Epidemie
WHO erklärt Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall
Genf - Seuchenexperten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben die Ebola-Epidemie als internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Das teilte die WHO am Freitag in Genf mit. Damit kann die Organisation jetzt weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen.
Das Ebola-Virus hat sich seit Anfang des Jahres von Guinea nach Sierra Leone und Liberia ausgebreitet, auch in Nigeria gibt es Infizierte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben in Westafrika bisher 932 Menschen an dem aggressiven Erreger. Mehr als 1700 Menschen haben sich infiziert.
Der Ausschuss schlägt Maßnahmen vor, die jene Staaten, in denen sich Ebola ausbreitet, umsetzen müssen. Darunter sind unter anderem diese Aktionen:
- Der Staatschef sollte den nationalen Notstand ausrufen und sich persönlich an seine Nation wenden, um die Menschen über die Lage zu informieren.
- Dem Staatschef soll ein nationales Krisenzentrum direkt unterstellt sein. Dieses Zentrum koordiniert die Maßnahmen gegen Ebola. Dazu zählen etwa die Infektionsprävention und -kontrolle, das Aufklären der Bevölkerung über Erreger und Krankheit, Labortests, das Ermitteln von möglicherweise infizierten Kontaktpersonen Erkrankter.
- Lokale Führer und traditionelle Heiler sollen mit einbezogen werden, damit Fälle in der Bevölkerung schnell entdeckt werden und alle wissen, dass eine frühzeitige Behandlung Vorteile hat.
- Die Versorgung mit medizinischen Gütern, insbesondere mit Schutzkleidung, muss für alle gewährleistet sein, die mit Erkrankten in Kontakt kommen - das gilt für Pflegepersonal, aber auch für Mitarbeiter in Laboren, Putzkolonnen und Totengräber.
- Falls unbedingt nötig sollen Gebiete unter Quarantäne gestellt werden.
- An internationalen Flughäfen, Häfen sowie größeren Grenzübergängen sollen alle Menschen genau kontrolliert werden - mindestens soll ihre Temperatur gemessen werden. Bei Anzeichen für eine Infektion sollte die Ausreise untersagt werden.
- Massenveranstaltungen sollten verschoben werden.
WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, dass sie die Empfehlungen des Notfall-Komitees vollständig angenommen hat und damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setzt.
Derzeit hält das Notfall-Komitee keine weltweiten Verbote im Reiseverkehr für nötig. Reisende müssen aber über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung informiert werden, heißt es in den WHO-Empfehlungen. Ebola-Patienten sollen demnach nur in Ausnahmefällen reisen dürfen, wenn eine medizinische Behandlung vor Ort nicht hinreichend möglich ist.
Zuletzt hatte die WHO das Wiederkehren der Kinderlähmung (Polio) in mehreren Staaten als internationalen Gesundheitsnotfall (englisch: Public Health Emergency of International Concern, kurz PHEIC) eingestuft.
VERBREITUNG VON EBOLA
Das ist passiert:
- Im März meldet Guinea einen Ebola-Ausbruch. Das Virus breitet sich nach Liberia, Sierra Leone und Nigeria aus. Im August gibt es einen Fall im Senegal.
- Am 8. August erklärt die WHO die Epidemie zum internationalen Gesundheitsnotfall.
- Mehrere erkrankte Helfer werden nach Europa und in die USA ausgeflogen.
- Seit Beginn des Ausbruchs haben sich laut WHO 6263 Menschen angesteckt, 2917 von ihnen sind gestorben. (Stand: 24.9.)
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wbr/dpa




