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In sieben Schritten

Wie Cäsar den FC Bayern München gründete

Per Wikipedia durch die Weltgeschichte: Jeden Monat wühlt sich Danny Kringiel durch die uferlose Online-Enzyklopädie - und entdeckt auf einer absurden Zeitreise, dass absolut alles mit absolut allem zu tun hat.

REUTERS/ DPA

Eine Büste von Julius Cäsar, aufgenommen am 22. Januar 2009 in Marseille. Die Mannschaft des FC Bayern München, aufgenommen am 18. Juli 2013 in München.

Mittwoch, 04.12.2013   16:00 Uhr

Der römische Herrscher Gaius Julius Cäsar war ein vielbeschäftigter Mann: Zermalmte er nicht gerade mit eiserner Faust gallische Stämme oder unterjochte mit Horden bis an die Zähne bewaffneter Legionäre Nachbarland um Nachbarland, so zeigte er sich als echter Schöngeist - und schrieb Bücher. Voll Hingebung verfasste Cäsar detailverliebte Beschreibungen der Schneise aus Tod, Verwüstung und römischer Hochkultur, die er in die Welt geschlagen hatte.

Hervorstechendstes Merkmal seines literarischen Oeuvres war dabei Cäsars überaus beschränkter Wortschatz, der seiner Schreibwut allerdings keinen Abbruch tat: Mit einem bescheidenen Vokabular von nur etwa 1300 Wörtern führte Cäsar etwa in epischer Breite in seinen "Commentari de bello Gallico" die taktischen Feinheiten von Mord und Totschlag während des Gallischen Krieges aus. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass aktuelle Untersuchungen bereits bei deutschen 15-Jährigen einen Wortschatz von rund 12.000 Wörtern feststellten.

Auch, wenn sein Stil nicht gerade literaturnobelpreisverdächtig gewesen sein mag, traf Cäsars Wortkargheit doch den Nerv einer ganz besonderen Zielgruppe: Lateinlehrer. Denn aufgrund des überschaubaren Vokabulars in Cäsars Schriften ist es selbst einem Sprachanfänger zumutbar, sie zu übersetzen. Und so müssen sich seit Jahrhunderten Generationen von Schülern zu Lernzwecken an den kriegsstrategischen Aufzeichnungen Cäsars abrackern.

Einer dieser Schüler war...

insgesamt 7 Beiträge
Bernd Bielang 05.12.2013
1.
Cäsar hat bewusst die einfache und klare Sprache benutzt, die er bei Apollonius Molon auf Rhodos gelernt hatte. Als es im Jahr 59 v.Chr. gegen Ariovist ging, konnte er die Meuterer nur so überzeugen. Hätte er die blumenreiche [...]
Cäsar hat bewusst die einfache und klare Sprache benutzt, die er bei Apollonius Molon auf Rhodos gelernt hatte. Als es im Jahr 59 v.Chr. gegen Ariovist ging, konnte er die Meuterer nur so überzeugen. Hätte er die blumenreiche Sprache seiner Zeitgenossen genutzt, wäre die Geschichte möglicherweise anders verlaufen. Bernd W. Bielang
Roland Magiera 05.12.2013
2.
Das Caesar die einfache Sprache nutzte, damit seine Propagandawerke auch von jedem verstanden wurden, ist einleuchtend, aber dass die Römer damals eine blumige Sprache gepflegt hätten, ist schlichtweg falsch, jedenfalls wenn ich [...]
Das Caesar die einfache Sprache nutzte, damit seine Propagandawerke auch von jedem verstanden wurden, ist einleuchtend, aber dass die Römer damals eine blumige Sprache gepflegt hätten, ist schlichtweg falsch, jedenfalls wenn ich an den von mir hochverehrten und geliebten Horaz denke oder auch an den genialen Apolonius und seinen goldenen Esel. Das würde auch gar nicht zur streng rationalen und planvollen Art der Römer passen. Wer hatte damals außer denen schon ein "SPQR" auf seinen Standarten? Die Lakedaimonier mit dem "L". Ebenfalls streng rationalistisch. Teils war die Sprache reich an Vergleichen, aber auch nur weil die sich nicht anders ausdrücken konnten, in den Grenzen ihres damaligen Zeitgeistes. Roland Magiera
Günter Vrauer 05.12.2013
3.
@Bernd Bielang was also bis in die heutige Zeit nachwirkt. Willst du den Pöbel überzeugen benutze die Sprache des Pöbels. Nur nennt man es heute populistisch.
@Bernd Bielang was also bis in die heutige Zeit nachwirkt. Willst du den Pöbel überzeugen benutze die Sprache des Pöbels. Nur nennt man es heute populistisch.
Tilman S 06.12.2013
4.
Es geht noch einfacher. Julius Cäsar, Rom, AS Rom, Uefa Pokal, Bayern München :)
Es geht noch einfacher. Julius Cäsar, Rom, AS Rom, Uefa Pokal, Bayern München :)
Antonin van der Phlo 06.12.2013
5.
Bei dem abgebildeten Porträt handelt es sich nach der Meinung vieler international renommierter Fachleute (Klassische Archäologen, die einen Forschungsschwerpunkt im Bereich römischer Herrscherporträts besitzen) eben *nicht* [...]
Bei dem abgebildeten Porträt handelt es sich nach der Meinung vieler international renommierter Fachleute (Klassische Archäologen, die einen Forschungsschwerpunkt im Bereich römischer Herrscherporträts besitzen) eben *nicht* um ein Porträt Caesars, wie vom Finder behauptet wurde. Auf der Internetseite einer großen Tageszeitung gibt es beispielsweise ein lesenswertes Interview dazu mit Prof. Dr. Luca Giuliani (vom 29.05.2008). Der Titel des Interviews ist allerdings bereits irreführend: Es handelt sich eben *nicht* um einen "Forscher-Streit um Porträtbüste von Cäsar", da sich die Forscher einig sind...

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