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Glyphosat und Krebs: Vergiftete Debatte

Getty Images In einer Gemengelage aus Krebs-Angst, widersprüchlichen Gutachten und erodiertem Vertrauen stimmt die EU darüber ab, ob das Pestizid Glyphosat weiter eingesetzt werden darf. Dabei klammert die Diskussion wichtige Aspekte aus.
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#90 - 24.10.2017, 22:12 von Rheinlandpragmatiker

Zitat von cindy2009
"____ marquisdecard*heute, 21:24 Uhr 80. Zusammenhänge? Da kam vor ein paar Tagen die Nachricht über das Insekten sterben? Da kann es doch keine ernsthafte Diskussion über den Einsatz von Glyphosat geben, oder? Unser Bio Lehrer hat uns damals in der Schule Immer gepredigt: Man dürfe nur das anwenden, dessen Unbedenklichkeit nachgewiesen wurde. ____" Dann war Ihr Lehrer blöd, oder Sie haben nicht richtig zugehört. Es gibt keine Landwirtschaft ohne Einschnitt für die Umwelt. !!!
In dem Fall geht Ihr beleidigender Kommentar genau nach hinten los:
Die Menschheit kam viele hunderttausend Jahre ohne Gift aus, und bei Bio-Landwirten geht das bis auf den heutigen Tag.

#91 - 24.10.2017, 22:38 von Kreklova

Superunkräuter und anderes

Die Crux bei der Diskussion um Glyphosat besteht darin, dass damit ein gigantisches Geschäft verbunden ist. Es ist bekannt, mit welchen lauteren und unlauteren Mitteln die Konzerne in solchen Fällen ihre Gewinne verteidigen: von willfährigen "Wissenschaftlern" gekaufte Studien, riesige Werbeaktionen, Beeinflussung von Politikern und Journalisten, Verbreitung von Halbwahrheiten etc. Den vorliegenden Text begreife ich als geschickt vorgetragenes Plädoyer für diese Herbizid. Dabei geht es nicht allein um das Krebsrisiko. Es liegt eine Vielzahl von Berichten über sonstige gesundheitsschädliche Wirkungen vor, auf die der Artikel nicht eingeht. Er lässt auch die Tatsache unberücksichtigt, dass mit dem Glyphosateinsatz analog dem übermäßigen Antibiotikaeinsatz Resistenzen gezüchtet werden, sogenannte super weeds. DER SPIEGEL hat bereits vor Jahren berichtet, dass deshalb in den USA bereits ca. 50 Mio. Hektar wertvoller Ackerflächen verloren gegangen sind. Weiterhin blieb die Tatsache unerwähnt, dass der Fruchtwechsel durchaus ein brauchbares Mittel zumindest gegen den Maiswurzelbohrer darstellt, ganz ohne Herbizid. Schließlich sei die Aussage korrigiert, dass der Berater erst nachträglich seine Tätigkeit als Berater einer involvierten Rechtsanwaltskanzlei bekannt gegeben hat. Er hat dies korrekt als Fußnote am Ende seines Berichts erwähnt.

#92 - 24.10.2017, 22:42 von ans-peter-paul

Zitat von quark2@mailinator.com
Danke für den Bericht. Persönlich denke ich, daß jemand mal eine Art Minimalkompromis festlegen sollte. Wir sollten nicht mehr produzieren wollen, als unser Land zur Ernährung braucht (bei schlechter Ernte von mir aus). Alles was im Moment .....
Sounds legit,
leihen Sie dann den Landwirten Ihre Glaskugel, damit die im Frühjahr schon wissen wie gut/schlecht die Ernte/Wetter wird, damit die nicht zu viel anbauen?

Wir haben nicht nur "1975" schon gelebt, das haben wir schon etwas länger geschafft und ob Sie heute noch beurteilen können wie etwas 1975 geschmeckt hat und es heute nicht mehr tut...sorry

#93 - 24.10.2017, 22:42 von interessierter Laie

@ Rheinlandpragmatiker

Glyphosat ist kein exklusives Produkt von Monsanto wie Sie Artikel lesen können. Es geht natürlich um Geld und um Leben. Klar haben Bauern früher ohne Gifte und Dünger angebaut. Aber die Bevölkerung war viel kleiner und dennoch gab es regelmäßig Missernten und es sind mal eben ein paar Tausend Menschen verhungert. Alle Alternativen sind entweder genauso schädlich oder wir wissen nicht, was es anrichtet...

