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Gesundheit

Spahn zu Trisomie-Test

"Die Kassen müssen das zahlen"

Gesundheitsminister Jens Spahn unterstützt die Pläne, Schwangeren einen Bluttest auf Downsyndrom zu bezahlen. Kritiker befürchten, dass es durch den Schritt zu mehr Abtreibungen kommen könnte.

DPA

Jens Spahn (CDU) im April in Berlin

Montag, 08.04.2019   15:52 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, Trisomie-Schnelltests für Schwangere zur Kassenleistung zu machen. "Wenn jetzt ein Test kommt, der quasi kein Risiko mehr hat, dann müssen die Kassen das zahlen", sagte Spahn im "Bild"-Talk "Die richtigen Fragen". Schließlich werde seit Langem ein entsprechender Fruchtwassertest bei manchen Frauen erstattet, obwohl dieser das Risiko einer Fehlgeburt mit sich bringe.

"Allein schon, um Risiko zu minimieren, sollten die Kassen das nun finanzieren", sagte Spahn. Die Entscheidung dazu liege aber ausschließlich beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Der Bundestag will am Donnerstag eine Orientierungsdebatte zu dem Thema führen. Unter Politikern und Ethikexperten ist der vorgeburtliche Bluttest umstritten, da sich viele Eltern nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden. Bislang müssen Schwangere den mindestens 130 Euro teuren Bluttest in der Regel selbst bezahlen.

"Jedes Leben besitzt die gleiche Würde"

Auch das CDU-Präsidium beriet am Montag über vorgeburtliche genetische Bluttests. Danach sprach sich CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zwar dafür aus, diese von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlen zu lassen. Die werdenden Eltern sollten jedoch begleitet und aufgeklärt werden.

Am Ende müsse immer das Werben für das Leben stehen, sagte der CDU-Generalsekretär. Jedes Leben sei gleich viel Wert und besitze die gleiche Würde, "egal ob mit Downsyndrom oder mit einer anderen Beeinträchtigung".

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Kliniken, Ärzten und Patientenvertretern hat Ende März Verfahren angestoßen, um die Tests in Zukunft zur Kassenleistung zu machen - allerdings nur, wenn eine Risikoschwangerschaft vorliegt .

In einem ersten Schritt sollen Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer, der Deutsche Ethikrat, die Gendiagnostik-Kommission und zahlreiche weitere Organisationen Stellungnahmen zu den Plänen abgeben. Voraussichtlich im August 2019 will der G-BA über seinen Beschlussentwurf beraten. Bis die Änderung für Patientinnen in Kraft tritt, wird es voraussichtlich noch bis Herbst 2020 dauern.

So funktioniert der Test

Für die Tests wird Schwangeren ab der 11. Woche Blut abgenommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Downsyndrom - aber auch anderen Trisomien - auf die Welt kommen würde.

Mit einer Treffsicherheit von 99 Prozent gilt der Bluttest als sicherer als das sogenannte Erst-Trimester-Screening mit einer Quote von 95 Prozent. Dabei vermisst der Arzt den Fötus in der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche mit einem Ultraschallgerät, zusätzlich analysiert er bestimmte Blutwerte der Mutter.

Lange ließ sich während der Schwangerschaft nur mit einer Fruchtwasseruntersuchung feststellen, ob beim Kind Trisomien vorliegen. Diese empfehlen Ärzte aktuell weiterhin bei unklaren Befunden nach Erst-Trimester-Screening oder Bluttest. Eine Fruchtwasseruntersuchung birgt jedoch Risiken: Etwa ein bis drei von 1000 Föten überleben den Eingriff nicht.

