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FAA-Chef zum Boeing-Debakel: Wenig Antworten - aber jede Menge Ausflüchte

Alex Brandon/ AP In der Boeing-Krise steht auch die US-Flugaufsicht FAA in der Kritik: Sie soll dem Konzern zu nahe stehen. Jetzt musste sich ihr kommissarischer Leiter vor dem Senat verantworten. Die Zweifel konnte er nicht ausräumen.
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#1 - 28.03.2019, 07:53 von rex_danny

So einfach ist das leider nicht. Boeing arbeitet jahrelang mit hunderten hochbezahlten Experten an Innovationen und Hochtechnologie.

Behörden haben die Expertise - also Personal und Geräte - gar nicht, um dies alles überprüfen zu können.

Das ist übrigens auch bei Airbus genauso und auch schon in der Automobilbranche. Oder meint wer, dass auch nur ein Mitarbeiter des KBA fähig wäre, die Software für die DieselAbgassysteme auszulesen und zu prüfen, was die genau machen?

Die Antwort ist nein. Eine Behörde kann sich solche hochbezahlten Experten gar nicht leisten.

Die Behörden müssten dann den meisten technischen Fortschritt verbieten, weil sie ihn alleine gar nicht prüfen könnten.

Somit bleibt nur ein Weg: Zusammen mit dem Hersteller das Zeug anschauen und versuchen, es zu verstehen und was draus zu machen.

Nicht ideal, das mag sein, besser machen ist schwer. Vor allem aber erklärt es die "engen Beziehungen", das keine Verbrüderung ist, sondern leider Notwendigkeit.

Könnten Sie ein wenig mit dem TÜV vergleichen, den sie in ihrer Werkstatt beim Kundendienst mitmachen lassen. Der Prüfer vertraut auf die gute Arbeit der Werkstatt und bringt die neue Plakette ohne große Naschau an.

#2 - 28.03.2019, 08:07 von Stringfellow

NTSB vs. FAA

Das National Transportation Safety Board (NTSB) ist keineswegs die "Schwesterbehörde" der FAA. Während die FAA ein nachgeordneter Bereich des U.S. DOT ist, ist das NTSB eine unabhängige und nicht weisungsgebundene Behörde, deren Führung (3 aus der Mehrheitspartei, zwei aus der Minderheit) vom Präsidenten vorgeschlagen und vom Senat bestätigt wird. Das DOT und der Präsident haben null Einfluss auf die inhaltliche Arbeit des NTSB. Die Behörde ist zudem für ALLE Verkehrsträger zuständig, nicht nur Luftfahrt. Insofern muss Zumwalt da auch nichts verteidigen. Seine Aufgabe ist es, zu ermitteln. Das NTSB ist eine der besten Unfalluntersuchungsbehörde weltweit. Im Übrigen ist das Problem der FAA eine seit Jahren verschleppte und dringend erforderliche Reorganisation, die chronische Unterfinanzierung und die vergeigte Organisationsprivatisierung der Flugsicherung. Die Verantwortlichen: die ach so empörten Senatoren aus der Befragung (auf beiden Seiten des Gangs). Hinzu kommt das schändliche Verhalten von Trump, der die FAA als Verhandlungsmasse für seine tolle Mauer missbraucht hat - der Shutdown war der Sicherheit nicht zuträglich. Jetzt Elwell als Acting Administrator vorzuführen (auch in diesem Artikel) ist geradezu lächerlich und verkennt die Rolle eines Acting.

#3 - 28.03.2019, 08:21 von foli1

Zitat von rex_danny
So einfach ist das leider nicht. Boeing arbeitet jahrelang mit hunderten hochbezahlten Experten an Innovationen und Hochtechnologie. Behörden haben die Expertise - also Personal und Geräte - gar nicht, um dies alles überprüfen zu können. Das ist übrigens auch bei Airbus genauso und auch schon in der Automobilbranche. Oder meint wer, dass auch nur ein Mitarbeiter des KBA fähig wäre, die Software für die DieselAbgassysteme auszulesen und zu prüfen, was die genau machen? ...
Das stimmt wohl, dass die zu kontrollierende Behörde gar nicht die nötigen Resourcen hat.