#94 - 25.10.2017, 23:00 von Kradfahrer

Irrtum!

Zitat von Rheinlandpragmatiker
In dem Fall geht Ihr beleidigender Kommentar genau nach hinten los: Die Menschheit kam viele hunderttausend Jahre ohne Gift aus, und bei Bio-Landwirten geht das bis auf den heutigen Tag.
Alles ist Gift, es kommt allein auf die Konzentration bzw. Menge an. Kochsalz ist Gift, ohne können Sie aber auch nicht existieren. Wasser ist tödlich ("fragen" Sie einmal Ertrunkene), ohne ist aber kein Leben möglich. Schimmelpilze sind tödlich, aber ohne z.B. den Penicillium chrysogenum würden sehr viele Menschen gestorben sein (Penicillin).

Klar, es wurden früher keine synthetischen Agrochemikalien eingesetzt, eben weil es sie nicht gab. Dafür gab es z.T. massive Probleme mit z.B. Pilzen (Schimmel, Kraut- und Knollenfäule, ...), geringer Ertragssicherheit aufgrund u.a. geringer Düngung (Pflanzenernährung), Schädlingen (Blattäuse, Kartoffelkäfer, ...). Teilweise wurde auch massiv Raubbau betrieben, etwa bei der Eschkultur, dem Plaggenhieb in Heiden oder der Waldweide.

Machen Sie einmal heute auf einem 10er Karnickelsand in der Lüneburger Heide Landwirtschaft, womöglich noch ohne Düngung. Ich wünsche schon einmal viel Spaß beim wirtschaftlichen Suizid.
Eingriffe in Ökosysteme, selbst durch eine Gesellschaft von Jägern und Sammlern, sind immer (IMMER) mit nachteiligen Wirkungen verbunden. Das erlegte Wild und die nicht zur Vermehrung kommende Frucht werden Ihnen das bestätigen.
Ich nehme einmal an, dass Sie Ihr Geschirr regelmäßig und deutlich ehe dieser potentielle Lebensraum besiedelt wird reinigen. Sorry, aber damit haben Sie den Lebensraum "dreckiges Geschirr" vernichtet, selbst wenn Sie das ökologisch korrekt ohne Hinzuziehen von Chemikalien tun.

Ich bin ja bei Ihnen, wenn es gegen die Glyphosatanwendung in Europa geht. Wir brauchen das nicht, aber in anderen Gegenden der Welt herrschen andere Prioritäten. Und, was wesentlich wichtiger ist, wir müssen schon bei der Wahrheit bleiben, insbesondere, wenn wir glaubhaft bleiben wollen. Also bitte erst denken, dann schreiben ;)

#95 - 25.10.2017, 23:03 von Brathering

Es gibt keine Gemengelage.

Die ist nur vom Hersteller des Giftes initiiert worden. Die nicht vom Hersteller bezahlten Studien sind eindeutig, deshalb muss das Gift eindeutig verboten werden.

#96 - 25.10.2017, 23:08 von thequickeningishappening

Nicht "wahrscheinlich krebserregend"

Das Zeug ist Gift! Natürlich kommen noch andere Mischungen und Schwermetalle (Copper Spray) zum Einsatz; Das Problem ist die Wettbewerbsfähigkeit Die keinen konventionellen Anbau zulässt! Zwei Punkte: Monokulturen und Spacing (Verdichtung) durch Double Planting führen zu Pestbefall! Außerdem werden Brachliegezeiten nicht eingehalten! In der Folge muessen immer größere Mengen in immer kürzeren Intervallen gespritzt werden. Es gibt Studien über erhöhte prozentuale Krebserkrankungen in Anbaugebieten!

