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Gesundheit

Gesund im Alter

Rauchstopp lohnt sich auch später im Leben

Rauchen im Alter wird aus Sicht der Gesundheitswissenschaften ein immer drängenderes Problem. Die gute Nachricht: Wer noch in höheren Lebensjahren umsteuert, hat davon nur Vorteile.

focusandblur/ iStockphoto/ Getty Images

Insbesondere die Zahl der älteren Frauen steigt, die rauchen

Dienstag, 10.09.2019   11:14 Uhr

Seit Jahren sinkt die Zahl der jungen Raucher - eine erfreuliche Entwicklung. Doch gleichzeitig gibt es immer mehr ältere Menschen, die an der Zigarette hängen bleiben: Bei den Männern ist der Raucheranteil in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen zwischen 2009 und 2017 um fast neun Prozent auf nahezu ein Viertel gewachsen, bei den Frauen sogar um knapp 80 Prozent auf 18,3 Prozent.

Grund für die Zunahme älterer Raucher ist schlicht die demografische Entwicklung: "Die gestiegenen Raucheranteile in den höheren Altersgruppen sind vor allem dadurch zu erklären, dass sich die Raucher der mittleren in höhere Altersgruppen verschieben", sagt Ute Mons, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Denn in höherem Alter fängt kaum jemand von Neuem an zu rauchen. Die hohe Zunahme bei den Frauen liege daran, dass vor den Sechziger-, Siebzigerjahren Frauen nur ganz selten zum Glimmstängel gegriffen hätten, erklärt Mons.

Lungenkrebsrisiko nach zehn Jahren halbiert

Mitunter denken Raucher in den Fünfzigern oder Sechzigern, es sei nun ohnehin egal und Aufhören lohne sich nicht mehr. Aber das ist ein Irrglauben, meint Mons. Allein Kurzatmigkeit, Husten und Leistungsschwäche verbesserten sich schon nach Tagen und wenigen Wochen. Und auch die Risiken für langfristige gesundheitliche Folgeschäden ließen sich deutlich reduzieren.

Denn auch bei schweren Erkrankungen dauert es nicht lange, bis sich positive Wirkungen zeigen, so Mons: "Verbannt ein Sechzigjähriger die Kippen aus seinem Leben, ist sein Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko schon innerhalb von fünf bis zehn Jahren deutlich geringer." Nach zwanzig Jahren gleiche sein Risiko, solche Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen, dem eines Nichtrauchers. Auch in Bezug auf Krebs helfe eine späte Abstinenz: Zehn bis zwanzig Jahre nach der letzten Kippe sinke das Krebsrisiko deutlich, erläutert die Gesundheitswissenschaftlerin, das Lungenkrebsrisiko halbiere sich innerhalb von zehn Jahren.

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Der Lungenfacharzt Robert Loddenkemper ist ebenfalls der Ansicht, dass sich Aufhören auch im höheren Alter noch lohnt: "Es ist nie zu spät aufzuhören." Messungen des Ausatemstoßes hätten bereits 1977 gezeigt, dass Abstinenz selbst im Alter von 65 Jahren noch Tod und Behinderung um rund fünf Jahre hinauszögern kann. Bei einem Rauchstopp mit 45 Jahren beträgt der Aufschub etwa zehn Jahre.

Starker Suchtstoff - psychische Abhängigkeit

Auch von kardiologischer Seite ist der Abschied vom Qualmen Experten zufolge ratsam. Ein Rauchstopp nach Bypass-Operationen, die in der Regel an älteren Patienten durchgeführt werden, verlängere die Lebenserwartung um drei Jahre, sagt Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. "Der Effekt des Aufhörens ist größer als der des Eingriffs."

Da Nikotin ein sehr starker Suchtstoff ist, fällt das Aufhören langjährigen Rauchern sehr schwer. Ein Entzug sei mit Reizbarkeit, Schweißausbrüchen und schlechtem Schlaf verbunden - Symptome, die aber nach ein bis zwei Wochen überstanden seien, sagt Mons.

Problem Tabakwerbung

Mehr Probleme mache hingegen die psychische Abhängigkeit. Das Rauchen sei mit bestimmten Alltagssituationen verbunden wie die Zigarette zum Kaffee oder beim Warten auf den Bus, sodass man ständig in Versuchung gerate. Äpfel oder Kaugummis als Ersatz könnten da helfen. Mons rät zu Entwöhnungskursen. Deren Anbieter und die Hausärzte müssten sich aber besser verzahnen.

