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Armut von Familien: Nur jedes siebte Hartz-IV-Kind profitiert von Teilhabepaket

DPA Zehn Euro im Monat für den Sportverein oder den Musikunterricht - darauf haben Kinder in Hartz IV ein Anrecht. Doch kaum eines kann es nutzen. Zu bürokratisch ist oft der Antrag, zu selten passen die Angebote.
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#1 - 18.09.2018, 16:55 von themistokles

"Die Gründe: Die Beantragung ist oft zu kompliziert, die Hürden zu hoch - oder die Zuschüsse sind zu niedrig, um etwa tatsächlich Musikunterricht und ein Instrument bezahlen zu können."

Das ist mir jetzt als Zusammenfassung leider etwas zu dünn. Wie sieht denn die Verteilung bei diesen drei "Gründen" aus? Aufwand oder zu geringer Betrag? Ein zu geringer Betrag ist sicherlich schlimmer, als das man sich einmal mit dem Antragsformular auseinandersetzt....

#2 - 18.09.2018, 16:57 von widower+2

Zu bürokratisch

Und oft wenig durchdacht. 10 Euro pro Monat für Musikunterricht sind tatsächlich nichts, was irgendwie nutzbar wäre. Zudem müssen Leistungsempfänger zum Beispiel bei der Schülerbeförderung in Vorleistung treten (Monatskarte 60 Euro), was im Einzelfall schon sehr schwer fallen kann und nahezu unmöglich werden kann, wenn die Erstattung nicht unverzüglich erfolgt und man effektiv sogar zwei Monate in Vorleistung treten muss.

Warum nicht gleich eine kostenlose Monatskarte, die auch noch Verwaltungskosten einsparen würde?

Anders als der Artikel insiniuert, wird das Schulstarterpaket (wenn auch in der Höhe unzureichend) bei Leistungsempfang und dem Vorliegen einer Schulbescheinigung ohne gesonderten Antrag ausgezahlt.

#3 - 18.09.2018, 17:05 von vliege

Bürokratiemonster

Die "Hürden" sind am unteren Ende der Gesellschaft hoch. Ähnlich sieht es mit den Fördermitteln für Bildung bzw. Sanierung der Schulen aus. Statt unbürokratisch zu helfen müssen unsinnige Voraussetzungen erfüllt werden um die Gelder zu erhalten.

#4 - 18.09.2018, 17:14 von Spr.

So ist das gewollt!

Unsere heutige Verteidigungsministerin und damalige Arbeitsministerin hat mit dem sogenannten Teilhabepaket ein bürokratisches Monster geschaffen, das die Situation armer Kinder nicht verbessern kann! Mit dem Höchstbetrag von 10 Euro pro Monat lässt sich beim billigsten Anbieter eine (in Zahlen: 1!) Nachhilfestunde mit viel Glück gerade noch finanzieren. Die vielgepriesenen Geigenstunden übersteigen den finanziellen Spielraum des Teilhabepakets dagegen bei weitem! Schulessen lassen sich davon ein bis zwei bezahlen - pro Monat!

Dafür waren nach Verabschiedung monatelang keine Antragsformulare zu bekommen. Als die Formulare endlich vorlagen, waren diese komplizierter gestaltet als ein Hartz IV-Antrag. Es immer noch keine Hinweise zur Handhabung, so dass jede Jobcom nach eigenem Gusto Wohlverhaltensregeln aufgestellt oder gleich abgelehnt hat. Viel hat sich daran bis heute nicht geändert.

Gleichwohl hat das Teilnahmepaket seinen Zweck erfüllt und erfüllt diesen, wie wir hier gerade erleben dürfen, immer noch: es stempelt die Eltern armer Kinder unisono als bildungsferm ab! Kaum jemand weiß, wie das Teilhabepaket genau aussieht. Dass aber so gut wie niemand das Teilhabepaket beantragt, wird als Beweis für die Bildungsferne der Eltern gewertet.

Genau dieser Effekt sollte mit dem Teilhabepaket erreicht werden. Unsere damalige Ministerin Gedöns hatte bereits mit der letzten großen Hartz IV-Reform ihre außergewöhnliche Begabung für so unwirksame wie sozial verächtlich machende, dafür kostenreduzierende Sozialreformen bewiesen. Damals stellte sie mit einer beispiellosen Diffamierungskampagne alle Hartz IV-Opfer als Raucher, Säufer und ihre Kinder vernachlässigende Eltern hin. Den vom Verfassungsgericht als unzureichend erklärten Regelsatz hob sie dann nur um 5 ganze Euro an, während gleichzeitig nahezu alle Zusatzleistungen wie z.B. der kleine Beitrag in die Rentenkasse ersatzlos gestrichen wurden. Die Einsparungen betrugen ein Mehrfaches von der Erhöhung des Regelsatzes und befähigten die damalige Ministerin für Soziales für viele Politiker, Journalisten und Wähler dazu, die nächste Kanzlerin zu werden.

