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Gesundheit

Eingeschleppte Hyalomma-Zecke

Riesenzecke überträgt erstmals Fleckfieber in Deutschland

Sie ist deutlich größer als heimische Zecken, man erkennt sie an den gestreiften Beinen: Die Tropenzecke Hyalomma kommt inzwischen auch in Deutschland vor - und hat offenbar erstmals einen Menschen mit Fleckfieber infiziert.

Oskanov/ iStockphoto/ Getty Images

Hyalomma-Zecken sind bis zu zwei Zentimeter lang und stammen ursprünglich aus den Tropen

Mittwoch, 14.08.2019   16:44 Uhr

Erstmals soll in Deutschland ein Mensch durch den Stich einer tropischen Riesenzecke an Fleckfieber erkrankt sein. In der Zecke, die den Mann gestochen hatte, ist der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart mit.

Ein Pferdehalter aus dem Raum Siegen (Nordrhein-Westfalen) hatte sich Ende Juli durch eine Hyalomma-Zecke mit der Krankheit angesteckt. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Zahl deutlich gestiegen

Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas und Asiens. Doch auch in Südeuropa ist sie heimisch und hat sich von Spanien über Italien bis zur Türkei ausgebreitet. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimetern Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine.

Die Zahl gefundener Hyalomma-Zecken ist in Deutschland in den vergangenen Monaten und im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. "2019 haben wir zusammen bis jetzt schon 50 Exemplare in Deutschland gefunden. Letztes Jahr waren es insgesamt 35", sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. Von den 2019 gefundenen Exemplaren trägt laut Mackenstedt fast jedes zweite den Fleckfieber-Erreger in sich. Erstmals konnten nach Einschätzung der Experten in diesem Jahr Hyalomma-Zecken in Deutschland auch überwintern.

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Ursache für Zecken-Fleckfieber ist das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das zu einem fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen sowie extremen Gelenkschmerzen führt. Infizierte fühlen sich zudem oft so, als würden sie verbrennen. Typisch für die Erkrankung ist der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gibt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist Zecken-Fleckfieber in Deutschland höchst selten.

"Wir wissen jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch Menschen sticht", sagte Mackenstedt. "Nun ist auch deutlich, dass eine Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Tiere möglich ist." Eine Ansteckung ist allerdings nur möglich, wenn die Tiere zuvor an einem mit den Erregern infizierten Organismus Blut gesaugt haben.

Der Fall des Pferdehalters aus dem Sauerland wird offiziell als Verdachtsfall behandelt, weil es nicht möglich war, den Erreger direkt am Patienten nachzuweisen. "Die Behandlung stand einfach an erster Stelle", sagte Gerhard Dobler, Mediziner am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. "Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte."

"Sie merken, wenn sie auf Ihnen herumlaufen"

Die Hyalomma-Zecken können auch gefährlichere Erreger übertragen, darunter jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 18 Exemplare der Hyalomma-Zecke aus acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) eingeschickt und untersucht, weitere 17 Zecken waren auf Grund von Bildern eindeutig als Hyalomma-Zecken zu erkennen gewesen. Keine der untersuchten Zecken trug den Erreger des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers in sich.

Doch auch der in Deutschland heimische gemeine Holzbock ist nicht ungefährlich. Die von ihm übertragenen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. Während sich der Holzbock oft unbemerkt am Körper einnistet, ist der Angriff der Hyalomma-Zecke klar zu spüren, sagt Expertin Mackenstedt: "Sie ist ja deutlich größer. Das merken Sie, wenn die auf Ihnen herumläuft."

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass es nach Angaben des Robert Koch-Instituts in den vergangenen Jahren nur vereinzelte Fälle von Zecken-Fleckfieber gegeben habe, alle Betroffenen hätten sich im Ausland angesteckt. Diese Aussage bezieht sich auf das Läuse-Fleckfieber, für das es in Deutschland eine Meldepflicht gibt.

