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Wirtschaft

Freie vs. regulierte Marktwirtschaft: Einen neuen Staat braucht das Land

dpa In wenigen Ländern der Welt pochen Gralshüter so auf die freien Kräfte des Marktes wie in Deutschland - trotz aller Desaster der Vergangenheit. Bei der Frage, wie ein Staat sinnvoll reguliert, sind sie dagegen blank.
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#1 - 08.02.2019, 12:45 von DietrichHorstmann

Unregulierte vs. soziale Volkswirtschaft

Unser GG kennt nur eine Wirtschaftsordnung : die sozial zu gestaltende Marktwirtschaft. Eigentum sozial verpflichtend bis hin zu Enteignung mit und ohne Entschädigung. Der Streit geht wie so oft über das Ausmaß. Da könnten unterschiedliche politische Mehrheiten für die notwendige Balance sorgen. Mal die Nachfrage- mal die Angebotskonzepte an die Macht. Das Versagen der SPD seit Hombach/Schröder ist es, dass sie keine klare Position für das Soziale mehr bezieht und überwiegend marktliberal agiert hat. Ob sie ihrer Verpflichtung für das Gemeinwohl noch einmal nachkommt, ist fraglich. Also wird es zu schmerzlichen Konflikten kommen, die niemand gewinnen kann. Nicht einmal die Superreichen oder Finanzinvestoren. Vernunft ist gefragt und Besonnenheit . Qualität statt nur Quantität.

#2 - 08.02.2019, 13:10 von Steini

Eine Frage das Glaubens?

Vielleicht sollten wir Alle, die Märkte mit dem Wissen der Natur betrachten.
Abseits des Glaubens, meint man das Evolution stattfindet.
Abseits des Glaubens, meint man gar das so etwas auch für Menschen (Tiere) gelte.
Was liegt näher als zu vermuten das deren Regeln auch für die Wirtschaft und Gesellschaftsmodelle gelten.

Dann wäre es dumm Evolution verhindern zu wollen, aber weise sie zu lenken um sie zu nutzen.
Denn die Natur ist brutal, kennt Sackgassen, Entwicklungsstillstand und den Hang zur Größe.

Nichts anderes war wohl der Grundgedanke einer Sozialen Marktwirtschaft.
Nicht zu verwechseln mit Sozialsystemen wie Kommunismus oder Raubtierkapitalismus und auch das heutige Subventionsmodel taugt wohl wenig.
Beobachten der Natur, ist halt besser als der Glaube an Wahrheiten.

#3 - 08.02.2019, 13:17 von arvenfoerster

Der Staat war‘s

Um das Beispiel der Finanzkrise richtig zu stellen: Ihr ging eine Immobilienkrise in den USA voraus. Die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer FannyMae und FreddyMac waren von der Regierung Clinton motiviert worden, möglichst grösszügig in der Vergabe von Hausbaukrediten zu sein, um die Binnenkonjunktur der USA zu stärken. In der Folge entstand eine Immobilienblase, in der die Banken in ihren Portfolios immer mehr faule Kredite sammelten und ja, auch zu verstecken suchten. Bis das Ganze platzte. Die Finanzkrise ist also genau ein Beispiel gegen die staatliche Regulierung der Märkte.

#4 - 08.02.2019, 14:03 von Olaf Köhler

Wer oder was ist der "Markt"?

Finde ich immer gut in der Diskussion: "Ist halt der Markt - kannste nichts machen!" So wird jede Verantwortung auf ein anonymes gottgleiches Wesen geschoben, das macht was es will - völlig unbeeindruckt vom Werkeln der Menschlein.
Ohne Menschen gibt es keinen "Markt". Im Markt handeln Menschen - als Firmenchefs, Banker, Politiker,Kunden, Verbraucher. Daher "regelt" der Marktauch nichts - es sind immer Entscheidungen von Menschen - getrieben von Gier und der Angst vor Kosten - die Einfluss nehmen: Verlagerung ins Ausland ("Outsourcing"), Handeln an den Börsen, Spekulationen mit "Spielgeld" (Investmentbanker) und die Jagd der "Verbraucher" nach Schnäppchen - alle eint das große Ziel: Möglichst viel haben wollen mit dem geringst möglichen Aufwand.