#5 - 18.09.2018, 17:15 von lachina

Der Antrag ist wirklich kompliziert....

und schreckt die Schlichteren, die Nicht- Muttersprachler ab - und die Desinteressierten stellen ihn nicht.
Warum bezahlt der Staat nicht lieber direkt bei Vereinen, Musikschulen und Instituten Freiplätze , und das Kind/Jugendlicher bewirbt sich selbst darum .
Ein Fitnessstudio bei uns bietet solche Freiplätze für einige Jugendliche an - und die haben mehr Bewerber , als sie aufnehmen können.

#6 - 18.09.2018, 17:38 von widower+2

Sehr unvollständiger Artikel

Zitat von themistokles
"Die Gründe: Die Beantragung ist oft zu kompliziert, die Hürden zu hoch - oder die Zuschüsse sind zu niedrig, um etwa tatsächlich Musikunterricht und ein Instrument bezahlen zu können." Das ist mir jetzt als Zusammenfassung leider etwas zu dünn. Wie sieht denn die Verteilung bei diesen drei "Gründen" aus? Aufwand oder zu geringer Betrag? Ein zu geringer Betrag ist sicherlich schlimmer, als das man sich einmal mit dem Antragsformular auseinandersetzt....
Da haben Sie Recht. Abgesehen davon, dass die Überschrift "Hartz-IV-Kinder" schon unterirdisch ist, ist sie selbst wenn man ALG II-Empänger als Hartz IV-Empfänger bezeichnet, auch nicht korrekt. Anspruch auf Leistungen aus dem Paket für Bildung und Teilhabe haben: ALG II-Empfänger, Empfänger von Leistungen nach SGB XII, Wohngeldbezieher und Empfänger von Kinderzuschlag aus der Familienkasse.

Vielen leistungsberechtigten wird ihr Anspruch schlicht gar nicht bekannt sein. Zudem können die Kosten der Antragstellung (Anfertigung von Kopien, Reise in die Kreisstadt zur Einreichung) bei kleineren Beträgen schon mal den Erstattungsbetrag übersteigen.

#7 - 18.09.2018, 17:45 von loom_de

Spar- und Bürokratiewahn

30 bis 50 € pro Monat und Kind wären angebracht und zugleich eine gute Investition in die Gesellschaft. Das Kind müsste nur regelmäßig seine Teilnahme bestätigen. Alles weitere kann zw. Amt und Verein geklärt werden.

#8 - 18.09.2018, 17:52 von bjoern2605

Das ist der Nährboden

Genau diese Umstände sind doch der Nährboden der AfD und deren Gesinnungsgenossen.
Die betroffenen Familie sehen, welche enormen Anforderungen an 10€ Zuschuss gestellt werden und wie (aus ihrer Sicht) vergleichsweise einfach die Geflüchteten hier deutlich höhere Beträge erhalten.

Hier muss etwas passieren... Aber das ist nicht die Kürzung der Leistungen an Geflüchtete sondern eine Anpassung der Hartz IV Gesetze, die den Kindern Sport und Teilhabe ermöglicht. Den einen Ausgegrenzten gegen den anderen aufzuhetzen bringt uns nicht weiter.

#9 - 18.09.2018, 17:54 von widower+2

Ganz so ist nicht

Zitat von Spr.
Unsere heutige Verteidigungsministerin und damalige Arbeitsministerin hat mit dem sogenannten Teilhabepaket ein bürokratisches Monster geschaffen, das die Situation armer Kinder nicht verbessern kann! Mit dem Höchstbetrag von 10 Euro pro Monat lässt sich beim billigsten Anbieter eine (in Zahlen: 1!) Nachhilfestunde mit viel Glück gerade noch finanzieren. Die vielgepriesenen Geigenstunden übersteigen den finanziellen Spielraum des Teilhabepakets dagegen bei weitem! Schulessen lassen sich davon ein bis zwei bezahlen - pro Monat!
Ihr Beitrag enthält viel Richtiges, mit Naschhilfstunden haben diese 10 Euro allerdings nichts zu tun. Die sind für Sportverein oder Musikunterricht (dafür natürlich nicht genug).

Für die "ergänzende, angemessene Lernförderung" (Nachhilfe) gibt es einen eigenen Posten. Die wird aber in der Regel erst dann erstattet, wenn es bereits zu spät ist. Dafür benötigt man eine Bescheinigung der Schule, dass die Versetzung bereits akut gefährdet ist. Sonst gibt es NICHTS!

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