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Gesundheit

Ex-McDonald's-Manager

"Fast Food ist Kindesmisshandlung"

Harald Sükar arbeitete 13 Jahre lang für McDonald's, zuletzt als Geschäftsführer. Im Interview erklärt er, warum er Kinder nie mehr in ein Fast-Food-Restaurant mitnehmen würde - auch nicht ausnahmsweise.

kiankhoon/ iStockphoto/ Getty Images

Burger, Pommes, Cola - "mit nur einer Mahlzeit hat ein Kind den Zuckerbedarf von fast fünf Tagen gedeckt"

Ein Interview von
Montag, 08.07.2019   10:24 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Herr Sükar, warum haben Sie Jahre gebraucht, um zu merken, dass Fast Food ungesund ist?

Harald Sükar: Natürlich wusste ich, dass Burger und Pommes dick machen. Während meiner Zeit bei McDonald's habe ich aber jeden Tag die Unternehmensphilosophie eingeatmet, nach der es auf die Menge ankommt und ob sich die Leute genug bewegen. Heute weiß ich, dass in einer Burger-Boulette nichts drin ist, was zu einer gesunden Ernährung gehört.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Sükar: Vor zwei Jahren wog ich 111 Kilogramm bei einer Körpergröße von etwa 1,77 Meter. Es ging mir nicht gut und ich fragte mich, wie es dazu kommen konnte. Also fing ich im Urlaub an, Studien über gesunde Ernährung zu lesen. Ich stellte meine Essgewohnheiten radikal um, verzichte beispielsweise auf Fleisch. Mein Umfeld war von meiner Besessenheit so genervt, dass einige meinten, ich soll sie damit in Ruhe lassen und lieber ein Buch schreiben. Die Initialzündung kam aber erst, als ein achtjähriges Kind in meinem Umfeld an Diabetes erkrankte und bei ihm eine Fettleber diagnostiziert wurde.

Preisabfragezeitpunkt:
03.07.2019, 16:32 Uhr
Ohne Gewähr

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Harald Sükar
Die Fast Food-Falle: Wie McDonald's und Co. auf Kosten unserer Gesundheit Milliarden verdienen

Verlag:
edition a
Seiten:
256
Preis:
EUR 22,00

SPIEGEL ONLINE: Darf ich fragen, wie viel Sie jetzt wiegen?

Sükar: Etwa 89 Kilogramm. Ich habe aber nicht nur Gewicht verloren, es geht mir auch besser. Ich bin viel klarer im Kopf. Früher fühlte ich mich oft wie benebelt.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch schreiben Sie: "Fast Food ist Kindesmisshandlung". Finden Sie das nicht übertrieben?

Sükar: Das Zitat stammt ursprünglich von einem britischen Politiker. Ich habe es übernommen, weil ich es gerechtfertigt finde. Kinder können sich nicht wehren, wenn Erwachsene sie in Fast-Food-Restaurants schleppen. Auf sie wirken Zucker und Fett wie ein Rauschmittel, von dem sie abhängig werden. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er mit seinem dreijährigen Sohn vor Kurzem das erste Mal bei McDonald's war. Seitdem schreit der Kleine jedes Mal nach Pommes, wenn sie an einer Filiale vorbeifahren.

SPIEGEL ONLINE: Ab und zu ist Fast Food doch okay, oder?

Sükar: Nein. Heute würde ich mit Kindern niemals in ein Fast-Food-Restaurant gehen, auch nicht ausnahmsweise. Ein Menu aus Big Mac, mittlerer Portion Pommes, 0,4 Liter Cola und Eis zum Nachtisch enthält 119 Gramm Zucker, Ketchup nicht mit eingerechnet. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Kinder und Jugendliche maximal 25 Gramm pro Tag. Mit nur einer Mahlzeit hat ein Kind den Zuckerbedarf von fast fünf Tagen gedeckt. Das kann nicht gesund sein.

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SPIEGEL ONLINE: Warum sind Fast-Food-Restaurants gerade bei Kindern so beliebt?

Sükar: Dort dürfen sie laut sein, mit Fingern essen, selbst bestellen, bekommen Spielzeug. Zu meiner Zeit gab es noch den JuniorClub für Kinder, die dann zum Geburtstag Post von McDonald's bekamen. Für viele war es wahrscheinlich der erste Brief, den sie jemals erhalten haben.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie mit Ihrem Buch mit McDonald's abrechnen?

