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Himalaja-Staat Bhutan: Auf der Suche nach dem Bruttonationalglück

Krise ist kein Thema im Königreich Bhutan. Hier geht es nicht um Jagd nach mehr Effizienz, höherer Produktivität, höherem Profit, sondern um das Finden einer "Glücksformel" für die Untertanen. Dazu trägt auch ein deutscher Wissenschaftler bei.
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#1 - 25.01.2010, 07:01 von kanadasirup

glücklos

Na, dann muß wohl noch einiges nachgebessert werden, wenn man junge Männer ins Kloster zwingen kann.

#2 - 25.01.2010, 07:33 von busoph

Die buddhistische Glöücksformel

Glück kommt aus der überfließenden Liebe, die in einem selbst erwächst und die man Anderen jeden Tag schenkt.
So kann man die buddhistische Glücksformel in einem Satz zusammenfassen.
Liebe und Glück lassen sich nicht messen, weder mit einem Meterstab noch mit Geldmengen. Deshalb ist das an Geld orientierte Bruttonationalprodukt mit dem sogenannten "Bruttonationalglück" nicht vergleichbar.
Der Rote Teppich für die ganz Besonderen unter uns, der reichste Mann, das tollste Tor in der Bundesliga? Soll das Glück sein? Wir sehen an der geplatzten Finanzblase die Fassungslosigkeit der weltweiten Geldmaschine.
Dagegen platzen Glück und Liebe nie. So einfach ist das.
Bravo Bhutan.

#3 - 25.01.2010, 08:03 von shatreng

Smith

[...]Durch die unsichtbare Hand, die Selbstregulierung des Marktes, werde gleichzeitig auch das allgemeine, gesellschaftliche Glück erhöht - so wollte es der Begründer der modernen Marktökonomie, Adam Smith. Viele unsichtbare Hände stürzten gut 230 Jahre später die Welt in die Krise. Die Wirtschaft wuchs wild, die Finanzwelt ...."[...]

http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/b...024/index.html

[...]Das Interesse der Kaufleute aller Branchen in Handel und Gewerbe weicht aber in mancher Hinsicht stets vom öffentlichen ab, gelegentlich steht es ihm auch entgegen. Kaufleute sind immer daran interessiert, den Markt zu erweitern und den Wettbewerb einzuschränken. Eine Erweiterung des Marktes mag häufig genug ...."[...]
Der Wohlstand der Nation - Adam Smith
Würden die Wirtschaftsliberalen wenigstens auf ihren Vordenker hören, sähe die Welt schon anders aus ;)

#4 - 25.01.2010, 09:45 von Dr. Sorglos

Exportweltmeister

An der Weisheit des "Bruttonationalglücks" können wir Demut lernen, denn dass 50 Sorten Joghurt im Supermarktregal kein Wohlstand sind, beschleicht langsam aber sicher auch die europäischen Hirne und Herzen.

Bevor es soweit ist, müssen wir aber offensichtlich erst jeden gegen jeden Aufhetzen und die sieben Millionen Arbeitslosen, denen - nach unseren Maßstäben - ohnehin der Lebenssinn genommen wurde, von oben herab treten und bespucken.
In dieser Kategorie sind wir noch Exportweltmeister, denn German Angst ist in allen befreundeten Leistungsrhetorik-Ländern ein echter Verkaufsschlager.
Hass und Angst, Neid und Gier. Das können wir am Besten.

#5 - 25.01.2010, 09:50 von chilip

Glück für alle Bhutaner?!

Landesweites Glück ist ein hehres Ziel. Man sollte es meiner Meinung nach auch nicht sofort als lächerlich oder unrealistisch abtun. Denn hinter dem Begriff "Bruttosozialglück" stecken für Bhutan ganz konkrete Ziele wie Bewahrung von nationalem Kultur- und Naturerbe, eine gute Staatsführung mit einem Minium von Korruption, und natürlich die wirtschaftliche Weiterentwicklung eines der ärmsten Länder der Welt.
Nun ist Bhutan ein multi-ethnischer Staat: im Norden und der Mitte des Landes leben die tibetisch-stämmigen Volksgruppen der Ngalongs und Sharchops; dazu noch viele weitere Minderheiten wie die Doyas, Totas, Brokpas oder Khengpas. Im Süden dominieren dann die nepalisch-stämmigen Lhotsampas.
Ich kann mich ja täuschen, aber in meinen Augen ist Gross National Happiness eine "Erfindung" der an der Macht befindlichen Minderheit der Ngalongs (nicht schlimm) und wird nur auf diese Minderheit bezogen (schon etwas schlimmer). Vermutlich ist es aber so, dass Bruttosozialglück sogar gegen die anderen ethnischen Gruppen ausgelebt wird. Über die Auseinanderstzungen zwischen Ngalongs und Lhotsampas im Bhutan der 1990er-Jahre
kann hier nachgelesen werden:
http://thomas-caspari.de/bhutan/probleme/index.htm
Das hat mit Glück gar nichts mehr zu tun, sondern hat im Osten Nepals mehrere Hunderttausend Menschen unglücklich sitzen lassen.
Also: Ich finde es gut, darüber nachzudenken, wozu wir als Gesellschaft leben, warum wir wirtschaften wie wir wirtschaften, und in welcher Zukunft wir leben wollen. Aber Bhutan ist hier kein Vorbild.
Die Verfasser des Spiegel-Artikels sind der Ngalong-Propaganda auf den Leim gegangen und haben in ihrem Artikel Shangri-La durch die Hintertür wieder eingeführt.
Schade.