#97 - 25.10.2017, 23:14 von peter_rot

Teilweise vollkommen richtig

Zitat von Shelly
Das Mittel besteht nicht zu 100% aus Glyphosat, es ist eine Mischung verschiedener Chemikalien, von denen Glyphosat nicht einmal das giftigste ist. Ein wichtiges Mittel istz.B. ein Zellöffner, das Gift muss ja von der Oberfläche der Pflanzen in die Pflanzenzelle kommen. Dieser "Zellöffner" wirkt auch beim Menschen, bei Pflanzen macht er die Zellwand für Gifte durchgängiger, beim Menschen die Zellmembran. Und das dann nicht nur für Glyphosat (und die anderen unappetitlichen Dinge, die in diesem Mittel enthalten sind), die Zellen werden durchlässiger für alle Umweltgifte, denen wir ausgesetzt sind. Eine Glyphosatbehandlung erfolgt nicht nur, wenn z.B. das Getreide heranwächst, um damit Unkraut zu vernichten. Es ist auch kurz vor der Ernte erlaubt (im Stadium Vollreife), um unheitliche Reifestadien anzugleichen. So kommt direkt vor der Ernte noch eine Zusatzbelastung auf das, was ein Nahrungsmittel sein sollte. Glyphosat-behandeltes Stroh darf nicht für Strohballenkulturen und Kultursubstrate verwendet werden, aber das Getreide, das an diesen Strohhalmen oben dran war, das ist für uns plötzlich ungiftig? Das verstehe wer will.
Sehr richtig beschrieben. Round Up ist nicht Glyphosate, sonderen die Formulierung von Glyphosate mit anderen Chemikalien. Da sind einmal die Salze vom Glyphosaste, die teilweise sehr unterschiedlich sind IPA, K, Na etc.. Und da sind die Formulierungsbestandteile. Tallowamine war über jahrzehnte ein wichtiger Faktor, ohne dieses Tensid war Glyphosate nur sehr schwach wirksam. Tallowamine machte das Produkt durchgängig für die Zellwände. Aber dieses Tensid ist ökotoxikologisch inakzeptable und inzwischen verboten. Aus diesem Grund enthalten neuere Round up Formulierungen Alkylpolyglykoside, die benutzen viele von uns in ihren Waschshampoos. Ökotoxikologisch besser aber auch nicht absolut sauber. Die Desikation wurde angesprochen - danke dafür. Genau dafür sollte man Glyphosate nicht nutzen - hier haben die Behörden total versagt.

#98 - 25.10.2017, 23:21 von peter_rot

Und warum sollte Glyphosate das Insektensterben auslösen

Zitat von marquisdecard
Da kam vor ein paar Tagen die Nachricht über das Insekten sterben… Da kann es doch keine ernsthafte Diskussion über den Einsatz von Glyphosat geben, oder? Unser Bio Lehrer hat uns damals in der Schule Immer gepredigt: Man dürfe nur das anwenden, dessen Unbedenklichkeit nachgewiesen wurde.
Das ist so ein typischer Kommentar. Es gibt ein Insektensterben und wen macht man dafür verantwortlich - Glyphosate. Das ist ein Herbizid,und auf Grund des Wirkungsmechansmus EPSP Inhibitor nicht wirksam auf Insekten - ansonsten wäre Glyphosate ein Insektizid. Die Tenside in der Formulierung könnten insektizide Wirkung haben - die ist aber leider viel zu schwach und kann für das sehr wohl beobachtete Insektensterben nicht verantwortlich sein.

#99 - 25.10.2017, 23:23 von peter_rot

Zitat von Mr Mr
Bei uns hier im oberen Sinngrund breitet sich das aus wie eine Plage. Der schöne Spessart, er wird verdrängt. Immer mehr und immer mehr. Es geht um Geld. Christbaumkulturen soweit das Auge reicht. Der Boden kahl vom Glyphosat. Mähen, ja, das günge auch....doch einfach nur des Geldes wegen. Frohe Weihnacht sag ich da nur
Frohe Weihnachten. Die Anpflanzung von Christbaumkulturen hilft einigen Bauern über die Runden zu kommen, mit oder ohne Glyphosate. Wohl dem der es nicht nötig hat um seine Existenz zu kämpfen.

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