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Vergleichsrechner: Wie großzügig sind Sie als Spender?

SPIEGEL ONLINE Die Deutschen spenden zunehmend mehr Geld - besonders in der Adventszeit. Doch wie viel Geld ist angemessen? Wie viel geben andere mit ähnlichem Einkommen? Der Vergleichsrechner gibt Antworten.
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#1 - 19.12.2018, 15:14 von teacher20

Das dargestellte Wachstum des bundesrepublikanischen Spendenaufkommens kann nur auf den ersten Blick erstaunen. Es scheint so, dass die (oft steuerlich absetzbare) Spendenquittung immer stärker zum gewissensberuhigenden Ablassbrief einer säkularisierten Gesellschaft wird, die diversen NGOs und konfessionellen Spendeneintreiber zum modernen Pendant der Ablassprediger des Spätmittelalters.
Ich selbst spende allenfalls ein paar Euro an der Haustüre, wenn Vertreter der Caritas klingeln. "Bettelbriefe" entsorge ich stets meist ungeöffnet, Spendenaufrufe (z.B. im Fernsehen) ignoriere ich.
Insgesamt bin der der Ansicht, dass ich mit der Einkommenssteuer, mit der der Staat dauerhaft Projekte in Entwicklungsländern im Rahmen der Entwicklungshilfe fördert oder anlassbezogen z.B. bei Naturkatastrophen finanzielle oder materielle Hilfe leistet, bereits meinen "Spendenanteil" geleistet habe.

#2 - 19.12.2018, 15:22 von severus1985

Mitgliedsbeiträge

Sind Mitgliedsbeiträge, z.B. beim NABU, BUND oder sonstiger gemeinnütziger Organisation in dieser Spendenstatistik erfasst?

#3 - 19.12.2018, 15:28 von muunoy

Spende nicht nur aus altruistischen Motiven

Zitat von teacher20
Insgesamt bin der der Ansicht, dass ich mit der Einkommenssteuer, mit der der Staat dauerhaft Projekte in Entwicklungsländern im Rahmen der Entwicklungshilfe fördert oder anlassbezogen z.B. bei Naturkatastrophen finanzielle oder materielle Hilfe leistet, bereits meinen "Spendenanteil" geleistet habe.
Ihre Ansicht kann ich nicht nachvollziehen. Ich beschwere mich gerne über die Extrembesteuerung des Faktors Arbeit in DE und empfinde es als skandalös, dass für die Abschaffung des Solis für alle heute nur die FDP und die AfD gestimmt haben. Es nervt aber besonders, dass der Staat einen Großteil des Geldes verschwendet bzw. in Maßnahmen umleitet, die ich nicht gut heißen kann.
Gem. dem Spendenrechner spende ich für mein Alter und mein Einkommen überdurchschnittlich. Dies mache ich jedoch nicht nur aus altruistischen Motiven. Ich spende z. B. für Organisationen, die Flüchtlinge vor Ort in Jordanien unterstützen. Dies auch, weil ich es für falsch halte, sämtliche Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten in Europa aufzunehmen. Ich spende außerdem im Abo für die DGzRS, die überhaupt keine Steuergelder erhalten. Ich bin nämlich Segler. Und ich hoffe, dass ich die Jungs nie brauche. Aber es ist beruhigend, zu wissen, dass es sie gibt.
Was im Spendenrechner nämlich fehlt, ist die Steuerklasse. Spenden ist die einzige Möglichkeit, einen Teil seiner Steuern in sinnvolle Maßnahmen umzulenken. Und das mache ich wirklich gerne. Von jedem Euro, den ich spende, übernimmt der Staat 46 Cent. Ich gehe davon aus, dass in meiner Alters- und Einkommensklasse diejenigen mit Steuerklasse 1 mehr spenden als diejenigen in anderen Steuerklassen. Der Grund dafür ist einfach, dass hier die Beteiligung des Staates höher ist.
Ach ja, ich spende daher fast nie Kleinstbeträge in Kollekten u. ä. Das ist Schwachsinn. Das lohnt kaum und den Staat beteiligt man so auch nicht an der guten Sache.

#4 - 19.12.2018, 15:36 von Bernd S

Da stimmt irgendetwas nicht...

Die "Reichen" (250 T€ bis 1.000 T€ Jahreseinkommen) spenden nur 0,16% Ihres Einkommens? Dann läge die Spendenhöhe ja bezogen auf die "Ränder" der Stichprobe zwischen 400 und 1.600 € pro Jahr.

