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Gesundheit

Europäischer Gerichtshof

Bisphenol A bleibt "besonders besorgniserregend"

Die umstrittene Chemikalie Bisphenol A wird in der EU weiterhin als gefährlich eingestuft, hat das Europäische Gericht entschieden. Ein Branchenverband hatte gegen die Bewertung geklagt.

DPA

Bisphenol A steckt unter anderem in Kassenbons aus Thermopapier

Donnerstag, 11.07.2019   13:01 Uhr

Das Gericht der Europäischen Union (EuG) hat eine Klage des Branchenverbands PlasticsEurope abgewiesen, der die EU-weite Bewertung der Chemikalie Bisphenol A angefochten hatte. Die bei der Plastikherstellung verwendete Verbindung sei wegen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit auch weiterhin als "besonders besorgniserregender Stoff" aufzuführen, erklärte das Gericht am Donnerstag.

Bisphenol A (BPA) wird unter anderem als Zwischenprodukt bei der Kunststoffherstellung verwendet, steht wegen seiner hormonähnlichen Wirkung aber seit Jahren in der Kritik. In Babyflaschen ist BPA seit 2011 EU-weit verboten. Daneben kommt der Stoff jedoch noch in vielen Alltagsgegenständen vor, etwa in Plastikgeschirr, Konservendosen und Kassenbons aus Thermopapier.

Öffentlichkeit besser über die Risiken informieren

Der Gerichtsbeschluss geht zurück auf eine Verordnung aus dem Juli 2016. Damals hatte die EU-Kommission Bisphenol A als "reproduktionstoxisch", also schädlich für die Fortpflanzungsfähigkeit eingestuft. Die europäische Chemikalienagentur ECHA entschied sich anschließend dazu, die Chemikalie in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe in der Europäischen REACH-Verordnung aufzunehmen.

Dagegen wandte sich der Verband PlasticsEurope, der unter anderem die Interessen von vier Unternehmen vertritt, die Bisphenol A vertreiben. Die Argumentation: Die ECHA habe in ihre Bewertung nicht ausreichend mit einbezogen, dass BPA als Zwischenprodukt verwendet werde. Das EuG wies ab. Laut REACH-Verordnung könne ein Stoff auch als "besonders besorgniserregend" eingestuft werden, wenn er nur als isoliertes Zwischenprodukt verwendet werde, heißt es in der Begründung.

Zudem betonte das Gericht, die Ermittlung des besonders besorgniserregenden Charakters eines Stoffes diene auch dazu, "die Öffentlichkeit und Fachkreise besser über die Risiken und Gefahren, denen sie sich aussetzen, zu informieren." Gegen die Entscheidung können Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingelegt werden.

Aktenzeichen T-185/17

irb/AFP/Reuters

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