Ich sehe den einzigen Ausweg aus diesem Dilemma darin, dass, wenn es (z.B. VW, Boeing) zu Schlampigkeit, Betrug etc. kommt mit daraus resultierenden Folgen bis hin zu Todesfällen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Und damit meine ich nicht nur die im Auftrag der Behörde kontrollierenden Personen (Techniker), sondern v.a. auch die Manager, welche Profit über alles stellen und Druck auf die Mitarbeiter ausüben anstatt zu sorgen, dass die Kontrollen/Abnahmen/Zertifizierungen gesetzeskonform durchgeführt werden.

Da helfen nur Strafen, und zwar drakonische! Milliarden für die Konzerne und Haftstrafen für die handelnden Personen.

#4 - 28.03.2019, 08:54 von fatal.justice

Raumfahrtwissenschaft.

Zitat von rex_danny
So einfach ist das leider nicht. Boeing arbeitet jahrelang mit hunderten hochbezahlten Experten an Innovationen und Hochtechnologie. Behörden haben die Expertise - also Personal und Geräte - gar nicht, um dies alles überprüfen zu können. Das ist übrigens auch bei Airbus genauso und auch schon in der Automobilbranche. Oder meint wer, dass auch nur ein Mitarbeiter des KBA fähig wäre, die Software für die DieselAbgassysteme auszulesen und zu prüfen, was die genau machen? Die Antwort ist nein. Eine Behörde kann sich solche hochbezahlten Experten gar nicht leisten. Die Behörden müssten dann den meisten technischen Fortschritt verbieten, weil sie ihn alleine gar nicht prüfen könnten. Somit bleibt nur ein Weg: Zusammen mit dem Hersteller das Zeug anschauen und versuchen, es zu verstehen und was draus zu machen. Nicht ideal, das mag sein, besser machen ist schwer. Vor allem aber erklärt es die "engen Beziehungen", das keine Verbrüderung ist, sondern leider Notwendigkeit. Könnten Sie ein wenig mit dem TÜV vergleichen, den sie in ihrer Werkstatt beim Kundendienst mitmachen lassen. Der Prüfer vertraut auf die gute Arbeit der Werkstatt und bringt die neue Plakette ohne große Naschau an.
Also wäre es unverantwortlich, überhaupt noch einen Flieger gen Horizont zu schicken. Denn: Niemand in den Flugaufsichtsbehörden hat Ihrer Meinung nach die Expertise, die Wunderwelt der beschleunigten Weltumrundung technisch zu begreifen. Da verdienen ganze Kohorten von Ingenieuren astronomische Gehälter, ohne auch nur einen blassen Dunst von der Materie zu haben? Diese Argumentation führt dazu, mit einer unzimperlichen Abrissbirne durch ICAO- und IATA-Büros zu scheppern - weil dort wohl nur untalentierte Nichtsnutze rumhocken. Falls sich bewahrheiten sollte, dass Zertifizierungsbehörden keine Unabhängigkeit gegenüber dem produzierenden Gewerbe aufweisen können, ist die sofortige Stilllegung aller luftbasierten Fortbewegungsmittel nötig. Vielleicht sollte man sich wieder vermehrt in der Pferdezucht engagieren. Das scheint mir die zukunftsträchtigste "Innovation" aller Transportmittel zu sein...

#5 - 28.03.2019, 09:11 von thomas_linz

Fatal Justice

Die ersten 3 Beitraege waren wohltuend und sachlich. Kein Mensch spricht die FAA frei von Schuld. Im Gegenteil. Nur, was geschehen ist, ist geschehen und es ist schleichend geschehen. Entscheidend ist, dass jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Vielleicht ist es erforderlich, dass kuenftig die Behoerden den Tests der Sicherheitssysteme, meinetwegen auch Belastungstests beiwohnen. Hier jetzt auf billigste Art auf eine Behoerde zu zeigen, ist weder richtig, noch loest es das Lroblem.

