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Gesundheit

Digitale Gesundheitsversorgung auf Rezept

Krankenkassen zahlen Gesundheits-Apps

Vom 2020 an übernehmen Krankenkassen die Kosten für Gesundheits-Apps, wenn ein Arzt sie verschreibt. Es ist der erste Teil des digitalen Versorgungsplans von Gesundheitsminister Spahn - Kritiker warnen vor Hackern.

iStockphoto/ Getty Images

Eine ältere Patientin bespricht mit ihrem Arzt Gesundheitswerte auf dem Smartphone (Symbolbild)

Donnerstag, 07.11.2019   19:07 Uhr

Deutschland führt weltweit als erster Staat Gesundheits-Apps auf Rezept ein. Der Beschluss ist Teil des Gesetzes zur digitalen Versorgung, das der Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition beschlossen hat. "Digitale Lösungen können den Patientenalltag konkret verbessern", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Darum gibt es ab 2020 gesunde Apps auf Rezept." Er sprach von einer Weltpremiere.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass entstehende Kosten von den Krankenkassen erstattet werden. Zudem sollen mit der Neuregelung Patienten leichter Ärzte finden können, die Online-Sprechstunden anbieten. Darum dürfen die Mediziner künftig auf ihrer Internetseite über solche Angebote informieren. Wer einer gesetzlichen Krankenkasse freiwillig beitreten möchte, kann das künftig auch auf elektronischem Weg tun.

Gesetz kommt im Januar

Gefördert wird mit der Neuregelung zudem der elektronische Arztbrief - und zwar dadurch, dass das alternativ häufig benutzte Fax geringer vergütet wird als bisher. Außerdem haben Ärzte künftig mehr Möglichkeiten, sich auf elektronischem Weg mit Kollegen auszutauschen.

Das Gesetz soll im Januar 2020 in Kraft treten. "Die Gesundheitsversorgung der Zukunft wird eine noch stärker datengetriebene Gesundheitsversorgung sein", heißt es in dem Gesetzentwurf, den Spahn im Juli auf den Weg brachte. Demnach zielt das Gesetz unter anderem darauf ab, digitale Gesundheitsanwendungen zügig in die Versorgung zu bringen, Verwaltungsprozesse durch Digitalisierung zu vereinfachen oder Gesundheitsdaten besser für Forschungszwecke nutzen zu können.

Längst nicht alle Ärzte sind von Spahns Digitalisierungsplänen begeistert. Im Mai warnten Mediziner in einem offenen Brief an Spahn, Patientendaten seien nicht ausreichend vor Hackerangriffen geschützt.

Nicht alle sind mit neuen Technologien vertraut

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt mahnte zu einem behutsamen Vorgehen bei neuen digitalen Angeboten für Patienten. "Es haben nicht alle Menschen in dieser Gesellschaft die gleiche Vertrautheit mit neuen Technologien, zum Beispiel auch wegen ihres Alters", sagte der Chef der Bundesärztekammer. "Wenn wir zu stark und zu schnell auf digitale Unterstützung abstellen, darf man die Menschen nicht vergessen, die damit vielleicht nicht umgehen können." Sonst könne es zu "einer Art Zwei-Klassen-Versorgung" kommen.

Reinhardt sagte, es werde angesichts der großen Menge an Angeboten nicht ganz einfach zu unterscheiden sein, welche Apps wirklich der Versorgung dienen. "Es gibt digitale Gesundheitsanwendungen, die sehr sinnvoll und hilfreich sind. Es gibt aber auch viel Schnickschnack, der keinen Mehrwert für Patienten und Ärzte bringt." Damit Ärzte digitale Anwendungen verschreiben könnten, sollte vorher sichergestellt sein, dass sie keinen Schaden anrichten.

"Digitalisierung in der Medizin bedeutet auch eine Vertrauensfrage. Vertraue ich einer technisch hergestellten Lösung eines Problems?" Zwischen Menschen gebe es noch andere Wahrnehmungsinstrumente wie Sympathie oder Einfühlungsvermögen, durch die Vertrauen entstehe. "Auch Datenschutz und sichere Datenverarbeitung haben mit Vertrauen zu tun."

