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Deutschland im Abschwung: Gefährliches Nichtstun

DPA Deutsche waren in den vergangenen Jahren groß darin, andere Länder zu Reformen zu drängen. Nur unser eigene Wirtschaftspolitik sollte bitte bloß nicht verändert werden. Das könnte sich jetzt rächen.
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#1 - 03.02.2019, 12:05 von tallinn1960

"No action taken" ist Neo-Klassizismus (aka Neoliberalismus) pur

Das Credo der internationale "Elite" der Volkswirtschaftslehre ist seit dem Ende des kalten Krieges, dass jede staatliche Einflussnahme auf die Wirtschaft schlecht ist. Deswegen wurden fast überall Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte die Steuerräder mit einem Strick festgezurrt und man hat sich in der Politik von der Wirtschafts- und Sozialpolitik abgewandt - regelt alles der Markt. Dafür hat man sich lieber mit der Konsolidierung der Staatsfinanzen und Geschlechtergleichtstellung beschäftigt.

Steuerliche Entlastung eines Grossteils der Steuerzahler sowie staatliche Investitionen wird diese Elite wieder in Grund und Boden verdammen - defizitäre Haushalte sind da Teufelswerk und Steigerung des Einkommens der Masse führt nur zu Inflation. Stattdessen wird es wieder Empfehlungen geben, die Löhne sinken zu lassen, weil das nach Marktlogik der Ökonomen die Zahl der Arbeitsplätze schützt. Das bedeutet natürlich auch sinkende Steuereinnahmen. Und darauf, dass die Wirtschaft - der Staat kann es ja mit sinkenden Einnahmen und der Forderung nach ausgeglichen Haushalten nicht - segensreich investiert, darf dann jeder warten, bis die Rezession vorbei ist.

#2 - 03.02.2019, 12:06 von marthaimschnee

warum habe ich da ein ganz mieses Gefühl?

Welche Arten von Reformen schweben uns denn dieses Mal vor? Die letzten haben dafür gesorgt, daß die Masse vom Aufschwung nichts gesehen hat, wir am Export-Tropf hängen und einige wenige das Geld auf riesige Haufen stapeln, von denen sie nichts davon in den realen Wirtschaftskreislauf lassen (weil bringt ja kaum Rendite). Und um Gottes Willen den Letztgenannten keinen Cent wegnehmen! Ganz böse! Ende des Abendlandes!! Bloß nicht anfassen!!! Und Macron? Ja, der tut was. Nur leider auch bloß das Falsche. Genau wie in Deutschland zuvor versucht er, das versiegende Wachstum durch einen Angriff auf die Schwächsten anzuschieben. Echte Strukturreformen sind das nicht, sondern lediglich mit aller (Staats)gewalt den Staus Quo solange wie möglich beibehalten zu wollen. Das funktioniert, bis die Schwächsten sich zusammenrotten und den Staat in Trümmer legen. Legen Sie es darauf an, Herr Müller? Dann nur weiter so!

PS: Echte Proteste gegen die Hartz-Reformen hat es in Deutschland insbesondere von den Gewerkschaften niemals gegeben!

#3 - 03.02.2019, 12:08 von Nordstadtbewohner

Problem erkannt, aber falscher Gedankengang

"Wichtiger wäre es, die leistungsfeindliche Wirkung der Sozialversicherungsbeiträge bei niedrigen und mittleren Einkommen zu mildern."

Warum sollte die leistungsfeindliche Wirkung der Sozialversicherungsbeiträge nur bei niedrigen und mittleren Einkommen gemildert werden? Gutverdiener sind von den hohen Zwangsabgaben und deren leistungsfeindliche Wirkung ebenfalls betroffen. Hier liegt doch ein generelles Problem vor: Die arbeitenden Menschen in Deutschland werden auf der Steuer- und Abgabenseite viel zu sehr belastet und können nicht selbst entscheiden, wie sie sich vor Alter und Krankheit absichern wollen. Hier sollte eine Verschlankung stattfinden, um gerade jungen Menschen wieder die Möglichkeit zu bieten, selbst über das eigene Leben zu entscheiden.

