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Nach Werftpleite: "Sea Cloud Spirit" setzt zwölf Jahre nach Kiellegung Segel

Sea Cloud Cruises/dpa Doppelt so viel Segelfläche wie die "Gorch Fock" soll der Luxussegler "Sea Cloud Spirit" bekommen: Der Dreimaster wird 2020 erstmals Kreuzfahrer an Bord nehmen. Schon 2008 begann der Bau.
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#1 - 13.08.2019, 19:24 von Hamberliner

Hübsch, aber rückwärtsgewandt

Das Schiff ist sehr schön anzusehen, aber eben ein Traditionssegler. Zukünftige Windpropulsionsanlagen werden nicht von Menschen, sondern von Algorithmen zu entwerfen sein, so dass man nicht fordern, sondern nur vermuten kann, wie sie aussehen werden. So bestimmt nicht, und wie das genauso antiquierte Dynarigg genausowenig. Ein Blick auf moderne Rennyachten, auf die Flügel von Windenergieanlagen, und etwas Verständnis für das Kutta-Jukowski-Profil lässt vermuten, dass eine schoner-artige Anordnung nachgiebiger Profile mit abgerundeter Nase dabei herauskommen könnte. Wie viele Masten und wie angeordnet - da muss man sich vom Algorithmus überraschen lassen. Ebenfalls von Algorithmen wird vor jeder Reise anhand einer Windprognose die Route zu optimieren sein - direkt von A nach B segeln oder das aus dem Bauch zu entscheiden wird nicht die kürzeste Dauer ergeben.
Weil sich das alles noch nicht rechnet finde ich es sehr schade, wenn hier eine Möglichkeit ungenutzt bleibt, anstelle von Nostalgiegefühlen die Zukunftsgefühle von Kreuzfahrt-Passagiere zu stimulieren um mit der Kreuzfahrbranche etwas auszuprobieren, das im Container, RoRo- und Bulkerverkehr noch nicht konkurrenzfähig ist, aber im Zuge immer restriktiveren Klimaschutz-Regeln früher oder später konkurrenzfähig sein wird.

#2 - 13.08.2019, 19:41 von hzj

Mir fehlen Angaben über die Kosten!

Damit man auch mal einen Vergleich mit den Renovierungskosten der Gorch Fock ziehen kann.
Aber vielleicht wurde die Gorch Fock ja auch als geheimer Hilfskreuzer mit schwerer, aber von außen nicht erkennbarer Bewaffnung umgebaut, damit die Bundesmarine mal wieder ein Schiff auf grosse Fahrt in die Weltmeere schicken kann, das als Segelschiff CO2 neutral unterwegs ist und nicht dauernd wegen Maschinenschadens ausfällt.

#3 - 13.08.2019, 21:02 von Silversurfer2000

Diese Schiffe können alles...

... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.

#4 - 13.08.2019, 21:08 von geotie1

Das wäre mal eine Schiffsreise wert! Nicht diese schwimmenden Großhotels mit allem Drum und Dran. Etwas, wo man den Wasserspiegel nicht aus 30 Meter Höhe sieht, wo einem der Wind um die Nase fährt. Bei meinem Onkel war ich öfters segeln, viel besser, finde ich, als mit so ein Motordröhner zu düsen. War eine schöne Zeit.

#5 - 13.08.2019, 22:30 von stelzerdd

Diese Schiffe können alles..

Zitat von Silversurfer2000
... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.
Selten soviel Unwissen auf wenigen Zeilen gelesen. Seit Jahren bietet "Star Clippers" echte Segelkreuzfahrten auf vergleichbaren und größeren Neubau-Schiffen an. Unter Segeln sind die Schiffe schneller als mit dem für Ausnahmefällen vorhandenen Diesel-Hilfsantrieb. Für die Segelei wird - soweit mir erinnerlich - pro Mast 1 Besatzungsmitglied gebraucht.

#6 - 14.08.2019, 23:30 von Hamberliner

Re: Diese Schiffe können alles...

Zitat von Silversurfer2000
... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.
Wieso Besatzung? Warum nicht die Urlauber? Als ich dazu noch körperlich in der Lage war hätte ich manchmal sehr gerne meine Gorch-Fock-Zeit wiederholt, allerdings nicht den Teil unter Deck (mit fremden Leuten im selben Raum leben und schlafen, keine Privatsphäre, das wär für mich heute Tortur und Folter.). Unsere damalige Ausbildung war nicht ausgeknautscht, das lässt sich straffen und optimieren, in weniger als einer Woche lässt sich jeder geeignete Tourist ausbilden in die Royals aufzuentern, auf dem Fußpferd auszulegen und das Segel auf die Rah zu falten.
Vielleicht stehen rechtliche Kriterien dem entgegen, keine Ahnung.

#7 - 14.08.2019, 23:50 von vielrumgekommen

@silversurfer2000

Wenn ich mir diesen Beitrag so durchlese, überkommt mich das Gefühl, dass Ihr maritimes/ nautisches Wissen erfreulich ausbaubar ist. Füllen Sie doch die erkennbaren Lücken über Großsegler und Segeln an sich und erfreuen Sie uns zukünftig über Fortschritte auf diesem Gebiet.
Übrigens auch auf den ersten Beitrag anzuwenden.

#8 - 14.08.2019, 06:23 von pvdfpipe

Erster Passagierlift

Das Sailtraining Schiff Lord Nelson hat einen Aufzug an Bord und segelt bereits seit 1989. Hier dient er nicht dem Luxus sondern ermöglicht Rollstuhlfahrern eine barrierefreie Reise.

#9 - 14.08.2019, 07:16 von burlei

@Silversurfer2000, #3

Zitat von Silversurfer2000
[Diese Schiffe können alles]... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.
Sind Sie sich sicher, dass diese Schiffe nicht segeln können? Seit den Zeiten von Admiral Horatio Nelson hat sich die Technik der Segelschifffahrt etwas geändert. Die Flying P-Liner (Passat z.B., auch die Krusenstern ex Padua z.B.) fuhren als reine Frachtsegler ohne Maschine zwischen Europa und Chile und hatten eine sehr geringe Mannschaftsgröße. Als Schulschiff hatte z.B. die Passat eine Stammbesatzung von 30 Mann und 86 Kadetten. Ihren ersten Motor bekam sie 1951. Fast alles, was früher zig Mannschaften per Hand machen mussten, übernehmen heute Maschinen.

Segelschiffe, die nur vor dem Wind fahren können, gibt es natürlich selbst heute noch. Ihre Hochzeit hatten diese aber in der Antike und seit einigen Jahrhunderten, eigentlich seit 1.500 Jahren können Schiffe auch kreuzen, also praktisch gegen den Wind fahren. Die Passat erreichte mit 4.100 qm Segelfläche (die "Sea Cloud Spirit" hat knapp 4.000 qm) dabei Geschwindigkeiten von 32 Km/h, die AIDAnova, vor einem halben Jahr in Dienst gestellt kommt mit ihrer 84.000-PS-Maschine auf 31 Km/h.

Für die Feststellung, dass man "enge Termine [...] unter Segeln praktisch nicht einhalten [lassen]", fehlt mir allerdings eine Antwort. Welche Termine? Im Wellnessbereich? Captains-Dinner? Fährt das nicht alles mit?

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