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Gesundheit

Bundesweiter Vergleich

Reiche Rentner leben länger - besonders im Westen

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt - aber nicht in allen Bevölkerungsschichten gleichermaßen. Arme Menschen leben deutlich kürzer als wohlhabende. Und diese Schere klafft immer weiter auseinander.

Caiaimage/ Getty Images

Je höher die Rente, desto länger das Leben

Dienstag, 16.04.2019   17:46 Uhr

Wie lange Senioren ihre Rente genießen können, hängt auch davon ab, wie hoch die monatlichen Bezüge ausfallen. Wohlhabende Rentner leben einer neuen Analyse zufolge im Mittel deutlich länger als Männer mit geringer Rente, im Schnitt sind es mehr als fünf Jahre, zeigt Analyse des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock.

Die Forscher hatten für die Studie Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) von 1997 bis 2016 ausgewertet. Anschließend teilten sie die männlichen Rentner in fünf Einkommensgruppen. Entscheidend dabei waren die Rentenpunkte, die die Männer bis dahin gesammelt hatten. Die durchschnittliche Rente für Männer liegt derzeit bei 1329 Euro brutto.

Unterschiede zwischen Ost und West

Obwohl die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren in allen Einkommensschichten wuchs, öffnete sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter: In hohen Einkommensschichten hat sie fast doppelt so schnell zugenommen wie in der Gruppe mit den niedrigsten Einkommen. 1997 lag die Lücke noch bei etwa drei Jahren. "Vor allem für Menschen am unteren Ende der sozialen und wirtschaftlichen Hierarchie stieg die Lebenserwartung im Alter 65 zuletzt deutlich langsamer - im Westen sogar seit etwa 2007 fast gar nicht mehr", sagte der Hauptautor der Studie, Georg Wenau.

Die Analyse zeigt auch, wie sich die Zahl der Menschen in den verschiedenen Einkommensgruppen mit der Zeit veränderte. So stieg der Anteil der Rentner im Osten mit den niedrigsten Einkommen von 20 Prozent im Jahr 2005 bis 2016 auf 36 Prozent, während die Verteilung im Westen praktisch gleichblieb.

"In Ostdeutschland konnten viele Neu-Rentner nur noch wenige Rentenpunkte ansammeln, da sie langzeitarbeitslos oder insbesondere in den letzten Erwerbsjahren geringfügig beschäftigt waren", so die Autoren. Auch wenn sich die sozioökonomische Situation erst spät im Leben verschlechtere, könne dies erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung haben, schließen sie daraus.

Weshalb niedrige Löhne und damit später auch Renten mit einem im Mittel kürzeren Leben verbunden sind, analysierten die Rostocker Forscher nicht. Allerdings hatten auch vorherige Studien einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung gezeigt.

Wer wenig verdiene, habe oft ungünstigere Lebensumstände, erklärte Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (Bips) dazu. "Niedriges Einkommen führt dazu, dass man in Regionen wohnt, die gesundheitlich benachteiligt sind, etwa durch Lärm oder Schmutz." Auch andere Faktoren wie ein niedrigerer Bildungsstand, ungesunde Arbeiten, Übergewicht, Rauchen und Alkohol hätten Auswirkungen. "

Weil die Auswertung der DRV-Daten so kompliziert ist, sei die Lebenserwartung nach sozialen Kriterien bisher nur selten untersucht worden, erklärten die Studienmacher. Das bestätigte auch Zeeb: "Wir sind schlecht aufgestellt, was Daten zu Sozialstatus und Todesursachen angeht."

