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einestages

Historisches Foto entdeckt

Die Frau, die Lenin einen Korb gab

Jahrzehntelang durchforsteten Historiker die Archive - nun sind sie fündig geworden: Erstmals ist ein Foto der großen Liebe Lenins aufgetaucht. Apollinarija Jakubowa soll den Revolutionär verschmäht haben.

State Archive of the Russian Fed
Von
Mittwoch, 06.05.2015   11:58 Uhr

Sie war jung, sie war bildhübsch - und sie gab Wladimir Iljitsch Lenin einst einen Korb: Generationen von Historikern zermarterten sich das Hirn über die Frage, wie die Frau wohl ausgesehen haben mag, die einen Heiratsantrag des kommunistischen Revolutionärs abgelehnt haben soll.

Nun hat die schöne Unbekannte endlich ein Gesicht. Erstmals tauchte britischen Medien zufolge ein Foto von Apollinarija Jakubowa auf - jener Frau, die Experten in der Vergangenheit mehrfach als Lenins große Liebe bezeichnet haben. Robert Henderson, ein Historiker der Queen Mary University of London, hat die Aufnahme jüngst im Staatlichen Archiv der Russischen Föderation in Moskau ausgegraben.

"Ich bin absolut sicher, dass es sich um Jakubowa handelt. Ihr Name stand als handschriftlicher Vermerk auf der Rückseite des Fotos", sagte Henderson SPIEGEL ONLINE. Auf das Foto war der promovierte Russland-Experte per Zufall gestoßen: bei den Recherchen zu seinem Buch über den russischen Revolutionär Wladimir Burtsew, das 2016 erscheinen soll.

Der 58-jährige Wissenschaftler entdeckte einen Hinweis auf das Bild von Jakubowa im Katalog des Archivs. Er bestellte das entsprechende Konvolut - und hielt kurz darauf die Aufnahme der Frau in den Händen. "Das Foto bestätigt die Erinnerungen ihrer Zeitgenossen, die Jakubowa eine außergewöhnliche Schönheit und eine magnetische, kraftvolle Persönlichkeit attestierten", sagt Henderson.

Priestertochter, Lehrerin, Revolutionärin

Apollinarija Jakubowa wurde 1870 als Tochter eines Priesters in der Provinz von Wolodga geboren. Zwischen 1890 und 1894 studierte sie Mathematik und Physik in St. Petersburg, wo sie später als Lehrerin arbeitete. Dort lernte Jakubowa sowohl die zukünftige Ehefrau Lenins, Nadeschda Krupskaja, als auch Lenin selbst kennen. Am engsten war der Kontakt zwischen Lenin und Jakubowa laut Henderson um 1895.

Ob der Kommunistenführer der jungen Frau tatsächlich einen Heiratsantrag gemacht hat, vermag der Historiker nicht zu belegen. Doch sei klar, dass Jakubowa eine ganz außerordentlich attraktive Frau war, die, so Henderson, "selbst einen Mensch mit einem steinernen Herz magisch angezogen haben muss".

Lenin bezeichnete die junge Frau mit den Koseworten Kubochka und Lirochka, beides Verniedlichungen ihres Namens. Seine spätere Ehefrau hingegen, die an der Basedow-Krankheit litt und hervortretende Augen hatte, titulierte er mit dem wenig schmeichelhaften Namen ryba - der Fisch.

Aroma von "frischem Weidengras"

Die Schwarzweißaufnahme der scheu in die Kamera blickenden Jakubowa war in einem sibirischen Gefangenenlager entstanden, in dem die junge Revolutionärin aufgrund ihrer politischen Aktivität interniert war. Jakubowa soll aus dem Camp geflohen und Anfang des 20. Jahrhunderts auf eigene Faust nach London gereist sein, wo sie den Revolutionär und dessen Ehefrau Krupskaja wieder traf.

