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Gesundheit

Falsche Versprechen

Krebstest als "Meilenstein" beworben - Uniklinik entschuldigt sich

Der Test wurde als "Weltsensation" gefeiert - und sollte noch in diesem Jahr auf den Markt kommen: Ein neues Verfahren der Uniklinik Heidelberg soll Brustkrebs im Blut nachweisen. Doch die Ärzte weckten falsche Hoffnungen.

DPA

Bluttest im Labor des Universitätsklinikums Heidelberg

Freitag, 22.03.2019   10:44 Uhr

Das Versprechen war groß: Ein Bluttest, der Brustkrebs aufspüren kann und schon in wenigen Monaten auf den Markt kommen soll. In der Pressemitteilung der Uniklinik Heidelberg war von einem "Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik" die Rede. Mehrere Medien berichteten, die Entwicklung wurde als "Weltsensation" gefeiert.

Doch schon kurz nach der Veröffentlichung regte sich Kritik an der PR-Kampagne. Denn bisher haben die Forscher das Produkt nur auf einem Kongress vorgestellt, wissenschaftliche Studien liegen bisher nicht vor. Der Test ist eine sogenannte Liquid Biopsy (Flüssigbiopsie). Dabei wird in Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel nach Botenstoffen oder Tumorzellen gesucht, um so eine Krebserkrankung zu entdecken oder genauer zu charakterisieren.

Noch ist aber nicht klar, wie zuverlässig der Test Brustkrebs im Frühstadium erkennen kann. So nannte Projektleiter Christof Sohn auf einer Pressekonferenz trotz Nachfrage nicht den Anteil der Fehlalarme bei dem Bluttest - also bei wie vielen gesunden Frauen das Verfahren fälschlicherweise Alarm auslöst. Diese Zahl ist für die Bewertung eines Diagnoseverfahrens zwingend notwendig. Eine Markteinführung noch in diesem Jahr ist daher utopisch. (Mehr dazu lesen Sie hier).

"Das bedauern wir sehr"

Das sieht nun offenbar auch die Uniklinik Heidelberg so und bittet für die PR-Kampagne um Entschuldigung. Das Brisante: An dem Unternehmen Heiscreen, das den Test vorstellte, sind Mitarbeiter der Uniklinik Heidelberg finanziell beteiligt. Für solche Firmenausgründungen sollen in Zukunft bestimmte Regeln gelten, die "wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen" betreffen, sagte Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb.

Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, sagte Rübsam-Brodkorb. "Das bedauern wir sehr."

Das Diagnoseverfahren könne zwar Ende des Jahres zu Testzwecken im Labor eingesetzt werden, sagte Doris Rübsam-Brodkorb, damit sei der Test, der in Blutproben Botenstoffe von Tumorzellen detektieren kann, aber noch nicht auf dem Markt. Erst müssten Vertriebswege und Kostenübernahme durch die Krankenkassen geklärt werden.

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Zudem distanzierte sich die Uniklinik von der PR-Strategie zum Bluttest. Die Medienbegleitung habe Heiscreen verantwortet, sagte Rübsam-Brodkorb. Allerdings veröffentlichte die Uniklinik die Mitteilung auf ihrer Website. Sohn sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung", er sei mit vier Prozent an Heiscreen beteiligt, seine Uniklinik-Kollegin Sarah Schott mit mehr als sieben Prozent.

Bislang basiert die Früherkennung von Brustkrebs in der Hauptsache auf regelmäßigem Abtasten und dem Mammografie-Screening, einer Röntgenuntersuchung der Brust. Brustkrebs ist laut Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Im Jahr 2016 starben in Deutschland 18.570 Frauen an Brustkrebs.

