Schrift:
Ansicht Home:
Forum
Wissenschaft

737-Max-Unglück in Äthiopien: Problem-Software war beim Absturz eingeschaltet

AFP Die Hinweise verdichten sich, dass das umstrittene MCAS-Trimmsystem der Boeing 737 Max 8 den Flugzeugabsturz in Äthiopien mitverursacht hat. Einem Medienbericht zufolge lief die Automatik, als das Flugzeug aufschlug.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 1/7    
#1 - 29.03.2019, 10:41 von gammoncrack

Etliche Foristen haben ja schon mitgeteilt,

dass sie keinesfalls mehr in eine Boeing 737 MAX einsteigen würden. Unabhängig davon, ob man das, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben, realisieren kann, frage ich ich mich, ob sie denn in einen Airbus A320 einsteigen würden.

Heute morgen kamen im TV wieder mehrere Folgen von "Alarm im Cockpit". Ich empfehle hierzu einmal folgenden Artikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Air-France-Flug_296

Auch hier war die die Software des Airbus mitursächlich für den Absturz.

Trotzdem habe ich noch nicht gehört, dass deswegen jemand nicht in den A320 einsteigen würde, noch nicht einmal kurze Zeit nach dem Absturz.

"Weitere Ermittlungen ergaben, dass das Flugzeug in dem Moment, in dem die falsche Sinkrate in den Autopiloten eingegeben wurde, in kleine Turbulenzen geriet, wodurch eine Sicherheitsfunktion des Autopiloten ausgelöst wurde, die dazu führte, dass die Sinkrate weiter erhöht wurde."

und weiter

"Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission kritisierte ausdrücklich das Cockpit-Design und führte zu Verbesserungen (Anzeige des Gleitwinkels durch zwei Ziffern und der Sinkgeschwindigkeit durch vier Ziffern). Auch die VOR-Antenne, die zu Fehlanzeigen im Cockpit führen konnte, wurde geändert."

https://de.wikipedia.org/wiki/Air-Inter-Flug_148

#2 - 29.03.2019, 10:47 von toll_er

Passt alles

Zwei Abstürze mit hunderten Toten. Vor wenigen Tagen musste eine 737 max wegen 'Triebwerksproblemen' nach dem Start umkehren. Probleme mit der Software/Automatik/Trimmsystem sind bekannt. Schulung war aus Kostengründen unzureichend. Sorry, nicht die Schulung ist relevant, sondern die fehlerhafte Software. Und die Lufthansa hält an den Bestellungen fest.Super! Und es scheint, dass nicht die Ursache behoben wird, sondern mit Softwareänderungen als Pflaster, Dann fliegt mal schön mit den Dingern, wenn sie wider zugelassen werden.... Ich nicht.

#3 - 29.03.2019, 11:05 von Zauberlehrling

Zum technischen Verständnis

Der Ryanair-Captain und Pilotenausbildner Petter Hörnfeldt ("Mentour Pilot") erläutert ausführlich die Prozedur des manuellen Trimmens einer Boeing 737 NG. Vorher wird der Horizontal Stabilizer erklärt. Gut verständliches Englisch, auch für Interessierte geeignet. Die 737-NG-Modelle sind die verbreitetsten Verkehrsflugzeuge.

Runaway Stabilizer!! How to stop MCAS (vor einer Woche hochgeladen)
https://www.youtube.com/watch?v=xixM_cwSLcQ

Er benutzt dafür einen NG-Simulator (ab Video-Laufzeit 16:50 min).

Bei Laufzeit 18:40 wird eingeblendet: "This action [STAB TRIM switches to "CUT OUT"] would also disengage MCAS." Diese Schalter sind sehr leicht erreichbar (untere Mittelkonsole), aber mit Plastik-Clips gesichert (vorher werden sie deutlich hergezeigt). Hätten das nur die Piloten der verunglückten MAX gewusst…

Man kann sehen, wie sich der Auszubildende bemüht, das offenbar recht schwergängige Drehrad (Trim-Wheel) des Horizontal Stabilizers zu bedienen (Laufzeit 19:00), außerdem scheint seine Armablage im Weg zu sein; der Kapitän muss ihm dabei helfen. Der Störfall "Runaway Stabilizer" tritt ein, wenn die Automatik aus irgendwelchen Gründen Amok läuft.

Stabilizer
https://en.wikipedia.org/wiki/Stabilizer_(aeronautics)

Eine Trim-Wheel Umdrehung bei ausgeschaltetem Elektromotor über Seilzug bedeutet einen Verstellwinkel von lediglich 0,1 Grad. Ist der Motor nicht ausgeschaltet, kann MCAS z. B. gleich 25 davon auf einmal machen. Das bedeutet, dass der fliegende Pilot 25mal dagegenkurbeln muss, um Gleichstand herzustellen.

Kurz, aber heftig (diesmal in einer echten Boeing):
B737 Runaway Stabilizer. Grasp and Hold technique
https://www.youtube.com/watch?v=cQirIH_DuAs

Interessant, wie trotz all der komplizierten Technik bestimmte Dinge an die guten, alten Luftschiffe erinnern. Der kräftige Körpereinsatz beim manuellen Trimmen der Boeing wirkt, wie auf den Videos zu sehen, fast ein wenig archaisch, und ich frage mich ernsthaft, ob zarter gebautes Pilotenpersonal dem überhaupt Herr wird, wenn es mal – buchstäblich – aus dem Ruder läuft.

#4 - 29.03.2019, 11:12 von maniag1

@gammoncrack

Der Unterschied ist, dass der A320 alleine Flugfähig ist. Die 737 Max 8 ist es durch die neue Anbringung der Turbinen nicht. Deshalb erst existiert die MCAS Software. Diese wird immer vorhanden sein und immer eingreifen müssen.

