Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Kongo

Ebola-Behandlungszentren angegriffen und niedergebrannt

Mehr als 500 Menschen sind im Kongo an Ebola gestorben, jetzt erschweren zwei Angriffe auf Behandlungszentren den Kampf gegen die Epidemie. Mehrere Patienten werden vermisst.

DPA

Kongo, Katwa: Blick auf das teilweise zerstörte Behandlungszentrum

Donnerstag, 28.02.2019   17:53 Uhr

Ebola ist eines der gefährlichsten Viren der Welt. Ein Infizierter kann ausreichen, um den tödlichen Erreger in ein Dorf zu bringen und dort zu verbreiten. Eindämmen lässt sich das Virus deshalb nur, wenn alle Infizierten isoliert werden. Jetzt aber sind bei Angriffen im Kongo mehrere Patienten aus Behandlungszentren geflohen.

In der Nacht zum Donnerstag kam es Ärzte ohne Grenzen zufolge zu einer Attacke auf ein Ebola-Behandlungszentrum in Butembo im Osten der Demokratischen Republik. Laut Kongos Gesundheitsministerium flohen etliche Patienten vor den Angreifern. Vier Menschen werden noch vermisst, bei denen das Virus bereits bestätigt wurde. Auch 32 weitere Patienten sind verschwunden.

"Dieser Angriff hat nicht nur die Leben von Ebola-Patienten und ihren Familien in Gefahr gebracht, sondern auch die der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und vom Gesundheitsministerium", kritisierte Hugues Robert von Ärzte ohne Grenzen. Die bewaffneten Angreifer hatten sich ein Feuergefecht mit Sicherheitskräften geliefert.

Am Sonntag sei bei einem weiteren Angriff ein Ebola-Behandlungszentrum teilweise niedergebrannt worden, sagte der Notfall-Koordinator der Organisation in Katwa, Emmanuel Massart. Die Patienten mussten demnach in eine andere Klinik gebracht werden, das Zentrum sei noch nicht wieder in Betrieb.

Mehr zum Thema

Der Hintergrund der Attacken ist unklar. In der Region kämpfen jedoch mehrere Rebellen-Gruppen gegeneinander.

Knapp 900 Infizierte, mehr als 500 Tote

Bislang haben sich in der Provinz Nord-Kivu im Osten des Kongo 879 Menschen mit dem gefährlichen Erreger infiziert, 553 sind daran gestorben. Angst vor der Krankheit und Skepsis gegenüber den Medizinern seien normal, erklärt Massart. Doch seit Beginn dieser Epidemie hätten alle Akteure - auch Ärzte ohne Grenzen - nicht ausreichend die Gemeinden miteinbezogen und die Menschen über die Krankheit informiert, sagte Massart.

Demnach denken viele Menschen, wenn ein Patient in ein Behandlungszentrum geht, kommt er nicht lebend zurück. Es sei zu oft der Fall, dass die Erkrankten sterben, so Massart. "Also werden Ebola-Patienten oft in den Gemeinden versteckt."

Kongo - ein Name, zwei Staaten

Es gibt in Zentralafrika zum einen die "Demokratische Republik Kongo" mit der Hauptstadt Kinshasa und zum anderen die "Republik Kongo" mit der Hauptstadt Brazzaville. Die Grenze beider Länder verläuft teils entlang des Flusses Kongo. Auf der Kongokonferenz der europäischen Kolonialmächte 1884/85 in Berlin erhielten die Franzosen das kleinere Territorium der heutigen Republik Kongo. Der belgische König Leopold II. sicherte sich das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo und machte es zu seiner Privatkolonie, die er rücksichtslos ausbeutete.

1960 erlangten sowohl die belgische als auch die französische Kolonie ihre Unabhängigkeit. Nach mehreren Namensänderungen (u.a. Zaire) heißt die ehemalige belgische Kolonie seit 1997 "Demokratische Republik Kongo", die vormals französische Kolonie seit 1991 "Republik Kongo". Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten für die Demokratische Republik Kongo in der Regel die einfache Bezeichnung "Kongo".

Man versuche nun, die Arbeit im Kampf gegen Ebola stärker auf die Bevölkerung abzustimmen, sagte der Notfall-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Wenn wir diesen Ausbruch beenden wollen, können wir das nicht ohne das Vertrauen der Bevölkerung machen."

Der aktuelle Ausbruch hat sich zur zweitschwersten Ebola-Epidemie seit Entdeckung des Virus entwickelt, die ersten Fälle waren Anfang August bekannt geworden. Bei der bisher folgenschwersten Epidemie in Westafrika kamen 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen ums Leben.

irb/dpa/Reuters

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP