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Gesundheit

Wechseljahre

Typische Symptome - und was dagegen hilft

Hitzewallungen, vaginale Trockenheit, Stimmungsschwankungen - viele Frauen fürchten die Symptome der Menopause. Doch auch Männer können in die Wechseljahre kommen.

Silvia Jansen/ Getty Images

Die Symptome in den Wechseljahren können belastend sein, doch es gibt Gegenmittel

Montag, 29.04.2019   15:30 Uhr

Die Wechseljahre beginnen bei Frauen im Eierstock. Wenn die Reifung der Eizellen allmählich nachlässt, sinkt auch die Hormonproduktion. Insbesondere der Mangel an Östrogen macht sich im weiblichen Körperhaushalt bemerkbar und führt zu den typischen Beschwerden. Etwa 70 bis 80 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren haben Hitzewallungen, ein Drittel von ihnen stark. Häufig treten Schweißausbrüche und Schlafstörungen auf, viele Frauen berichten auch von einer Trockenheit der Scheide und gehäuften Blasenentzündungen.

Die Wechseljahre, in der Fachsprache Klimakterium genannt, beschreiben den natürlichen Lebensabschnitt von der fruchtbaren zur unfruchtbaren Phase einer Frau. Die Anzahl an Eizellen in den Eierstöcken ist mit der Geburt festgelegt. "Ab Eintritt in die Regelblutung werden jeden Monat Eizellen verbraucht - irgendwann ist das Reservoir geleert", erklärt Sybille Görlitz-Novakovic, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Berlin. "Das ist der Beginn der Wechseljahre." Meist dauern diese fünf bis zehn Jahre.

Menopause tritt meist mit 52 Jahren ein

Menopause nennt man den Zeitpunkt, an dem die Frau das letzte Mal ihre Regel bekommt, im Durchschnitt geschieht das mit 52 Jahren. Danach produzieren die Eierstöcke nur noch sehr geringe Mengen an Östrogen. Meist wird die Hormonproduktion nicht von einem auf den anderen Tag eingestellt. "Sie wird vielmehr langsam heruntergefahren. Erste Anzeichen für den Beginn der Wechseljahre sind oft Blutungsstörungen und ein unregelmäßiger Zyklus", sagt die Gynäkologin. Dann bemerken Frauen die ersten Symptome.

Welche Beschwerden wie stark auftreten, ist verschieden. Die Therapie sollte darauf angepasst sein: "Manche Frauen leiden sehr unter den Symptomen und setzen große Hoffnung in die Einnahme von Hormonen", sagt Görlitz-Novakovic. Jahrelang gingen Ärzte davon aus, solche Hormonersatztherapie könnten das Krebsrisiko erhöhen. Sie wurden deshalb nur zögerlich eingesetzt. Inzwischen ist die Annahme jedoch in mehreren Studien widerlegt worden. Generell wird eine Hormontherapie jedoch nur bei starken Beschwerden in den Wechseljahren empfohlen.

Auch über Peinliches offen reden

Sie rät Patientinnen, mit Ärzten offen über die Beschwerden zu reden, auch wenn es unangenehm erscheinen mag. "Etwas stiefkindlich behandelt wird oft die Vaginalatrophie. Das ist eine Scheidenfunktionsstörung", erklärt Görlitz-Novakovic. Dadurch kann es zu Trockenheit und Schmerzen im Intimbereich kommen. "Häufig wird das nicht thematisiert, obwohl die Frauen extrem darunter leiden." Hilfreich könne dann zum Beispiel eine vaginale Laserbehandlung sein.

Neben der medizinischen Behandlung können Frauen selbst Maßnahmen ergreifen, um Beschwerden zu lindern: "Wenn Patientinnen sich in erster Linie müde und abgeschlagen fühlen, können eine gute Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel helfen", sagt die Ärztin. Und regelmäßig Sport treiben.

Männer können auch in die Wechseljahre kommen - der Begriff wird hier seltener verwendet. "Zum Beispiel berichten Männer, dass es zu einer allgemeinen Verschlechterung des Wohlbefindens gekommen ist, sie stärker schwitzen, Schlafstörungen und stärkere Stimmungsschwankungen haben", erklärt Professor Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Zudem kann es zu einer abnehmenden Libido oder Erektionsstörungen kommen.

Bei Männern sind genauso die Hormone verantwortlich: In der Regel liege es am Testosteron, sagt Sommer. Zudem spielen individuelle körperliche Veränderungen in dieser Altersphase eine große Rolle. "Es nimmt nicht nur die Muskelkraft ab, sondern auch der Bauchumfang langsam zu. Das sogenannte schlechte Bauchfett ist zusätzlich dafür verantwortlich, dass das Testosteron in weibliche Hormone verstoffwechselt wird", erklärt Sommer.

Vorbeugen können Männer, indem sie auf ihren Lebensstil achten, sich regelmäßig bewegen, muskelstimulierende Übungen ausführen, sich ausgewogen ernähren und Stress vermeiden. Bei sehr starken Beschwerden sei eine Behandlung mit Medikamenten oder Hormonen möglich: "Manchmal hilft es, über einen gewissen Zeitraum Testosteron zuzuführen, bis die Männer mehr Antrieb haben, um ihren Lebensstil positiv zu verändern", erklärt Sommer. Andere sind ihr Leben lang auf die Hormonzufuhr angewiesen - da komme es auf den Einzelfall an.

Im Video: Sexualhormone - Testosteron und Östrogen

Foto: NZZ Format

koe/dpa

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