irb/AFP/dpa

insgesamt 44 Beiträge
tonhalle 08.04.2019
1. So lange das freiwillig ist.....
...und es geht schließlich "nur" um einen Test, ist die Diskussion schwer zu verstehen. Auch bisher konnte jeder diesen Test kaufen, es soll lediglich die Möglichkeit auch für weniger wohlhabende Menschen geöffnet [...]
...und es geht schließlich "nur" um einen Test, ist die Diskussion schwer zu verstehen. Auch bisher konnte jeder diesen Test kaufen, es soll lediglich die Möglichkeit auch für weniger wohlhabende Menschen geöffnet werden. Die sich ggf. anschließenden Entscheidungen sind schwierig genug, aber die Trennung zwischen Test und Abtreibung fällt vielen wohl schwerer, als gedacht.
Crom 08.04.2019
2.
Die Debatte ist mal wieder scheinheilig hoch drei. In Deutschland kann straffrei ohne Grund abgetrieben werden. Da wird demonstriert und radikale Verfechter fordern sogar noch die Abtreibung bis kurz vor der Geburt. Ab wehe man [...]
Die Debatte ist mal wieder scheinheilig hoch drei. In Deutschland kann straffrei ohne Grund abgetrieben werden. Da wird demonstriert und radikale Verfechter fordern sogar noch die Abtreibung bis kurz vor der Geburt. Ab wehe man möchte ein Test machen, dann ist das alles unethisch und unmoralisch. Das soll mir mal einer erklären.
yebo 08.04.2019
3. Mein Bauch gehört mir
Warum steht in dem Artikel, dass sich "viele ELTERN nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden"? Ich dachte, das wäre eine Entscheidung allein der Frau. Wenn das Deutsche Downsyndrom InfoCenter (wie [...]
Warum steht in dem Artikel, dass sich "viele ELTERN nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden"? Ich dachte, das wäre eine Entscheidung allein der Frau. Wenn das Deutsche Downsyndrom InfoCenter (wie am 20.03.19 auf SpOn berichtet) fürchtet, dass durch die Kostenübernahme des Trisomie-21-Bluttests weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden, und wenn die betroffenen Frauen fürchten, dass ihr Recht am eigenen Körper beschnitten wird, dann richten sich die Interessen von zwei als benachteiligt selbst-empfundenen Gesellschafts-Teilmengen gegen einander (und ausnahmsweise mal nicht gegen den alten weißen Mann). Interessant wäre die Frage, welches Geschlecht, Alter und Hautfarbe diejenigen haben, die letztlich entscheiden, ob der Test nun von den Krankenkassen getragen wird oder nicht. (Allerdings wäre die Frage nur für diejenigen interessant, die sich um solche Merkmale scheren - für mich persönlich also nicht, ehrlich gesagt.)
permissiveactionlink 08.04.2019
4. Die Heuchelei der Konservativen
ist zum Haareraufen und Davonlaufen ! Der Test ist frei verkäuflich, jeder kann ihn erwerben. Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe reicht vermutlich schon für ein Ergebnis. Was wäre denn die Alternative der strenggläubigen [...]
ist zum Haareraufen und Davonlaufen ! Der Test ist frei verkäuflich, jeder kann ihn erwerben. Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe reicht vermutlich schon für ein Ergebnis. Was wäre denn die Alternative der strenggläubigen Lebensschützer ? Dass alle betuchten angehenden Mütter sich den Test problemlos leisten können, aber die ärmeren unter ihnen gezwungen werden zu einer eben nicht komplikationsfreien Fruchtwasseruntersuchung auf Kosten der Solidargemeinschaft und möglicherweise des ungeborenen Kindes ? Das ist auch eine Form der Selektion, diesmal eine pekuniäre ! Zu den Äußerungen bezüglich der Tatsache, dass die Würde jedes menschlichen Lebens gleich wertvoll und schützenswert ist sei festgestellt, dass das Leben nun einmal erst bei der Geburt beginnt, und nicht davor. Das sehen sogar andere Religionen so. Aber das ist eben die Scheinheiligkeit der Konservativen (und der christlichen Kirchen) : geschützt werden die Kinder nur während ihrer Zeit im Mutterleib, schon allein um Frauen das Selbstentscheidungsrecht über sich und ihren Körper per Gesetz zu nehmen, danach sind die Kinder dem Staat (und besonders den Kirchen) völlig wurscht, besonders dann, wenn sie in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen und womöglich Behinderungen besitzen, die ihnen ein normales Leben für immer verwehren.
Makrönchen 08.04.2019
5.
Ach ist das wirklich so "nun einmal"? Das kann man auch komplett anders sehen. Ich denke ab der Befruchtung ist der einzig sinnvolle Zeitpunkt. Denn auch vor der natürlichen Geburt herausgeholte Frühchen sind [...]
Zitat von permissiveactionlinkist zum Haareraufen und Davonlaufen ! Der Test ist frei verkäuflich, jeder kann ihn erwerben. Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe reicht vermutlich schon für ein Ergebnis. Was wäre denn die Alternative der strenggläubigen Lebensschützer ? Dass alle betuchten angehenden Mütter sich den Test problemlos leisten können, aber die ärmeren unter ihnen gezwungen werden zu einer eben nicht komplikationsfreien Fruchtwasseruntersuchung auf Kosten der Solidargemeinschaft und möglicherweise des ungeborenen Kindes ? Das ist auch eine Form der Selektion, diesmal eine pekuniäre ! Zu den Äußerungen bezüglich der Tatsache, dass die Würde jedes menschlichen Lebens gleich wertvoll und schützenswert ist sei festgestellt, dass das Leben nun einmal erst bei der Geburt beginnt, und nicht davor. Das sehen sogar andere Religionen so. Aber das ist eben die Scheinheiligkeit der Konservativen (und der christlichen Kirchen) : geschützt werden die Kinder nur während ihrer Zeit im Mutterleib, schon allein um Frauen das Selbstentscheidungsrecht über sich und ihren Körper per Gesetz zu nehmen, danach sind die Kinder dem Staat (und besonders den Kirchen) völlig wurscht, besonders dann, wenn sie in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen und womöglich Behinderungen besitzen, die ihnen ein normales Leben für immer verwehren.
Ach ist das wirklich so "nun einmal"? Das kann man auch komplett anders sehen. Ich denke ab der Befruchtung ist der einzig sinnvolle Zeitpunkt. Denn auch vor der natürlichen Geburt herausgeholte Frühchen sind überlebensfähig. Wo will man da die Grenze ziehen. Wie irgendwelche Religionen das sehen ist mir ziemlich egal.

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