Für diese Bedenken hat das Gesundheitsministerium eine Lösung: Laut Ministerium müssen die Apps vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft werden, ehe Patienten die Kosten erstattet bekommen. Nach dieser Prüfung habe der Hersteller ein Jahr Zeit, dem Bfarm nachzuweisen, dass die App die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhalte, verhandele er mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen.

kry/dpa/AFP

insgesamt 22 Beiträge
keine-#-ahnung 07.11.2019
1. Wenn der Jenser glaubt ...
... dass ich auch nur ein Microbit Daten aus den verseuchten Schiebephonen meiner Patienten mit meiner Praxisverwaltung synchronisiere ... ist und bleibt das halt nur Glauben und ein Thema für die Gotteshäuser. Als hätten [...]
... dass ich auch nur ein Microbit Daten aus den verseuchten Schiebephonen meiner Patienten mit meiner Praxisverwaltung synchronisiere ... ist und bleibt das halt nur Glauben und ein Thema für die Gotteshäuser. Als hätten wir keine anderen Sorgen im Gesundheitswesen.
interessierter Laie 07.11.2019
2. @keine-#-ahnung
ist halt die Frage, wie lange sich das Gesundheitswesen diese Rückständigkeit noch leisten kann. Erstens werden es immer mehr Patienten mit immer mehr Krankheiten bei irgendwann begrenztem Budget und zweitens haben Google und [...]
ist halt die Frage, wie lange sich das Gesundheitswesen diese Rückständigkeit noch leisten kann. Erstens werden es immer mehr Patienten mit immer mehr Krankheiten bei irgendwann begrenztem Budget und zweitens haben Google und Apple bald die bessere Diagnose. Die erfassen nämlich bald Vitaldaten rund um die Uhr und haben zusätzlich die Ernährung, die Freizeitgestaltung, die Aufenthaltstorte, den Konsum von Millionen Patienten weltweit als Referenzdaten. Die werden irgendwann soweit sein, das man selbst die Beerdigung noch bequem organisieren kann - so ein bis zwei Jahre bevor man kollabiert. Und das zu einem Preis, für den ein Internist vielleicht ein Ultraschall abgerechnet. Und trotzdem werden sie Milliarden damit umsetzen.
Freedom of Seech 07.11.2019
3. Professionelle Apps für Ärzte haben echten Mehrwert
Professionelle Apps für Ärzte und weitere Mitarbeiter des Gesundheitssystem zur Unterstützung von Diagnostik, Therapie und Versorgung sind in Punkto Mehrwert für den Patienten und Potential bei der Kommerzialisierung eine [...]
Professionelle Apps für Ärzte und weitere Mitarbeiter des Gesundheitssystem zur Unterstützung von Diagnostik, Therapie und Versorgung sind in Punkto Mehrwert für den Patienten und Potential bei der Kommerzialisierung eine andere Hausnummer. Das kann man allerdings nicht für 150.000 EUR zusammenbauen (und leicht kopieren). Die Investionskosten liegen eher bei zenh Millionen EUR plus. Das sind echte Medizinprodukte auch für den internationalen Markt. Auch DatenschutzProbleme sind besser beherrschbar. Hier liegt die Zukunft.
ex-optimist 07.11.2019
4. Patientendaten Google/Apple in den Rachen werfen?
Sind denn sämtliche Drogen jetzt frei gegeben? Oder was sonst schluckt der Spahn?
Sind denn sämtliche Drogen jetzt frei gegeben? Oder was sonst schluckt der Spahn?
interessierter Laie 07.11.2019
5. @ex-optimist
was denken sie denn!? Nicht Herr Spahn sondern die Betroffenen werden das irgendwann tun und zwar spätestens dann, wenn deren Prädiktion besser funktioniert als eine herkömmliche Diagnose. Und wer das nicht glaubt, sollte sich [...]
was denken sie denn!? Nicht Herr Spahn sondern die Betroffenen werden das irgendwann tun und zwar spätestens dann, wenn deren Prädiktion besser funktioniert als eine herkömmliche Diagnose. Und wer das nicht glaubt, sollte sich mal überlegen, was Menschen alles tun, wenn sie sich davon Heilung versprechen. Wenn sie um ihr Leben fürchten werden Menschen sehr pragmatisch. Was nützt Ihnen Ihre Privatsphäre denn noch, wenn Sie tot sind?

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