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"Rassismus" in der öffentlichen Debatte: Die Abwehr steht

Getty Images "Rassismus gibt es nicht im deutschen Fußball" - die Reaktion vieler Spieler auf Mesut Özils Rücktritt zeigt, wie gestört der deutsche Umgang mit manchen Begriffen ist. Nicht Diskriminierung gilt als Tabu, sondern Kritik daran.
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#1 - 16.08.2018, 20:13 von Papazaca

Wenn in Deutschland Integration statt findet, dann ....

im Fußball. Aber im Umkehrschluß: Gibt es Rassismus in Deutschland? Klar. Und im Fußball? Sicher auch, aber vermutlich weniger, weil im Fußball die Integration am besten funktioniert.

Insgesamt ist aber dieser mediale Alarm fehl am Platz. Meine Frage: Liebe SPON-Redakteure, habt erst gerade den Rassismus in Deutschland entdeckt? Den gibt es schon immer, wird es immer geben, er ist aber als Zeiterscheinung momentan sicher relevanter, richtig!

Aber: Jetzt so überrascht zu tun überrascht mich!

#2 - 16.08.2018, 20:19 von oschn

Kill the messenger

Das ist doch schon lange so, und zwar auch in Unternehmen. Und auch nicht nur in Deutschland. Keiner mag Unruhestifter. Nicht die Tat ist das Schlechte, sondern der Überbringer der Nachricht, der Missstände ankreidet. Der Nestbeschmutzer, der es wagt, die Wahrheit über Unzulänglichkeiten zu sagen. Und das wird wahrscheinlich auch weiterhin so bleiben. Chapeau an die Leute, die trotzdem dem Mut aufbringen, dem Paroli zu bieten.

#3 - 16.08.2018, 20:58 von mankannnurstaunen

Es erschüttert mich wirklich,

dass über die Worte, die Mesut Özil gesagt hat, offenbar kein bisschen nachgedacht wird. Man will es wohl auch gar nicht. Sicher ist ein Toni Kroos oder ein Manuel Neuer noch nie rassistisch beleidigt worden, aber Mesut Özil wurde es. Genauso wie schon früher Jerome Boateng. Beide, und das hat auch keiner von beiden je behauptet, wurden je von ihren Mannschaftskollegen derartig beleidigt. Aber sie wurden es von Fans, von gewissen Politikern und zumindest Özil wurde von Führungspersönlichkeiten des DFB unter Druck gesetzt. Das und nichts anderes hat Mesut Özil angeprangert. Zu Recht! Und genau darüber sollte gesprochen werden. Warum vermeiden Leute wie Kroos, Neuer, Müller diese Diskussion? Stehen sie etwa auch unter Druck? Ich ziehe den Hut vor Mesut Özil. Einer, der einfach nur die Wahrheit gesagt hat, einer, der sich das Recht herausnimmt, sich nicht länger beleidigen zu lassen, einer, der dieses "spiel" nicht mehr mitspielt. Seine Mannschaftskollegen sollten mit ihm, statt über ihn reden! Einige wie der Julian Draxler tun es. Und das ist das einzige, das angebracht ist. Das einzige, das Wunden heilen kann.

#4 - 16.08.2018, 21:28 von buzi

Danke

für diesen wahren Artikel. Leute wie Kroos, Müller oder Neuer haben kein Bewusstsein für die tatsächliche Stimmung im Land und vermutlich Angst um ihre Posten. Kroos kann den Rassismus in Deutschland eh kaum einschätzen, lebt ja nicht hier. Die beiden Bayern haben Hoeneß vor der Nase, das sagt ja alles. Ich bewundere Özil für seine Offenheit und seinen Mut und hoffe, dass die Rassismus-/Integrations-Debatte in Deutschland weiter offen auf dem Tisch bleibt, denn nur so kann man rechte Tendenzen wahrhaft bekämpfen.