Ausgerechnet die eher spröde Kommunistenkameradin Krupskaja pries Henderson zufolge die Vorzüge Jakubowas in den höchsten Tönen: Sie sei eine "fantastische, intelligente, unerschrockene" Schönheit mit "strahlenden braunen Augen", von der eine "urzeitliche Kraft" ausgehe. Ihr "natürliches Aroma", zitiert Henderson Krupskaja, gleiche jenem von "frischem Weidengras". Kein Wunder also, dass der kahlköpfige Despot von der Aura der Dame hingerissen war.

Für ihren politischen Kurs indes hegte er weniger Sympathien. Während die seit 1899 verheiratete Jakubowa die Meinung vertrat, dass die Arbeiter eine aktive Rolle bei der Organisation des Staates und der Partei spielen sollten, war Lenin der Ansicht, dass die Revolution am besten in den Händen einiger weniger Parteifunktionäre aufgehoben sei.

1908 soll Jakubowa mit ihrem Ehemann nach Russland zurückgekehrt sein, danach verlieren sich laut Historiker Henderson ihre Spuren. Verschiedenen Quellen zufolge starb sie entweder 1913 oder 1917. Lenin indes tröstete sich mit einer anderen Schönheit über die bürgerliche Ehe-Tristesse hinweg - er eroberte die von der Sowjetpropaganda jahrzehntelang verschwiegene, sinnlich-mondäne Inessa Armand.

insgesamt 12 Beiträge
Martin Römers 06.05.2015
1.
"Generationen von Historikern zermarterten sich das Hirn über die Frage, wie die Frau wohl ausgesehen haben mag" An der Stelle habe ich aufgehört weiterzulesen. Mit Sicherheit hat sich nicht ein einziger Historiker [...]
"Generationen von Historikern zermarterten sich das Hirn über die Frage, wie die Frau wohl ausgesehen haben mag" An der Stelle habe ich aufgehört weiterzulesen. Mit Sicherheit hat sich nicht ein einziger Historiker darüber das Hirn zermartert. Wer schreibt sowas? Fließbandarbeit?
Micahel Kallenberger 06.05.2015
2. Als Frau hätte ich den Lenin auch verschmäht.
So ein hässlicher, kleiner Kerle. Und wenn ich intellektuell noch ein wenig drauf gehabt hätte, hätte er mich noch mehr abgestoßen, mit seiner gewalttätigen, menschenverachtenden Ideologie
So ein hässlicher, kleiner Kerle. Und wenn ich intellektuell noch ein wenig drauf gehabt hätte, hätte er mich noch mehr abgestoßen, mit seiner gewalttätigen, menschenverachtenden Ideologie
Gerald Fritz 06.05.2015
3. zarten Koseworten
sollte man behutsame Sorgfalt angedeihen lassen, auch beim Transkribieren. "-ochka" klingt in keiner Sprache niedlich, darum nannte Lenin die Dame auch Kubotschka (Кубочка) oder [...]
sollte man behutsame Sorgfalt angedeihen lassen, auch beim Transkribieren. "-ochka" klingt in keiner Sprache niedlich, darum nannte Lenin die Dame auch Kubotschka (Кубочка) oder Lirotschka (Лирочка). Dass der Geburtsort Wologda hiess, ist da schon geschenkt. Katjuscha sei dennoch Dank für diesen Artikel.
Volker Eschen 06.05.2015
4. Woher
Woher weiß man, dass sie bildhübsch war? Und wenn sie es war, kann dies kein Photo von ihr sein.
Woher weiß man, dass sie bildhübsch war? Und wenn sie es war, kann dies kein Photo von ihr sein.
Frank Weiß 06.05.2015
5. ich habe zwar trotzdem weitergelesen,
aber der unsinn steigerte sich dann , daß lenin im gegensatz zu seiner "flamme" den arbeitern "keine aktive rolle bei der organisiation der revolution und des staates " zugestand... also diese frau iken hat [...]
aber der unsinn steigerte sich dann , daß lenin im gegensatz zu seiner "flamme" den arbeitern "keine aktive rolle bei der organisiation der revolution und des staates " zugestand... also diese frau iken hat anscheinend nie auch nur etwas von lenin selbst gelesen, staat und revolution sei ihr ans herz gelegt...

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