Der Verzicht auf den Glimmstängel wird nach Überzeugung von Mons den Rauchern hierzulande nicht leicht gemacht. "Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem noch Kino- und Außenwerbung sowie die Abgabe von Zigaretten bei Events erlaubt sind."

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Der erfolgversprechendste Weg, um das Qualmen zu reduzieren oder zu unterbinden, führt nach ihrer Überzeugung über den Geldbeutel. Die Abgaben für den Konsumenten müssten - nach der letzten deutlichen Tabaksteuererhöhung 2005 - wieder schmerzhafter werden. Damals habe sich die Raucherzahl stark verringert und junge Menschen seien gar nicht erst auf die Idee gekommen anzufangen. Mons plädiert für eine weitere deutliche Preiserhöhung: "Eine Steuererhöhung von zehn Prozent bringt einen Konsumrückgang um fünf Prozent."

hei/dpa

insgesamt 13 Beiträge
Sibylle1969 10.09.2019
1.
Mein Vater hat mit 65 nach über 40 Jahren starkem Rauchen (drei Päckchen Reval ohne Filter pro Tag) mit dem Rauchen aufgehört. Heute ist er 85. Mit ziemlicher Sicherheit würde er heute nicht mehr leben, wenn er weiter geraucht [...]
Mein Vater hat mit 65 nach über 40 Jahren starkem Rauchen (drei Päckchen Reval ohne Filter pro Tag) mit dem Rauchen aufgehört. Heute ist er 85. Mit ziemlicher Sicherheit würde er heute nicht mehr leben, wenn er weiter geraucht hätte. Mit 81 hatte er zwar einen Schlaganfall, aber seine Lunge hat sich anscheinend noch einigermaßen regeneriert. Der Vater eines Freundes, ebenfalls starker Raucher, ist hingegen mit 74 an COPD gestorben. Er hat bis zum Tod geraucht.
martine-primus 10.09.2019
2. Rauchen ist Sch**sse!
mein Vater hat ebenfalls immer geracht - drei Schachteln Rothändle ohne täglich. Die Urlaubsfahrten im Auto waren für mich als Kind die Hölle, da auch meine Mutter immer mal rauchte. Die Atemluft war blau! Vor ca. 15 Jahren [...]
mein Vater hat ebenfalls immer geracht - drei Schachteln Rothändle ohne täglich. Die Urlaubsfahrten im Auto waren für mich als Kind die Hölle, da auch meine Mutter immer mal rauchte. Die Atemluft war blau! Vor ca. 15 Jahren hat er aufgehört (mit ca. 55). Meine Mutter auch endgültig. Aber er leidet an COPD. Ich kenne viele Männer (Nachbarschaft), die das Alter um die 75 haben und an COPD erkrankt sind. Sie sind nicht mehr belastbar. Alle haben vor Jahren aufgehört, aber die COPD blieb. Selbst ein Spaziergang ist bei meinem Vater tagesformabhängig. Mein Nachbar kann gerade noch zum Auto laufen. Es ist wirklich furchtbar, dass man die Fehler seiner Jugend, als man anfing, nicht mehr rückgängig machen kann. ABer noch unverständlicher ist es mir, dass es überhaupt heutzutage noch einer wagt, mit dem Rauchen anzufangen. Die Aufklärung ist doch nun so gut, besser geht es nicht! Und dass Deutschland - Lobbyland mal wieder eine Ausnahme in der EU ist, wundert auch niemanden mehr. Traurig!
entejens 10.09.2019
3. "Wer noch in höheren Lebensjahren umsteuert, hat davon nur Vorteile."
Das ist mir zu pauschal und zu optimistisch. Meine Frau hatte es versucht, mit Rauchen aufzuhören, mit dem Effekt, daß sie in kurzer Zeit ca. 15 kg zugenommen hat (und damit deutlich übergewichtig wurde). Hier traten also [...]