#5 - 16.08.2018, 21:31 von geronimotr

Diskurs

Ich finde in dem Zusammenhang mit Özils Rücktritt werden zwei Dinge vermischt: einerseits ist das Foto Özils mit Erdogan - ein politisches Statement seitens des Fußballers, das zu Recht kritisiert wird: warum unterstützt ein deutscher Nationalspieler einen Despoten kurz vor der Wahl? Und niemand kann behaupten, das diese Unterstützung Özil nicht bewusst war! Und andererseits die rassistischen Übergriffe deutscher Fans gegen seine Person oder andere Fußballspieler mit Migrationshintergrund, die keinesfalls hinzunehmen sind. Sich auf die sicher rassistisch motivierte Kritik zu beschränken , wird den Konflikt nicht klären. Und das Statement, er sei sich der Auswirkungen dieser Aktion nicht bewusst gewesen, sorry das ist für einen Erwachsenen doch ziemlich billig.

#6 - 16.08.2018, 21:37 von decathlone

Ich finde die Gemengelage nach wie vor problematisch...

Da ist der 'Ausrutscher' mit Erdogan und Özils beharrliches Schweigen. Danach haben sich die AfD-Krakeler hier in Deutschland aus der Deckung gewagt, vorher haben ihn die Türken im Stadion ausgepfiffen. Er war ganz bestimmt nicht der schlechteste Spieler im deutschen Team bei der WM und schon gar nicht verantwortlich für das frühe Ausscheiden, aber er ist sichtlich auf dem absteigenden Ast, auch in seinem Verein in England. Und die ganze Inszenierung ist wohl von seinen Beratern eingefädelt worden (englischer Text) und mein Eindruck ist, dass man vielleicht mit antideutschen Ressentiments jetzt noch schnell ein wenig Kohle machen will. Die Beziehungen zur Familie Erdogan werfen auch einige Fragen auf. Und ja, es ist verwerflich (und unklug) sich vor den Karren dieses Mannes spannen zu lassen. Tragisch dabei ist, das Mesut Özil von Erdogan nur benutzt wird in seiner Kampagne gegen Deutschland. Und wer weiss, wie lange es den 'verehrten Präsidenten' selbst noch gibt und ob nicht vielleicht Alle, die ihm gegenüber so willfährig waren, am Ende von den Türken mit verantwortlich gemacht werden. Mesut Özil sitzt zwischen allen Stühlen.

#7 - 16.08.2018, 21:59 von veccctor

Herr buzi

Wenn Toni Kross den Rassismus in Deutschland nicht einschätzen kann, weil er nicht hier lebt, frage ich mich schon wie Herr Özil dies tut, der doch auch nicht hier lebt

#8 - 16.08.2018, 22:14 von Pela1961

Vielleicht wäre es hilfreich,

wenn diese angeblich rassistischen Beschimpfungen, Beleidigungen oder was es sonst war, auch mal genauer beschrieben würden. Solange man bei Özil den Eindruck hat, dass er Kritik an seiner sportlichen Leistung oder auch an seinem Fotoshooting mit Erdogan als rassistische Beleidigung betrachtet, hilft das denjenigen wirklich nicht weiter, die tatsächlich wegen ihrer Herkunft und nicht wegen ihrer Handlungen beleidigt oder beschimpft oder auch nur kritisiert werden. Was die "Schuld" an der Leistung der Nationalmannschaft angeht, hat Özil nicht mehr Häme, Beleidigungen und Beschimpfungen mitbekommen als gerade Kroos und Müller auch. War das auch rassistisch?

#9 - 16.08.2018, 22:40 von besonnener

Wie oft denn noch?

Wie oft noch muss man dieses Sommerloch-Thema aus der Kiste holen?
Ja Rassismus gibt es über all und wird zu oft übergangen oder weggesehen. Wissen wir und sollte auch detailliert im Spiegel aufgeworfen werden.

Aber bitte fragt jetzt nicht jeden Tag einen Nationalspieler nach diesem alten Hut und reitet die Sau ewig durchs Dorf. Das erweckt nämlich eher den Eindruck von Effekthascherei als von Journalismus.
Die WM ist Geschichte, Özils Karriere in D auch, also Blick nach vorn und sucht Euch echte Themen beim Spiegel. Gibt genug davon..
Oder wollt Ihr nach der Nationalelf, wenn Ihr mit allen durch seid, noch mit den Handballern weitermachen?

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