#5 - 08.02.2019, 14:06 von Strichnid

Zitat von arvenfoerster
Um das Beispiel der Finanzkrise richtig zu stellen: Ihr ging eine Immobilienkrise in den USA voraus. Die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer FannyMae und FreddyMac waren von der Regierung Clinton motiviert worden, möglichst grösszügig in der Vergabe von Hausbaukrediten zu sein, um die Binnenkonjunktur der......
Das war keine staatliche Regulierung, das war ganz einfach ein Betrug. Und an dem waren nicht nur Clinton und staatliche Institutionen beteiligt, sondern so ziemlich alle größeren privaten Finanzinstitute.

#6 - 08.02.2019, 14:28 von arvenfoerster

@DietrichHorstmann

Sehr geehrter Herr Horstmann, Sie haben bei Ihrem indirekten Zitat des GG Artikels 14 den ersten Satz vergessen, der das private Eigentum sichert. Damit ist eine entschädigungslose Enteignung ausgeschlossen. Das Wort sozial vor unserer Marktwirtschaft bedeutet, dass die Gewinne die erwirtschaftet werden, über Steuern Sozialabgaben finanzieren, die mehr als ein Überleben, ein menschenwürdiges Leben, finanzieren. Dazu muss es aber zunächst möglich und attraktiv sein, Gewinne zu erwirtschaften.

#7 - 08.02.2019, 14:37 von vox veritas

Nein, Danke

"Jetzt wäre es absurd zu behaupten, dass all das gut durchdacht wirkt, was da gerade an Eingriffen staatlicherseits geplant ist. Nur liegt die Verantwortung dafür womöglich weniger bei den betreffenden Politikern - die für so etwas gar nicht ausgebildet sind - sondern ursächlich gerade bei denen, die sich jetzt so eifrig darüber aufregen."

Wir sind doch bereits aus der sozialen Marktwirtschaft schleichend in die sozialistische Marktwirtschaft übergewechselt, in welcher der Bürger vom Staat erwartet, für Alles und Jeden zuständig und verantwortlich zu sein. Das führt ganz automatisch zu einer Selbstentmündigung und Bevormundung durch den Staat und seine Vertreter à la Big Brother.

Was wird aus der individuellen Freiheit, wenn alles vom Staat geregelt und gesetzlich festgelegt wird?

#8 - 08.02.2019, 14:52 von muellerthomas

Zitat von arvenfoerster
Um das Beispiel der Finanzkrise richtig zu stellen: Ihr ging eine Immobilienkrise in den USA voraus. Die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer FannyMae und FreddyMac waren von der Regierung Clinton motiviert worden, möglichst grösszügig in der Vergabe von......
Ne, die Immobilienblase wurde finanziert von privaten Subprime-Kreditgebern.

#9 - 08.02.2019, 14:52 von jj2005

Ziemlich alte Hüte

Dennoch alles richtig, was Herr Fricke da so schreibt. Man könnte aber dagegenhalten, dass Opa Pigou schon vor gefühlt 100 Jahren der völlig freien Marktwirtschaft den Garaus gemacht hat, als er die Externalitäten in die Volkswirtschaftsleere einführte (ups - muss es "lehre" heissen?). Das Problem ist wohl, dass die völlig freien Ordo- und Paläoliberalen von externalities noch nie gehört haben bzw. ihre Existenz so inbrünstig leugnen wie die Flat Earth Society die Kugelform der Erde. Und das Nichtbesteuern von Raubbau an gemeinschaftlichen Ressourcen, von Emissionen und anderem Fehlverhalten (z.B. "Werbung" = das Belügen des Verbrauchers, mit dem Ziel, ihr/ihm völlig überteuerte Ware aufzuschwatzen) führt halt zu Fehlallokationen, vulgo "Problemen". Man könnte sich trefflich streiten, ob das nun die Schuld der Ideologie "Marktwirtschaft" ist, oder vielleicht doch eher auf die Nichtbeachtung ihrer eigenen Regeln (->Pigou) zurückzuführen ist.

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