koe/dpa

insgesamt 40 Beiträge
miobri 16.04.2019
1. Welch eine Überraschung...
Und was ist daran nun überraschend oder gar schlecht? Wer im Alter mehr Geld hat, ist im Schnitt besser ausgebildet, was bedeutet, dass er disziplinierter ist und sich bewusster ernährt und gesünder lebt und mehr von seinem [...]
Und was ist daran nun überraschend oder gar schlecht? Wer im Alter mehr Geld hat, ist im Schnitt besser ausgebildet, was bedeutet, dass er disziplinierter ist und sich bewusster ernährt und gesünder lebt und mehr von seinem Geld in seine Gesundheit investiert.
zeichenkette 16.04.2019
2. So zynisch es klingt...
Aber wer sein Leben genießen kann, gibt sich auch Mühe, dass er länger lebt. Das fängt mit gesundheitsbewußter Ernährung an und hört bei wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen noch lange nicht auf. Bei vielen eher armen und [...]
Aber wer sein Leben genießen kann, gibt sich auch Mühe, dass er länger lebt. Das fängt mit gesundheitsbewußter Ernährung an und hört bei wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen noch lange nicht auf. Bei vielen eher armen und hoffnungslosen Leuten hat man fast das Gefühl, dass sie einen Selbstmord auf Raten längerem Leben vorziehen. Vereinsamt, krank und ohne jegliche finanzielle Mittel, um ihr Leben zu genießen noch länger leben? Wofür? Dann lieber rauchen, saufen, fressen und übergewichtig und krank vor dem Fernseher sitzen, bis es möglichst schnell vorbei ist. Wundert das irgendwen? Mich nicht. Das Aufmacherbild dieses Artikels ist da ja schon sehr richtig gewählt: Fit und braungebrannt auf dem Segelboot möchte man sicher noch ein paar Jahre länger genießen, aber mit H4 in einem aufgegebenen Städtchen verkümmern vielleicht gar nicht so dringend.
ayee 16.04.2019
3. Ursache und Wirkung
Reichtum dürfte dafür nicht das entscheidende Kriterium sein, denn er ist selbst nur Folge. Folge von klügeren Entscheidungen aufgrund von mehr Klugheit, Bildung, Information. Wahrscheinlich wird man vermögender und bleibt [...]
Reichtum dürfte dafür nicht das entscheidende Kriterium sein, denn er ist selbst nur Folge. Folge von klügeren Entscheidungen aufgrund von mehr Klugheit, Bildung, Information. Wahrscheinlich wird man vermögender und bleibt gesünder, wenn man klügere Entscheidungen trifft.
remedias.cortes 16.04.2019
4. "Wer arm ist , stirbt früher "
sagte schon meine Oma . Eigentlich eine Binse. Aber wie schön, dass die Foristen hier so sehr an die Meritokratie und damit einhergehende Gerechtigkeit bei der Lebenserwartung glauben. Dass es zynisch ist, Menschen immer länger [...]
sagte schon meine Oma . Eigentlich eine Binse. Aber wie schön, dass die Foristen hier so sehr an die Meritokratie und damit einhergehende Gerechtigkeit bei der Lebenserwartung glauben. Dass es zynisch ist, Menschen immer länger arbeiten zu lassen, die dann nicht einmal mehr in den Genuss ihrer Minirente kommen , aber brav eingezahlt haben, um den Anderen ihr gutes Leben zu ermöglichen, darauf kommt keiner. Denn dann müsste die Diskussion neu geführt werden um den Status Quo....das will man vermeiden. Meine Oma nannte Reiche übrigens "Die besseren Leute". Denn sie sind in allem besser als wir.
JürgenHammerbeck 16.04.2019
5. Wer früher stirbt, ist länger tot.
Es sind nicht nur die Rentenpunkte entscheidend. Wer das Glück hat, als Rentner noch mehrere Wohnungen vermieten zu können, dürfte wohl den Winter über in wärmeren Gefilden verbringen können und sieht so glücklich aus, wie [...]
Es sind nicht nur die Rentenpunkte entscheidend. Wer das Glück hat, als Rentner noch mehrere Wohnungen vermieten zu können, dürfte wohl den Winter über in wärmeren Gefilden verbringen können und sieht so glücklich aus, wie der Rentner auf dem Bild. Erben leben glücklicher, als Arbeiter. Die werden bei uns immer noch mit hohen Steuern belastet, kommen meist in Ballungszentren zum arbeiten und sind gezwungen, sich eine zweite Wohnung zu Spitzenpreisen zu mieten.

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