#6 - 28.03.2019, 09:37 von theuwe

Was ich nicht verstehe

Natürlich sind moderne Flugzeuge hoch komplex und kompliziert. Doch gibt es außer bei Boeing selbst nirgendwo unabhängige Experten, die die FAA einsetzen, befragen oder einstellen kann? Wenn man die Verantwortung und Kontrollfunktion hat, befragt man Experten und verläßt sich nicht nur auf schlußfolgernde Darstellung des Herstellers? How about a 3rd opinion?

#7 - 28.03.2019, 09:51 von fatal.justice

Recht und billig.

Das ist meine Lieblingsschlussfolgerung: Stuhlkreis einberufen, Experten befragen, und die Frage nach der Schuldigkeit irgendwo zu verbuddeln, wo sie niemals nie mehr das Licht der Welt erblickt. Das interessiert nur niemanden, der entweder in einem kollabierenden Flieger saß, oder am Boden auf die Lieben wartete. Pech halt. Kommt vor. Ist völlig normal, weil die Erdanziehung blöderweise funktioniert. Niemand ist frei von Fehlern - aber in manchen Positionen wirkt sich das besonders fatal aus. Selbstverständlich muss sich die FAA fragen lassen, warum sie als Kontrollinstanz versagt hat. Wiederholtes technisches Versagen lässt darauf schließen, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewissentlich nachgekommen ist.

#8 - 28.03.2019, 11:38 von thomas_linz

Wenn das alles so einfach

Zitat von fatal.justice
Das ist meine Lieblingsschlussfolgerung: Stuhlkreis einberufen, Experten befragen, und die Frage nach der Schuldigkeit irgendwo zu verbuddeln, wo sie niemals nie mehr das Licht der Welt erblickt. Das interessiert nur niemanden, der entweder in einem kollabierenden Flieger saß, oder am Boden auf die Lieben wartete. Pech halt. Kommt vor. Ist völlig normal, weil die Erdanziehung blöderweise funktioniert. Niemand ist frei von Fehlern - aber in manchen Positionen wirkt sich das besonders fatal aus. Selbstverständlich muss sich die FAA fragen lassen, warum sie als Kontrollinstanz versagt hat. Wiederholtes technisches Versagen lässt darauf schließen, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewissentlich nachgekommen ist.
und unproblematisch ist, wie Sie uns das glauben machen wollen, dann frage ich mich, wie die EASA Flugzeuge zertifizieren konnte, die nicht mal funktionssichere Pitots verbaut hatten. Prinzipiell gilt immernoch, dass die Vorfaelle in den letzten Jahrzehnten immer irgendwo einem vermeintlich nicht sicherem System zugeordnet haetten werden koennen. Wie unsachlich die Diskussion ueber MCAS gefuehrt wird, ist der beste Beweis, dass ein Konsenz nur schwer erreicht werden kann. Nun glaubt man eben, hier wurden ein paar 1000 Dollar bezahlt, um eine Zertifizierung durchzuwinken und der eine oder FAA Beamte faehrt ein groesseres Auto. Gleichzeitig weiss jetzt aber auch jeder Laie, dass niemand mehr mit der MAX fliegen wird. Die eine Meinung schliesst die andere aber aus. Boeing wird niemanden bestechen, um dann einen Imageschaden im 2-3 stelligen Milliardenbereich zu riskieren.

#9 - 28.03.2019, 12:45 von momentmal-nur-mal-so

Was ich trauerig an der ganze Schauspiel finde ist das weder der FAA oder Boeing die öffensichtlichen Fehler zugeben wollen. Es geht nur um Vermeidung von Schadenerzatzzahlungen, nicht um Menschen Leben und Sicherheit.
Da Sie auch am längerenhebel sitzen wird der Schuld auf jemand geschoben der nicht in der Lage ist sich zu Verteidigen, abgesehen von der geschickte Manipulation der Meinung der Öffentlichkeit.
Der Einzige Ausweg ist vielleicht die andren Behörden wie die EU sich zusammen tun und nicht alles abstempeln was aus der FAA kommt.
Geschichte hin oder her, das FAA hat sich selbst disqualifizirt.

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