Sükar: Ich hege keinen Groll gegen McDonald's. Im Gegenteil, ich habe gern dort gearbeitet und die Firma damals aus ganz anderen Gründen verlassen. Aus meiner Sicht ist es ein unheimlich effizientes Unternehmen. Ich würde mir aber wünschen, dass diese Effizienz genutzt wird, um den Menschen Gutes zu tun, sie mit gesundem Essen zu versorgen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Fast-Food-Ketten drucken auf die Verpackung, wie viele Kalorien ein Burger enthält. Reicht das nicht?

Sükar: Nur zu wissen, wie viele Kalorien man aufnimmt, ist nicht genug. Auf die Nährstoffe kommt es an. Ich habe aus Spaß mal bei McDonald's nachgefragt, ob es stimmt, dass das Essen Phosphate enthält. Als Antwort bekam ich den Hinweis, selbst auf der Website nachzugucken. Ich finde das frech. Konsumenten sollten sich die Informationen nicht aufwendig suchen müssen. Und selbst wenn sie sie finden, können sie oft wenig damit anfangen, sie sind ja keine Ernährungsexperten.

SPIEGEL ONLINE: Was müsste sich ändern?

Sükar: Ich bin für eine klare Kennzeichnungspflicht, beispielsweise ein Ampelsystem. Dann könnte jeder Kunde sofort erkennen, wie ungesund ein Produkt ist. Eine Zuckersteuer wie in Großbritannien finde ich auch gut, weil ungesundes Essen teurer würde. Zu meiner Zeit gehörten gerade Menschen mit wenig Einkommen zu den treuesten Kunden, die bis zu fünfmal in der Woche zu uns kamen. Die größte Macht liegt aber bei den Konsumenten. Wenn sie kein ungesundes Essen mehr wollen, müssen Fast-Food-Ketten umdenken.

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SPIEGEL ONLINE: Wie kann McDonald's überhaupt Geld verdienen, wenn ein Hamburger nur einen Euro kostet?

Sükar: Die größte Marge bringen Getränke und Pommes. Deshalb will McDonald's, dass Kunden möglichst Menus bestellen. Ursprünglich gab es nur kleine Becher mit 0,3 Liter und große mit 0,5 Liter. Sechs von zehn Kunden entschieden sich damals für das kleine Getränk. Also führten wir 0,75-Liter-Becher ein und fragten die Kunden, ob sie ein kleines, mittleres oder großes Getränk haben wollen. Und siehe da: Plötzlich nahmen die meisten 0,5 Liter. Nicht, weil sie wirklich so viel trinken wollten, sondern weil sich Kunden in den meisten Fällen für die mittlere Portionsgröße entscheiden. Und schon hatten wir die Zuckerbombe an die Kunden gebracht.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten inzwischen als Unternehmensberater, unter anderem für ein soziales Gastronomie-Projekt. Hat das etwas mit Ihrem Buch zu tun?

Sükar: Ich habe schon das Gefühl, etwas gutmachen zu wollen. In dem Projekt backen Omas und Opas, die wenig Einkommen haben, vor Kunden und verdienen sich dadurch etwas dazu und sind gleichzeitig weniger einsam.

SPIEGEL ONLINE: Ist Kuchen nicht auch ungesund?

Sükar: Schon, aber wir tun nicht so, als sei er gesund und benutzen beispielsweise Haushaltszucker. Der ist weniger ungesund als Maissirup, der in vielen Fast-Food-Produkten verwendet wird. Außerdem weisen wir auf den Zuckergehalt hin.

