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Faktencheck: Kann man den Tagebau Hambach stilllegen?

DPA Umweltschützer fordern die weitgehende Stilllegung des Tagebaus Hambach, um einen angrenzenden Wald zu retten. Wäre das technisch möglich? Und was würde es kosten? Der Check.
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#1 - 18.09.2018, 17:09 von stefan.p1

Hätte ich jetzt so nicht erwartet

Das Neurath und Niederaußen so wichtig für das deutsche Stromnetz sind hätte ich nicht erwartet.
Auch die Gegenrechnung, welche Kraftwerke nach dem Runterfahren der beiden Kraftwreke,dann noch mehr Dreck in die Umwelt schießen hatte ich nicht bedacht.
Ein Bericht der wohl viele Spiegel-Lesern bitter aufstoßen wird - bin mal gespannt was da so alles an Gegenargumenten kommt.

#2 - 18.09.2018, 17:10 von PolitBarometer

Wichtig zu erwähnen wäre in dem Zusammenhang auch die Tatsache, dass zunächst jahrelang mit Schaufelradbaggern große Mengen Erdreich bewegt werden müssen, um überhaupt an das "schwarze Gold" heranzukommen. Jetzt einen STOP zu verlangen, wäre echter Irrsinn. Mal abgesehen von der längst vollzogenen Umsiedlung kleinerer Ortschaften. Tatsache ist, es ist das letzte Stückchen Wald der Region auf privatem (RWE)-Grund, das der Kohle soll. So what, wir kommen darüber hinweg.
Und in 20 Jahren erfreuen sich Menschen an den aufwendigen, aber lohnenswerten Rekultivierungsmaßnahmen, die vielleicht den ein oder anderen Landstrich der Region attraktiver erscheinen lassen, als es derzeit der Fall ist.

#3 - 18.09.2018, 17:19 von lpralle

Faktencheck?

Die Kraftwerke von Niederaußem und Neurath liegen in unmittelbarer Nähe des Tagebaus Garzweiler - der Tagebau Hambach ist (etwas) weiter entfernt. Weshalb werden also zusätzliche Güterzüge benötigt? Da ist der Faktencheck zu kurz gesprungen.
Interessant wäre auch die Frage zu prüfen, ob die Rodung des Waldes (und damit Schaffung von Fakten) wirklich nicht bis zur politischen Entscheidung über den zukünftigen Fahrplan des Tagebaus warten kann. Die ältesten Blöcke der Kraftwerke stilllegen, das Tempo des Tagebaus verlangsamen - wäre damit nicht Zeit zu gewinnen, bis die Kohlekommission zum Ergebnis gekommen ist? Es gibt doch nicht nur ganz oder gar nicht, oder?

#4 - 18.09.2018, 17:34 von themistokles

Die im Artikel erwähnten Punkte mögen ja alle soweit nachvollziehbar sein. Einzig: Irgendwann muss halt auch mal der Anfang vom Ausstieg gemacht werden. Und ehrlich gesagt lese ich jetzt aus dem Artikel keine unmöglichen Punkte heraus. Alles eine Frage der Verhandlung. Technisch ist der Ausstieg auf jeden Fall möglich. Auch ohne, dass überall in Deutschland gleich die Lichter ausgehen.

#5 - 18.09.2018, 17:47 von Skifahrer

Strompreis ist unrealistisch

Man kann zum Vergleich nicht den aktuellen Börsen-Strompreis heranziehen, sondern muss zumindest eine Mischkalkulation machen, der die Preise mit einbezieht, wenn erneuerbare Energien keinen oder kaum Strom liefern. Denn vor allem für die Dunkelflauten sind bisher Kohlekraftwerke noch unverzichtbar.

#6 - 18.09.2018, 17:50 von gernotkloss

Eine Rechnung mit geringem Wert.

Rechnet man die Förderkosten, die Rekultivierungskosten und die Kosten für Krankheiten dagegen, die durch diese Kraftwerke entstehen, spricht doch vieles dafür, einige dieser Braunkohle-Kraftwerke früher vom Netz zu nehmen.

#7 - 18.09.2018, 17:56 von daniala

Fakten aus dem Artikel

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Die modernen Blöcke in Niederaußem und Neurath machen rund drei Gigawatt der installierten Leistung der beiden Standorte aus. Wenn sie am Netz bleiben, dann brauchen sie grob überschlagen rund elf Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr.
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56% der in Neurath verfeuerten Braunkohle kommen aus Hambach, das seien 18 Mio t, so steht es im Artikel.
Das heisst, dass jetzt schon ca. 14 Mio t aus Garzweiler kommen.


Man würde also 2 Mio t. aus Neurath plus die gesamte Menge, die in Niederaußem aus Garzweiler verfeuert wird, sparen, wenn man nur die modernen Blöcke laufen ließe.

#8 - 18.09.2018, 17:59 von maxuli

Die Berechnung scheint richtig

Die soziale und wirtschaftliche Bewertung halte ich für vollkommen richtig. Demnach haben wir scheinbar keine andere Wahl als weitere Jahrzehnte Kohlekraftwerke zu betreiben. Es fehlt allerdings eine Gegenrechnung, die, zugegeben, viel unsicherer bzw. ungenauer ist. Trotzdem sollte man bei solchen Entscheidungen auch berücksichtigen, was eine Klimaerwärmung in den nächsten Jahrzehnten kostet, wieviel Einsparpotential an elektrischen Energie möglich ist (z.B. Smartnet und Ersatz oder Einsparung von in der Erzeugung energieintensiver Stoffe wie Beton, Metall, Kunststoffe) und wie weit man die alternativen Energiequellen noch ausbauen kann.
Das bedeutet natürlich alles eine gewaltige Menge Kapital. Allerdings ist dies so, weil schon bereits vor einigen Jahrzahnten die Weichen von denen, die die Macht dazu hatten, falsch gestellt worden. Und wenn wir weiter in diese ökonomisch dominierte Richtung fahren, wird die Situation nicht besser sondern eher noch teurer.

#9 - 18.09.2018, 18:00 von märcheneeg

NRW 2016 - war da nicht was?

Rot-Grün beschließt 2016 dass der Hambacher Tagebau noch Jahrzehnte weiterbetrieben werden darf :
"RWE dürfte das anders sehen - immerhin hat der Konzern erst 2016 vom Land NRW noch einmal garantiert bekommen, den Hambacher Tagebau noch Jahrzehnte weiterbetreiben zu dürfen."
...und jetzt stellt sich ein A. Hofreiter hin und will davon nichts wissen? Das ist einfach nur eins: Heuchelei!
Bei so einer unsicheren politischen Lage würde ich in Deutschland nicht investieren. Wie soll denn ein Konzern rechnen, wenn er nicht weiß ob er nicht basierend auf Empörung und Willkür seine Investition ein paar Jahre später wieder beerdigen muss? Sollte Hambach geschlossen werden, wäre alles Andere als eine saftige Entschädigung für RWE nicht zu verstehen.

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