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Gesundheit

Statistisches Bundesamt

Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gestiegen

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben im dritten Quartal dieses Jahres 3,9 Prozent mehr Frauen ihre Schwangerschaft abgebrochen - die meisten aus persönlichen Gründen.

Stefan Rupp/ Westend61/ Getty Images

Schwangerschaftstest: Keine nennenswerte Dunkelziffer bei Abtreibungen

Montag, 02.12.2019   15:22 Uhr

Im dritten Quartal 2019 haben rund 25.200 Frauen ihre Schwangerschaft beendet. Einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts zufolge waren das 3,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Im vergangenen Jahr waren die Zahlen hingegen leicht gesunken: Im gesamten Jahr 2018 hatten knapp 101.000 Frauen abgetrieben - 0,2 Prozent weniger als 2017.

Der aktuellen Statistik zufolge entschied sich die Mehrheit der Frauen aus persönlichen Gründen für den Schwangerschaftsabbruch: 96 Prozent der Eingriffe wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge nach der sogenannten Beratungsregelung vorgenommen. Diese sieht vor, dass Frauen innerhalb der ersten zwölf Wochen auch ohne medizinischen oder kriminologischen Grund straffrei abtreiben können - allerdings nur, wenn sie zuvor eine anerkannte Beratungsstelle besucht haben. In den übrigen vier Prozent der Fälle sei eine medizinische Indikation der Grund gewesen.

Knapp drei Viertel (71 Prozent) der Frauen waren demnach zwischen 18 und 34 Jahren, 18 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren und gut acht Prozent 40 Jahre und älter. Drei Prozent der Frauen, die abtrieben, waren jünger als 18 Jahre. Rund 40 Prozent der Frauen hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch kein Kind zur Welt gebracht.

Sind die Zahlen vertrauenswürdig?

Mehr als die Hälfte der Schwangerschaftsabbrüche wurden mit der Absaugmethode durchgeführt, bei einem Viertel wurde die Abtreibungspille Mifegyne verwendet. Die Eingriffe erfolgten überwiegend ambulant.

Abtreibungsgegner behaupten mitunter, die Zahlen des Statistischen Bundesamtes würden die tatsächliche Zahl der Abtreibungen in Deutschland deutlich unterschätzen.

In Wahrheit sind alle Mediziner in Deutschland per Gesetz dazu verpflichtet, Schwangerschaftsabbrüche zu melden. Übermitteln die Einrichtungen nicht automatisch ihre Zahlen, werden sie zwei Mal schriftlich an ihre Pflicht erinnert. Anschließend verhängt das Bundesamt Bußgelder von bis zu 5000 Euro.

In den meisten Fällen antworteten die Ärzte jedoch spätestens in der zweiten Mahnrunde, schreibt das Statistische Bundesamt auf Nachfrage. Aus diesem Grund sei es unwahrscheinlich, dass bei den Zahlen eine nennenswerte Dunkelziffer existiere.

kry

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