi vermutlich noch verhöhnen wird. Am falschen Tag am falschen Ort. Dumm aber auch. Türkische Ermittlungen? Verlaufen im Sand! Ein internationaler Aufschrei? Mitnichten! In zwei Wochen spricht kein Mensch mehr über Kashoggi.

#9 - 16.10.2018, 08:23 von die-metapha

Zitat von dasfred
Alles, was über great Deals hinausgeht, ist für Trump ein Buch mit sieben Siegeln. Da muss er eben stündlich eine neue Meinung zu entwickeln, je nachdem, welcher.....
Trump wird mit Sicherheit nichts tun, was den größten Waffendeal der US Geschichte mit SA gefährden würde. Denn daran gekoppelt ist der Zugang zu günstigen Konditionen für den Rohstoff Öl - von dem die USA abhängig ist.
Ebenso wird er seine privaten geschäftlichen Beziehungen - resp. die seiner Familie - nicht gefährden.
Im Prinzip treffen sich da zwei Syndikatbosse auf öffentlicher Bühne.
Das hat mit Politik nichts zu tun.

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