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Gesundheit

Vorschlag von Minister Spahn

Ärzte sollen Apps verschreiben dürfen

Onlinetagebuch für Diabetiker oder digitale Hilfen für Schwangere: Krankenkassen könnten künftig die Kosten für bestimme Apps übernehmen. Zumindest wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht.

Uwe Umstaetter/ Westend61/ Getty Images

Blutdruck checken: Krankenkassen sollen Kosten für bestimmte Apps übernehmen, fordert Jens Spahn

Mittwoch, 15.05.2019   15:51 Uhr

Verschreibt der Arzt bald nicht mehr nur Tabletten oder Krücken, sondern auch mobile Anwendungen für Smartphones, Smartwatches oder Tablets? Genau das sieht ein Entwurf für ein neues Digitalisierungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor. Die Kosten sollen von den Krankenkassen übernommen werden. "Patienten sollen sich darauf verlassen können, dass sinnvolle digitale Anwendungen - z. B. Apps oder Diagnose-Tools - schnell in die Versorgung kommen", schreibt der CDU-Politiker auf Twitter.

Gemeint seien Gesundheits-Apps wie digitale Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck. Spahn will auch weitere digitale Angebote stärken. So sollen Patienten künftig leichter Arztpraxen finden können, die auch Videosprechstunden anbieten. "Der Patient von morgen wird immer noch einen Arzt brauchen", argumentiert Spahn. "Aber er wird keinen Arzt mehr ernst nehmen, der nur noch über Karteikarten arbeitet."

Die Kostenübernahme soll nur für Anwendungen gelten, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Sicherheit, Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit geprüft wurden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Demnach sollen Hersteller die App ein Jahr lang anbieten und den Preis selbst bestimmen dürfen. Danach müssten sie nachweisen, dass die Anwendung die Versorgung verbessere. Erst dann sollen sie mit Krankenkassen über die Kostenübernahme verhandeln können.

Honorarkürzung für "Analog"-Ärzte?

Auch die elektronische Patientenakte soll dem Entwurf zufolge umfangreicher werden und auch Impfausweis, Mutterpass oder Zahn-Bonusheft umfassen. In einem bereits beschlossenen Gesetz ist geregelt, dass die Kassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte anbieten müssen, auf die sie mit Smartphone oder Tablet zugreifen können.

Ärzten, die sich nicht an digitaler Patientenversorgung beteiligen, drohen von März 2020 an Honorarkürzungen um 2,5 Prozent, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Der Referentenentwurf geht nun in die Ressortabstimmung.

Längst nicht alle Ärzte sind von Spahns Digitalisierungsplänen begeistert. Anfang der Woche warnten Mediziner in einem offenen Brief an Spahn, Patientendaten seien nicht ausreichend vor Hackerangriffen geschützt.

"Es kann doch nicht sein, dass die zertifizierten Techniker die Geräte installieren und dabei teilweise Schutzsysteme der Praxis vor Hackerangriffen deaktiviert werden, damit die TI reibungslos funktioniert," sagte Bernhard Salomon der IG Med Deutsche Ärztegewerkschaft und forderte, Patientendaten nur im sogenannten Kiosk-Modus zu verarbeiten, wie es auch in Frankreich üblich sei. Also ohne Telematik oder den Austausch sensibler medizinischer Daten in einem unsicheren Netzwerk.