#4 - 03.02.2019, 12:13 von dachauerthomas

Reform

Immer wenn das Wort Reform in den Mund genommen wird ist das ein weiterer Versuch die Umverteilung von unten nach oben zu verstärken.

#5 - 03.02.2019, 12:15 von Wot11

Startups nichr vergessen

Steurliche und bürokratische Belastung für startup ist immer noch erschreckend für das 21 Jahrhundert. Hier sollte sicherlich was gemacht. werden. Außerdem zerstören Millionen von Patenten jegliche Innovation.

#6 - 03.02.2019, 12:16 von dirsch

Macrons Reformen als Vorbild? Stand nicht vor wenigen Tagen erst bei SPON, dass Dank der "nötigen" Reformen in Frankreich de Reichen mehr gegeben, den Ärmeren aber mehr genommen wird?
Reformen mögen nötig sein - aber die richtige Reformen. Das dumme ist ja, dass es aus den Erfahrungen der Vergangenheit immer hieß, das Arbeitnehmer de Gürtel enger schnallen müssen, weil es so schlecht läuft. Wenn es denn besser liegt, war das natürlich ein Verdienst des Management, die sich mit üppigen Gehaltserhöhungen oder Boni belohnten.
Auf solche Reformen habe ich keine Lust.

#7 - 03.02.2019, 12:16 von ropowinz

Kein Wunder, dass Reformen so einen miesen Beigeschmack haben, denn Herr Müller fordert Reformen, die den Menschen weh tun und die Wirtschaft einseitig bevorzugen. Das ist das weit geöffnete Einfallstor für die Populisten.
Wenn wir die deutsche Wirtschaft betrachten, so ist der Versuch, die ganze Welt mit unseren Produkten zu beliefern, ein Grössenwahn, der auf den Menschen in diesem Land ausgelebt wird. Zunehmende 2 und 3, Jobs um in Deutschland leben zu können, das ist ein Irrsinn, der die politische Landschaft umwälzen wird. Die CDU wird nur noch von wirtschaftsgläubigen gewählt werden, und die SPD wird weggefegt. Was dann kommt macht Angst. Die Menschen wissen genau, dass sie in den letzten 20 Jahren auf etwa 100% Einkommensgewinn verzichtet haben um die neoliberale Scharia zu erfüllen. Kaum Inflationsausgleich und keinen Anteil am Produktivitätsfortschritt sind das Ergebnis von "Hilfen" für die Wirtschaft. Hinzu kommen die politisch gewollten mickrigen Betriebsprüfungen und die Gesetzlosigkeit von Konzernen wie google oder Amazon. Die reichenlastige Rechtsprechung tut das weitere dazu. Und nun legt Herr Heil einen Rentenplan vor, der 900 Euro Grundrente vorsieht. Kann man den davon leben? Oder ist das nur als Einsparung von H4 gedacht? Wenn man sich die Milliarden an Dividenden- und Gehaltszahlungen der deutschen Konzerne betrachtet, dann ist, ohne dass dort Verzicht geübt wird, darf keine einzige Hilfe für die Unternehmen erfolgen. Die Lunte liegt an.


ropowinz

#8 - 03.02.2019, 12:19 von hape72

Wie wäre es mal wenn man mal nach ca. 20 Jahren Stillstand einfach die Löhne und Gehälter erhöhen würde um die Kaufkraft im Inland zu stärken? Erhöhte Nachfrage könnte ja auch zum Bedarf an mehr Arbeitskräften führen. Wenn es mehr Beschäftigte gibt, könnte man im Gegenzug die Sozialabgaben senken, was wieder zu mehr netto vom Brutto führt.
Im Prinzip eigentlich ganz einfach oder hab ich was Relevantes einfach nur übersehen?

#9 - 03.02.2019, 12:20 von apotheka

Höchste Zeit, dass es angesprochen wird

Nicht mehr lange und Deutschland befindet sich im freien Fall. Es gibt Unternehmen , vorwiegend in der zuliefererindustrie, da herrscht schon einstellungsstopp.

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