insgesamt 240 Beiträge
rstevens 08.07.2019
1. Grundsätzlich richtig, aber mal wieder übertrieben
Ich finde die Aussagen grundsätzlich in Ordnung. Allerdings mal wieder völlig übertrieben. Kinder, die sich ausreichend bewegen, können durchaus auch mal bei Mc Donalds oder anderswo Fastfood essen. Das gilt vor allem dann, [...]
Ich finde die Aussagen grundsätzlich in Ordnung. Allerdings mal wieder völlig übertrieben. Kinder, die sich ausreichend bewegen, können durchaus auch mal bei Mc Donalds oder anderswo Fastfood essen. Das gilt vor allem dann, wenn die Ernährung sonst in Ordnung ist, also wenig Süßigkeiten, Wasser statt Säften und Softdrinks zum Durstlöschen und wenn sonst vernünftiges Essen auf den Teller kommt, also keine Fertignahrung. Ich halte nichts von Dogmen. Viel wichtiger ist, dass die Kinder insgesamt lernen, was vernünftige Ernährung ausmacht und dass man durchaus auch mal etwas essen kann, was nicht den modernen Vorstellungen von perfekter Ernährung entspricht, solange es in Maßen konsumiert wird und sie sonst lernen, wie vernünftige Ernährung aussieht. Harte Verbote machen Mc Donalds doch nur noch interessanter. Für Kinder, die jede freie Minute draußen rumrennen und z.B. Fußball spielen, sind 5-6 Mc-Donaldsbesuche im Jahr oder die gelegentlichen Pommes am Badesee mit Sicherheit keine Körperverletzung. Wenn Eltern ihre Kinder allerdings dauernd mit solchen Lebensmitteln vollstopfen und es z.B. zu jeder Gelegenheit Limonade und andere Softdrinks statt Wasser zu Trinken gibt, dann ist das in der Tat Körperverletzung. Letzteres gibt es leider viel zu häufig. Den betroffenen Kindern sieht man das leider meist an...
oliro 08.07.2019
2.
Das ist wirklich eine öde Geschichte. Mann, ehemaliger Mitarbeiter bei McD, massives Übergewicht, erkennt nach 13 Jahren, dass der McD-Frass gesundheitsschädlich ist und wendet sich ab. Das ganze verarbeitet er in einem Buch [...]
Das ist wirklich eine öde Geschichte. Mann, ehemaliger Mitarbeiter bei McD, massives Übergewicht, erkennt nach 13 Jahren, dass der McD-Frass gesundheitsschädlich ist und wendet sich ab. Das ganze verarbeitet er in einem Buch und hofft nun, einen Bestseller geschrieben zu haben. Herzlichen Glückwunsch.
bz16 08.07.2019
3. Ich weiß nicht...
...was diese Stimmungsmache und Pauschalisierungen immer sollen. Meine Kinder (4 und 8) waren rein statistisch betrachtet ca. 1x pro Lebensjahr bei einer Fast-Food-Kette essen. Beide geistig und körperlich topfit, weder [...]
...was diese Stimmungsmache und Pauschalisierungen immer sollen. Meine Kinder (4 und 8) waren rein statistisch betrachtet ca. 1x pro Lebensjahr bei einer Fast-Food-Kette essen. Beide geistig und körperlich topfit, weder Übergewicht noch Fettleber. Und Geschrei, wenn wir an einem McDoof vorbeigehen, habe ich in der Zeit auch noch nicht vernommen.
Gruenz 08.07.2019
4. Geht auch anders
Die Menüs lassen sich doch individuell zusammenstellen - z.B. BigMäc/Salat/Softdrink zuckerfrei oder Wasser - diese Kombi hat dann nur 10g Zucker/45g Kohlenhydrate. Das nennt man "freier Wille" oder Eigenverantwortung. [...]
Die Menüs lassen sich doch individuell zusammenstellen - z.B. BigMäc/Salat/Softdrink zuckerfrei oder Wasser - diese Kombi hat dann nur 10g Zucker/45g Kohlenhydrate. Das nennt man "freier Wille" oder Eigenverantwortung. Ob ein derartiges "Menü" dann einem 7 Euro wert ist steht auf einem anderen Blatt...
mschuldes 08.07.2019
5. Seltsam...
Ich habe mal eben geschaut: Burger plus Pommes kommen auf knapp 9 Gramm Zucker. Selbst wenn ich einen halben Liter Coke Classic und dann noch ein Eis mit Oreo nehme komme ich nicht auf die 119 Gramm Zucker. Kann der Mann KHs und [...]
Ich habe mal eben geschaut: Burger plus Pommes kommen auf knapp 9 Gramm Zucker. Selbst wenn ich einen halben Liter Coke Classic und dann noch ein Eis mit Oreo nehme komme ich nicht auf die 119 Gramm Zucker. Kann der Mann KHs und Zucker nicht unterscheiden? Dann hoffe ich, dass er nicht wirklich über Ernährung berät... Das immer alles völlig schwarz/weiss dargestellt wird ist echt nervig.
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