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Zum Tod eines Ausnahmeforschers: Eine kurze Geschichte über Stephen Hawking

AFP Stephen Hawking gilt als einer der größten Astrophysiker der vergangenen Jahrzehnte - und er war der vielleicht letzte Popstar der Wissenschaft.
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#10 - 14.03.2018, 14:32 von mw12

Zitat von mama_arbeitet
Die Erwähnung, Sie seien Physiker, musste wohl sein ;-) Hawking wollte die breite Masse erreichen und begeistern. Dies ist ihm gelungen. Wenn Sie sich intellektuell nicht angesprochen fühlten, spielt das nicht die große Rolle dabei, Sie sollten als Physiker ja nicht populärwissenschaftliche, sondern wissenschaftliche Bücher verschlingen.
Die moderne Physik (Hochenergie-, Teilchen-, Stringtheorien, Kosmologie etc.) zu "verstehen", ist auch für einen studierten Physiker annähernd unmöglich.

Schon Richard Feynman äußerte: "Es gab eine Zeit, als Zeitungen sagten, nur zwölf Menschen verständen die Relativitätstheorie. Ich glaube nicht, dass es jemals eine solche Zeit gab. Auf der anderen Seite denke ich, es ist sicher zu sagen, niemand versteht Quantenmechanik."

Wenn schon die besten Physiker zugeben, dass sie es nicht verstehen, wie soll ich als Normalo es tun? Von der Masse, die Hawkings Populärwissenschaft liest, und glaubt zu verstehen, ganz zu schweigen. Das ist eine Illusion, derer man sich zumindest bewusst sein sollte - eine Art moderner Märchen.

Physik, die sich nicht beweisen lässt; Physik, die keine praktische Verwendung findet (finden kann); Physik, die sich der Anschauung komplett entzieht (die meisten Veranschaulichungen sind sehr schlichter Natur); all diese Physik ist meines Erachtens nur ein Selbstzweck. Überdreht. Eine Spielerei.

Deswegen stehe ich dem Hawking-Rummel eher skeptisch gegenüber. Trotzdem RIP.

#11 - 14.03.2018, 14:45 von tijo

Ein Vorbild

Natürlich ist seine literarische und wissenschaftliche Leistung die Hauptsache. Für mich ist aber auch wichtig, dass er, trotz seiner schweren Behinderung, weiter gemacht hat. Er hat sich nicht unterkriegen lassen, sein Leben gelebt, Kinder gekriegt und für viele den Blickwinkel auf Schwerbehinderte beeinflusst. Ich selber gelte laut deutschem Gesetz als 100 % schwerbehindert... Ich hoffe, ich werde mein Leben mit der gleichen Stärke und Ausdauer zu führen wissen, die er an den Tag legte.

#12 - 14.03.2018, 14:49 von schwerpunkt

Stephen Hawking war sicher einer der großen Physiker unserer zeit. Zusammen mit anderen, deren Namen außerhalb der Gemeinschaft der Physiker weniger geläufig sind. Seine Krankheit war dafür Fluch und Segen zugleich, da er somit seinen genialen geist intensiver mit den Themen beschäftigen konnte.

Das er zum medialen Superstar der Physik aufsteigen konnte, war sicher zumindest zum Teil ebenso seiner Krankheit geschuldet, da er somit einen sehr hohen Wiedererkennungswert hatte.
Selbst ein schemenhafter Stephen Hawking auf seinem Rollstuhl haben auch Menschen erkannt, welche sich sonst für die von Ihm angesprochenen Themen ansonsten wenig bis nicht interessierten.

Ich war bereits als Kind und Jugendlicher von Astronomie und Astrophysik interessiert, weshalb mir Stephen Hawking bereits Anfang der 80er Jahren ein Begriff war. Er war mit verantwortlich, dass mich diese Themen immer weiter faszinierten und selbst schließlich Astrophysik studierte.

RIP Mr Hawking, Sie sind nicht nur der Pate meiner Begeisterung für Astrophysik und Kosmologie, sondern auch dafür, diese möglich anschaulich interessierten Laien nahe zu bringen, selbst wieder die Faszination zu entfachen bei Menschen, welche sich bis dato keinen Kopf über diese Dinge machten.

