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Gesundheit

Broken-Heart-Syndrom

"Ich habe mich wahnsinnig aufgeregt"

Trauer, Liebeskummer und starker Ärger können aufs Herz schlagen. Beim Broken-Heart-Syndrom erleben Patienten ähnliche Beschwerden wie bei einem Infarkt. Eine Betroffene berichtet.

Getty Images

Mittwoch, 20.09.2017   10:48 Uhr

"Es hat ihr das Herz gebrochen" - sagt man. Und dann gibt es diese Filmszenen, in denen sich jemand so aufregt, dass er mit Schmerzen in der Brust zusammenbricht. Dass das tatsächlich passieren kann, wissen die wenigsten. Auch Ärzten ist es noch gar nicht so lange klar. Erst seit den Neunzigern ist das Broken-Heart-Syndrom bekannt.

"Das Broken-Heart-Syndrom ist eine Herzmuskelerkrankung, die durch ein hohes Level an Stresshormonen ausgelöst wird", sagt Felix Schröder vom Herz- und Gefäßzentrum im Albertinen Krankenhaus Hamburg, der gerade ein Buch über das Herz veröffentlicht hat.

Mit anderen Worten: Regt sich jemand sehr auf, kann es passieren, dass sein Herz nicht mehr richtig arbeitet. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eng das Herz mit der psychischen Gesundheit verwoben ist.

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Verdacht auf Infarkt

Das Syndrom trifft vor allem Frauen, warum das so ist, weiß man noch nicht. Bei Elke Enders begann es mit Schmerzen im linken Arm. Sie war am Morgen an der Nase operiert worden. Vielleicht eine Folgeerscheinung der Narkose, dachte sie. Am nächsten Morgen aber schmerzte auch ihre linke Brust. Die Ärzte brachten die ältere Dame direkt auf die Intensivstation: Verdacht auf Herzinfarkt.

Doch die Herzkranzgefäße der Patientin sahen normal aus. Keine Verstopfungen, wie es sie bei einem Infarkt gibt. Dafür hatte sich ihre linke Herzkammer verändert. Sie war an der Spitze enger und unten aufgeblasen wie ein Ballon. Auf Bildern sieht die Herzkammer dann aus wie ein Gefäß, mit dem in Japan früher Tintenfisch gefangen wurde: Tako Tsubo. Die japanischen Ärzte, die diese Veränderung am Herzen erstmals entdeckten, nannten die Krankheit deshalb Tako-Tsubo-Kardiomyopathie. Die akuten Symptome ähneln stark denen eines Infarkt.

Wie genau es dazu kommt, ist abschließend noch nicht geklärt. Auffällig ist aber, dass es meistens passiert, wenn jemand großem Stress ausgesetzt war. "Nach meinen Erfahrungen ist der Tod des Ehepartners häufig ein Auslöser", sagt Schröder. "Aber auch eine freudige Nachricht kann dazu führen", sagt Martin Borggrefe, Direktor der I. Medizinischen Klinik an der Mannheimer Uniklinik. Körperlicher Stress wie beispielsweise ein Unfall kann das Syndrom ebenfalls auslösen.

Streit auf dem OP-Tisch

Elke Enders vermutet einen Streit hinter ihren Beschwerden. "Als ich am Morgen auf dem OP-Tisch lag, erklärte ich dem Anästhesisten, dass ich auf eines der Narkosemittel allergisch reagiere." Der Arzt wollte ihr nicht glauben und das Mittel trotzdem verabreichen. "Ich habe mich wahnsinnig aufgeregt und ihm sogar gedroht", erinnert sich Enders. Am Ende ließ er sich auf ein anderes Mittel ein. Der Patientin aber ging der Streit im wahrsten Sinne des Wortes zu Herzen.

Ärzte vermuten, dass der Körper durch den Stress extrem viel Adrenalin und Noradrenalin ausschüttet. Diese Stresshormone wiederum lösen eine Kalzium-Ausschüttung aus. Gelangt das Kalzium in die Zellen, verkrampft sich der Herzmuskel - so die Theorie.

"Möglicherweise haben betroffene Menschen auch zusätzliche Bindungsstellen für Adrenalin und Noradrenalin", sagt Jana Boer vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK). Das würde bedeuten, dass sie stärker auf die Hormone reagieren als andere. Denkbar ist auch, dass die Betroffenen sich eher aus der Ruhe bringen lassen als andere. Martin Borggrefe will das gemeinsam mit einer Stressforscherin demnächst herausfinden.

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Lernen, besser mit Stress umzugehen

Wichtig ist, dass Patienten, die ein Broken-Heart-Syndrom erlitten haben, auf sich Acht geben. Zwar überstehen fast alle das Syndrom und ihr Herz sieht nach ein paar Tagen wieder völlig gesund aus. Langzeitbeobachtungen zeigen aber, dass es bei vielen Betroffenen erneut passiert.

"Wir raten deshalb zu einer kombinierten Therapie aus Betablockern und Psychotherapie", sagt Boer. Die Medikamente blockieren die Rezeptoren am Herzen. In der Therapie sollen die Patienten zudem lernen, besser mit Stress umzugehen. "Ratsam ist auch Ausdauersport", sagt Borggrefe. Er stärkt nicht nur das Herz, sondern hilft auch, mit Stress besser umzugehen.

Elke Enders war die Situation auf dem OP-Tisch eine Lehre. "Ich versuche heute, mich nicht mehr so aufzuregen", sagt sie. Natürlich ärgere sie sich mal über etwas. Aber sie lässt es nach Möglichkeit nicht mehr so nah an sich heran.

Anmerkung: SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Nina Weber ist Co-Autorin des erwähnten Sachbuchs.

Teresa Nauber, dpa/wbr

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