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Gesundheit

Vor allem auf dem Land

Fachgesellschaft warnt vor Chirurgenmangel

Auf dem Land mangelt es nicht mehr nur an Hausärzten, auch Chirurgen werden rar, warnt eine deutsche Fachgesellschaft. Bereits jetzt halten Ärzte aus dem Ausland das System am Laufen.

iStockphoto / Getty Images

Auf dem Land keine Selbstverständlichkeit mehr: Chirurgen bei einer Operation

Montag, 25.03.2019   14:08 Uhr

Die Chirurgen in Deutschland warnen vor Nachwuchsmangel. Gerade auf dem Land fehle es längst nicht mehr nur an Hausärzten, sondern auch an Chirurgen, warnt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Matthias Anthuber.

"Viele periphere Krankenhäuser in weniger dicht besiedelten Regionen haben kaum noch eine Chance, Nachwuchs zu rekrutieren", so Anthuber. "Wir brauchen aber auch eine gute Grundversorgung in weniger dicht besiedelten Gebieten, und diese ist in Gefahr." Schon jetzt gebe es in Notaufnahmen längere Wartezeiten.

Oft könnten Kliniken Stellen auf dem Land nur noch durch Ärzte aus dem Ausland besetzen, sagte Anthuber. "Wir müssen dankbar sein, dass wir diese Kollegen haben." Er schätze, dass in ländlichen Einrichtungen 60 Prozent der jungen Chirurgen in der Facharztausbildung aus europäischen Nachbarländern, Nordafrika, dem arabischen Raum, den ehemaligen Sowjetstaaten oder Asien stammten. Ein zunehmendes Problem sei damit auch die Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren.

Ausbildung weniger umfangreich

Angehende Mediziner aus Deutschland wollten nicht nur wegen der weniger attraktiven Lebensbedingungen ungern aufs Land, so Anthuber. Es gebe auch weniger Möglichkeiten zur Qualifizierung für den Facharzt in seiner gesamten Breite. Eine Lösung für den ländlichen Raum wäre, dass sich lokale und regionale Kliniken vernetzen und Schwerpunkte bilden. Die dann etwa 20 Kilometer längeren Wege zur geeigneten Klinik wären für die Patienten und ihre Angehörigen hinnehmbar, ist Anthuber überzeugt.

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Grundsätzlich locke die Chirurgie im Krankenhaus wenig. "Die Arbeitsbelastungen sind hoch. Dazu kommt der Stress, der damit einhergeht und auch die Verantwortung, die man trägt, ist deutlich spürbar. Wir sehen, dass die Leute dem mehr und mehr ausweichen", sagte Anthuber.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte im Dezember bemängelt, dass in deutschen Krankenhäusern rund 5000 Stellen für Ärzte unbesetzt sind. Die Kritik verband er mit einer Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen: "Wir brauchen rund 1000 zusätzliche Studienplätze pro Jahrgang." Diesen Bedarf gebe es schon länger. "Es ist ein Grundübel, dass die Länder ihren Finanzierungsverpflichtungen nicht ausreichend nachkommen", sagte der Präsident der Bundesärztekammer.

irb/dpa

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