In der ersten Info-Grafik findet man aber: Die mit 250 T€ bis 500 T€ Jahreseinkommen spenden 3.102 € (knapp 1% des Einkommens), 500 T€ bis 750 T€ spenden 8.257 € (mehr als 1% des Einkommens) und die mit 750 T€ bis 1.000 T€ spenden 13.821 € (ca. 1.5% des Jahreseinkommens). Natürlich kann man die Prozentzahlen nur schätzen, weil unklar ist, wie die Stichproben verteilt sind. Aber aus meiner Sicht kann das eigentlich nur heissen: Entweder gibt es hier einen Kommafehler und es sind 1,6% des Einkommens (und damit wäre die Aussage hinüber) oder es gibt irgendeinen wirklich schrägen Effekt dadurch, dass laut Text für die Prozentzahlen der Median und nicht der Durchschnittswert genommen wurde...

Also - entweder ich verstehe hier etwas sehr grundlegendes falsch oder die Zahlen bzw. Schlussfolgerungen sind murks.

#5 - 19.12.2018, 15:51 von odenkirchener

Spenden

Laut dem Rechner lieg ich bei 98%.

Egal. Ich spende unter anderem der örlichen Diakonie. Die kümmern sich hier auch um Obdachlose. Also um die Menschen, wo ich auch mal landen könnte.

Und den ein oder anderen €. Warum? Ich kann es mir leisten und ich verachte niemanden, der von der Hand-in-den-Mund lebt.

Die Grenze ist porös und fragil

Bettelbriefe landen allerdings im Altpapier. Genauso wie ich bei agressiven Betteln auf Stur schalte. . .

#6 - 19.12.2018, 16:02 von oceang

Eine wichtige Infornation fehlt

Schön zu wissen wäre, wie hoch bei den einzelnen Organisationen der Anteil der wirklich zweckgebundenen durckommenden Mittel ist. Wieviel % kommen also dann jeweils am Ebne an? Wieviel bleit im "Wasserkopf" hängen?

Das vieles von Reichen kommt ist eher problematisch. Es hebelt das politische System aus. Nicht der Feudalismus sollte das Ziel sein, sondern eine Gesellschaft die die Mittel demokratisch legitimiert verteilt. Dazu muss man die Mittel aber erstmal bei Reichen konsequent eintreiben.

Ich selbst spende aus Überzeugung genau 0 Euro. Warum? Ich habe bereits massive Abgaben. Wenn diese dann immer noch nicht reichen, ist nicht das Geld das Problem, sondern wie es verteilt wird. Es braucht also nicht mehr Geld, sondern richtige Entscheidungen.

#7 - 19.12.2018, 16:11 von mrmwallace

Wozu genau braucht es eigentlich Spenden?

Haben wir nicht einen funktionierenden Sozialstaat? Muss in Deutschland tatsächlich jemand Not und Hunger leiden? Dann lasst uns den Sozialstaat verbessern, den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern, Perspektiven für geringqualifizierte Schaffen, und und und. Aber Spenden?
Es gibt ein sehr altes und weises Sprichwort:
"Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn einen Tag. Bring ihm bei zu fischen und du ernährst ihn ein ganzes Leben." So ähnlich ist das mit Spenden...

#8 - 19.12.2018, 16:35 von Einhorn

Zitat von mrmwallace
Haben wir nicht einen funktionierenden Sozialstaat? Muss in Deutschland tatsächlich jemand Not und Hunger leiden? Dann lasst uns den Sozialstaat verbessern, den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern, Perspektiven für geringqualifizierte Schaffen, und und und. Aber Spenden? Es gibt ein sehr altes und weises Sprichwort: "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn einen Tag. Bring ihm bei zu fischen und du ernährst ihn ein ganzes Leben." So ähnlich ist das mit Spenden...
Weise Worte. Doch wie viel Ihrer kostbaren Zeit wären Sie bereit für dieses Engagement für einen besseren Sozialstaat aufzubringen?

Ich persönlich bin nicht untätig im Ehrenamt - aber ich lebe doch auch sehr gerne. Also spende ich an eine für mich passende Organisation, die sich um genau diese Belange kümmert. Gibt es bestimmt auch in Ihrem Ort.

#9 - 19.12.2018, 16:49 von triptychon5zehn

Was sind denn Spenden? Und an wen? Doch hoffentlich nicht nur was auch als Spende abgesetzt wird? Sind Trinkgelder eigentlich spenden? Und wenn nicht, warum eigentlich nicht? Manche Branchen halten sich ausschließlich durch diese "Spenden"...Und das Geld das Obdachlose auf der Straße erhalten? Wie ist es mit ehrenamtlicher Tätigkeit, die nicht verzeichnet wird (alten Leuten helfen, etc.)? Wenn ich schwarz arbeite ohne Geld zu bekommen, also nicht schwarz arbeite sondern nur arbeite, aber ja kein ehrenamt darstellt, sondern nur hilft?! Naja, solange das gewissen beruhigt kann man sich ja durch den Spendenrechner an Weihnachten frei denken...

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