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Gesundheit

Bauchweh

Bei Verdacht auf Blinddarmentzündung schnell handeln

Eine Blinddarmentzündung lässt sich gut behandeln. Gefahr droht jedoch, wenn Betroffene zu lange zögern, zum Arzt zu gehen. Tückisch: Manchmal wirken die Symptome zuerst relativ harmlos.

Corbis

Wenn es zwickt und drückt: Eine Appendizitis geht of mit unspezifischen Symptomen einher

Mittwoch, 16.07.2014   12:01 Uhr

Es sind Symptome, bei denen manch einer von harmlosen Magen-Darm-Beschwerden ausgeht: Ziehen im Bauch, Übelkeit, manchmal auch Fieber. Doch nicht immer verursachen Magen und Darm das Unwohlsein. Eine Appendizitis oder Wurmfortsatzentzündung, für die sich der Begriff Blinddarmentzündung eingebürgert hat, kann ebenso Auslöser der Symptome sein.

Entstehung

Schon ein kleiner Fremdkörper wie ein Kirschkern kann zu einer Appendizitis führen. "Der Wurmfortsatz hat nur einen Eingang, keinen Ausgang, und kann leicht verstopfen", sagt Tanja Brunnert, Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. "Oft gibt es gar keine konkrete Ursache, der Wurmfortsatz kann sich auch von alleine entzünden." Wird die Entzündung nicht umgehend behandelt, kann es zu einem lebensbedrohlichen Blinddarmdurchbruch kommen.

Symptome

Die Appendizitis geht meist mit unspezifischen Symptomen einher, die auch anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden können. "Häufig treten Initialschmerzen im Oberbauch auf, die sich bald in den rechten Unterbauch verlagern. Begleitsymptome sind Übelkeit und Fieber", sagt Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Kinder unter zwei Jahren haben laut Brunnert manchmal nur Husten.

Diagnose

Meist prüft der Arzt mit einem Blutbild, ob die weißen Blutkörperchen und ein bestimmtes Protein als Zeichen der Entzündungsreaktion erhöht sind. Typisch sind Druckschmerzen und Verhärtungen im Bauch. Eine Ultraschalluntersuchung ist ebenfalls hilfreich. "Der Wurmfortsatz ist bei einer Appendizitis verdickt, dies kann man im Ultraschall häufig gut sehen", erklärt Trautwein.

Behandlung

Eine Operation ist nicht immer notwendig. In seltenen Fällen kann bei einer milden Entzündung die Einnahme von Antibiotika ausreichen, sagt Hans-Peter Bruch, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen. Bei einer OP kann der Arzt den Bauchraum genau an der Stelle öffnen, wo der Blinddarm liegt, und entfernt das entzündete Gewebe. Die schonendere Methode ist die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Diese Methode kommt am häufigsten zum Einsatz, wenn der Blinddarm noch nicht durchgebrochen ist. Bei einem Durchbruch öffnet der Chirurg den Bauchraum mit einem größeren Schnitt. Ist das entzündete Gewebe entfernt, muss der gesamte Bauchraum gespült werden, um die Keimlast zu vermindern.

Risiken

Probleme können unter anderem bei der Vollnarkose oder durch Wundheilungsstörungen auftreten. "Die Komplikationsrate ist aber gering", sagt Trautwein. Ebenso können narbige Verwachsungen im Bauch später Schwierigkeiten verursachen und zum Beispiel zu einem Darmverschluss führen.

Regeneration

Es hängt von der Behandlungsmethode, dem OP-Verlauf und dem eigenen Schmerzempfinden ab, wann der Körper wieder voll belastbar ist. Nach einer Laparoskopie können die meisten Patienten das Krankenhaus nach ein bis drei Tagen verlassen. "Besonders junge Patienten sind meist schon nach wenigen Tagen wieder fit", sagt Trautwein. Bei einem Bauchschnitt verbringt der Patient meist fünf bis sieben Tage im Krankenhaus. "Bei einer schweren Bauchfellentzündung können es auch 14 Tage werden", sagt Kinderärztin Brunnert. Sie empfiehlt, sich auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch entsprechend zu schonen, zwei bis drei Wochen auf Sport zu verzichten und nicht schwer zu heben.