#6 - 25.01.2010, 10:11 von jj2005

Die Schlüssel zum Glück gibt es bereits...

Zitat von shatreng
Der Wohlstand der Nation - Adam Smith Würden die Wirtschaftsliberalen wenigstens auf ihren Vordenker hören, sähe die Welt schon anders aus ;)
Dem kann ich nur 100% beipflichten! Wenn wenigstens das, was bereits im Grundstudium Volkswirtschaft zum Thema Externalitäten und Marktversagen gelehrt wird, konsequent angewendet würde, hätten wir eine Menge Probleme weniger.

Es ist gut, dass in Bhutan ernsthaft über den Zusammenhang zwischen Politik und Glück nachgedacht wird. Dass zwischen Theorie und Praxis eine Lücke klafft, sollte uns im Westen nicht aufregen - siehe oben.

Auch in Europa gibt es eine Reihe von Initiativen, z.B. die von Sarkozy berufene Stiglitz-Sen-Kommission, die Beyond GDP-Initiative des Europäischen Parlaments, oder der Workshop on Measuring Wellbeing and Societal Progress. Allen gemeinsam ist die Erkenntnis, dass die Formel "Wirtschaftswachstum löst alle Probleme" schädlich ist - man müsste einen besseren Leitindex haben. Leider hilft es wenig, wie in Bhutan mit einem Fragenkatalog zum Befinden der Bürger umherzuziehen: wenn dabei herauskommt, dass diese unglücklich sind, was dann, Frau Merkel? Glückspillen verteilen??

Der Zusammenhang zwischen dem Handeln der Regierung und dem Glück der "Untertanen" ist extrem unklar. Es hilft vielleicht, mal ganz idealistisch davon auszugehen, dass die Politiker uns glücklich machen wollen; schliesslich wollen sie ja wiedergewählt werden. Also soll die Entsendung von Soldaten nach Afghanistan uns glücklicher machen; ebenso wie Geschenke an die Banker, die Autobahnmaut oder höhere Steuern auf Sprit, die Hartz IV-Gesetze etc etc. Eurostat bietet über 200 Schlüsselindikatoren an, die allesamt wichtig für die Beurteilung der Anstrengungen unserer Politiker sind, uns ein besseres Leben zu bescheren. Wer vor der Komplexität der Aufgabe, diese zu einem "Gesellschaftlichen Fortschrittsindex" zu bündeln, zurückscheut (weil zu schwierig, unwissenschaftlich, etc, es gibt da reichlich Totschlagsargumente), überlässt im Endeffekt das Feld dem guten alten BSP... quo vadis?

#7 - 25.01.2010, 10:54 von Naschfreudiger

Herzenswunsch:

Gott behuette Bhutan vor Massenmedien und Gutmenschentum aus political correctness dieser linkisch-linker Krummenrepublik!

#8 - 25.01.2010, 12:09 von Olaf

Glücklich ohne Titel

Zitat von sysop
Krise ist kein Thema im Königreich Bhutan. Hier geht es nicht um Jagd nach mehr Effizienz, höherer Produktivität, höherem Profit, sondern um das Finden einer "Glücksformel" für die Untertanen. Dazu trägt auch ein deutscher Wissenschaftler bei.
Wie sieht denn die Glücksformel für einen aus, der in Bhutan z.B. einen schweren Unfall hatte und sich nicht mehr selbst versorgen kann?

#9 - 25.01.2010, 12:11 von kiu77

Behüte uns vor den Behütern...

Zitat von Naschfreudiger
Gott behuette Bhutan vor Massenmedien und Gutmenschentum aus political correctness dieser linkisch-linker Krummenrepublik!
1. Ist der Aufruf einer mystischen Existenz deplatziert und
2. erheben sich die, die "Behüte..." schreien, über Andere
=> und sind somit nicht besser als die, die sie kritisieren, sondern phatetisch, selbstverliebt und bemitleidenswerter.

Könnte man mal drüber nachdenken.

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