Das ist mir zu pauschal und zu optimistisch. Meine Frau hatte es versucht, mit Rauchen aufzuhören, mit dem Effekt, daß sie in kurzer Zeit ca. 15 kg zugenommen hat (und damit deutlich übergewichtig wurde). Hier traten also definitiv 2 gesundheitliche Nachteile auf: Übergewicht und starke negative psychische Auswirkung. Sie hat wieder angefangen und mit einer Ernährungsumstellung (z. B. ein Tag pro Woche annähernd kohlehydratefrei, weniger Fleisch und Wurst) sowie noch mehr Bewegung in 18 Monaten die 15 kg wieder abgenommen. Auch der Versuch des Umweges über die E-Zigarette schlug (vorerst) fehl: In 2 Wochen eine Gewichtszunahme von 3 kg. Die Auswirkungen der Veränderung des Stoffewechsels aufgrund des Nikotinentzugs sind also auch nicht zu unterschätzen.
fritzstark 10.09.2019
4. Schlafen gegen Sucht
vom Jugendlichem Alter bis 50 20/Tag geraucht. Urlaub mit Familie in südlicher Toskana. Meine Absicht, aufzuhören nicht angekündigt. Bei der Ferienwohnung im Schatten unter einer Pinie im Liegestuhl geschlafen statt zu [...]
vom Jugendlichem Alter bis 50 20/Tag geraucht. Urlaub mit Familie in südlicher Toskana. Meine Absicht, aufzuhören nicht angekündigt. Bei der Ferienwohnung im Schatten unter einer Pinie im Liegestuhl geschlafen statt zu rauchen. Ist jetzt 21 Jahre her, seither nicht mehr geraucht, nur vor ca 17 Jahren eine übriggebliebene Havanna mit Freunden geteilt - die Sucht kam nicht zurück. Keine Pflästerchen oder sonstiger Ersatz nötig.
K. Larname 10.09.2019
5.
Noch ein Erfahrungsbericht: Um die 40 Jahre starker Raucher, einerseits keine Ambitionen aufzuhören, andererseits aber vermehrt unzufrieden mit Dreck, Gestank und auch Geschmack. Ich habe dann dem Dampfen (eZigarette) [...]
Noch ein Erfahrungsbericht: Um die 40 Jahre starker Raucher, einerseits keine Ambitionen aufzuhören, andererseits aber vermehrt unzufrieden mit Dreck, Gestank und auch Geschmack. Ich habe dann dem Dampfen (eZigarette) einfach mal eine Chance gegeben, ein/zwei Wochen Umgewöhnung durchgestanden und bin nun hochzufriedener Dampfer. Ich stehe zu meiner Nikotinsucht - ich dampfe nicht, um aufzuhören. Es ist geschätzte 95% unschädlicher als Rauchen und produziert keinen Gestank und keinen Dreck. Und es schmeckt wieder, im Gegensatz zur Endphase des Rauchens. Ich kann beurteilen, dass ein starker Raucher umsteigen kann und dass es einem ehemaligen starken Raucher schmecken kann. Das Einzige, das man aufbringen muss, ist die Willenskraft, den Umstieg durchzustehen, ohne zur Zigarette zu greifen. Techniken kennenlernen, Liquids kennenlernen, die richtige Stärke finden. Bei mir wie gesagt zwei Wochen, es wäre aber absolut übertrieben von "total schwer" zu sprechen. Ein wenig "Schmachter" beim Herausfinden der richtigen Technik, Liquids und Stärken und dann war gut. Üblicherweise fängt man stark an, z.B. Stärke 12 oder 18, und dosiert sich dann runter, bis die richtige Stärke gefunden ist. Ich hatte zu mild angefangen, weil Dampfen anfangs kratzt und ich es für zu stark hielt. Je länger ich dampfte statt rauchte, umso mehr nahm ich den Gestank des Rauchens wahr. Das war auch eine interessante Erkenntnis. Man ist als Raucher so abgestumpft aufgrund natürlicher Geruchs-Gewöhnung, dass man Nichtraucher-Aussagen zum Gestank immer als Übertreibung abtut. Die "Duft-Aura" eines Rauchers - auch wenn er gerade nicht raucht - ist schon erstaunlich intensiv, das hatte ich nicht erwartet und war ziemlich überrascht. Niemand kann anhand von "mal probieren" beurteilen "das ist nichts für mich". Diese Erkenntnis und die oben erwähnte Willenskraft wünsche ich jedem Raucher. Es macht einfach Laune zu dampfen und schmeckt um Welten besser als Rauchen.
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