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Steuerliche Begünstigung: Der Haken an Merz' Aktienidee

AFP Die Deutschen sollen mehr Geld in Aktien stecken, rät Friedrich Merz - bestimmte Produkte will er steuerlich fördern. Dabei lässt er außer Acht: Die Hälfte der Bevölkerung kann sich seinen Vorschlag gar nicht leisten.
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#10 - 03.12.2018, 20:42 von Sique

Zitat von femdoc
im Monat 50 euro sparen geht doch bei den meisten!
Genau das bezweifelt das DIW. Das sagt, dass nur 50% der Haushalte 150 Euro im Monat sparen können. Und wenn mehrere Leute in einem Haushalt wohnen, sind das pro Person eben nur 75 Euro, 50 Euro oder noch weniger.
Mit 150 Euro kann man aber keine vernünftige Risikostreuung bei Aktien betreiben. Also ist man auf Aktienfonds angewiesen, was wiederum bedeutet, dass an dem Geld in erster Linie die Fondsgesellschaften Provisionen und Maklergebühren erwirtschaften (ungefähr 30% des Ertrages).
Im Vergleich dazu ist die gesetzliche Rente, bei der nur rund 10% an Verwaltungsaufwand anfällt, ein richtig gutes Geschäft.

Und was immer vergessen wird: Die Mackenroth-These gilt nach wie vor: Aller Sozialaufwand (und dazu gehören auch Renten, egal aus welcher Quelle) kann immer nur aus den Erträgen der laufenden Periode geleistet werden.
Oder einfacher: Wenn Sie Geld bekommen, ohne dafür zu arbeiten (ob nun Zinsen, Dividenden, Pensionen, Beihilfen, Renten oder sonstiges), dann hat jemand anders in der laufenden Periode dafür arbeiten müssen: Als Rentenzahler, Gebührenzahler, Arbeiter und Angestellter in Unternehmen, Steuerzahler oder durch Zins und Tilgung auf seine Schulden.

#11 - 03.12.2018, 20:42 von Faktomat

Vom Ausland lernen

Teilhabe am Produktivermögen fördern, es ist doch erfreulich, dass Merz dieses urmarxistische Anliegen aufgreift.
Dabei braucht man das Rad nicht neu erfinden. Es gibt solche Modelle längst in vielen Ländern, von Australien über England bis zu den USA. Nix komplizierter und gebührenüberladener Riester. Sondern ganz einfach, wie z.B. ein England. Man richtet ein Vorsorgedepot ein und kann dort bis zu 20000 Pfund pro Jahr anlegen; sowohl Dividende als auch Kursgewinne von in diesem Depot (frei wählbar) befindlichen Aktien bleiben dauerhaft steuerfrei.
Man kann auch viel falsch machen. Auch hierfür ist England ein Beispiel. Die Sozialisten haben dort die generelle Steuerbefreiung von Dividenden abgeschafft. Als Folge sind "defined benefit" Betriebsrenten innerhalb weniger Jahre ausgestorben, mit katastrophalen Konsequenzen für die Alterssicherung von Arbeitern.

#12 - 03.12.2018, 20:43 von MisterD

Ich bin sicher...

Blackrock hat schon die passenden Produkte in der Pipeline, die man dann ahnungslosen Mittvierzigern andreht, weil man ja privat vorsorgen muss. Am Ende gewinnt natürlich immer... die Bank... und in diesem Fall auch Herr Merz? Vielleicht ist das sein Ticket zurück zu Blackrock, wenn er doch kein Kanzler wird? Vor allem aber fragt man sich, wo man das Geld hernehmen soll für Aktien, wenn man doch all sein Geld schon in das Haus gesteckt hat, das man laut Finanzexperten ja unbedingt bauen soll...

#13 - 03.12.2018, 20:44 von fritz_fleissig

Was ist denn daran komisch?

Zitat von aussiemanx
Dass der Aufsichtsratschef des Deutschlandablegers des weltweit größten Vermögensverwalters, das Aktien Fonds verkauft ausgerechnet zum aktienkauf rät......
Ich finde seine Idee gut und bin nicht Aufsichtsratschef des weltweit größten Vermögensverwalters. Sie können doch auch anderswo Aktien oder Fonds kaufen...

#14 - 03.12.2018, 20:49 von Lykanthrop_

Der Herr Merz sorgt für Steuergeschenke für die Leute, die es nicht nötig hätten und fördert die private Finanzwirtschaft, noch Fragen ? Die Menschen, die täglich für kleines Geld arbeiten gehen und um ihr finanzielles Überleben kämpfen sind ihm vollkommen egal. In seiner Welt ist jeder selbst Schuld der nicht Oberklasse fährt und gehört zu Recht zur Unterschicht. Mit Dreck spielt man nicht.

