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Gesundheit

Nach historischem Tief

Zahl der Organspender steigt erstmals wieder

2018 ist noch nicht zu Ende - trotzdem gibt es in diesem Jahr bereits mehr Organspender als im ganzen Jahr 2017. Den Grund dafür sehen Experten bei aufmerksameren Ärzten und Pflegern.

DPA

Organtransportbox

Donnerstag, 22.11.2018   16:26 Uhr

Nach Jahren des Rückgangs hat die Zahl der Organspender in Deutschland erstmals wieder zugenommen. Bis Mitte November wurden 832 Spender registriert - mehr als im gesamten Vorjahr, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf ihrem Jahreskongress in Frankfurt am Main mitteilte. 2017 wurden in Deutschland 797 Spendern Organe entnommen, das war der niedrigste Stand seit 20 Jahren.

Auch die Zahl der entnommenen Organe stieg in diesem Jahr. Bislang konnten den Angaben zufolge 2566 Organe aus Deutschland an schwerkranke Patienten vermittelt werden. Es handelte sich um 1317 Nieren, 245 Herzen, 286 Lungen, 644 Lebern, 72 Bauchspeicheldrüsen und zwei Dünndärme. "Jedes einzelne Organ bedeutet Hoffnung für schwerkranke Menschen, für die es keine anderen Therapiemöglichkeiten mehr gibt", erklärte die DSO.

Wenige Spender: Hauptproblem liegt in den Krankenhäusern

Einen der Gründe für den positive Trend vermutet die Organisation in der öffentlichen Diskussion um die geringen Spenderzahlen. Allein die verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema habe vermutlich dazu geführt, "dass Ärzte und Pflegende im Klinikalltag häufiger an die Möglichkeit von Organspenden denken und den Kontakt zu uns aufnehmen", erklärte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO.

Die geringe Zahl der Organspenden in Deutschland lässt sich vor allem mit Problemen in den Krankenhäusern erklären - und nicht etwa mit der geringen Bereitschaft der Bevölkerung. Einer Studie zufolge wenden sich Kliniken bei potenziellen Organspendern viel zu selten an die DSO, um die Möglichkeit einer Spende abzuklären. Als Spender kommen alle Verstorbenen infrage, die unter einer schweren, unumkehrbaren Hirnschädigung leiden, beatmet werden und bei denen keine Krankheit vorliegt, die eine Organspende ausschließt.

Daneben habe die öffentliche Debatte aber auch in der Bevölkerung zu mehr Diskussionen geführt, sodass die Frage nach einer möglichen Organspende die Angehörigen seltener unvorbereitet trifft, berichtet die DSO. Bundesweit stehen der Organisation zufolge etwa zehntausend schwerkranke Menschen auf der Warteliste für eine Organspende. Täglich sterben im Schnitt drei von ihnen, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht.

Spahn für Widerspruchlösung

Die Bundesregierung arbeitet aktuell daran, die Organspende zu stärken. Ein Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, Kliniken besser zu vergüten und die Position der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern zu stärken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will außerdem erreichen, dass die Organe künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch in kleineren Krankenhäusern entnommen werden können.

Die DSO begrüßte die angestoßenen Reformen. "Die Maßnahmen setzen genau da an, wo Schwachstellen in der Organisation und Zusammenarbeit mit den Entnahmekrankenhäusern bestehen", erklärte Rahmel.

Außerdem wird derzeit über eine Widerspruchslösung diskutiert, die alle Menschen in Deutschland automatisch zu Organspendern macht. Nur wer ausdrücklich widerspricht (auch vertreten durch Angehörige), wird ausgenommen. Diese Regelung könnte nach Ansicht der DSO dazu beitragen, dass "die Organspende am Lebensende zur Selbstverständlichkeit wird". Auch Spahn unterstützt die Einführung der Widerspruchslösung. Bislang ist eine explizite Zustimmung für eine Organspende erforderlich.

Im Video: Organspende via Facebook - Bitte eine Niere

Foto: dbate

irb/AFP

insgesamt 9 Beiträge
Micirio 22.11.2018
1. Unverständnis
Ich werde nie verstehen, warum man kein Organspender sein möchte. Die Organe werden doch selten entnommen, retten wenn doch Leben und verrotten oder verbrennen nach dem Tod. Letzteres ist einfach sinnlos und vielleicht sogar [...]
Ich werde nie verstehen, warum man kein Organspender sein möchte. Die Organe werden doch selten entnommen, retten wenn doch Leben und verrotten oder verbrennen nach dem Tod. Letzteres ist einfach sinnlos und vielleicht sogar egoistisch.
moonstruckannalist 22.11.2018
2. Zu dem ersten Punkt mag es persönliche Gründe geben
Aber Organe eines Senioren zu verpflanzen, und das ist die Mehrheit der Bevölkerung, ist auf lange Sicht einfach keine Lösung, das hat mit Egoismus wohl kaum etwas zu tun. Bei knapp 1000 Organspendern in Deutschland wird [...]
Zitat von MicirioIch werde nie verstehen, warum man kein Organspender sein möchte. Die Organe werden doch selten entnommen, retten wenn doch Leben und verrotten oder verbrennen nach dem Tod. Letzteres ist einfach sinnlos und vielleicht sogar egoistisch.
Aber Organe eines Senioren zu verpflanzen, und das ist die Mehrheit der Bevölkerung, ist auf lange Sicht einfach keine Lösung, das hat mit Egoismus wohl kaum etwas zu tun. Bei knapp 1000 Organspendern in Deutschland wird klar, dass die freiwillige Organspende gescheitert ist und man sich endlich um Alternativen in der Forschung bemühen sollte.
pirx64 22.11.2018
3.
Vielleicht, weil es mit der Patientenverfügung kollidiert? Entweder Spender oder Patientenverfügung, beides gleichzeitig geht schlecht, einem schon Toten können Sie kein Herz, Leber, Niere usw. entnehmen, er muss an [...]
Zitat von MicirioIch werde nie verstehen, warum man kein Organspender sein möchte. Die Organe werden doch selten entnommen, retten wenn doch Leben und verrotten oder verbrennen nach dem Tod. Letzteres ist einfach sinnlos und vielleicht sogar egoistisch.
Vielleicht, weil es mit der Patientenverfügung kollidiert? Entweder Spender oder Patientenverfügung, beides gleichzeitig geht schlecht, einem schon Toten können Sie kein Herz, Leber, Niere usw. entnehmen, er muss an lebenserhaltenden Systemen angeschlossen sein.
fatherted98 23.11.2018
4. Mangelnde Information....
....Organspender in Deutschland sind nicht tot...sondern Hirntot. Das heißt die Organe werden Lebenden ohne Narkose entnommen....und das, dass Hirn (Bewusstsein) die Schmerzen nicht mehr registriert ist nicht erwiesen (wie [...]
Zitat von MicirioIch werde nie verstehen, warum man kein Organspender sein möchte. Die Organe werden doch selten entnommen, retten wenn doch Leben und verrotten oder verbrennen nach dem Tod. Letzteres ist einfach sinnlos und vielleicht sogar egoistisch.
....Organspender in Deutschland sind nicht tot...sondern Hirntot. Das heißt die Organe werden Lebenden ohne Narkose entnommen....und das, dass Hirn (Bewusstsein) die Schmerzen nicht mehr registriert ist nicht erwiesen (wie auch....es kann keiner mehr gefragt werden). Im übrigen...es gibt genug Organspender in Deutschland....die meisten Kliniken scheuen sich jedoch aus Kostengründen überhaupt Organe zu entnehmen....das führt zu einer künstlichen Verknappung die durch den Gesetzgeber (sprich Kostenerstattung durch die Kassen) so gewollt ist. Daran werden auch Widerspruchsregeln nichts ändern....selbst wenn jeder Organe spenden möchte....wenn es keine Krankenhäuser gibt die diese entnehmen.....tja.
bln49 23.11.2018
5. Selbstbestimmt im Leben und im Tod
Der Begriff "egoistisch" für Menschen, die keine Organspende möchten, ist aus meiner Sicht völlig unangemessen. Es ist ein hohes Gut, selbst bestimmen zu können, welche Eingriffe man seinem Körper zumutet, ob als Lebender [...]
Der Begriff "egoistisch" für Menschen, die keine Organspende möchten, ist aus meiner Sicht völlig unangemessen. Es ist ein hohes Gut, selbst bestimmen zu können, welche Eingriffe man seinem Körper zumutet, ob als Lebender oder Hirntoter. Daran, auch unter Berücksichtigung unserer Geschichte, sollten wir nicht rütteln. Für das Thema sensibilisieren, zur Organspende motivieren, die Abläufe in den Kliniken verbessern, das ist der Weg, nicht ein Zwang und auch kein Zwang zum Widerspruch.

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