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Gesundheit

Mythos oder Medizin

Kann man zu lange schlafen?

Endlich ausschlafen! Das denken viele am Wochenende und fühlen sich danach erst recht träge. Außerdem attestieren Forscher Langschläfern die schlimmsten Krankheiten. Was steckt dahinter?

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So schön kann Schlafen sein (Symbolbild)

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Freitag, 28.12.2018   06:38 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Feiertage, endlich! Eltern träumen davon, Kinderlose zelebrieren es: Ausschlafen, solange das Gehirn gewillt ist, die Augen zu schließen. Nach dem Aufstehen: das böse Erwachen. Trotz der Extraportion Schlaf verwandelt sich der Körper in eine träge Masse, die kaum von der Couch hochkommt.

Anscheinend wird der Körper nicht richtig wach, wenn wir neun, zehn oder gar zwölf Stunden geschlummert haben. Große Studien zu Langschläfern lassen sogar noch Schlimmeres vermuten. Wer im Durchschnitt lange schläft, wird demnach deutlich häufiger krank, entwickelt eher Rückenschmerzen, Depressionen, Herzleiden oder Diabetes. Sogar früher sterben sollen die Langschläfer.

Trotzdem ist Dieter Kunz davon überzeugt, dass zu viel Schlaf noch niemandem geschadet hat. "Diese Studien haben alle ihre Berechtigung", sagt der Leiter der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin. "Sie werden nur oft falsch interpretiert."

Auch zwölf Stunden Schlaf können normal und gesund sein

Schlaf ist etwas sehr Individuelles. Wie viel Zeit wir optimalerweise im Bett verbringen, gibt der Körper vor. "Während der eine nur vier Stunden benötigt, kommt der andere am besten mit sieben Stunden zurecht", sagt Kunz. "Sogar zwölf Stunden können gut und gesund sein."

Warum das so ist, konnten Forscher noch nicht entschlüsseln. "Zum Teil liegen Vierstunden- und Neunstundenschläfer bei uns nebeneinander im Schlaflabor", sagt Kunz. "Trotzdem sind wir noch nicht dahintergekommen."

Entscheidend für die Frage nach gesundem Schlaf ist, wie man sich am Tag fühlt. "Bin ich fit, muss ich meine Gewohnheiten nicht ändern", sagt Kunz. "Egal, ob ich vier oder neun Stunden schlafe." Wenn Forscher also beispielsweise in einer Studie mit Hunderttausenden Menschen herausfinden, dass der perfekte Schlaf 7,425 Stunden lang ist und ewiges Leben beschert, gilt das nur für den absoluten Durchschnittsmenschen. Es ist ähnlich wie mit Schuhen: Nur weil alle im Durchschnitt eine Größe von 42 tragen, passt diese noch lange nicht jedem.

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Trotzdem haben viele Menschen durch Arbeit, Partner und Familie verlernt, ihrem eigenen Schlafrhythmus zu folgen. Wer herausfinden will, wie viel Schlaf sein Körper braucht, sollte sich laut Kunz an die Zeiten erinnern, als er 20 war. Wie lange hat man damals geschlafen, wenn man nicht abgelenkt wurde?

"In diesem Alter ist das Gehirn ausgereift und für eine bestimmte Schlafdauer gebaut", sagt Kunz. "Die Frage nach dem Schlaf mit 20 stelle ich deshalb selbst 70-Jährigen. Die gucken dann zwar etwas schräg, aber ich bin ja der Arzt."

Fehlt die Erinnerung, lässt sich die Frage auch auf die Gegenwart übertragen: Wann würde ich ins Bett gehen, wenn mich gar nichts ablenken würde? Kein Fernseher, kein Buch, kein Mensch? Und wann wieder aufstehen bei absoluter Langeweile?

Warum werden Langschläfer häufiger krank?

Dass Schlaf so individuell ist, spricht zwar dafür, dass Langschläfer nicht automatisch um ihre Gesundheit bangen müssen. Es erklärt jedoch noch nicht, warum sie in fast allen Analysen so viel häufiger erkranken.

