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Gesundheit

Schutz von Kindern

NRW will Rauchen im Auto verbieten - bundesweit

Durch ein verrauchtes Auto wabern fünf Mal so viele Schadstoffe wie in einer Raucherkneipe. Die NRW-Landesregierung will Rauchen im Auto deshalb bundesweit verbieten - zumindest wenn Kinder und Schwangere mitfahren.

Getty Images/ iStockphoto

Rauchend am Steuer

Donnerstag, 21.03.2019   17:39 Uhr

Geht es nach der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, bleiben Autos auf deutschen Straßen in Zukunft rauchfrei, wenn sich Minderjährige oder Schwangere an Bord befinden. Der Landtag hat am Donnerstag einen entsprechenden gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, FDP und Grünen beschlossen.

Die Regelung soll sich nicht nur auf das Bundesland beschränken, sondern deutschlandweit gelten. "Minderjährige und Schwangere sind vor den Folgen des Passivrauchens insbesondere im Auto zu schützen", heißt es in dem Beschlusstext. "Die Landesregierung wird daher gebeten, über den Bundesrat einen Gesetzentwurf einzubringen, der das Rauchen in Autos in Anwesenheit von Minderjährigen oder Schwangeren verbietet und sanktioniert."

Verbot wäre gesetzeskonform

Neben der Bundesärztekammer plädiert selbst ein Großteil der Raucher dafür, das Rauchen in Autos zu verbieten und unter Strafe zu stellen, wenn Kinder im Fahrzeug sitzen. Trotzdem wurde eine entsprechende Regelung bislang vor allem von CDU-Politikern blockiert, auch nach einem Vorstoß der Parteikollegin und Drogenbeauftragten Marlene Mortler 2015. Das damals amtierende Bundesgesundheitsministerium unter Hermann Gröhe (CDU) behauptete sogar, ein solches Gesetz sei womöglich verfassungswidrig.

Das widerspricht einer Einschätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags, auf die sich auch die NRW-Landesregierung bezieht. Demnach ist ein Rauchverbot in Autos verfassungskonform, sofern Minderjährige anwesend sind. "Die Verhältnismäßigkeit eines solchen Verbots ist unstrittig", heißt es im Antrag der NRW-Regierung.

Bereits jetzt existieren Auto-Rauchverbote in zahlreichen Staaten, darunter Großbritannien, Italien, Griechenland, Frankreich, Südafrika und Australien. Zuletzt hatte Österreich das Rauchen im Auto untersagt, wenn Kinder an Bord sind.

Passivrauchen: Mehr als 3300 Todesfälle jährlich

In Deutschland sterben jährlich mehr als 3300 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens. Geschlossene Räume machen das Passivrauchen besonders gefährlich, das gilt insbesondere für Autos und ihre verhältnismäßig kleinen Innenräume. "Nach Messungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) liegt die Schadstoffkonzentration in einem verrauchten Auto fünf Mal so hoch wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar", heißt es in dem NRW-Antrag.

Kinder sind noch gefährdeter als Erwachsene, da sich die Giftstoffe bei ihnen auf eine geringere Körpermasse verteilen und ihre Atemfrequenz höher ist. Hinzu kommt, dass viele Organe und Funktionen des Körpers noch nicht voll ausgebildet sind, darunter auch die Möglichkeit zur Entgiftung von Schadstoffen. Die nachgewiesenen Folgen reichen von häufigeren Mittelohrentzündungen über lebenslange Lungenschäden bis hin zu einem erhöhten Krebsrisiko.

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Auch Ungeborenen leiden bereits unter dem Rauch, da viele der Giftstoffe die Plazenta passieren und in ihren Blutkreislauf gelangen, wo sie der Entwicklung schaden. Nach der Geburt steigt außerdem das Risiko für einen plötzlichen Tod. Passivrauchen gilt laut DKFZ bei bis zur Hälfte der Fälle von plötzlichem Kindstod als Ursache.

irb

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