koe/dpa

insgesamt 78 Beiträge
permissiveactionlink 14.08.2019
1. Entschuldigung vorab,
wenn ich hier mal zynisch-sarkastisch-hämisch feststellen muss, dass in naher Zukunft auch die semiprofessionellen Leugner des anthropogen verursachten Klimawandels, namentlich von EIKE e.V. von heimtückischen neuen Blutsaugern [...]
wenn ich hier mal zynisch-sarkastisch-hämisch feststellen muss, dass in naher Zukunft auch die semiprofessionellen Leugner des anthropogen verursachten Klimawandels, namentlich von EIKE e.V. von heimtückischen neuen Blutsaugern mit verheerenden Krankheiten (typhus fever bzw. Fleckfieber, verursacht in erster Linie durch Rickettsia provazekii, potentiell tödlich und als Biowaffe eingestuft) infiziert werden. Wer nicht hören will, muss eben fühlen ! Und da kommt noch mehr : Zecken-Wechselfieber (spezielle Borellien), Dengue-, Chikungunia-, West-Nil-, Krim-Kongo-Virus, einzellige Plasmodien und tödliche Amöben im Schwimming Pool, Vibrio vulnificans und toxische Cyanobakterien in der Ostsee, Leishmanniose durch Sandmücken... Es ist anzunehmen, dass wir in Deutschland durch den Klimawandel auch mit neuen Gifttieren und -pflanzen konfrontiert werden. Da freuen sich die Spinnen-Phobiker jetzt schon auf die schwarzen Witwen im Garten...Allergiker dürften einen Horror vor dem Beifußblättrigen-Taubenkraut (Ambrosia artemisifolia) haben, und der durch den Klimawandel verlängerten Pollenallergie-Saison. Aber auch ohne Neozoen und -phyten besteht Gefahr : Der Wald ist z.Z. voller "gemeiner" Holzböcke (Ixodes ricinus), und die übertragen u.a. Borreliose, die schnell chronisch werden und erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen kann. Und FSME, ein Virus das auch tödlich sein kann. Sage keiner, man hätte nicht früh genug gewarnt !
Claas Störtebeker 14.08.2019
2. Viele unbewiesene Behauptungen
@permissiveactionlink es heißt "typhoid fever" -- soviel Korrektheit muß sein. Und ich muß gar nicht zynisch sein, um zu erkennen, daß wir gar nicht wissen, ob sich die Zecke am Wirt, oder der Wirt an der Zecke [...]
@permissiveactionlink es heißt "typhoid fever" -- soviel Korrektheit muß sein. Und ich muß gar nicht zynisch sein, um zu erkennen, daß wir gar nicht wissen, ob sich die Zecke am Wirt, oder der Wirt an der Zecke "infiziert" hat. Und wir wissen nicht einmal, ob eine DNA Analyse des Krankheitserregers stattgefunden hat. Und ob es sich tatsächlich um "typhoid fever" handelt. Und, daß das Thema von Mitgliedern der Klima Kirche sehr hoch gehängt wird, ohne daß diese überhaupt das Fachwissen haben, um auch diesen Vorfall richtig einordnen können. Dem Artikel fehlen wichtige Informationen... aber wahrscheinlich konnten die Beteiligten "Wissenschaftler" diese auch nicht liefern...
permissiveactionlink 14.08.2019
3. #2, Claas Störtebeker
Schon wieder einer, der mir meinen Job erklärt. Ohne jegliche Ahnung von der Materie. Im internationalen Sprachraum gilt die Bezeichnung "Typhus" oder "Typhus fever" für das von Rickettsien verursachte [...]
Schon wieder einer, der mir meinen Job erklärt. Ohne jegliche Ahnung von der Materie. Im internationalen Sprachraum gilt die Bezeichnung "Typhus" oder "Typhus fever" für das von Rickettsien verursachte "Fleckfieber", bei und bisweilen auch als Flecktyphus bezeichnet. Die bei uns als Typhus bekannte Erkrankung wird hingegen von Salmonella typhi verursacht, und im englischen Sprachraum als "typhoid fever" bezeichnet. Mary Mallon, eine Typhus-Dauerausscheiderin in New York, wurde also zu Recht als "Typhoid-Mary" bezeichnet, und nicht als "Typhus-Mary".
headmiller 14.08.2019
4. Danke!
Für Ihren Beitrag! Ich bin kein Wissenschaftler - nur Interessierter. Wir alle werden in etwa 5 bis 10 Jahren ca. 2456 andere Probleme haben. Klimawandel und anderes betreffend. Diese "Krankheitserreger" dürften [...]
Zitat von Claas Störtebeker@permissiveactionlink es heißt "typhoid fever" -- soviel Korrektheit muß sein. Und ich muß gar nicht zynisch sein, um zu erkennen, daß wir gar nicht wissen, ob sich die Zecke am Wirt, oder der Wirt an der Zecke "infiziert" hat. Und wir wissen nicht einmal, ob eine DNA Analyse des Krankheitserregers stattgefunden hat. Und ob es sich tatsächlich um "typhoid fever" handelt. Und, daß das Thema von Mitgliedern der Klima Kirche sehr hoch gehängt wird, ohne daß diese überhaupt das Fachwissen haben, um auch diesen Vorfall richtig einordnen können. Dem Artikel fehlen wichtige Informationen... aber wahrscheinlich konnten die Beteiligten "Wissenschaftler" diese auch nicht liefern...
Für Ihren Beitrag! Ich bin kein Wissenschaftler - nur Interessierter. Wir alle werden in etwa 5 bis 10 Jahren ca. 2456 andere Probleme haben. Klimawandel und anderes betreffend. Diese "Krankheitserreger" dürften dann in ihrer Wertung ziemlich hinten rangieren!
equigen 14.08.2019
5. Der Klimawandel - natürlich... Januar 2019 war KÄLTER als Durchschnitt
Das Eischleppen von Zecken durch globalen Tourismus und vor allem globalen Handel hat doch nix mit dem Klimawandel zu tun. Wenn man sich die Mühe macht und die Wetterdaten von diesem Winter raussucht, dann sieht man, dass zwar [...]
Das Eischleppen von Zecken durch globalen Tourismus und vor allem globalen Handel hat doch nix mit dem Klimawandel zu tun. Wenn man sich die Mühe macht und die Wetterdaten von diesem Winter raussucht, dann sieht man, dass zwar der Februar in Lüdenscheid im Sauerland deutlich zu warm war, der ohnehin kältere Januar aber KÄLTER ALS IM DURCHSCHNITT war! Mit anderen Worten: Die Zecke hätte den Januar erst recht nicht überleben dürfen. Angeblicher Klimawandel hin oder her. Die Behauptung ist falsch, sie kann mit den Wetterdaten von Januar 2019 widerlegt werden... Man muss halt selber denken, und sich nicht jeden Blödsinn auf die Nase binden lassen.

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