#15 - 03.12.2018, 20:49 von fritz_fleissig

Zitat von hausfeen
Sondern sie sind gedacht und erdacht zur Vermögensvermehrung wo schon Vermögen da ist. Kleinaktionäre, Fondsinhaber werden eigentlich regelmäßig abgezogen. Das könnte natürlich auch ein erster Gefallen an BlackRock sein.
Warum so skeptisch? Ich investiere seit mehreren Jahren meine VL-Zahlungen in Aktienfonds und wurde bislang nicht über den Tisch gezogen. Langfristiger diversifizierter Vermögensaufbau mit Wertpapieren kann sehr günstig angegangen und vom Risiko individuell gesteuert werden. Auch dank der ETF-Anbieter. Wenn Ihnen Blackrock nicht zusagt, dann wählen Sie doch einen anderen Anbieter oder wenden sich an einen vernünftigen Vermögensverwalter ihrer Wahl. Ist heute alles kein Hexenwerk mehr. Man muss sich nur trauen und rechtzeitig anfangen, etwas Geld beiseite zu legen. Nur Mut!

#16 - 03.12.2018, 20:50 von daishi666

Riester 2.0

Dasselbe Grundproblem wie bei der Riesterrente. Wenn man damit rechnen darf dass einem die Rente nur auf Hartz Niveau gezahlt wird, der hat auch nichts von den Aktien. Jedwede Kapitaleinkommen werden in den Anspruch mit einberechnet.

#17 - 03.12.2018, 20:53 von mallangsam

Welches Problem ...

wollte er so wohl lösen?
Eines der Finanzwirtschaft?
Ein dt. Kapitalmarkt-Quotenproblem?
Oder wollte er das alte neo-liberale Dogma des „Privat vor Staat“ befeuern.
Vorsorgesicherheit jedenfalls meinte er nicht. Denn dann müsste vorschlagen von umlagefinanzierter auf kapitalmarktfinanzierte Rente umzusteigen.

#18 - 03.12.2018, 20:54 von jsavdf

Wenn das dadurch entstehende

Schlupfloch für professionelle Steuervermeider nicht so groß wäre, dass die halbe Finanzindustrie durchpasst, dann gerne....
Ansonsten würde es mir ausreichen einfach unser Steuersystem zu vereinfachen. Weniger Ausnahmen (von denen einige bestimmt gut gemeint gewesen sind). Eine logarithmisch ansteigende Steuerkurve von 20.000 bis 120.000 (die Zahlen kann man ja noch genau anpassen - aber bitte auf einer statistischen Grundlage). Und dann eine Festlegung der Staatsausgaben zB wenn 2% für Militär ausgegeben werden, dann müssen ebenso 2% für Bildung nochmal 2% für Forschung ausgegeben werden etc.

#19 - 03.12.2018, 20:56 von fritz_fleissig

Bitte einmal im Steuerrecht nachschlagen...

Zitat von thermo_pyle
Ist es nicht obszön, wenn diejenigen, die in Aktien investieren können an der Arbeit jener verdienen, die die Gewinne erarbeiten ?! Und: Wie sieht es mit der Besteuerung von Aktiengeschäften und Arbeit aus ?! Gerecht ? Ich denke, nein, als jemand, dem in Steuerklasse 5 über 50% an Steuern und Abgaben abgezogen wird... mir fehlt wohl die kriminelle Energie zur Steuervermeidung ;-))
Gegenfrage: Wäre es obszön, wenn der Arbeiter vom Investor die Maschine zur Verrichtung der Arbeit geschenkt bekäme? Unternehmen setzen zwei Faktoren ein: Kapital und Arbeit. Beides möchte entlohnt werden. Wenn ein Faktor nicht entlohnt wird, dann wird er auch nicht angeboten.

Noch ein Wort zur Besteuerung: Unternehmen versteuern die Gewinne bereits vorab auf Unternehmensebene mit Gewerbe- und Körperschaftsteuer. In meinem Unternehmen zahle ich etwa knapp 30% Steuern. Wenn ich dann Gewinne entnehme, kommen die 25% plus Soli dazu. Mein Effektivsteuersatz für die Gewinne des eingesetzten Kapitals liegt annähernd bei 50%. So wird es den meisten Unternehmen gehen, von Ausnahmen abgesehen - schnappen Sie sich mal deren Geschäftsberichte und lesen nach.

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