Forscher haben deshalb immer wieder versucht, nachzuweisen, wie langer Schlaf schaden kann. Fündig wurden sie nicht, weder bei Studien im Labor noch bei Untersuchungen mit Menschen, wie Wissenschaftler 2015 im Journal "Neurology" konstatierten.

Heute gehen Mediziner davon, dass der Zusammenhang zwischen Krankheiten und Schlaf umgekehrt ist. Nicht der Schlaf macht krank, sondern die Krankheiten stören den Schlaf und führen so dazu, dass die Betroffenen länger im Bett bleiben - selbst wenn sie von ihrer Krankheit noch nichts ahnen.

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Mythos oder Medizin: Welche Gesundheitstipps stimmen wirklich?

So können beispielsweise gefährliche Schlafstörungen wie Atemaussetzer oder unkontrollierte Bewegungen dazu führen, dass die Betroffenen morgens länger liegen bleiben. Das kann selbst bei Menschen vorkommen, die denken, dass sie gut schlafen.

"Ich hatte mal einen Manager bei mir im Schlaflabor, der nachts 800 Mal unkontrolliert seine Beine bewegt hat und 400 Mal aufwachte", erzählt Kurz. "Trotzdem ist er davon ausgegangen, dass er gut schläft, weil er immer gleich wieder eingeschlafen ist und sich an nichts erinnern konnte."

Die Folgen des gestörten Schlafs aber machten sich bemerkbar. "Am nächsten Morgen wundert man sich dann, dass die Verdauung noch nicht fertig ist und man nicht auf die Toilette kann", sagt Kunz. "Dass man ständig krank wird, weil sich das Immunsystem nicht regenerieren konnte. Und dass man sich nicht konzentrieren kann, weil das Gedächtnis unwichtige Informationen nicht aussortieren konnte."

Langes Schlummern kann also doch ein Warnzeichen sein, aber nur, wenn jemand auf einmal mehr Schlaf braucht als früher und sich trotzdem unausgeruht fühlt.

Die Müdigkeit am Wochenende

Bleibt noch die Frage, warum sich viele so kaputt fühlen, wenn sie nur mal am Wochenende richtig lange im Bett bleiben und eine Extraportion Schlaf ergattern. Manche Experten vermuten, dass das ungewohnte Ausschlafen die innere Uhr verstellt.

"Es scheint so, als könnte jede Abweichung vom normalen Schlafmuster - selbst das häufigere Drücken des Snooze-Buttons - den Rhythmus des Körpers durcheinander bringen und dadurch die Müdigkeit am Tag verstärken", schreibt etwa die renommierte Harvard Medical School.

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Kunz sieht das anders - und will auch hier nicht den langen Schlaf verantwortlich machen. "Man kann nicht die ganze Woche Schindluder mit seinem Körper betreiben und dann hoffen, das es einem nach ein bis zwei Nächten wieder besser geht", sagt er. "Das, was man dann merkt, sind oft die Nachwirkungen der Woche und hat mit dem aktuellen Schlaf rein gar nichts zu tun."

Nur bei einer Wochenendaktivität sieht auch er eine Gefahr für die innere Uhr: Wenn wir lange feiern, erst im Morgengrauen ins Bett gehen und dann bis mittags schlafen. "Das ist, als würden Sie einmal nach New York fliegen und müssten am nächsten Morgen wieder in Moskau anfangen zu arbeiten", sagt der Chronomediziner. Kein Wunder also, wenn man sich danach schlapp fühlt. Nach einiger Zeit ruckelt sich aber auch das wieder zurecht.

Fazit: Schlaf ist gut für den Körper, zu viel davon kann man nicht bekommen. Dass wir uns am Wochenende trotz langen Ausschlafens oft platt fühlen, liegt wahrscheinlich an den Nachwirkungen einer anstrengenden Woche.

