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Gesundheit

Früherkennung

Flächendeckende Krebsregister starten

Startschuss für das bundesweite Krebsregister: Am Dienstag tritt das Gesetz für den Aufbau des flächendeckenden Verzeichnisses in Kraft. Zuerst wird die Deutsche Krebshilfe die Datenbanken erstellen. Langfristig sollen dadurch Früherkennung und Behandlung von Tumoren besser werden.

DPA

Mammografie: Register müssen erst aufgebaut werden

Dienstag, 09.04.2013   11:20 Uhr

Hamburg - Mehr Angebote zur Früherkennung, bessere Therapien und Daten nicht nur zur Diagnose von Krebserkrankungen, sondern auch über den Therapieverlauf - das alles versprechen sich Politiker und Gesundheitswissenschaftler vom neuen Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz, das am Dienstag in Kraft tritt. Vorausgegangen war ein Streit über die Finanzierung des Aufbaus der Datenbanken. Schließlich erklärte sich die Deutsche Krebshilfe bereit, den Großteil der geschätzten acht Millionen Euro aufzubringen, um die Register einzurichten.

Für die Versicherten spürbar wird sich vor allem das Angebot der Früherkennungsprogramme verändern. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen die Gremien des Gesundheitswesens Details für zusätzliche Angebote und Einladungen zur Diagnose von Darm- und Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Beim Darmkrebs kommen Untersuchungen bereits ab 50 Jahren in Frage, bei Gebärmutterhalskrebs könnten Frauen zwischen 20 und 65 Jahren angesprochen werden. Über Nutzen und auch die Risiken der Untersuchungen soll besser informiert werden, die Angebote bleiben freiwillig.

"Krebsbehandlung so erfolgreich wie möglich gestalten"

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betont die Bedeutung der Früherkennung: "Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Mit dem neuen Gesetz haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass die Krebsfrüherkennung mehr Menschen erreicht und eine Krebsbehandlung so erfolgreich wie möglich gestaltet werden kann."

Allerdings stehen sämtliche Früherkennungsprogramme in der Kritik: So ist zum Beispiel der Nutzen der Mammografie im Verhältnis zu den damit verbundenen Risiken vor allem durch Folgeuntersuchungen seit Jahren umstritten. Die jetzt aufzubauenden Krebsregister können helfen, Informationen zum Sinn oder Unsinn der verschiedenen Screeningprogramme zu sammeln.

Dazu werden bereits bestehende klinische Krebsregister ergänzt und bundesweit vereinheitlicht. Gesammelt werden Daten zu Diagnose, Behandlung, Nachsorge und auch Rückfällen von Patienten. So könnten Schwächen von Behandlungsplänen abgestellt und Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Gesetzliche Krankenkassen tragen die Folgekosten

Vor allem im Westen Deutschlands werden solche Daten bisher nur uneinheitlich gesammelt. In Ostdeutschland gibt es die Register dagegen bereits seit Jahrzehnten, auch in Bayern sind Krebsregister aufgebaut worden. Experten schätzen, dass von den bis zu einer halben Million jährlich neu an Krebs erkrankenden Menschen nur etwa 30 bis 40 Prozent gemäß den medizinischen Leitlinien behandelt werden.

Der Aufbau der Krebsregister wird nach dem Inkrafttreten des Gesetzes noch einige Jahre dauern. Nach dem anfänglichen Streit über die Finanzierung übernimmt die Deutsche Krebshilfe 90 Prozent der Kosten in Höhe von geschätzten acht Millionen Euro. Die Länder beteiligen sich mit 800.000 Euro. In den Folgejahren müssen die gesetzlichen Krankenkassen mit jährlichen Betriebs- und Vergütungskosten von insgesamt rund 60 Millionen Euro rechnen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Krebs: Was das neue Gesetz zur Früherkennung bringt +++ Deutsche Krebshilfe baut bundesweites Register auf +++ So viel Früherkennung zahlt die Kasse

dba

insgesamt 6 Beiträge
xeniabloom 09.04.2013
1. Endlich!
!!!
!!!
haichen 09.04.2013
2. optional
Hier wäre ein bißchen mehr Datensammelwut wohl angebracht. Was ist mit Hüftgelenken, Stents oder neuartigen Behandlungsmethoden und Medikamente. Das sollte alles ständigen Überprüfungen unterliegen. Und ohne nationale [...]
Hier wäre ein bißchen mehr Datensammelwut wohl angebracht. Was ist mit Hüftgelenken, Stents oder neuartigen Behandlungsmethoden und Medikamente. Das sollte alles ständigen Überprüfungen unterliegen. Und ohne nationale Register ist das nunmal nicht möglich.
kostverächter 09.04.2013
3.
Ein nationales Krebsregister gab es seit 1953 in der DDR. Im Zeitraum von 1961-1989 betrug die Erfassungsrate der Krebsfälle 95%. Es war international beispielgebend. Seit dem Ende der DDR wird es von den neuen Bundesländern [...]
Ein nationales Krebsregister gab es seit 1953 in der DDR. Im Zeitraum von 1961-1989 betrug die Erfassungsrate der Krebsfälle 95%. Es war international beispielgebend. Seit dem Ende der DDR wird es von den neuen Bundesländern weitergeführt. (Wikipedia) Schön, dass es jetzt bundesweit eingeführt wird.
elmhurst 09.04.2013
4. Das war
schon seit Jahrzehnten überfällig. Ich war der Meinung, das gäbe es schon seit mindestens 30 Jahren. Erwachen aus dem Dornröschenschlaf?
schon seit Jahrzehnten überfällig. Ich war der Meinung, das gäbe es schon seit mindestens 30 Jahren. Erwachen aus dem Dornröschenschlaf?
guteronkel 09.04.2013
5. optional
Wenn ich mich recht erinnere, dann hat sich das Krankheitsbild Krebs in den 1970er Jahren manifestiert. Wir haben heute das Jahr 2013. Somit scheint man über 40 Jahre absolut nichts vernünftiges gemacht zu haben um die Ursachen [...]
Wenn ich mich recht erinnere, dann hat sich das Krankheitsbild Krebs in den 1970er Jahren manifestiert. Wir haben heute das Jahr 2013. Somit scheint man über 40 Jahre absolut nichts vernünftiges gemacht zu haben um die Ursachen zu erforschen und Heilungsmethoden zu dokumentieren. Das ist nicht unbedingt ein gutes Zeugnis für Politik und Gesundheitswesen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob unsere Gesundheitswirtschaft überhaupt an Heilung interessiert ist.

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