#13 - 14.03.2018, 14:56 von benmartin70

Zitat von mw12
Eine Menge steiler Thesen, Spekulatives, Unbeweisbares, Themen, über die man sich als Physiker nicht unbedingt äußern sollte. Ich habe vor ca. 25 Jahren "Eine kurze Geschichte der Zeit" gelesen und es hat mich nicht beeindruckt. Man kann die Breite Masse so leicht beeindrucken. Btw - ich bin selbst Physiker. Trotzdem RIP. Machs gut, Stephen Hawking.
Warum sollte man sich als "theoretischer"Physiker über Theorien nicht äußern?
Der Erfolg gibt Ihm doch Recht. Zumindest haben sich eine gewisse, beträchtliche Anzahl Menschen dafür interessiert.
Bin neugierig, was für Bücher haben Sie denn veröffentlicht?

#14 - 14.03.2018, 14:56 von westerinen1967

Hauptsache Steuererklärung...

Zitat von mw12
Die moderne Physik (Hochenergie-, Teilchen-, Stringtheorien, Kosmologie etc.) zu "verstehen", ist auch für einen studierten Physiker annähernd unmöglich. Schon Richard Feynman äußerte: "Es gab eine Zeit, als Zeitungen sagten, nur zwölf Menschen verständen die Relativitätstheorie. Ich glaube nicht, dass es jemals eine solche Zeit gab. Auf .....
das hört sich für mich an wie die Forderungen, dass man in den Schulen doch besser lediglich maximal das Ausfüllen von Steuererklärungen lernen sollte, anstatt z.B. Einblicke in Literatur oder Infinitesimalrechnung zu erhalten.

Einerseits lebt unsere moderne Technologie zu einem bemerkenswerten Teil von Errungenschaften ähnlicher theoretischer Überlegungen, andererseits ist nicht absehbar, was sich zukünftig beweisen und ausnutzen lassen wird. Darüber hinaus sind auch Analysen derzeit schwer beweisbarer Theorien wichtig, um evtentuelle Widersprüche zu den "näher liegenden" Theorien aufzuspüren.

Schließlich ist es extrem spannend auch Bereiche unserer Natur zu untersuchen, die wir möglicherweise nie bereisen werden können.

#15 - 14.03.2018, 14:57 von pennywise

Zitat von tijo
Natürlich ist seine literarische und wissenschaftliche Leistung die Hauptsache. Für mich ist aber auch wichtig, dass er, trotz seiner schweren Behinderung, weiter gemacht hat. Er hat sich nicht unterkriegen lassen, sein Leben gelebt, Kinder gekriegt und für viele den Blickwinkel auf Schwerbehinderte beeinflusst. Ich selber gelte laut deutschem Gesetz als 100 % schwerbehindert... Ich hoffe, ich werde mein Leben mit der gleichen Stärke und Ausdauer zu führen wissen, die er an den Tag legte.
Das sehe ich genauso.
Mit einer solchen Diagnose noch so entschieden weiter zu leben ist bewundernswert.
Und er hat eben auch gezeigt wie brilliant ein Gehirn im Körper eines Schwerstbehinderten sein kann - was ja oft bezweifelt wird.

Was seine literarische Leistung betrifft:
Es ist schon eine Sache, so genial zu denken.
Aber es dann noch in Worte zu fassen, welche die Menschen zum lesen bringt ist noch eine ganz andere Geschichte.
Niemand wird sich anmaßen, diesen Gedankengängen auch nur annäherend folgen zu können. Aber es weckt Interesse daran, was Highend-Wissenschaft ist. Und nur wenn Interesse da ist, wird es Nachwuchs in der Forschung geben.

#16 - 14.03.2018, 15:00 von tijo

@mw12

Hawkings Kompetenz kann ich nicht beurteilen. Er hat aber zumindest das Interesse für Physik geweckt. Und es ist letztendlich doch immer so: Jeder fängt mal klein an. Mit 10 habe ich angefangen mit Python herumzuspielen. Ziemlich schlampig, nebenbei bemerkt. Aber hey - weniger als 10 Jahre später studiere ich Informatik. Wer weiß, wie viele junge Menschen sich durch Hawking erst für Physik haben begeistern lassen? Und wie viele gute Physiker aus ihnen werden? Wenn du Leuten etwas "in einer Nussschale" erklärst, ist es natürlich stark vereinfacht - und das ist auch jedem bewusst, schätze ich. Bücher wie "der Besuch von Anderswo" oder "Mein geheimer Schlüssel zum Universum" begeistern gerade Kinder - die Basis für die nächste Forschergeneration - für das Thema.