koe/dpa

insgesamt 13 Beiträge
awoth 22.03.2019
1. Leider wird es zunehmend schwieriger
ohne "sensationelle" Ergebnisse an die dringend benötigten Forschungsgelder zu kommen, um überhaupt wissenschaftlich und integer und solide arbeiten zu können! Dass diese Sensationsmeldungen auf der anderen Seite [...]
ohne "sensationelle" Ergebnisse an die dringend benötigten Forschungsgelder zu kommen, um überhaupt wissenschaftlich und integer und solide arbeiten zu können! Dass diese Sensationsmeldungen auf der anderen Seite total kontraproduktiv sind, stellt sich dann m eist sehr schnell heraus und lässt das Pendel noch mehr in die falsche Richtung schwingen. Schade, sehr schade! Aber die Wissenschaft und die seriöse Förderung derselben steht in Deutschland nicht gerade im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dann passieren solche Dinge.
safran64 22.03.2019
2. Falsche Kommunikation
Oftmals sind solche Entwicklungen wissenschaftlich tatsächlich "Meilensteine", wecken aber beim Laien falsche Hoffnungen. Selbst vom Fach, muss ich immer wieder feststellen, wie tief Ärzte und Wissenschaftler in ihrer [...]
Oftmals sind solche Entwicklungen wissenschaftlich tatsächlich "Meilensteine", wecken aber beim Laien falsche Hoffnungen. Selbst vom Fach, muss ich immer wieder feststellen, wie tief Ärzte und Wissenschaftler in ihrer Materie stecken und sich nicht mehr in Laien bzw. deren Kenntnisstand hineinversetzen können; Begrifflichkeiten haben in der Fachsprache oft eine stark abweichende Bedeutung von der Umgangssprache. Die Kommunikation in die Öffentlichkeit hat dann allzuoft Missverständnisse zur Folge - deshalb haben PR-Abteilung ihre Berechtigung und hätten diesen Schnellschuss zu verhindern gewusst oder zumindest besser kommuniziert.
sischwiesisch 22.03.2019
3. Wie bei der NASA z.B..
Alle paar Monate oderJahre wird wegen irgendeinen "Rovers" auf dem Mars über vermutlich ausserrestrischen Leben spekuliert plus spektakulärer Pressekonferenz. Raus kommt dabei immer......nichts. Es geht wohl auch [...]
Zitat von awothohne "sensationelle" Ergebnisse an die dringend benötigten Forschungsgelder zu kommen, um überhaupt wissenschaftlich und integer und solide arbeiten zu können! Dass diese Sensationsmeldungen auf der anderen Seite total kontraproduktiv sind, stellt sich dann m eist sehr schnell heraus und lässt das Pendel noch mehr in die falsche Richtung schwingen. Schade, sehr schade! Aber die Wissenschaft und die seriöse Förderung derselben steht in Deutschland nicht gerade im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dann passieren solche Dinge.
Alle paar Monate oderJahre wird wegen irgendeinen "Rovers" auf dem Mars über vermutlich ausserrestrischen Leben spekuliert plus spektakulärer Pressekonferenz. Raus kommt dabei immer......nichts. Es geht wohl auch dabei um das liebe Geld.
andialpha 22.03.2019
4. viel laenger
selbst in der jetzigen Presseveroeffentlichung wird ein falsches Bild wiedergegeben. Man entschuldigt sich nur fuer die PR-Strategie. Was in dem Artikel und in der Pressemeldung diskutiert werden sollte: Der Test wird noch [...]
selbst in der jetzigen Presseveroeffentlichung wird ein falsches Bild wiedergegeben. Man entschuldigt sich nur fuer die PR-Strategie. Was in dem Artikel und in der Pressemeldung diskutiert werden sollte: Der Test wird noch Jahre in der Entwicklung sein und es ist mitnichten sicher ob er jemals zugelassen wird. Und selbst dann ist fraglich ob er etablierte Methoden ersetzen kann und ob ein realer Vorteil fuer die Patientinnen erreicht wird. Nur dann wird der Test auch von den Kassen bezahlt. Profitabel wird sowas nur wenn der Test auch weltweit genutzt und bezahlt wird.
postit2012 22.03.2019
5. Das ist eine reine Behauptung,
die Sie durch keine Information belegen können. Im Begutachtungsprozess sorgen sensationelle Versprechungen eher für Misstrauen als für Ausgabelaune.
Zitat von awothohne "sensationelle" Ergebnisse an die dringend benötigten Forschungsgelder zu kommen, um überhaupt wissenschaftlich und integer und solide arbeiten zu können! Dass diese Sensationsmeldungen auf der anderen Seite total kontraproduktiv sind, stellt sich dann m eist sehr schnell heraus und lässt das Pendel noch mehr in die falsche Richtung schwingen. Schade, sehr schade! Aber die Wissenschaft und die seriöse Förderung derselben steht in Deutschland nicht gerade im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dann passieren solche Dinge.
die Sie durch keine Information belegen können. Im Begutachtungsprozess sorgen sensationelle Versprechungen eher für Misstrauen als für Ausgabelaune.

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