#5 - 29.03.2019, 11:13 von jomai

@toll_er

Die Lufthansa hält nicht an Bestellungen fest sondern schliesst die 737 MAX nicht grundsätzlich für zukünftige Bestellungen aus.

#6 - 29.03.2019, 11:16 von neurobi

Zitat von gammoncrack
dass sie keinesfalls mehr in eine Boeing 737 MAX einsteigen würden. Unabhängig davon, ob man das, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben, realisieren kann, frage ich ich mich, ob sie denn in einen Airbus A320 einsteigen würden. Heute morgen kamen im TV wieder mehrere Folgen von "Alarm im Cockpit". Ich empfehle hierzu einmal folgenden Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Air-France-Flug_296 Auch hier war die die Software des Airbus mitursächlich für den Absturz. Trotzdem habe ich noch nicht gehört, dass deswegen jemand nicht in den A320 einsteigen würde, noch nicht einmal kurze Zeit nach dem Absturz. "Weitere Ermittlungen ergaben, dass das Flugzeug in dem Moment, in dem die falsche Sinkrate in den Autopiloten eingegeben wurde, in kleine Turbulenzen geriet, wodurch eine Sicherheitsfunktion des Autopiloten ausgelöst wurde, die dazu führte, dass die Sinkrate weiter erhöht wurde." und weiter "Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission kritisierte ausdrücklich das Cockpit-Design und führte zu Verbesserungen (Anzeige des Gleitwinkels durch zwei Ziffern und der Sinkgeschwindigkeit durch vier Ziffern). Auch die VOR-Antenne, die zu Fehlanzeigen im Cockpit führen konnte, wurde geändert." https://de.wikipedia.org/wiki/Air-Inter-Flug_148
Jedes Flugzeug hat Schwachstellen.
Aber A320 und B737NG waren und sind sehr sichere Flugzeuge.
Es ist noch keine A32N-Neo verunglückt.
Die B737MAX hat ein Konstruktionsproblem. Eigentlich sind die neuen Triebwerke, die problemlos unter einen A320 passen, für die B737 zu groß. Man musste die Triebwerke so anordnen, dass das Flugzeug zu leicht in eine Situation kommen kann, die einen Strömungsabriss führen kann. Dies wurde durch MACS abgefangen.
Und das hat offensichtliche einen Fehler.

Ich bin mir zwar sicher das Boeing das in den Griff bekommen wird. Aber insgesamt wird es für Boeing ein mindestens genauso schwerwiegendes Problem wie die Dieselaffäre in für VW.
Son die Entschädigungen der Angehörigen, die schon in den USA klagen, könnte Milliarden Zahlungen nach sich ziehen. Dann kommen die Fluggeseschaften, TUI meldet ja schon mindestens 200 Millionen Schaden. Und dann noch die Niederlage bei den Subventionen ...

#7 - 29.03.2019, 11:27 von hedgehog66

Warum greift das MCAS überhaupt aktiv ein?

Mir als Laien erschliesst sich nicht, warum das MCAS überhaupt aktiv (über Steuerbefehle an das Höhenruder) eingreifen muss!
Hätte eine (akustische und optische) Meldung nicht auch ausgereicht?

(Das dieses aktive Eingreifen, welches (im eingeschalteten Zustand) - hinsichtlich Priorität den Piloten sogar übertrumpft (bzw. gegen ihn arbeitet) sogar noch durch ein singuläres System / durch singuläre Sensorik erfolgt, finde ich besonders verwunderlich.)

#8 - 29.03.2019, 11:33 von mullertomas989

Moment!

Zitat von gammoncrack
dass sie keinesfalls mehr in eine Boeing 737 MAX einsteigen würden. Unabhängig davon, ob man das, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben, realisieren kann, frage ich ich mich, ob sie denn in einen Airbus A320 einsteigen würden. Heute morgen kamen im TV wieder mehrere Folgen von "Alarm im Cockpit". Ich empfehle hierzu einmal folgenden Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Air-France-Flug_296 https://de.wikipedia.org/wiki/Air-Inter-Flug_148
Dann müssten wir fairerweise auch alle möglichen Abstürze der Boeing 737-Vorgängermodelle betrachten! Das tun wir aber nicht. Wenn Sie wirklich einen sinnvollen Vergleich ziehen wollen, dann bitte zwischen der Boeing 737 Max 8/9 und dem Airbus A320/21NEO. Und da fällt mir kein einziger Absturz ein!! So viel dazu............. Am Ende geht es auch um Vertrauen. Und Boeing hat hier eben den Eindruck erweckt, aus finanziellen Gründen an der Sicherheit zu sparen und selbst nach einem 1. Absturz nicht genug Änderungen herbeigeführt zu haben. Das werden viele Leute durchaus nicht so schnell vergessen..........

#9 - 29.03.2019, 11:36 von christianu

Sicherheit ist abhängig vom Geschäft

Falls es zutrifft, dass Sicherheitsbehörden schon seit zwei Jahren die Anfälligkeit des MCAS-Systems kannten, muss man das als Skandal bezeichnen. Da wurden die Geschäftsinteressen von Boeing möglichen Abstürzen mit Todesfolgen vorangestellt. Niedere Beweggründe, Heimtücke, Billigung von Todesfällen - deshalb wurden in Berlin kürzlich Autoraser wegen Mordes verurteilt. Gilt das hier etwa nicht? Geld vor Leben, gefährdete Passagiere, die sich in Sicherheit wiegen, und letztlich 350 Todesfälle, die billigend in Kauf genommen wurden, erfüllen auch alle Bedingungen, die einen Mord kennzeichnen. Das klingt hässlich, aber denken Sie bitte einmal darüber nach.

    Seite 1/7