Inken Quebe, dpa

insgesamt 7 Beiträge
meier12 16.07.2014
1. Es liegt nicht immer am Patienten...
der zu spät zum Arzt geht. Es gibt auch Ärzte, die zu unfähig sind, diese Erkrankung festzustellen. Wenn solche Ärzte Fehldiagnosen stellen, verbringt man schon mal Wochen im Krankenhaus und braucht Monate, um wieder [...]
der zu spät zum Arzt geht. Es gibt auch Ärzte, die zu unfähig sind, diese Erkrankung festzustellen. Wenn solche Ärzte Fehldiagnosen stellen, verbringt man schon mal Wochen im Krankenhaus und braucht Monate, um wieder vernünftig arbeiten zu können. So wissen manche Ärzte nicht, dass die Schmerzen einer Blinddarmentzündung auch im Rückenbereich auftreten können.
egyptwoman 16.07.2014
2.
Bei einem Durchbruch öffnet der Chirurg den Bauchraum mit einem größeren Schnitt. Ist das entzündete Gewebe entfernt, muss der gesamte Bauchraum gespült werden, um die Keimlast zu vermindern." - Zitatende: Dann muss man [...]
Bei einem Durchbruch öffnet der Chirurg den Bauchraum mit einem größeren Schnitt. Ist das entzündete Gewebe entfernt, muss der gesamte Bauchraum gespült werden, um die Keimlast zu vermindern." - Zitatende: Dann muss man aber recht schnell im KH sein, soweit man immer lesen kann. Da gehts doch um Minuten.
anonym714 16.07.2014
3. Lasche Untersuchungen
Ich habe über 10 Jahre hinweg regelmäßig heftige Bauchschmerzen gehabt. Mind. 2x pro Jahr (und mehr) und lag deswegen auch schon öfters kurz stationär im Krankenhaus. Mit Wärmflaschen und anderen Dingen bin ich konfrontiert [...]
Ich habe über 10 Jahre hinweg regelmäßig heftige Bauchschmerzen gehabt. Mind. 2x pro Jahr (und mehr) und lag deswegen auch schon öfters kurz stationär im Krankenhaus. Mit Wärmflaschen und anderen Dingen bin ich konfrontiert worden. Eine genauere Untersuchung hat keiner der damaligen Ärzte angeordnet. In einer solchen Situation, in denen man eigentlich nichts hören und sehen will, vertraut man auf das richtige Handeln der Ärzte. Sicherlich, die ein oder andere Spritze hat Linderung verschafft, aber Ursachenforschung und ~bekämpfung war das nicht! Erst eine Not-OP (nach dem Abreißen des Blinddarms zu Hause [sehr unangenehme Schmerzen!]), brachte Erfolg! Seitdem habe ich keinerlei Schmerzen mehr gehabt! Der Chefarzt meinte bei der ersten Visite, dass, wenn ich auch nur eine halbe Stunde später operiert worden wäre, ich nicht im Bett, sondern kühler gelegen hätte. Mein zweiter Geburtstag sozusagen...
robeuten 16.07.2014
4.
Zunächst: Gut, daß es Ihnen nun besser geht. Ein Gedanke aber noch: Hm, und das eine ist natürlich kausal mit dem anderen verknüft? Ist es nicht vermutlich eher so, daß Sie unspezifische Beschwerden wg. z.B. einer [...]
Zitat von anonym714Ich habe über 10 Jahre hinweg regelmäßig heftige Bauchschmerzen gehabt. Mind. 2x pro Jahr (und mehr) und lag deswegen auch schon öfters kurz stationär im Krankenhaus. Mit Wärmflaschen und anderen Dingen bin ich konfrontiert worden. Eine genauere Untersuchung hat keiner der damaligen Ärzte angeordnet. In einer solchen Situation, in denen man eigentlich nichts hören und sehen will, vertraut man auf das richtige Handeln der Ärzte. Sicherlich, die ein oder andere Spritze hat Linderung verschafft, aber Ursachenforschung und ~bekämpfung war das nicht! Erst eine Not-OP (nach dem Abreißen des Blinddarms zu Hause [sehr unangenehme Schmerzen!]), brachte Erfolg! Seitdem habe ich keinerlei Schmerzen mehr gehabt! Der Chefarzt meinte bei der ersten Visite, dass, wenn ich auch nur eine halbe Stunde später operiert worden wäre, ich nicht im Bett, sondern kühler gelegen hätte. Mein zweiter Geburtstag sozusagen...
Zunächst: Gut, daß es Ihnen nun besser geht. Ein Gedanke aber noch: Hm, und das eine ist natürlich kausal mit dem anderen verknüft? Ist es nicht vermutlich eher so, daß Sie unspezifische Beschwerden wg. z.B. einer kleinen Verwachsung hatten, die im Rahmen der operativen Versorgung des durchgebrochenen Blinddarms gelöst wurde (ja, das ist Standard, alle Verwachsungen zu lösen, damit man den gesamten Darm inspizieren und v.a. auch dann gescheit spülen kann...).
robeuten 16.07.2014
5.
Tja, es ist nun einmal so, daß es sehr typische Verläufe gibt, die es durchaus erlauben, nicht einmal die Laboruntersuchungen abzuwarten, um den Eingriff zu planen, und sehr sehr atypische Verläufe. Wenn Sie erzwingen [...]
Zitat von meier12der zu spät zum Arzt geht. Es gibt auch Ärzte, die zu unfähig sind, diese Erkrankung festzustellen. Wenn solche Ärzte Fehldiagnosen stellen, verbringt man schon mal Wochen im Krankenhaus und braucht Monate, um wieder vernünftig arbeiten zu können. So wissen manche Ärzte nicht, dass die Schmerzen einer Blinddarmentzündung auch im Rückenbereich auftreten können.
Tja, es ist nun einmal so, daß es sehr typische Verläufe gibt, die es durchaus erlauben, nicht einmal die Laboruntersuchungen abzuwarten, um den Eingriff zu planen, und sehr sehr atypische Verläufe. Wenn Sie erzwingen wollen, daß ein total atypischer Verlauf dennoch sofort und perfekt diagnostiziert würde, dann müßten Sie als Arzt alle Untersuchungen machen, die möglich sind - Labor, Bildgebung usw. Dumm nur, daß JEDE Untersuchung, jeder Labortest eine gewisse Sensitivität und Spezifität hat. Je mehr Laborparameter Sie untersuchen, desto größer ist z.B. die Chance, daß irgendein Wert außerhalb der Norm ist, obwohl er keinen Kranheitswert hat (sei es, weil er bei Ihnen halt - ohne Krankheitswert - erhöht ist, sei es, weil der Test nicht ganz korrekt abgelaufen ist...) Und nun? Haben Sie einen Haufen "pathologischer" Werte, und immer noch keine Diagnose... Ich weiß, daß es schwerfällt, zu akzeptieren, daß es nicht das "Versagen" "der Ärzte" ist, wenn ein atypischer Fall nicht sofort diagnostiziert wird - es ist aber so! Klar gibt es schlechte Ärzte, aber so ein Fall läßt eben nicht den Schluß zu, daß die behandelnden Ärzte Flitzpiepen waren...

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