koe/dpa/AFp

insgesamt 5 Beiträge
Peletua 15.05.2019
1. Dankeschön, Herr Minister
Dankeschön, Herr Minister, für eine weitere geniale Idee! Dass das Gesundheits-Ressort mal so 'modern' werden würde, hätte ich nie geglaubt. Aber viel einfacher wäre es doch, die Daten aller Versicherten gleich offen ins [...]
Dankeschön, Herr Minister, für eine weitere geniale Idee! Dass das Gesundheits-Ressort mal so 'modern' werden würde, hätte ich nie geglaubt. Aber viel einfacher wäre es doch, die Daten aller Versicherten gleich offen ins Netz zu stellen, damit sich Ihre Freunde aus der Gesundheits- und Pharmaindustrie, dazu noch Arbeitgeber und andere interessierte Dritte ohne Umwege bedienen können, nicht wahr? Diese Hackerei ist so unschön und kostet nur zusätzliches Geld. Aber wo denke ich nur hin. In dem Jahr, das eine App samt Daten im Netz stehen muss, um die Zulassung zu bekommen, ist der Zugriff auf unsichere Apps ja eh möglich... Man fasst es nicht.
so-long 16.05.2019
2. Profilneurotiker
Spahn will sich als "fortschrittlich, modern, digital" präsentieren. Eine App für Schwangere??? Wie konnten Kinder in den letzten Jahrtausenden ohne App geboren werden? Wahrscheinlich nur durch glückliche Zufälle? Der [...]
Spahn will sich als "fortschrittlich, modern, digital" präsentieren. Eine App für Schwangere??? Wie konnten Kinder in den letzten Jahrtausenden ohne App geboren werden? Wahrscheinlich nur durch glückliche Zufälle? Der Bluthochdruckler hat entweder seine Sache im Griff, weil er das will, oder er hat es nicht. Ebenso beim Diabetiker. Der Digitalisierungswahn im Gesundheitswesen verschlingt Milliarden und die Krankenversorgung verbessert sich Null. Z.B. bekommt die D-Telekom jeden Monat von jeder angeschlossenen Arztpraxis 83€ für den Unterhalt der Telematikinfrastruktur. Wenn künftig auch Huawei mitmischt... .
CancunMM 16.05.2019
3.
Naja das stimmt so nicht ganz. Die Telekom ist ein Anbieter von den Geräten, die man in Arztpraxen braucht um die Telematik umzusetzen. Und die Telekom kam mit ihren geräte auf den Markt als viele schon bei der anderen [...]
Zitat von so-longSpahn will sich als "fortschrittlich, modern, digital" präsentieren. Eine App für Schwangere??? Wie konnten Kinder in den letzten Jahrtausenden ohne App geboren werden? Wahrscheinlich nur durch glückliche Zufälle? Der Bluthochdruckler hat entweder seine Sache im Griff, weil er das will, oder er hat es nicht. Ebenso beim Diabetiker. Der Digitalisierungswahn im Gesundheitswesen verschlingt Milliarden und die Krankenversorgung verbessert sich Null. Z.B. bekommt die D-Telekom jeden Monat von jeder angeschlossenen Arztpraxis 83€ für den Unterhalt der Telematikinfrastruktur. Wenn künftig auch Huawei mitmischt... .
Naja das stimmt so nicht ganz. Die Telekom ist ein Anbieter von den Geräten, die man in Arztpraxen braucht um die Telematik umzusetzen. Und die Telekom kam mit ihren geräte auf den Markt als viele schon bei der anderen Firma bestellt hatte. Ich kenne keine Praxis, die Geräte von der Telekom hat.
so-long 16.05.2019
4. D-Telekom
ist einer der Anbieter der Telematikinfrastruktur. Würde man die Milliarden anstatt in die laufenden Unterhaltskosten in die Krankenversorgung stecken, hätten die Patienten etwas davon, die Industrie entsprechend weniger.
Zitat von CancunMMNaja das stimmt so nicht ganz. Die Telekom ist ein Anbieter von den Geräten, die man in Arztpraxen braucht um die Telematik umzusetzen. Und die Telekom kam mit ihren geräte auf den Markt als viele schon bei der anderen Firma bestellt hatte. Ich kenne keine Praxis, die Geräte von der Telekom hat.
ist einer der Anbieter der Telematikinfrastruktur. Würde man die Milliarden anstatt in die laufenden Unterhaltskosten in die Krankenversorgung stecken, hätten die Patienten etwas davon, die Industrie entsprechend weniger.
ayv62957 16.05.2019
5.
Eine schnelle Suche im App-Store brachte zu den von mir eingegebenen Suchbegriffen (z.B. Diabetes, Schwangerschaft etc.) viele, viele Apps, die entweder werbefinanziert sind oder unter 5 € kosten.... Ich bin ja absolut gegen [...]
Eine schnelle Suche im App-Store brachte zu den von mir eingegebenen Suchbegriffen (z.B. Diabetes, Schwangerschaft etc.) viele, viele Apps, die entweder werbefinanziert sind oder unter 5 € kosten.... Ich bin ja absolut gegen eine Zwei-Klassenmedizin, aber solche Kleckerbeträge von der Kasse übernehmen zu lassen ist dann doch eher den kommenden Wahlen geschuldet! Wer wirklich helfen will, macht andere Vorschläge!

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