#17 - 14.03.2018, 15:01 von schwerpunkt

Zitat von mw12
Die moderne Physik (Hochenergie-, Teilchen-, Stringtheorien, Kosmologie etc.) zu "verstehen", ist auch für einen studierten Physiker annähernd unmöglich. Schon Richard Feynman äußerte: "Es gab eine Zeit, .......
Ich denke Sie verwechseln da zwei Dinge. Wenn man als studierter Physiker die Relativitätstheorie nicht versteht, hat man das falsche Studium gewählt. Das gleiche gilt für die Quantenmechanik.
Es ist angesichts der eigentlich einfachen Prämisse, sogar relativ (Wortspiel) simple. Im Gegenteil, eigentlich wird die Welt grundlegend komplizierter, wenn man diese nicht in Betracht zieht.

Was sie meinen, ist wohl das anschauliche Begreifen. Es ist überhaupt kein Problem einen vierdimensionalen Raum zu verstehen. Aber anschaulich begreifen tut diesen wohl tatsächlich kein Mensch.
Ich verstehe beispielsweise problemlos, dass Elementarteilchen keine räumliche Ausdehnung haben. Hätten sie eine, wären sie ja nicht mehr elementar, da sie ein irgendwie geartetes Volumen umfassen würde, wären somit zumindest theoretisch wieder teilbar.
Begreifen kann ich nulldimensionale "Teilchen" aber nicht .. auch weil mein Verstand zu sehr am Begriff "Teilchen" hängt, was in unserer Erfahrungswelt irgend etwas Ausgedehntes ist ("zwei süße Teilchen vom Bäcker").

#18 - 14.03.2018, 15:07 von westerinen1967

Viele Kollegen waren wohl auch beeindruckt

Zitat von DerAndereBarde
So einfach ist es nicht. Der Respekt vor seinem furchtlosen Umgang mit der Krankheit hat sein Bild in der Öffentlichkeit sehr verklärt. Ich gönne ihm die Berühmtheit, aber aus der populärwissenschaftlichen Bekanntheit auf die Genialität zu schließen ist zu einfach. Einstein als ....
Durch seine Krankheit wurde er gewiß weltberühmt, dennoch habe ich den Eindruck, dass auch unter uns Physikern, schon lange bevor die breite Masse von ihm wußte, viele erfurchtsvoll zu ihm aufblickten.

Es gibt gelegentlich Beiträge anderer sehr bekannter und erfolgreicher Physiker, an denen man erkennen kann, dass Stephen Hawking auch von diesen als sehr weit "vorne" betrachtet wurde. Ein spannendes Werk dazu ist "The Black Hole War: My Battle with Stephen Hawking to Make the World Safe for Quantum Mechanics" von Leonard Susskind.

#19 - 14.03.2018, 15:11 von markus_wienken

Zitat von mw12
Die moderne Physik (Hochenergie-, Teilchen-, Stringtheorien, Kosmologie etc.) zu "verstehen", ist auch für einen studierten Physiker annähernd unmöglich. Schon Richard Feynman äußerte: "Es gab eine Zeit, als Zeitungen sagten, nur zwölf Menschen verständen die Relativitätstheorie. Ich glaube nicht, dass es jemals eine solche Zeit gab. Auf der.....
"Physik, die keine praktische Verwendung findet (finden kann)"

Kann man heute noch nicht wissen, vielleicht wurden und werden durch Hawking (&Co) Grundlagen für etwas gelegt, was man später in vielen Tausend Jahren vielleicht doch mal benötigt. Wer weiß das schon.
Außerdem ist die Suche nach Wissen und Verstehen doch einer, wenn nicht der Grundantrieb des Menschen, insofern vermag ich die bezeichnung Selbstzweck nicht zu teilen.

Über den "Rummel" um Hawking kann man tatsächlich geteilter Meinung sein, ihm schien das nicht zu stören, warum also sollte es mich stören?
Auch hat der "Rummel" dazu beigetragen, dass sich nicht wenige Menschen für das eigentlich doch relativ trockene Thema (mehr oder weniger intensiv) beschäftigt haben, das kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

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