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Gesundheit

Periorale Dermatitis

Wenn Pflege die Haut krank macht

Die Haut spannt und juckt, vor allem um den Mund: Wer unter einer Perioralen Dermatitis leidet, deutet die Beschwerden oft falsch und versucht, mit Creme gegenzusteuern. Das verschärft das Problem.

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Auch Make-up kann schaden

Montag, 25.03.2019   11:22 Uhr

Der Mundbereich spannt, es bilden sich kleine rote Pusteln, die jucken oder brennen. Viele denken bei den Beschwerden erst einmal an trockene Haut. Doch wer mit extra viel Creme dagegenhält, verschärft das Problem nur noch. Denn eine sogenannte Periorale Dermatitis wird durch zu viel Pflege verursacht.

"Die Periorale Dermatitis äußert sich durch entzündliche, gerötete, spitzkegelige Papeln oder Knötchen, die etwa ein bis zwei Millimeter groß sind. Sie können auch zu kleinen Flächen zusammenfließen, zu Bläschen werden oder fein abschuppen", erklärt Cord Sunderkötter. Er ist Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Halle an der Saale.

Typisch für eine Periorale Dermatitis sind Probleme in den Lachfalten zwischen Mund und Wange, direkt um den Mund oder an den seitlichen Unterlidern im Augenbereich, so Sunderkötter weiter. Am Mund lässt sich die Krankheit durch eine kleine Aussparung rund um das Lippenrot erkennen: Dort ist die Haut nicht gerötet, die Reizung beginnt einige Millimeter von den Lippen entfernt.

Eine der am häufigsten fehldiagnostizierten Hauterkrankungen

Oft lässt sich eine Periorale Dermatitis nicht leicht erkennen, weil die Hautveränderungen nicht sehr stark sind - das macht sie tückisch. "Viele Patienten bekommen vom Hausarzt eine Kortisoncreme verschrieben", sagt Jens Tesmann, Dermatologe aus Stuttgart und Mitglied des Berufsverbands der deutschen Dermatologen.

Mit Kortison werde die Periorale Dermatitis zwar schnell besser, so Tesmann - "aber sie kommt umso stärker zurück, wenn man die Creme absetzt." Deshalb gehöre die Krankheit zu den Hauterkrankungen, die am häufigsten fehldiagnostiziert werden.

Brennt und juckt es um den Mund oder an den Augenlidern und zeigen sich rote Knötchen, sollten Betroffene auf keinen Fall selbst zur Creme greifen. "Periorale Dermatitis ist eine der wenigen Hauterkrankungen, bei denen man etwas weglassen muss, damit sie besser wird", sagt Sunderkötter.

Ein "Treibhaus für pathogene Keime"

Verursacht wird die Krankheit bei Menschen mit entsprechender Veranlagung oft durch anhaltenden Gebrauch von Kosmetika, vor allem durch feuchtigkeitsspendende Cremes. Zu den weiteren Auslösern zählen Überpflege mit Gesichtswasser und Waschlotion oder stark deckendes Make-up. Da die Haut nicht atmen könne, entstehe unter der Deko-Schicht ein "Treibhaus für pathogene Keime", sagt Tesmann.

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Früher wurde die Periorale Dermatitis deshalb auch als "Stewardessenkrankheit" bezeichnet: Flugbegleiter sind meist stark geschminkt, wechseln die Klimazonen und haben unregelmäßige Schlafzeiten. All das bedeutet Stress - auch für die Haut.

"Es fing ganz klassisch an - mit kleinen roten Pusteln in Nähe der Mundwinkel", erinnert sich Saskia Tieberg (Name geändert - d. Red.). Der Ausschlag wurde innerhalb weniger Tage deutlich stärker. Sechs Wochen lang kämpfte Tieberg mit den Problemen.

Die 36-Jährige ist davon überzeugt, dass privater Stress den brennenden Ausschlag begünstigte. "Ich benutze seit Jahren die gleichen sehr milden und hautverträglichen Pflege- und Kosmetikprodukte", sagt sie. "Es gab also keinen Wechsel, der verantwortlich gewesen sein könnte." Doch genau das ist ein typischer Irrglaube.

"Wer anhaltend Kosmetika verwendet, auch über Jahre dieselben Produktlinien, bei dem kann irgendwann der Zeitpunkt erreicht sein, bei dem die Haut sehr gereizt ist", sagt Sunderkötter.

Nulldiät für die Haut

Betroffene brauchen Geduld: "Die Periorale Dermatitis kann nicht schnell behandelt werden", sagt Dermatologe Tesmann. "Es dauert Wochen. Darauf müssen sich die Patienten einstellen." Am besten sei eine Art Nulldiät für die Haut, um ihr Zeit für die Regeneration zu geben.

Als Unterstützung empfiehlt der Arzt Schwarzteeumschläge: Dafür müssen Betroffene einen sehr starken schwarzen Tee kochen, abkühlen lassen, ein dünnes Baumwolltuch darin tränken und auf die Hautstellen legen. "Die Gerbstoffe beruhigen die Haut und helfen auch dabei, dass die Rötungen nachlassen", erläutert Tesmann.

Auch Cord Sunderkötter rät zu diesem Hausmittel. "Sollte es sich um eine sehr starke Form der Perioralen Dermatitis handeln, können Dermatologen auch eine entzündungslindernde Creme verschreiben."

irb/dpa, von Corinna Kuhs

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