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Mondlandung

Spuren im Staub

Kalter Krieg im Weltraum: In den fünfziger Jahren wetteiferten die USA und die Sowjetunion um den Vorstoß ins All. Lange Zeit hatten die Kommunisten die Nase vorn - bis US-Präsident John F. Kennedy 1961 den nächsten, großen Schritt verkündete.

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Mittwoch, 24.06.2009   17:36 Uhr

In den fünfziger Jahren expandierte der Kalte Krieg in den Weltraum. Die ideologischen Kämpfe der miteinander konkurrierenden und um die Wette rüstenden Staaten USA und Sowjetunion fanden im Rennen um den Vorstoß ins All ihr gewaltiges Sinnbild. Mit dem ersten künstlichen Satelliten Sputnik entschied die Sowjetunion 1957 die erste Etappe dieses Wettlaufs für sich und schickte kurz darauf die Hündin Laika als erstes Lebewesen in den Orbit. Die Amerikaner zogen erst 1958 mit ihrer ersten unbemannten Sonde Explorer 1 nach.

Auch die nächste Runde ging an die Sowjetunion. 1961 gelangte als erster Mensch Juri Gagarin ins All. Ein Ereignis von Weltgeltung und ein Schlag für das amerikanische Raumfahrtprogramm. Noch im selben Jahr ließ Präsident John F. Kennedy ein klares und ehrgeiziges Ziel verlauten: Vor Ende des Jahrzehnts wollten die USA einen Menschen zum Mond und wieder wohlbehalten zurückbringen.

Unterdessen wurde weiter gewetteifert: Der Amerikaner John Glenn umflog 1962 in der Mercury mehrfach die Erde; die Sowjet-Bürgerin Walentina Tereschkowa flog 1963 als erste Frau ins All, und ihr Landsmann Alexei Leonow unternahm 1965 den ersten Weltraumspaziergang. Der endgültige Ausgang des Wettlaufs war nach wie vor offen. Aber es sah schlecht aus für die USA. Ganz gleich in welcher Disziplin - stets hatte die Sowjetunion die wichtigsten Etappensiege für sich entschieden.

Die Tragik von Apollo 1

Einige Jahre nach John F. Kennedys Tod nahm das sogenannte Apollo-Programm der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa Gestalt an. Auch die Sowjetunion plante unter strengster Geheimhaltung Mondmissionen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es soweit war und ein Mensch den Erdtrabanten betreten würde.

Einen herben Rückschlag erlebten die USA 1967. Nach diversen unbemannten Testflügen hatte die Nasa einen ersten bemannten Start des drei Personen fassenden Apollo-Raumschiffs zu planen begonnen. Während eines Bodentests brach ein Feuer an Bord der Kapsel aus, dem die Besatzungsmitglieder Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee zum Opfer fielen. Apollo 1, wie die Mission erst später betitelt wurde, warf das Programm weit zurück. Die Aufarbeitung des Unglücks sowie die Untersuchung der Ursachen kostete Zeit. Die Nasa wollte einen weiteren Unfall unter allen Umständen vermeiden und fiel so im Wettstreit um die erste bemannte Mondlandung zurück.

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Mondlandung: Spuren im Staub

Erst am 11. Oktober 1968, nach drei erfolgreichen unbemannten Flügen, startete die Crew von Apollo 7 zu einer ersten vorbereitenden bemannten Mission. An Bord waren Walter Schirra, Donn Eisele und Walter Cunningham. Das Apollo-Programm lief wieder auf Hochtouren. Im Frühjahr 1969 testeten James McDivitt, David R. Scott und Russel L. Schweickart, die Crew von Apollo 9, das Landemodul in der Erdumlaufbahn. Wenig später näherten sich Tom Stafford, John W. Young und Eugene Cernan, die Besatzung von Apollo 10, bereits bis auf 14 Kilometer der Mondoberfläche und testeten das Landemodul im Orbit des Erdtrabanten.

Ein riesiger Schritt für die Menschheit

Noch im gleichen Jahr, nachdem alle Tests geglückt waren, war Kennedys Vision zum Greifen nah. Am 20. Juli 1969 schließlich landet Apollo 11 mit den Astronauten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins an Bord im Mare Tranquillitatis, dem Mondmeer der Ruhe. Der Wettkampf der weltpolitischen Giganten hatte ein Ende. Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin waren die ersten Menschen, die ihre Spuren auf dem Erdtrabanten hinterließen, während ihr Kollege im Mondorbit verblieb. 500 Millionen Zuschauer weltweit verfolgten die Übertragung des Jahrhundertereignisses am Fernsehbildschirm. Die Bilder brannten sich in die Köpfe der Menschen. Sie sind bis heute genauso präsent wie Neil Armstrongs berühmter Ausspruch, in dem er seinen kleinen Schritt auf den Mond als einen riesigen Schritt für die Menschheit bezeichnete.

Gemeinhin sind es die Namen von Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin, die mit der Mondlandung verbunden werden. Vergessen dagegen sind die Wegbereiter, einschließlich der tragisch verunglückten Crew von Apollo 1. Weitestgehend vergessen sind aber auch die sechs folgenden Apollo-Mondmissionen. Nur Apollo 13 erlangte Berühmtheit, weil die Crew nur knapp dem Tod entrann, nachdem ein Sauerstofftank explodiert war und die Mission abgebrochen werden musste.

Die letzten drei Mondmissionen waren vom Einsatz des Mondautos geprägt. Kilometerlange Fahrten auf der Mondoberfläche standen nun den bescheidenen 250 Metern Fußweg von Neil Armstrong und Edwin Aldrin gegenüber.

Die Sowjetunion unternahm nach den Erfolgen der Amerikaner keine weiteren Versuche mehr, auf dem Erdtrabanten zu landen. Stattdessen hinterließen zwölf Nasa-Astronauten ihre Spuren auf dem Mond. Für 2018 ist eine Rückkehr zum Erdtrabanten geplant. Die Astronauten dieser Mission werden vielleicht sogar hochauflösende Farbbilder übertragen und - als Reminiszenz an die alten Zeiten - eine Partie Golf spielen, wie seinerseits Alan Shepard, der mit Apollo 14 gelandete und zwei Golfbälle hunderte Meter über die Mondoberfläche schoss.

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