insgesamt 50 Beiträge
marthaimschnee 28.12.2018
1. kann man das denn überhaupt?
Es mag Menschen geben, die können immer, überall und beliebig lange schlafen, aber bei den meisten ist es doch eher so, daß sie keinen Schlaf mehr finden, wenn sie genug davon hatten. Egal wie lange man noch im Bett liegt und [...]
Es mag Menschen geben, die können immer, überall und beliebig lange schlafen, aber bei den meisten ist es doch eher so, daß sie keinen Schlaf mehr finden, wenn sie genug davon hatten. Egal wie lange man noch im Bett liegt und das gemütlich findet und gerne noch weiter dösen möchte, man schläft einfach nicht mehr ein.
fatherted98 28.12.2018
2. Gähn...
....jetzt also ist auch zu lange schlafen schädlich. Gerade habe ich gelesen, dass man mindesten 8...besser aber 10 Stunden schlafen sollte....nun also doch nicht. Evtl. sollte das jeder nach seinem Gusto machen...so wie er sich [...]
....jetzt also ist auch zu lange schlafen schädlich. Gerade habe ich gelesen, dass man mindesten 8...besser aber 10 Stunden schlafen sollte....nun also doch nicht. Evtl. sollte das jeder nach seinem Gusto machen...so wie er sich wohl und ausgeschlafen fühlt.
hegoat 28.12.2018
3.
@ marthaimschnee: Natürlich kann man das. Meine Schwägerin schläft zwischen 10 und 11 Stunden täglich. Ich selbst kann am Wochenende 13 Stunden schlafen, wenn keiner stört. Liegt aber - wie im Artikel beschrieben - wohl eher [...]
@ marthaimschnee: Natürlich kann man das. Meine Schwägerin schläft zwischen 10 und 11 Stunden täglich. Ich selbst kann am Wochenende 13 Stunden schlafen, wenn keiner stört. Liegt aber - wie im Artikel beschrieben - wohl eher daran, dass ich in der Woche nur sieben Stunden Schlaf bekomme, was FÜR MICH definitiv zu wenig ist.
dasfred 28.12.2018
4. Ich habe von meinen Haustieren gelernt
Nach einer guten Mahlzeit erstmal hinlegen und dösen. Danach bin ich wieder fit. Seit ich mir meine Zeit einteilen kann, gehe ich meist sehr früh ins Bett und wenn ich nachts das Gefühl habe, ich bin ausgeruht, stehe ich für [...]
Nach einer guten Mahlzeit erstmal hinlegen und dösen. Danach bin ich wieder fit. Seit ich mir meine Zeit einteilen kann, gehe ich meist sehr früh ins Bett und wenn ich nachts das Gefühl habe, ich bin ausgeruht, stehe ich für ein paar Stunden auf. Ich komme auf rund acht Stunden Schlaf im Durchschnitt und bin fit, wenn ich aus dem Bett komme. Nach Jahren Schichtarbeit genieße ich es einfach dem körperlichen Bedürfniss zu folgen. Mehr als zehn Stunden Schlafbedürfnis sind bei mir eher ein Zeichen für einen grippalen Infekt. Der Körper holt sich, was er braucht.
mescal1 28.12.2018
5. Und je mehr man sich über Schlaf
Sorgen macht, je mehr man darüber liest, je mehr man zwanghaft versucht, die Gewohnheiten zu ändern desto schlechter schläft man. "Das bereitet mir schlaflose Nächte" - ja, wer Sorgen hat, der wird auch schlechter [...]
Sorgen macht, je mehr man darüber liest, je mehr man zwanghaft versucht, die Gewohnheiten zu ändern desto schlechter schläft man. "Das bereitet mir schlaflose Nächte" - ja, wer Sorgen hat, der wird auch schlechter schlafen. Wie findet man heraus was einem "gut" tut? Es wird kein Patentrezept geben - für mich ist die Regelmäßigkeit das Non-Plus-Ultra. Erstens beste Decken (Daunen - für mich), eine Matraze die MIR passt (nicht weil sie "gut" getestet ist, sondern weil ICH mich gut darauf fühle), eine Lattenrost für meine Bedürfnisse und RUHE und Dunkelheit. Dann stehe ich auch gerne am Morgen auf. Um 11 ins Bett, ein Buch lesen, die Augen fallen von selber zu und am Morgen um 6 raus. Was gibt es schöneres für mich? Auch im Urlaub! Aber wer einen Schlafexperten braucht - bitte.

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